DER AUFHALTSAME AUFSTIEG DES ARTURO UI

Von Bertolt Brecht

Arturo Ui ist ein Gangster, wie er im Buche steht. Hemmungslos bahnt er sich seinen Weg ganz nach oben. Da, wo Wirtschaft, Politik und die Spitzen der Gesellschaft sich ihre Pfründe sichern und den Staat zu ihren Gunsten ausplündern. Der kriminelle Ui weiß diese Umstände für sich zu nutzen und manipuliert mit allen Mitteln die Mächtigen.

Er macht das auf seine unnachahmliche Art und bringt die Verhältnisse zum Tanzen. Die korrupte Welt wird zu einer riesengroßen Sause, einem circensischen Abenteuer, das wie ein Tanz auf dem Vulkan wirkt. Ein einziger Spaß, wäre die Sache nicht so ernst.

Bertolt Brechts spannender Politthriller entfaltet im Zirkuszelt seine ganze theatralische Wucht und seine bissige, überzeichnete Wahrheit. Und das nicht nur mit Blick auf die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, sondern für alle Zeiten.

ARTURO UI spielt in einem authentischen Zirkuszelt auf dem Festplatz in Wunsiedel, mit Akrobaten, Stelzenläufern, Tieren, Musik und – selbstverständlich – Schauspielern.

Eine Produktion des Theaters Die Stelzer aus Landsberg am Lech in einer Inszenierung des Theaters Wasserburg mit dem Circus Boldini.

Regie: Uwe Bertram
Musikalische Leitung: Georg Karger

Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Daß keiner uns zu früh da triumphiert —
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Die Kritik über Brechts Stück im Zirkus

“Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui” von Bertolt Brecht ist ein Klassiker des Theaters. Mit Blick auf den Aufstieg Hitlers als eine Gangsterposse 1941 im finnischen Exil geschrieben, sollte die Machtübernahme zwielichtiger, krimineller Elemente und deren Folgen für ein Gemeinwesen exemplarisch dargestellt werden.

Die Inszenierung von Uwe Bertram für das Theater Wasserburg verlegt die Handlung in ein Zirkuszelt und lässt die Schauspieler wie Artisten im Rund der Zirkuskuppel agieren. “Die Aufführung ist Revue, Zirkus, Drama, Parabel und Krimi gleichermaßen”, schreibt Egbert Tholl in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zur Premiere im Juli 2017.

Dabei bleibt es doch Schauspiel und behält den moralischen Anspruch und den historischen Bezug, der Brecht motivierte, aus Politik Theater zu machen.

“Indem Uwe Bertram die Handlung aus ihrer ursprünglichen Epoche herausnimmt und in die sich immer wieder neu erfindende Zirkuswelt versetzt, unterstreicht er die Zeitlosigkeit des Stücks. Anders als eine Frontalbühne erhalten die Zuschauer im Rundumblick maximale Transparenz: Da kann hinterher keiner behaupten, er hätte etwas nicht mitbekommen”, schreibt Ulrich Pfaffenberger ebenfalls für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in seiner Kritik und betont, dass diese “zeitlose Kraft der Parabel vom Gauner, der sich ungebremst nach oben tötet” in dieser Inszenierung zu neuem Leben erweckt wird.

“Auch auf anderen Ebenen erreicht die Wasserburger Inszenierung herausragendes Niveau” betont die Kritik und lobt Hilmar Henjes als Arturo für sein “bezwingendes Tempo und seine jeden Widerstand brechender Präsenz”, betont, dass die Bühnenmusik von Georg Karger große Tiefe schafft und das gesamte Ensemble den “Zirkusraum mit größter Selbstverständlichkeit, ja mehr noch: so unbekümmert und einladend füllt, dass sie den Zuschauer zum Beteiligten machen.”

Alles in allem “eine großartige, mit reichem Applaus bedachte Ensemble-Leistung, ein packendes, feingliedriges Spiel mit Worten und Gedanken, wie es auch die großen Brecht-Bühnen in Bochum oder Berlin geschmückt hätte.”

