Spielzeit 2011

Das Familienstück
Meister Eder und sein Pumuckl

Familienstück von Ellis Kaut

Stückbeschreibung

Wer kennt ihn nicht, den kleinen Kobold mit den roten Haaren? In diesem Jahr darf der Klabautermann, gespielt von Ferdinand Schmidt-Modrow einen neuen Raum erobern. Die Schreinerwerkstatt von Meister Eder steht nämlich auf der Felsenbühne der Luisenburg-Festspiele.

Dort bleibt Pumuckl seit der Premiere am Dienstag, den 24.05., am Leimtopf kleben bleiben und wird für den Meister Eder sichtbar. Wie es das Koboldgesetz will, muss er fortan bei ihm bleiben. Das hindert ihn jedoch nicht daran, weitere Abenteuer zu erleben und den Menschen in seiner Umgebung, für die er noch immer unsichtbar ist, Streiche zu spielen. So begleiten wir den reimenden kleinen Kerl zum Beispiel in die Schule, sehen ihn Verbrecher entlarven und allerhand Schabernack treiben.

Das Regieteam ist auf der Luisenburg bekannt, da es bereits in den vergangenen Jahren unsere erfolgreichen Familienstücke auf die Bühne brachte. Petra Wüllenweber führt Regie, die Bühne hat Peter Engel gestaltet, die Choreographien stammen von Sebastian Eilers, die bunten Kostüme entwarf Heide Schiffer-El Fouly und die Maske liegt in den Händen von Lilli Schulteß. Natürlich wird auch dieses Mal wieder viel gesungen und getanzt und die Musik dazu stammt von Markus Reyhani. Wer die Lieder gerne zuhause hören möchte, kann für 5,- € die CD zu unserem Familienstück kaufen.

In „Meister Eder und sein Pumuckl“ spielen Dieter Fischer und Ferdinand Schmidt-Modrow, sowie Caroline Hetényi, Susanna Kratsch, Ina Meling, Uschi Reifenberger, Katharina Schwägerl, Hendrik Schall, Alfred Schedl, Andreas Schwaiger und Günter Ziegler.

Premiere: 24. Mai 2011

Besetzung

Meister Eder: Dieter Fischer

Pumuckl: Ferdinand Schmidt-Modrow

Frau Steinhauser: Katharina Schwägerl

Toni Schmitt: Alfred Schedl

Frau Stürzlinger, Hausmeisterin: Susanna Kratsch

Briefträger: Hendrik Schall

Denise, Schülerin:  Ina Meling

Aishe, Schülerin: Susanna Kratsch

Sabrina, Schülerin: Katharina Schwägerl

Chantal, Schülerin: Uschi Reifenberger

Kevin, Schüler: Hendrik Schall

Lehrer:  Andreas Schwaiger

Direktorin der Schule: Caroline Hetényi

Hausmeister: Alfred Schedl

Sportlehrer: Günter Ziegler

Gasmann: Andreas Schwaiger

Frau Thieme, Diebin: Ina Meling

Manfred, Nachbar : Alfred Schedl

Gisela, Nachbarin: Uschi Reifenberger

Musiker: Stefan Kassner (Baß), Markus Reyhani (Gitarre, Percussion, Keyboard),

Ralf Schumacher (Schlagzeug)

Regie: Petra Wüllenweber • Musik & Songtexte: Markus Reyhani • Choreographie: Sebastian Eilers • Bühne: Peter Engel • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly

Regieassistenz: Anna Rettinger – Lara Fischer (Hospitanz) • Inspizienz: Günter Ziegler • Souffleuse: Christa Guck • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Otto Geymeier (Tonmeister); Uwe Zitterbart (Microports) • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Der Klassiker
Nathan der Weise

Dramatisches Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing
Stückbeschreibung

Der Klassiker dieser Saison, „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, rundet das vielseitige Programm dieser Saison ab, das unter das Motto „Versöhnung“ gestellt werden könnte.

Schauplatz ist Jerusalem. Auf die heiligen Stätten erheben dreierlei Bewerber Anspruch: Moslems, Christen und Juden. Jeder sieht sich im Recht, hält seine Ansprüche aufrecht, doch wer hat die besten Argumente? Der Stärkste, der Klügste, der Reichste? Sind die Religionen nicht alle gleichwertig und gleichberechtigt? Sind es nicht die von außen herangetragenen „Unterschiede“ und „Wertigkeiten“ wie die Zugehörigkeit zu Rassen, Religionen, Nationen, Parteien, die ein friedliches Zusammenleben stören? Kann Liebe zwischen den Fronten vermitteln, können Einsicht, Toleranz und Weisheit die Welt verändern? Wohl kaum, wenn man, wie Lessing im Stück warnend anmerkt, nicht wirklich überzeugt ist: „Wer’s einfach glaubt, wird eben nicht selig; wer’s nur herunterbetet, nicht erleuchtet.“

Lessing hat vor über 230 Jahren ein aufregend aktuelles Stück geschrieben, das den heute weltweit heraufbeschworenen „Clash of Cultures“ schon damals als unsinnig gebrandmarkt hat. Das Stück dramatisiert Spannungen zwischen Christen, Muslimen und Juden, spielt Ursache und Wikung durch und leitet daraus den Ruf nach Menschlichkeit, Würde und Respekt ab. Damit verliert es seine Dringlichkeit im heutigen weltpolitischen Klima keineswegs – ganz im Gegenteil!

Besetzung

Die Juden:

Nathan, ein reicher Jude: Heinz Trixner

Recha, dessen angenommene Tochter: Elli Wissmüller

Die Muslime:

Sultan Saladin: Peter Kaghanovitch

Sittah, dessen Schwester: Ina Meling

Ein Derwisch: Frank Wünsche

Ali, ein Bediensteter: Dietmar Irmer

Die Christen:

Ein junger Tempelherr: Matthias Lehmann

Der Patriarch von Jerusalem: Adolf Adam

Ein Klosterbruder: Winfried Hübner

Daja, eine Christin, im Hause des Juden als Gesellschafterin der Recha: Chris Nonnast

Ein Ministrant: Fabian Braune

Regie: Christian Nickel • Musik: Heinz Grobmeier • Bühne: Peter Engel • Kostüme: Anja Gil Ricart

Regieassistenz: Anna Rettinger • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Elisabeth Haußer • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tonias Busch (Tonmeister) • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Pressestimmen

Der Ring ist zerbrochen…

Michael Thumser im Nordbayerischen Kurier über die gelungene Premiere von „Nathan der Weise“

… Wenn Heinz Trixner auf der Luisenburg den Nathan spielt, dann trifft er Lessings Intention und Ton sehr genau: kein Toleranz-Prophet, dessen laute Predigt Schule machen will; sondern ein lebendiges Beispiel für verträgliches Miteinander. Leid hat diesen Nathan ausgemergelt, Angst kennt er und krümmenden Schmerz, Liebe braucht, nimmt und schenkt er, Freude hat er an Besitz und Gewinn: einfach ein Mensch. … Das Stück tönt in Christian Nickels Inszenierung glücklicherweise nicht als feierlicher Klassiker aus den Felsenkulissen. Äußerlich modernisierend, die Szenenfolge zügig verdichtend, hebt der Regisseur den Appell zu Friedlich- und Duldsamkeit mit dem Nachdruck vernünftiger Argumente hervor…

Ohne Toleranz wird es keinen Frieden geben…

Rudolf Barrois in DER NEUE TAG über Gotthold Ephraim Lessings “Nathan der Weise” als große Parabel vom Dialog der Zivilisationen auf der Luisenburg

Die Stadt Jerusalem beherrscht auch in der Gegenwart die Schlagzeilen. In ihnen ist vor allem von Krieg, Unterdrückung, Mord und Terror die Rede. Die Gräuel geschehen häufig im Namen von Religionen, die, das hat der Anschlag vom 11. September gezeigt, zum Vehikel wirtschaftlicher und politischer Machtspiele gemacht werden. Und es ist offenbar, dass die zum Teil blutigen Konflikte unserer Tage nur im Verständnis des anderen, mit Toleranz gelöst werden können.

