Pavel Fieber ist tot

Der Schauspieler, Regisseur und Intendant Pavel Fieber ist am 6. Juli 2020 in seinem Wohnort Würzburg überraschend gestorben. Er hat von 2000 bis 2003 die Luisenburg-Festspiele künstlerisch geleitet.

“Pavel Fieber war ein kompletter und mit allen Wassern gewaschener Theatermann der klassischen Schule”, so Christof Kaldonek, der Pressesprecher der Festspiele, über den ehemaligen Regisseur und künstlerischen Leiter auf der Luisenburg. “Er war jahrzehntelang als Schauspieler und Regisseur tätig und hat die Theaterlandschaft auf vielen Stationen geprägt wie kaum ein zweiter”, sagt Kaldonek über einen Künstler, der auch auf der Luisenburg von sich reden machte. “Pavel Fieber war den Festspielen eng verbunden: seit 1987 viele Jahre als Regisseur unter Hans Peter Doll und dann in eigener Verantwortung für die Kunst. Er war begeistert von der Felsenbühne und hat vielen Entwicklungen, die heute zum Standard gehören, den Weg bereitet.”

Pavel Fieber, der 1974 als Student die Festspiele kennenlernte, trat genau zehn Jahre später 1984 als Schauspieler in einem Nestroy-Stück erstmals in Wunsiedel auf. Seine Liebe zum Theater wurzelte für den gebürtigen Tscheche des Jahrgangs 1941 in einer Künstlerfamilie. Nach dem Terror des NS-Regimes, unter dem seine Familie litt, lebte er in Bayern und Österreich. Er studierte in Wien am berühmten Max-Reinhard-Seminar Schauspiel und Regie, war aber auch der Musik zugetan und erhielt eine Gesangsausbildung.

Ein hochtalentierter Allrounder des Theaters, der zeitlebens in allen Genres erfolgreich und heimisch war. Er spielte klassische, dramatische Rollen, liebte Oper und Operette und war als Musicalstar ein legendärerer Prof. Higgins in “My Fair Lady”.

Er brachte als politisch engagierter Regisseur Pavel Kohout und Vaclav Havel auf die deutschen Bühnen und wurde in den 1970er Jahren in Mainz, Oberhausen und Ingolstadt in vorderster Reihe künstlerisch tätig. In den 1980er Jahren war er als freier Regisseur und Schauspieler an vielen großen Häusern engagiert, in Bonn, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart.

Nach seiner Zeit als Intendant in Ulm und in gleicher Funktion in Kaiserslautern und Karlsruhe, kam er ab 2000 als künstlerischer Leiter auf die Luisenburg. Sein Programm und seine Inszenierungsarbeiten waren ambitioniert, sein Einstieg mit der Uraufführung von Umberto Ecos “Der Name der Rose” spektakulär. Es folgten zeitgenössische Stücke und eher selten gespielte Klassiker, die nicht immer das erhoffte Publikumsinteresse fanden.

Pavel Fieber wechselte im Jahr 2004 zu den Burgfestspielen Mayen und blieb noch bis 2007 dem deutschen Open-Air-Theater treu.

In den folgenden Jahren inszenierte er, arbeitete für Film und Fernsehen und konnte mit seinem Sohn Daniel noch gemeinsam vor der Kamera stehen.

“Die Luisenburg-Festspiele verlieren mit Pavel Fieber einen ihrer prägenden Künstler und einen großen Förderer des anspruchsvollen Theaters unter freiem Himmel”, würdigt Christof Kaldonek den Verstorbenen im Namen der ganzen Luisenburg-Festspiel-Familie,” und wir werden nicht vergessen, dass er die Theaterkunst geliebt und für sie aus ganzem Herzen gearbeitet hat. Danke, Pavel Fieber!”

Foto: Pavel Fieber (Foto: © Heike Steinweg)

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