Oder, wie Egbert Tholl schreibt: “Ja, es ist Sommertheater. Aber eines, das sich nicht viele Festivals so trauen würden. Und Brecht hätte seine Freude dran.”

Arturo Ui
© Christian Flamm
Arturo Ui
© Christian Flamm

Ein Klassiker des politischen Theaters

Bertolt Brecht begann sein Theaterstück über die Macht und den Faschismus im Exil 1941. In den USA vollendete er es. Uraufführung war 1958 in Stuttgart.

ARTURO UI ist eine Parabel über Faschismus, Kapitalismus und den Machtmissbrauch. Brecht wollte sowohl Hitlers Machtergreifung anschaulich erzählen als auch die Mechanismen von Kriminalität und Macht aufzeigen.

Brechts Theater arbeitet mit Effekten und Verzerrungen (das sogenannte epische Theater und der Verfremdungseffekt), um den eigentlichen Grund des Faschismus offenzulegen. Dafür kombiniert er Hitlers Machtübernahme mit einer Gangstergeschichte, die im Verbrecher-Milieu der 30er in Chicago spielt und sich auf Al Capone bezieht.

ARTURO UI ist keine realistische oder historische Erzählung, sondern eine eindeutige, bis zur Farce überzeichnete Gangstergeschichte, deren Figuren plastisch und brutal handeln. Es gibt keine Differenzierung und keine Ausflüchte, keine Psychologie und Unentschlossenheit.

Diese Eindeutigkeit des Brecht’schen Theaters entspricht der Eindeutigkeit des Faschismus und Hitlers Absichten. In ARTURO UI geht es auch um die Manipulation und Demagogie, die politische Kriminalität begleitet und die den Machtmissbrauch erst möglich macht.

Das Stück ist zeitlos gedacht und liefert ein universelles Musterbeispiel, das über die historische Figur Hitler weit hinausgeht. Die Figuren sind Prototypen und das macht sie aktuell.

Die Handlung spielt in den USA und schildert die Versuche eines Trusts, eines großen Industriekonzerns, mit Hilfe illegaler Methoden seine Geschäfte zu sichern. Dabei wird die Politik beeinflusst und bestochen, bis Politik und Geschäft voneinander abhängen

Arturo Ui, ein Gangster, versucht ebenfalls mit Gewalt seine Geschäfte auszubauen. Mit Drohungen, Erpressung und Mord arbeitet sich Ui immer weiter nach oben, bis er in den höchsten Kreisen mit seiner Gewalt Einfluss gewonnen hat.

Der nächste Schritt ist die Manipulation der Öffentlichkeit, das Spiel mit der Lüge und den Versprechungen. Ui begreift, dass brutale Gewalt nur ein Mittel ist, an die Macht zu kommen, das andere ist, die Menschen zu täuschen und sich ihrer Zustimmung zu bedienen. Am Ende schafft es Ui mit Drohungen und Versprechen, dass das Volk ihn unterstützt.

Arturo Ui (Hilmar Henjes) und Stelzenläufer
© Florian Miedl
Ensemble
© Florian Miedl
Kreativ-Team

Eine Produktion in Kooperation mit „Die Stelzer“ aus Landsberg am Lech, dem Theater Wasserburg und dem Zirkus Boldini

Regie: Uwe Bertram
Musikalische Leitung: Georg Karger
Stelzentraining & Stelzenchoreografie: Peter Pruchniewitz

Spielort: Zirkuszelt auf dem Festplatz am Burgermühlweiher, Wunsiedel

Darsteller

Susan Hecker
Hilmar Henjes
Carsten Klemm
Nik Mayr
Andrea Merlau
Annett Segerer
Regina Alma Semmler

Musik

Pit Holzapfel
Georg Karger
Anno Kesting
Wolfgang Roth
Leonhard Schilde

Datum & Uhrzeit Aufführung Karten*
Fr. 19.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
Premiere
Sa. 20.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
So. 21.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
Do. 25.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
Fr. 26.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
Sa. 27.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)
So. 28.07.2019 20:00 Arturo Ui LuisenburgXtra im Zirkuszelt (Freie Platzwahl)

Änderungen und Ergänzungen vorbehalten.

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