Die Luisenburg-Festspiele haben sich heuer in den Dienst dieser Forderung gestellt und Gotthold Ephraim Lessings “Nathan der Weise” ins Programm genommen, ein Stück, das wie kein anderes in der Literaturgeschichte den Appell an die Vernunft des Menschen, an Humanität und Güte formuliert. Regisseur Christian Nickel hat ein wesentliches Element in der Auseinandersetzung, die wirtschaftlichen und politischen Interessen, nicht vergessen. Die Geldkoffer, der des Nathan und die anderen des Saladin, sind immer dabei, wenn geredet wird. Geld brachte den Juden und den Mohammedaner auch bei Lessing erst zusammen.

Das Ensemble spielt mit aller Leidenschaft, die das immer wieder aktuelle Thema erfordert: Hauptdarsteller Heinz Trixner ebenso wie Peter Kaghanovitch als Saladin, Ina Meling in der Rolle der Sittah, Elli Wissmüller als Nathan-Tochter Recha, Matthias Lehmann als Tempelherr, Chris Nonnast als Christin im Hause Nathans und Winfried Hübner als Klosterbruder.

In mehrfacher Hinsicht kann der “Nathan” der Luisenburg als neuer Glanzpunkt in der langen Geschichte der Festspiele gelten. Vor allem: Ein wichtiges Thema wurde mit hohem Wirkungsgrad an ein aufgeschlossenes Publikum gebracht.

Fanal für Toleranz und Menschlichkeit…

Andrea Herdegen in den NÜRNBERGER NACHRICHTEN über Christian Nickels „Nathan der Weise“ auf der Luisenburg-Bühne als behutsam-eindringlichen Appell zu religiöser Toleranz in Zeiten neuerlicher „Heiliger Kriege“.

Mit seiner in ihrer Kargheit beeindruckenden Inszenierung lässt Regisseur Christian Nickel den Ideen viel Raum zum Widerstreit. Nur spärlich verweisen sorgsam platzierte Symbole in Peter Engels Bühnenbild auf das religiöse Fundament der Akteure: die goldene Menora in den verkohlten Resten von Nathans Haus, die Schwerter gefallener Ritter, die wie Kreuze über ihren Gräbern stehen, und zwei hölzerne Rampen, die sich wie leuchtende Mondsicheln über die Bühnenfelsen himmelwärts wölben. Dazwischen die Menschen.

Das Musical
Blues Brothers

Musical

Stückbeschreibung

Die „Blues Brothers“ sind Kult! Ihr Leben eine Verfolgungsjagd! Und die offizielle Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ hat die Geschichte der Rhythm- & Blues-Band, die „Blues Brothers Im Namen des Herrn“ zugrundeliegt als „besonders wertvoll“ empfohlen. Sie wird in dieser Saison auf der Musical-Position zu erleben sein– und man muß sie erleben!

Die kleinkriminellen Musiker Jake und Elwood beschließen, ihr Waisenhaus, in dem sie sich als Kinder geborgen gefühlt hatten, vor der Schließung zu bewahren. Da ihnen aber von Schwester Oberin verboten wird, das nötige Geld auf „krummen“ Wegen zu „beschaffen“, machen sie sich „im Namen des Herrn“ auf den Weg und versuchen, ihre legendäre Band „The Blues Brothers“ wieder zusammenzutrommeln. Doch das ist bei dem diplomatischen und organisatorischen Geschick der Brüder und ihrem fatalen Hang, sich unentwegt mit der Polizei anzulegen, schlichtweg unmöglich. Unmöglich? Gibt es nicht! Und das ist gut so, denn es war einfach eine wahnsinnige Musik, die die „Blues Brothers“ gemacht haben, die niemanden auf dem Sessel hält – und von der dieses Stück lebt!

Erleben Sie alle Hits von „Everybody Needs Somebody“ über „Gimme Some Lovin“ bis hin zu „Sweet Home Chicago“ und lassen Sie sich elektrisieren von der einzigartigen Kraft des Rhythm & Blues!

Premiere: 30. Juni 2011

Besetzung

Elwood Blues: Michael Kamp

Jake Blues: Andreas Birkner

Knast-Officer, Curtis / Cab Calloway, Referend Cleophus James, Louie, Mrs. Toronto, Ray Charles: Ron Williams

Die Pinguintante, Claire, Carrie:  Gudrun Schade

Mrs. Aykroyd: Caroline Hetényi

Arrtha: Caroline Hetényi / Amber Schoop

Knastbulle, Ober-Nazi: Rudolf Waldemar Brem

COP 1:  Markus Baumeister

COP 2, Unter-Nazi: Hendrik Schall

Mr. Fabulous: Moritz Katzmair

Knastbulle, Matt Guitar Murphy, Tucker McElroy: Jürgen Fischer

Mr. Aykroyd, Sergeant Daniel, Morrie Sline:  Frank Wünsche

Murph: Günter Ziegler

Bob: Uwe Schwalbe

Gerichtsvollzieher:  Dietmar Irmer

Kellner, Blue Lou, Officer Candy: Patrick Stauf

Präsident von Clarion Records:  Richard McCowen

Sexy Nummern-Nonne: Susanne Nixel

Solisten: Vanessa Atuh, Daniela Grubert, Susanna Kratsch, Amber Schoop, Bettina Schurek; Pierre Alexandre, Gino Emnes, Mario Mariano, Richard McCowen, Patrick Stauf

Band: Günter Lehr / Jörg Gerlach (Klavier, Orgel), Konrad Schreiter (Trompete), Johannes Moritz (Saxophon, Klarinette, Flöte), Mathias Hochmuth (Posaune, Tuba), Martin Lejeune (Gitarre, Euphonium), Frank Willi Schmidt (Baß), Günter Bozem (Schlagzeug)

Tänzerinnen und Tänzer: Julia Haas, Saskia Hahlweg, Barbara Königsberger, Katharina Layritz, Madeleine Scherer, Alisa Schmidt, Rebecca Schönauer; Tobias Bollig, Patrick Kern, Jan Rogler, Christian Scherer,  Philipp Wendler

Statisterie & Extrachor: Gertrud Hankl, Theresa Hankl, Sarah Heinrich, Anna-Katharina Hilpert, Helga Hofmann, Sabine Junghans, Elisabeth Kövi, Nicole Mücke, Waltraud Szymansky-Koch, Amelie Trösch, Romina Weiß; Benedikt Frey, Daniel Weber

Statisterie: Waltraud Marschner-Knöller, Claudia Wilhelm; Justus Braune, Tobias Glofke, Hans Hertel, Sebastian Küffner, Michael Pfauntsch, Walter Probst, Tim Reichel, Julian Röder, Michael Sticht, Andreas Werner

Kinder: Martha Meyerhöfer; Fabian Braune, Johannes Holler, Andreas Lange, Bastian Weiß

Jugendinitiative Wunsiedel gegen Rechtsextremismus

 

Regie: Michael Lerchenberg  Musikalische Leitung & Einrichtung: Günter Lehr / Jörg Gerlach

Choreographie: Sebastian Eilers Bühne: Jörg Brombacher  Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly

Produktionsleitung: Mathias Frank • choreographische Assistenz: Gudrun Schade • Regieassistenz: Lara Fischer • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Christa Guck • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tobias Busch (Leitung), Otto Geymeier (Tonmeister), Uwe Zitterbart (Microports) • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Pressestimmen

Wilde Jagd von Chicago ins Fichtelgebirge
von Andrea Herdegen im NORDBAYERISCHEN KURIER / NÜRNBERGER NACHRICHTEN:

Die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich. Zumal, wenn er zwei knasterfahrene Brüder auf die heilige Mission schickt, binnen zehn Tagen 5.000 Dollar für ihr altes Waisenhaus aufzutreiben, das von der Schließung bedroht ist. Hauptproblem dabei: Das Geld für die Rettung muss legal beschafft werden. Darauf besteht die Mutter Oberin des Heims.

Im Kultfilm mit John Belushi und Dan Aykroyd führten die turbulenten Wege des Herrn die Gebrüder Blues durch die Hochhausschluchten von Chicago, durch schwarze Slums und die hinterwäldlerische Provinz von Illinois. Luisenburg-Intendant Michael Lerchenberg hat die Story für sein Felsentheater adaptiert und mit Hilfe von Bühnenbildner Jörg Brombacher aus Wolkenkratzern Granittürme gemacht, aus Prärieweiten Fichtenwald. Geblieben ist im einfallsreich inszenierten Hochgeschwindigkeitsmusical „Blues Brothers“ der „Auftrag des Herrn“: Jake und Elwood Blues sind unterwegs, um ihre alte Band wieder zusammenzubringen.

Lerchenbergs „Blues Brothers“ sind ein Roadmovie, das ohne Straße auskommen muss. Das legendäre Blues-Mobil bleibt am Aufgang zum Zuschauerraum geparkt, die riesige 1974er-Dodge-Monaco-Limousine passt nicht durchs Tor zur Bühne. Jake und Elwood (Andreas Birkner und Michael Kamp) legen sich also auf zwei Klappstühlen in imaginäre Kurven, während Allroundtalent Ron Williams im Hintergrund den satten Achtzylinder-Sound ins Mikrofon wummert.

Williams ist das Mädchen für alles. In sieben Rollen schlüpft er, vom schikanösen Knastwächter bis zum Show-Conférencier im weißen Gehrock und mit spitzbübischem Grinsen unter der Zylinderkrempe. Er fuchtelt als genialer Ray-Charles-Imitator blind mit einer Pistole durch die Luft, bevor er bei „Shake A Tailfeather“ in die Tasten haut. Er ist die schrullige Hauswirtin Mrs. Tarantino und der vom Holy Spirit, dem Heiligen Geist, beseelte Reverend Cleophus James, der seinen farbenprächtigen Gospelchor durch eine irrwitzige Baptistenmesse treibt. Aber Williams ist auch der hintersinnige Erzähler, der die quirlige Story zusammenhält. Und er hat dem Stück einen eigenen Song hinzugefügt, der – so spürte er – in Wunsiedel keinesfalls fehlen durfte: „Der braune Dreck muss weg!” Ja, auch ewiggestrige Nazis stellen sich Jake und Elwood in den Weg. Doch die stadteigene Bürgerinitiative, die schon echte Neonazi-Horden aus dem Fichtelgebirge vertrieben hat, unterstützt Williams vielköpfig auf der Bühne. Auch Illinois ist bunt, nicht braun. Überhaupt sind die verschlungenen und politisch so herrlich unkorrekten Wege der Gebrüder Blues ein unmißverständliches Plädoyer für Toleranz. Die beiden weißen Waisen fühlen sich ihren schwarzen Unterschichtnachbarn näher als der hellhäutigen Hautevolee. Mit Champagner können sie bestenfalls gurgeln, ein ordentlicher Soulfood-Brathahn dagegen kann sie kulinarisch verzücken.

Und natürlich die Musik: Da schlägt bei Jake und Elwood unter der weißen Haut das pechschwarze Herz des Rhythm ’n’ Blues. Was sie in ihren coolen, reduziert-anarchischen Dialogen zurückhalten, das leben sie, unterstützt von einer fabelhaft-groovenden Liveband unter Leitung von Günter Lehr, bei ihren chaotischen Gigs aus. „Bob’s Country Bunker“ möbeln sie mit „Rawhide“ auf, den „Palace Hotel Ballroom“ mit dem programmatischen „Everybody Needs Somebody To Love“.

Die riesige Bühne wimmelt jetzt von ausgelassen tanzenden Fans (Choreografie: Sebastian Eilers), darunter Gudrun Schade, die wie eine unzähmbare Naturgewalt durch vier Rollen wirbelt, und die soulig-stimmgewaltige Caroline Hetényi. Auch von der stoisch aufmarschierten State Police mit Maschinenpistolen lässt sich die Menge nicht mehr in Schach halten. Auf den Rängen tanzt das Premierenpublikum begeistert mit, die unergründlichen Wege des Herrn haben auch die Zuschauer von den Sitzen gerissen. Elwood Blues blickt durch die Sonnenbrille, die die coolen Brüder natürlich auch nachts nie ablegen, bewundernd ins Zuschauerrund: „Wow, ist das ’ne Riesenscheune!“

Unterwegs im Namen des Blues
von Tobias Schwarzmeier in DER NEUE TAG

Ein Anzug, eine Sonnenbrille, ein Hut. Schwarz. Jake legt seine Blues-Klamotten wieder an und ist bereit durchzustarten. Mit der Entlassung des Häftlings Nr. 95632 – übrigens die Postleitzahl Wunsiedels – beginnt die Geschichte des wohl coolsten Gangster-Duos der Filmgeschichte, die als temporeiches “Blues Brothers”-Musical bei den Luisenburg-Festspielen eine umjubelte Premiere feierte.

Eigentlich lässt es sich ganz harmlos an: Die beiden Knastbrüder Elwood (Michael Kamp) und Jake Blues (Andreas Birkner) wollen das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, vor der Schließung retten. Die nötigen 5000 Dollar soll ein Konzert der legendären “Blues Brothers”-Band einspielen. Doch die elftägige Mission “Im Namen des Herrn” ist schwierig. Moralisch flexibel, aber eher chaotisch als kriminell, hinterlassen die beiden auf der Suche nach ihren Mitmusikern, geeigneten Instrumenten und einem Auftrittsort eine unterhaltsame Spur der Verwüstung.

Der 80er-Jahre-Filmhit mit Dan Aykroyd und John Belushi und Bluesgrößen wie James Brown und Aretha Franklin, auf dem das Musical basiert, ist unbestritten Kult – mit einer überschaubaren Fangemeinde. Doch mitreißende Inszenierungen mit überzeugenden Darstellern wie auf der Luisenburgbühne könnten dies schnell ändern.
Die großartigen Protagonisten Michael Kamp (nicht so schlaksig wie das Original) und Andreas Birkner verkörpern die beiden Blues-Missionare – mit der seltsamen Gestik und dem rollenden Gang inklusive elegantem Synchron-Stolpern – so authentisch, dass auch eingefleischte Fans nichts vermissen. Musical-Puristen hingegen genießen die starken Solonummern wie “Gimme some lovin’” von Gudrun Schade, bei denen etwas das Tempo aus der Handlung genommen wird. Denn Regisseur Michael Lerchenberg begeistert mit einer bombastischen Bearbeitung der Vorlage, die wenig Atempausen zulässt. Eine wahre Explosion an genialen R-‘n’-B-Songs wie “Everybody needs somebody to love”, “Sweet Home Chicago” oder “Soul Man” ergänzen ausgeflippte Tanzszenen, Slapstick und Pyro-Effekte sowie ein riesiges Aufgebot an Statisten zu einem großen Theater-Erlebnis. So steht auch die Luisenburg-Variante ohne Autos den berühmten Film-Verfolgungsjagden auf Chicagos Straßen kaum nach. Am Ende jagt ein Heer aus trotteligen Polizisten, grotesk parodierten amerikanischen Nazis, eine betrogene Country-Band und eine “blinde” Attentäterin die beiden Antihelden und nutzen dabei alle Ebenen der Bühne.

Im Temporausch über die Felsenbühne
In Wunsiedel machen die “Blues – Brothers” Nazis nass und heizen ihren Fans kräftig ein
Der Neue Tag

Rudolf Waldemar Brem reißt sich die braunen Klamotten, einschließlich der kurzen Krachledernen vom Leib und wirft sie Wut entbrannt auf die Bühne. Nur noch mit der weißen Feinripp-Unterhose bekleidet wendet er sich dem Publikum zu und gibt lautstark von sich: “Ich will jetzt keinen Nazi mehr spielen”.

In seiner “Blues-Brothers”-Inszenierung auf der Felsenbühne hat Intendant und Regisseur Michael Lerchenberg in die sonst fetzig rockige Geschichte um Jake und Elwood Blues mehrere Szenen, die sich gegen die rechte Szene richten, eingebaut. Die Stadt wehrt sich seit langem gegen Aufmärsche von Neonazis. Auch das ist im Stück verbal, lautstark und optisch in großen Lettern auf Transparenten zu hören und sehen. Lerchenberg bedient dabei zu 100 Prozent das Klischee und überzeichnet die Figuren bis ins Groteske. Ansonsten ist die Geschichte von Jake und Elwood eine sehr bunte, musikalisch fetzige und pyrotechnisch opulente zweieinhalb Stunden Show.

Die Darsteller nutzen dabei das Theater einschließlich Zuschauertribüne als einen einzigen Bühnenraum. Da stehen die Fans der “Blues-Brothers” (Statisten) am Bühnenrand, werfen Cola-Dosen in Richtung ihrer Idole, die hinter einer vergitterten Bühne spielen. Im schwarzen Anzug, weißem Hemd und dunkler Brille rocken Elwood (Michael Kamp) und Jake Blues (Andreas Birkner) die Luisenburg. Immer wieder tauchen im Zuschauerraum Statisten und Hauptdarsteller auf. Dank des Labyrinth-Systems der Bühne erscheinen sie wie aus dem Nichts und sorgen für so manchen Aha-Effekt. Der bekannte Entertainer Ron Williams führt durch das Programm und brilliert als toller Verwandlungskünstler. Ob als Prediger, schräge Hausmeisterin oder als Ray Charles, der Mann versteht in allen Rollen zu fesseln.

Und er hat stimmlich die diversen Sounds drauf, die ein 1974er Dodge Monaco von sich gibt. Täuschend echt ahmt er die Motorengeräusche des “Bluesmobils” nach. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wagen gemütlich durch die Straßen von Chicago rollt, bei Vollgas über den Highway “fliegt” oder ihn eine rasante Vollbremsung zum Stehen bringt. Die “Blues-Brothers” synchronisieren dazu auf zwei Gartenstühlen die perfekten Bewegungen. Ständig wuseln jede Menge Leute auf der Bühne herum. Auf allen Ebenen ist Aktion. Daneben hat Lerchenberg kleine aber feine Gags im ganzen Stück verteilt. Als Elwood und Jake von einem Streifenwagen verfolgt werden, nervt der Klang der typisch amerikanischen Polizeisirene lautstark die Ohren.

Die Soundkulisse eines Actionfilms. Am Bühnenrand simulieren rote und blaue Strahler die dazu gehörigen Lichtsignale. Dann rast der Wagen von der linken Seite mitten auf die Bühnenmitte. Im Maßstab 1:18 und fern gesteuert. Lacher garantiert. Später nutzt ein Streifenpolizist das Spielzeugauto als Funkgerät. Insgesamt eine Superinszenierung mit hochmotivierten Schauspielern. Dazu furiose Tanznummern und Songklassiker wie “Everybody needs somebody to love”, “Soul Man” oder Elvis’ “Jailhouse-Rock” heizen dem Publikum ein. So manchen Zuschauer hält es dabei nicht mehr auf seinem Platz. Aber kein Problem, denn mitmachen ist durchaus erwünscht. Die “Blues Brothers” sind Kult! Ihr Leben eine Verfolgungsjagd! Es ist wert, sich davon anstecken zu lassen.

Spiel mit Tempo, Musik mit Schmackes
von Michael Schreiner, MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

Was hätte da schon – vom Wetter abgesehen – schiefgehen können? Ein Musical mit Kultstatus. Eine einmalige Kulisse, die seit über 120 Jahren jedes Jahr tausende Neugierige anzieht. Ein Intendant – gleichzeitig auch Regisseur und Textdichter – mit hervorragendem Gespür für die Bedürfnisse eines nach Unterhaltung lechzenden Publikums. Und eine Truppe höchst motivierter Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker, Choreografen und Ausstatter. Es ist nichts schief-, Lerchenbergs zielklare Rechnung vielmehr voll aufgegangen! „Blues Brothers – Im Namen des Herren“ löste bei der Premiere auf der Luisenburg einen Begeisterungssturm aus, was bei den eher verschlossenen Fichtelgebirglern vermutlich einer verkappten Ekstase gleichkam.

Dafür hat Lerchenberg aber auch in die Vollen gegriffen und mit Donnerknall und Blitzen, Rauch, Feuer und tumultuarischen Massenszenen aufgefahren, was die Trickkiste hergab. Klischees schlugen gleich reihenweise Purzelbäume durch das mit geringen Mitteln optimal und höchst effektvoll gestaltete Bühnenbild. Die zauberhafte sexy Nonne in Lackstiefeln und geschlitztem Ordensgewand als Nummern-Girl, die resolute Ehefrau, die Jake und Elwood übers Maul fährt, dass jedem Gemahl im Publikum der kalte Angstschweiß ausbricht, der amerikanische Altnazi, der mit schnarrender Stimme zur Jagd auf die sittenlosen Brothers bläst. Vor jedem Slapstick blasen sich reihum im bis auf den vorletzten Platz besetzten Zuschauerraum die Backen auf. Das Losprusten kommt genauso präzise und ohne Verzögerung, wie die glänzend auf den Punkt gespielten Gags und Pointen.

Dabei fängt alles so wunderbar gemächlich und ziemlich reduziert an. Die vorzeitige Entlassung Jakes aus dem Knast, von den Officern mit sadistischem Vergnügen ausgespielt. Das von Johlen begleitete Umkleiden auf der Bühne. Die anschließende Fahrt im heruntergekommenen Dodge Monaco, einem ausgemusterten Polizeiauto, welches Elwood (Michael Kamp) und Jake (Andreas Birkner) frontal zum Publikum auf zwei einfachen Klappstühlen imitieren. Die Szene gerät zu einer der stärksten der Inszenierung, die auf einem der obersten Plätze der Unterhaltungsskala angesiedelt werden kann. Als dann aus der Kulisse auch noch eine ferngesteuerte Mini-Polizeistreife in vollem Karacho mit Mini-Tatü-Tata hervorbrettert, die dazugehörigen Uniformträger mit obligatorischen Angebersonnenbrillen im Schlepptau, hält kein Zwerchfell mehr still. Jake und Elwood türmen, was könnten sie sonst tun, und lösen die erste einiger turbulenter Verfolgungsjagden durch Felsschluchten, Überhänge und Steilpfade aus, die den Schauspielern sportive Ertüchtigung und den begeisterten Zuschauern das Vergnügen eines comic-haften Spektakels bietet.

Die beiden „verkommenen Subjekte“, von der erbosten Schwester Oberin des Kinderheims geprügelt und verjagt, dem sie mit einer Finanzspritze wieder auf die Beine helfen wollen, machen sich auf die Socken, ihre alte Band wieder zusammenzubringen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht und kaum ein Klamauk zu wohlfeil. Mit einem amüsanten Klingeltrick erinnern sie gar an das legendäre Duo Stan Laurel und Oliver Hardy.

Aber Lerchenberg belässt es nicht einfach bei prachtvollem Entertainment und gewitzten Pointen. Er hat sich das Buch vorgenommen und den Text mit Selbstironie, Spielwitz und klugen Anspielungen genüsslich auf die eigene Gegenwart gebürstet. Mit Anspielungen auf die Region, selbstreflexiven Bezügen, spitzen Brechungen und mit dem Aufgebot einer „Nazi raus!“-Bürgerinitiative, die den Bezug zur virulenten Geschichte der Stadt Wunsiedel vielleicht eine Spur zu effekthascherisch aufgreift.

Einzelleistungen? Ganz schwierig, etwas rauszugreifen. Das gesamte Ensemble einschließlich der Band hat, bis hinein in die teils reizenden, fabelhaften Statistenrollen, eine prächtige Arbeit abgeliefert. Das Spiel hat Tempo, die Musik Schmackes, die Songs geh’n in die Glieder, Augen und Ohren werden ununterbrochen auf Trab gehalten. Eine kleine Gewichtung muss dennoch sein: Der 68-jährige Sänger und Entertainer Ron Williams ist mit einem halben Dutzend kleinerer Rollen und zusätzlich als Moderator an sich schon eine echte Schau. In der Rolle des Grandseigneurs des Swing, Mr. Hideho Cab Calloway, wächst er über sich hinaus. Hinfahren!

Soul lebt
Carmen Groschwitz im “Mütterblitz” über “Blues Brothers – im Namen des Herrn” – das Musical das auf der Freilichtbühne der Luisenburg in Wunsiedel bluest. Hier geht die Post ab! Das Publikum erlebt eine rasante Tour der beiden Brüder. Die am Ende wieder dort landen, wo alles begann.

Die Blues Brothers sind Kult. Ein Kult muss gelebt werden. Leben heißt: Menschen mit Hüten und schwarzer Kleidung säumen den Aufgang. Spätestens jetzt erkennt man, welches Stück die Naturbühne aufrütteln wird: Die Geschichte der Blues Brothers. Die Zuschauer nehmen Platz und landen in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd.

Doch davor haben die beiden Hauptdarsteller Elwood Blues alias Michael Kamp und Jake Blues alias Andreas Birkner schon mal mit ihrem Blues-Gefährt, einem szenigen Acht-Zylinder, für Furore gesorgt und die Auffahrt zur Luisenburg mit riesigem Tamtam gestürmt. Drinnen sitzen mitgenommene Zuschauer, die sich freuen dürfen, die felsige Kulisse nicht zu Fuß erklimmen zu müssen. Zuschauernähe à la Blues Brothers Spektakel!

Selbst Hausherr und Intendant Michael Lerchenberg tritt vor der Aufführung auf die Bühne und gibt Anweisungen „Handy aus“ und was man sonst noch wissen muss.

Von Chicago nach Illinois

Die beiden Gauner wollen, um ein Waisenhaus zu retten, in dem sie aufwuchsen, die alte Band vereinen und so 5.000 Dollar erspielen. Nur elf Tage haben sie Zeit. Gejagt von Gerichtsvollziehern und Cops kommt es zu wilden Verfolgungsjagden. Das kultige Gefährt bleibt aufgrund seiner Größe draußen. Zwei Stühle ersetzen das Car und schaffen beim Zuschauer viel Spielraum für Fantasie.

Es kommt, wie es kommen muss. Bei einer Polizeikontrolle scheint alles aus zu sein. Dass im Hintergrund die Motorengeräusche der Verfolgungsjagd nicht vom Band kommen, ist Ron Williams zu verdanken. Er schlüpft wie auch noch ein paar andere Schauspieler in verschiedene Rollen und brilliert ebenfalls auch als Sänger im rasanten Road-Movie, das in Chigago beginnt und nach Illinois führt.

Das kurzweilige Stück bietet neben R&B auch Country Klänge. Die Szenenwechsel sind klar und der Seitenhieb zur Geschichte Wunsiedels „der braune Fleck“ muss weg, lässt einen Nazi-Aufmarsch nebst Gegendemo „Wunsiedel ist bunt“ aufleben.

Das Waisenhaus wird gerettet und die Brüder landen wieder hinter Gittern. Nach zweieinhalb Stunden ist das Konzert, das bis auf den letzten Platz ausverkauft ist, mit Standing-Ovations und etlichen Zugaben vorbei.

Dass die Blues Brothers so einen Erfolg haben, ist der Glanzinszenierung von Lerchenberg zu verdanken. Wer in diesem Jahr keine Karten ergattert hat, darf hoffen: Nächstes Jahr laden die bluesigen Brüder wieder zur Road-Show ein.

CG

Das Volksstück
Der Holledauer Schimmel

Schelmenstück aus dem Hopfenlande von Alois Johannes Lippl

Stückbeschreibung

Das Schelmenstück aus dem Hopfenlande von Alois Johannes Lippl ist eine Wiederentdeckung. Vor 30 Jahren wurde dieses wunderbare bairische Volksstück zuletzt auf der Luisenburg gespielt. Es wartet mit einer großen Besetzung voll herrlicher Typen auf, wie sie derzeit auf hohem, professionellem Niveau nur auf der Luisenburg zu finden sind. In ihrer szenischen Raffinesse erinnert die turbulente und amüsante Komödie an den großen Shakespeare und in ihrer Brisanz ans Hier und Heute:

Die Bürgermeister und Bräuhausbesitzer der seit Jahren verfeindeten Nachbargemeinden Banzing und Haselbach, gespielt von Rudolf Waldemar Brem und Christian Hoening, beschließen, des größeren Profits wegen, die Versöhnung. Als sichtbares Zeichen dieser neuen und selbstverständlich „ewigen“ Freundschaft wollen sie ihre beiden Kinder (Ina Meling und Holger Matthias Wilhelm) zwangsverheiraten. Die Kinder haben aber natürlich ihre eigenen Pläne und auch die anderen „Schäfchen“ funktionieren nicht so, wie die Obrigkeit es ihnen verordnet. Man traut Politikern eben nichts – oder alles – zu!

Daneben wird immer wieder ein Schimmel gestohlen und dem ahnungslosen Kontrahenten als corpus delicti in den Stall gestellt…

Premiere: 24. Juni 2011

Besetzung

Die Haselbacher:

Korbinian Blasl, Bürgermeister und Brauereibesitzer: Rudolf Waldemar Brem

Rosa Blasl, seine Frau: Chris Nonnast

Anna, beider Tochter: Ina Meling

Leopold Kreigaderer, Metzger: Berthold Kellner

Silvester Hundhammer, Großbauer:  Christian Höllerer

Gustav Rabhendl, Glasermeister:  Reinhold Escherl

Josef Bifang, Gemeindediener: Eberhard Stöckl

Severin Stülpnagel, Schuster und Brautführer: Andreas Schwaiger

Greislinger, ein alter Bauer : Bernhard Bamler

Moni, eine junge Dienstmagd: Judith Toth

Der Roßknecht des Blasl: Erwin Bösl

Kristin Kukla, Luisa Pscherer, Maria Röber, Sabrina Schricker, Thea Siedler, Antonia Sommerer;

Fabian Braune, Justus Braune, Kardircan Karatas, Maximilian Reichert, Julian Röder, Alfred

Siedler, Tim Sommerer, Michael Sticht

Die Banzinger:

Sebastian Ziechnaus, Bürgermeister und Brauereibesitzer: Christian Hoening

Anderl, sein Sohn: Holger Matthias Wilhelm

Zeno Metzenleitner, Müller:  Dieter Höpfner / Hans Hertel

Damian Huß, Schmied: Winfried Hübner

Simon Blunz, Großbauer: Günter Ziegler

Kassian Stierl, Schneider und Hochzeitslader: Norbert Neugirg

Alois Eigelsperger, Gemeindediener: Hermann Zeitler

Der Roßknecht des Ziechnaus: Michl Kleber

Die Walperin, ein altes Weib: Uschi Reifenberger

Benno, ein Bursch aus Banzing: Ferdinand Schmidt-Modrow

Tanja Fischer, Emine Karatas, Marina Lang, Hannah Meyerhöfer, Rosalie Schinner; Christoph

Braun, Eugen Eichner, Patrick Kern, Alfred Maiwald, Norbert Reichel, Andreas Werner

Die Übrigen:

Thomas, Bräubursch in Haselbach:  Markus Baumeister

Burgl Hueber, eine junge Dienstmagd:  Lilian Naumann

Der Ziberl-Toni: Alfred Schedl

Dodl, Nachtwächter und Totengräber: Adolf Adam

Der Notar von Geiselreut: Lothar Wollin

Der Posthalter von Geiselreut:  Christian Höllerer

Der Amtsrichter: Jürgen Fischer

Ein Amtsdiener: Helmut Johannes Schindler

Erster Gendarm: Moritz Katzmair

Zweiter Gendarm: Matthias Lehmann

Gendarme: Tobias Glofke, Michael Pfaunsch, Klaus Wagner, Daniel Weber

Der Wirt von Prenning: Berthold Kellner

Wirtschaft von Prenning:  Krimhild Ragotzky, Pauline Riedel

Moritatensänger: Katharina Schwägerl, Johann Anzenberger, Hubertus Krämer

Die Wunsiedler Schimmel-Musi: Sergej Giesbrecht, Paul Henzler, Alexander Hiergeist, Fabian Roth, Alexander Rusch

Regie: Steffi Kammermeier • Bühne: Peter Engel • Kostüme: Andrea Fisser • Musik: Hubertus Krämer

Regieassistenz: Lesley Jennifer Higl, Maximilian Reichert (Hospitanz) Inspizienz: Günter Ziegler • Souffleuse: Christa Guck • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister), Sylvia Steinbart (Gewandmeisterin); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tobias Busch • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Aufführungsrechte: Grawol Film Gräfelfing/München

Pressestimmen

Stefan Voit schreibt in DER NEUE TAG

… Trotzdem bereitet es großen Spaß, den Schauspielern zuzuschauen und zuzuhören. Voller Elan gehen sie an das Stück, ereifern, streiten, raufen und lieben sich. Die Schlitzohrigkeit der Holledauer wird in vollen Zügen ausgespielt, immer wieder sind originelle Lacher eingebaut. Für die Leistung des gesamten Ensembles, inklusive der Musik, gab es zu Recht langanhaltenden Applaus… Es ist schön, dass die Tradition des Volkstheaters auf der Luisenburg auf hohem Niveau fortgesetzt wird. Wer also einen schönen Theaterabend voller Dickköpfigkeit, Geiz, Rauflust und Liebe erleben will, der sollte sich den “Holledauer Schimmel” nicht entgehen lassen.

In der FRANKENPOST war zu lesen:

… Dem Untertitel gemäß, den Alois Johannes Lippl (1903 bis 1957) seinem Lustspiel vom “Holledauer Schimmel” gab, bekamen es die mehr und die weniger “gebildeten”, durchweg begeisterten “Kreise” der Premierengäste mit durchtriebenen Kerlen, Bauernfängern, Spaßvögeln zu tun. Und freilich kann ein Schelm auch einfach ein Narr sein: Wirklich ist zu sehen, wie sich die Oberhäupter zweier verfeindeter Dörfer im “Hopfenlande”, für gewiefte Rosstäuscher sich haltend, gewaltig zum Narren machen…

… Im Volksstück wie auf der Naturbühne haben viele und vieles Platz – so auch die fünfköpfige “Wunsiedler Schimmel-Musi”, aus allen Blech- und Blasrohren tutend; und die Bänkelsänger Katharina Schwägerl, Johann Anzenberger und Hubertus Krämer: In der Scheinheiligkeit ihrer Verse verwandelt sich die Handlung in eine Moritat mit wahrem Kern.

Viel Platz – sogar für die Intimität eines shakespeareschen Sommernachtstraums, ins deftig Bäuerliche übersetzt: In einer schönen, blauen Szene unterm Silbermond schmusen lauter Liebespärchen, allen voran Holger Matthias Wilhelm und Lilian Naumann, Ina Meling und Markus Baumeister, allesamt zärtlich und zielstrebig. Den gewinnsüchtigen Alten kauft solche Jugend den Schneid ab…. Regelmäßig sucht dann eine Abteilung von Dorfpolizisten ihr Heil in der Flucht; keine Schelme, nicht einmal Narren, einfach nur Tölpel…

Unter dem Motto „Wie aus einem kleinen Gerücht eine Welle an Vorurteilen wird” beschreibt Horst Pöhlmann in der Bayerischen Staatszeitung „Die Bernauerin”

Mit Michael Lerchenberg, seit vier Jahren Intendant der Luisenburg-Festspiele, hat das Musikstück den Weg auf die Naturbühne bei Wunsiedel im Fichtelgebirge gefunden – heuer wird Carl Orffs „bairisches Stück” „Die Bernauerin” gegeben.

Die kurze Liebesgeschichte zwischen der Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer und dem bayerischen Thronaspiranten Herzog Albrecht aus der ersten Hälfte des 15. Jahrunderts, die der Staatsraison widerspricht und aus der Sicht der Mächtigen und (allzu) vieler Bürger nur mit der Verunglimpfung und Hinrichtung von Agnes beendet werden kann, wurde von 0rff in besonderer Weise gestaltet. Als Dichter legt er dem Figurendialog und den oratorienhaften Cborszenen eine von altbaierischern Dialekt und mitteIhochdeutschen Wendungen geprägte Kunstsprache zugrunde, der er verbalen Rhythmus und Klang verleiht. Diese bilden auf der kompositorischen Ebene eine innige Ergänzung zu dem charakteristischen Orffschen Schlagwerk und den Bläserelementen.

Die Musik zur Wunsiedler „Bernauerin” wird via Band eingespielt (Hofer Symphoniker) – drei Musiker für Pauken, Klavier und Percussion sind live auf der Bühne. Lerchenberg gelingt es, den fünfzigköpfigen Laienchor, die kleinen Ensembles und die stillen poetischen Monologe der Liebenden straff zu einer Einheit von Text und Musik zusammenzuschweißen.

Aus dem runden Dutzend Einzelszenen der sich vom Genredrama über das politische Kriminalstück zum veritablen Welttheater mausernden Inszenierung gelingen ein paar besonders eindrucksvoll. Im Eingangsbild wird ein mittelalterliches Badehaus als lebensprall dampfend-siedendes Tableau nachgestellt, während die bierdimpfliche Bürgerszene einprägsam demonstriert, wie sich ein kleines Gerücht zu einer Welle an Vorurteilen entwickeln kann. In der Mönchszene agitiert ein an Goebbelssche Demagogie gemahnender Ideologe des Klerus als Volksaufwiegler gegen die „Duchessa” Agnes, die nichts anderes sei als eine „hexerische Badhur”. Schließlich der Höhepunkt der Aufführung: die Mauerschau der Hinrichtung, als Agnes in der Donau bei Straubing ertränkt wird. Sie wird in einem auf dadaistischer wie konkreter Poesie beruhenden Wechselgesang von sechs lemurenhaften, an Zombie-Personal aus Horrorfilmen erinnernden Hexen so intensiv „erzählt”, daß der Zuschauer unwillkürlich eine Gänsehaut bekommt.

Gegen diese expressiven Ensembles hat es das hoch-niedrige Liebespaar (Julia Eder und Heiko Ruprecht) in seinen stillen, meist monologischen Kontrastszenen nicht leicht anzuspielen. Dennoch besticht die Aufführung als ein gelungener Balance-Akt, komplexes und ambitioniertes Musiktheater auf der Felsenbühne zu etablieren.

Die Operette
Die Fledermaus

Operette von Johann Strauß
(Gastspiel der Operettenbühne Wien)

Stückbeschreibung

Mit der “Fledermaus” von Johann-Strauß präsentieren die Luisenburg-Festspiele die klassischste aller Operetten als Gastspiel der Operettenbühne Wien – Heinz Hellberg. “Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß Heinz Hellberg, wie man auf der Bühne mit der Operette umgehen muß. Und man findet wohl keinen zweiten Dirigenten, der zugleich als Regisseur ebenso präzise, engagiert und stilsicher arbeitet…” schrieb die Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur meinte: “Beschwingte und federleichte Aufführung… Nach dem letzten Vorhang brandete den Akteuren stürmischer Beifall entgegen.” Das Schweinfurter Tagblatt ergänzte: “Das Publikum ist zurecht begeistert von einer erstklassigen Aufführung…”

Und worum geht es? Um den Lebemann Gabriel von Eisenstein, der eine Haftstrafe antreten sollte, aber den Verlockungen einer rauschenden Ballnacht nicht widerstehen kann. Maskerade und Rollentausch voll pikanter Verbrüderungen beherrschen das Fest. Schnell aber ist die Nacht vorbei und … bei Tageslicht ist die Blamage perfekt: Die inszenierte Revanche einer gekränkten „Fledermaus“ ging auf. Es bleibt der berühmte Abgesang „Glücklich ist, wer vergißt“. Das ist aber nur eines der musikalischen Highlights, die von  Alfreds Trinklied „Trinke Liebchen, trinke schnell“ bis hin zu dem  weinseligen „Brüderlein und Schwesterlein“ reichen, ganz zu schweigen von Adeles „Mein Herr Marquis…“.

Besetzung

Es singen und spielen u.a.:

Gabriel von Eisenstein: Anton Graner / Michael Kurz

Rosalinde, seine Frau: Nicola Becht / Alexandra Scholik

Gefängnisdirektor Frank: Andreas Jankowitsch / Georg Lehner

Prinz Orlowsky: Susanne Fugger

Alfred, Sänger: Alejandro Gallo / Hristofor Yonov

Dr. Falke, Notar: Viktor Schilowsky / Thomas Weinhappel

Adele, Stubenmädchen: Verena te Best / Angela Wandraschek

Frosch:  Stephan Paryla-Raky

Bühnenfassung, Regie und Musikalische Leitung: Prof. Heinz Hellberg

Choreographie: Lili Clemente

Bühnenbild: Adrian Boboc

Kostüme: Lucya Kerschbaumer

Gastspiel der Operettenbühne Wien

Die Oper
Die Zauberflöte

Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart

Gastspiel der Landesbühnen Sachsen / Felsenbühne Rathen

Stückbeschreibung

Es nützt dem Prinzen Tamino nichts, gleich in Ohnmacht zu fallen. Er muß seinen Weg selbst finden. Das ist nicht einfach, denn dieser wird bestimmt durch die beiden Antipoden – hier verkörpert durch die Königin der Nacht und Sarastro, den Hüter des Sonnenkreises. Taminos treuer Wegbegleiter, der Vogelfänger Papageno, ist keine allzu große Hilfe – obwohl er mit seiner Papagena durch Gewitztheit und Bodenständigkiet dem Prinzen möglicherweise meilenweit voraus ist.

Mit sicherem Gespür für theatralische Effekte setzte der Theaterleiter und Papageno-Darsteller Schikaneder in seiner einst für sein Wiener Vorstadttheater geschriebenen Singspielvorlage auf die Wirkung von Kontrasten, mischt Tragisches mit Komischem, Matriarchat und Patriarchat, Aufklärerisches mit Märchenelementen und Späßen aus der Volksposse. Durch die geniale Musik Mozarts, volkstümlich und heiter, weihevoll und ernst, Charakteristisches der Opera seria mit dem Typischem der Opera buffa verbindend, das Lied mit dem Gassenhauer, wurde die „Zauberflöte“ zum großen Welttheater.

Erleben Sie es hier in der einmaligen Atmosphäre der Felsenbühne, wo sich Kunst und Natur vereinen.

Besetzung

Es singen und spielen u.a.:

Sarastro: Tobias Pfülb

Königin der Nacht:  Christina Poulitsi / Cornelia Götz

Tamino:  Michael Axelsson / Guido Hackhausen

Pamina:  Anna Erxleben / Judith Hoffmann

Papageno: Fred Bonitz / Norman D. Patzke

Papagena:  Theresa Suschke / Karolin Trübenbach

Musikalische Leitung: GMD Michele Carulli, Inszenierung: Therese Schmidt, Ausstattung: Stefan Wiel

LuisenburgXtra
Indien

Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer

Stückbeschreibung

Erstmals gibt es mit dem LUISENBURGXTRA IM MUSEUMSHOF eine Eigenproduktion im Hof des Fichtelgebirgsmuseums, das im ehemaligen Spital untergebracht ist, „unten“ im historischen Kern der Festspielstadt Wunsiedel. Die Reihe wird mit „Indien“, der Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer, eröffnet

Josef Hader und Alfred Dorfer, die Autoren und Schauspieler der Uraufführung, zählen seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren zu den Inbegriffen der Wiener Kabarett-Szene. 1991 taten sich Dorfer und Hader zusammen und schrieben und spielten das satirische Stück “Indien”. Das mit mehreren Kleinkunstpreisen ausgezeichnete und an vielen deutschsprachigen Theatern gespielte Drei-Personen-Stück „Indien“ zählt zum Feinsten, was das Theater in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Unter anderem wird „Indien“ am Staatstheater Stuttgart als Dauerbrenner seit mehr als 5 Jahren gespielt.

DER SPIEGEL etwa urteilte, es sei ein „Wunderwerk des komischen Schreckens“, wie es sich „sonst nur noch Helmut Qualtinger und Thomas Bernhard in einer gemeinsam durchsoffenen Nacht“ hätten ausdenken können! Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb Indien als „Witzig, derb, rührend, aber auch erschreckend ehrlich“.

1993 wurde unter der Regie von Paul Harather diese „zum Brüllen komische Arie vom lausigen Leben und kläglichen Sterben des armen Mannes“, dieses „Volksstück in der Nachfolge von Martin Sperr und Franz Xaver Kroetz“ (Filder-Zeitung Stuttgart), wie bei der Uraufführung mit den Autoren in den Hauptrollen, verfilmt. Auch dieser Film wurde mehrfach ausgezeichnet. Inzwischen gibt es mehrere „nicht-österreichische“ Fassungen und Übersetzungen ins Englische, Französische, Ungarische und Flämische.

Das Schicksal führt in diesem Stücks zwei Protagonisten zusammen, wie sie unterschiedlicher nicht seien können. Von Amts wegen müssen der Bier trinkende, derb-bodenständige, aber eigentlich schweigsame Schnitzelesser Heinz Bösel und der sehr auf seine Ernährung achtende, asketisch-abgehobene und von fernöstlicher Philosophie bewegte Schnösel Kurt Fellner gemeinsam unterwegs sein um touristische Gastwirtschaften auszutesten.

So konträr sie sind, so wenig können sie sich ausstehen. Sie wissen nicht miteinander umzugehen, sie ignorieren sich, versuchen dann doch das Gespräch zu finden und geraten in Streit. In diesen Nicht-Dialogen schwadronieren sie ungeniert übers Fressen, Saufen, über Frauen und über das Leben. So entsteht eine sehr eigenwillige Beziehung zwischen den beiden.

Durch einen Schicksalsschlag verändert sich die Situation radikal. In dieser plötzlichen Todesnähe bemerken sie, dass sie nichts auf der Welt haben, außer einander. Aus einer grenzenlosen Abneigung ist für beide ein emotionaler Rettungsanker entstanden. „Indien“ ist eine Tragikömödie, wie sie dieser Bezeichnung wohl nur selten gerecht wird, über die zwei wohl „sympathischten Unsympathler“ (Wiener Kurier) die jemals auf einer Bühne gestanden haben. „Echt tragisch. Auch wenn wir die ganze Zeit g´lacht ham wie blöd.“ (Stuttgarter Zeitung).

Premiere: Donnerstag, 28. Juli 2011

Besetzung

Regie: Christoph Zauner • Bühne: Jörg Brombacher • Kostüme: Anja Gil Ricart

Mit Johann Anzenberger und Gerhard Wittmann

Pressestimmen

Des miassns scho selber schaua…
“Tester unter der Lupe” von Kerstin Starke in der FRANKENPOST

So komisch und tragisch ist selten ein Stück – auch wenn vielleicht Tragikomödie drüber steht. In “Indien” geht’s derb zu, sarkastisch, bitterböse, makaber und auch schon mal todernst; aber es gibt auch unendlich viel zu lachen. Dafür sorgt der Text von Josef Hader und Alfred Dorfer, deren Stück zwei Prachtexemplare der Spezies Mann genauestens und selbstironisch unter die Lupe nimmt. Zahlreiche Preise hat es schon erhalten, wird an vielen deutschen Theatern gespielt und ist auch schon ins Englische, Französische, Ungarische und Flämische übersetzt worden. Im idyllischen Hof des Fichtelgebirgsmuseums Wunsiedel kommt es bairisch daher.

Dafür, dass es viel zu lachen gibt, sorgen auch die exzellenten Schauspieler Johann Anzenberger und Gerhard Wittmann – beide beliebte Mitglieder des Luisenburg-Ensembles – in der aufmerksamen und pointensicheren Regie von Christoph Zauner. Ergänzt wird das Ensemble auf der von Jörg Brombacher mit einfachen Mitteln gestalteten Bühne durch Berthold Kellner als Wirt, Arzt und Priester und durch Lesley Jennifer Higl als Bedienung und Krankenschwester (Kostüme: Anja Gil Ricart).

Anzenbergers und Wittmanns Zeichnung der gegensätzlichen Charaktere von Kurt Fellner (später Kurtl genannt) und Heinz Bösel (Heinzi; Ähnlichkeiten mit dem BR-Comedy-Duo “Heinzi und Kurti” sind sicher beabsichtigt) passt bis aufs i-Tüpfelchen. Fellner ist der intellektuelle, asketisch-abgehobene, fernöstlich orientierte, indische Lebensart zitierende, stets überpingelige und -kritische Müsli-Esser und Bösel der handfeste, derb-bodenständige, wortkarge Biertrinker. Darüber, wie sie etwas sagen, aber viel mehr noch darüber, wie sie etwas nicht sagen, amüsieren sich die Zuschauer köstlich.

Auf ihrer gemeinsamen Tour als staatliche Gastronomie-Tester arbeiten und reden die beiden zunächst aneinander vorbei: Der eine faselt von Völkerwanderung und Gesellschaftsspielen, der andere lässt sich Schnitzel in den verschiedensten Variationen schmecken und zockt den Kollegen genüsslich beim Kartln ab (“Hamm Sie ein Glück in der Liebe!”). Probleme mit Frauen bringen sie schließlich doch ins Gespräch, schweißen sie zusammen. So eine Unterhaltung allerdings kann, zumal wenn Brösel die Argumente ausgehen und wenn eine Flasche Sechsämter im Spiel ist, auch schon mal verstörend handgreiflich werden.

Das Stück spielt mit Klischees – dem von Männer-Freundschaften etwa oder dem der weit verbreiteten Sprachlosigkeit der Männer, wenn es Gefühle geht. Und die Zuschauer freut’s narrisch, wenn sich die beiden näher kommen; die endgültige Verbrüderung geschieht fast folgerichtig des Nachts vor dem Klo und geht mit einer veritablen Liebeserklärung von Heinzi daher: “Sie sann der einzige Mensch seit meiner Mutter, neben dem i hab scheinßn kenna. I bin der Heinzi.” Dazu flöten Klarinette und Akkordeon aus dem Lautsprecher “What a Wonderful World” (Musik: Hubertus Krämer). Satire pur.

Unbedingt anschauen!
“Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle” von Frank Stüdemann in DER NEUE TAG

“3, 2, 1 … Bussi!” Schon die Art, mit der dieser Fellner seiner Freundin eine Nachricht auf dem AB hinterlässt, ist nervtötend. Und dann dieses ständige Schlaubischlumpf-Gequatsche. Der Bösel kann den Burschen nicht leiden. Er würde ihm am liebsten das Maul stopfen. Blöd nur, dass die beiden zusammenarbeiten müssen. Tag für Tag für Tag für Tag. Am Ende wird der eine sterbend in den Armen des anderen liegen.

“Indien” heißt die zum Brüllen komische und zum Heulen traurige Geschichte einer Freundschaft, geschrieben 1991 von den österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer, zwei Jahre später mit ihnen verfilmt. Am Donnerstagabend hatte “Indien” bei “LuisenburgXtra” im Innenhof des Fichtelgebirgsmuseums Premiere, in der kleinen Zweigstelle der großen Festspiele. Die Inszenierung von Christoph Zauner geriet zum Triumph, was vornehmlich der Verdienst der beiden Hauptdarsteller ist.
Gerhard Wittmann spielt den robusten Heinz Bösel, Johann Anzenberger verkörpert den aufgekratzten Kurt Fellner. Der eine kippt Bier und Schnaps, der andere süffelt lieber O-Saft und Bananen-Frappé. Beide sind im Auftrag der Staatsregierung kreuz und quer durch Bayern unterwegs, um Hotels und Gaststätten zu testen: Zimmer, Böden, Duschen, Saunen, Schnitzel, Gulaschsuppen – alles kommt auf den Prüfstand.

Bösel ignoriert den Fellner so gut es geht, der Neunmalkluge hingegen bemüht sich übereifrig, mit dem stoffeligen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Die Spannungen zwischen den Außendienstlern wachsen, als ein Schmalzbrot in Fellners Gesicht landet und Bösel den Fellner später im Suff über den Biergartentisch wirft, um an ihm eine ruppige Variante des ehelichen Koitus zu simulieren. “Sie sind ein deppertes, ignorantes Arschgeigerl”, schimpft Fellner. Nichts aber verbrüdert Männer so schnell wie der Ärger über die Frauen: Als Fellner mitbekommt, dass seine Freundin ihn betrügt, braucht es nur ein paar Schnäpse. Dann wird der Wirt gedemütigt, und durch eine Klotür hindurch entsteht später zwischen den beiden Beamten eine Freundschaft. “Herr Fellner”, klingt es von der Schüssel, “Sie sind der erste Mensch seit meiner Mutter, neben dem ich hab sch****n können.” Wie romantisch.

Im zweiten Akt kippt die Stimmung des Stücks, wird aus brachialer Komik bitterer Galgenhumor. Der Kurti hat sich im Unterleib “ein Plankton oder so was” eingefangen. Der Heinzi besucht ihn im Krankenhaus, und der Kranke tröstet den Gesunden: “Der Tod, des hoaßt nix. Des is wie Umsteigen in Passau”. Das Ende des Stücks geht an die Nieren, vor allem, weil es sich vom Film unterscheidet: Kein Banane essender Inder auf der Parkbank, der dem Bösel den Glauben an die Reinkarnation und damit Trost schenkt.
Ja, “Indien” wurde aus der österreichischen Provinz in unsere Gefilde verlegt, der Wiener Schmäh durch das etwas rustikalere Bayerisch ersetzt – und es funktioniert. Vor allem deshalb, weil die überaus derben Texte von Hader und Dorfer nichts verloren haben und die Figuren auch diesseits der Alpen funktionieren. Das können sie nur, weil Anzenberger und Wittmann mit jeder Faser bei der Sache sind, ihre Rollen nicht als Parodien anlegen, sondern zum Kopf auch das Herz benutzen. Vor ihrer Leistung muss man den Hut ziehen. Ganz allein sind die beiden dennoch nicht: Berthold Kellner, bekannt durch das Oberpfalztheater, ist im Stück als debiler/masochistischer Wirt, Arzt und Priester zu sehen, Regieassistentin Lesley Jennifer Higl taucht als Bedienung und Krankenschwester auf.
Bleibt noch die gelungene Musik zu erwähnen, die von Hubertus Krämer eigens für das Stück eingespielt wurde: “Road to nowhere” von den Talking Heads, “L’uomo dell’armonica” (Das “Lied vom Tod”), “Also sprach Zarathustra”, “All you need is love” oder das “Hotel California” von den Eagles – kleine klingende Kommentare als Sahnehäubchen. Unbedingt anschauen!

Doch Heinzi meint es ernst. Als Kurtl einen massiven Schicksalsschlag hinnehmen muss, ist er der einzige, der bei ihm bleibt und ihn – sprachlos aber rührend – mit Erdbeeren (“tiefgefroren – wie frisch”) versorgt. Ach ja, und warum heißt das Stück jetzt “Indien”? – Des miassns scho selber schaua.

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