Bluthochzeit

Schauspiel-Tanz-Theater über Liebe, Tod und Leidenschaften

von Federico García Lorca

Wenn Gefühle explodieren, muss man schreien – oder tanzen
Eva-Maria Lerchenberg-Thöny inszeniert Federico Garcia Lorca auf der Felsenbühne

Eine junge Braut wird in eine arrangierte Ehe mit einem Mann gezwungen, den sie zwar nicht liebt, dem sie sich aber aus Familienraison fügen will – bis ihre wahren Gefühle, die verborgen in ihr rebellieren, an die Oberfläche drängen. Denn die fügsame Braut liebt einen anderen Mann und dieses Gefühl lässt sich weder ungestraft in den Körper einsperren noch verbieten.

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Der menschlichen Liebe, dieser Lebensgrundlage jedes Menschen, stehen schlicht und einfach die Interessen einer Gesellschaft entgegen, die Tradition und Familiengehorsam über alles stellt und die das nackte Überleben zum alleinigen Daseinszweck erklärt.

Für diese erschütternde Konstellation findet die Inszenierung faszinierende Bilder von Menschen, die sich nicht einfach nur gegen etwas auflehnen oder protestieren, sondern die ihr Leben zwischen elementaren Kräften zu bewahren suchen: zwischen der individuellen Freiheit und dem erdrückenden Zwang dessen, was wir immer schon vorfinden; nicht nur gestern, auch heute und vermutlich noch morgen.

In der von Eva-Maria Lerchenberg-Thöny eigens für die Luisenburg Festspiele erarbeiteten Fassung des Dramas, stehen diese Frauen und ihr Kampf gegen die archaischen Verhältnisse im Zentrum. In einer kongenialen Inszenierung gibt die Regisseurin und Choreografin den Figuren Lorcas Stimme und Körper, ihren existenziellen Widerstand nicht nur mit Worten, sondern mit der Ausdruckskraft der ganzen Person zu leisten.

Die Choreografie überträgt diese existenzielle Grundlage in eine anschauliche Geschichte von leidenschaftlicher Annäherung und Abstoßung, von hoffnungsvollen Körpern und erdrückender Enge. Vor der Kulisse der Felsenbühne, die der Erzählung vom unfreien Menschen eine weitere Dimension hinzufügt, wird dem Zuschauer Lorcas alte Tragödie anschaulich und rückt bis in die Gegenwart heran.

Tanz, Musik und die poetische Sprache Lorcas bilden auf dem gewaltigen Felsentheater ein Drama, dessen hohe Emotionalität sich auf die Zuschauer übertragen wird – ein bewegtes und bewegendes Spiel der großen Gefühle.

Dunja Bengsch, Maria Kempken, Marc Schöttner (©Florian Miedl)

Das schreibt die Presse über “Bluthochzeit”

“Tanztheater zwischen Liebe und Tradition”

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„Lorcas ‚Bluthochzeit‘ in einer brillanten Komposition aus fesselndem Sprech- und emotionalem Tanztheater wird dem Anspruch als Vorreiter in der deutschen Open-Air-Tanzszene gerecht“, schreibt Christiane Gut in DER NEUE TAG am 18. Juli 2016.

Hier der ganze Artikel von Christiane Gut.

Michael Thumser schreibt in der FRANKENPOST am 18. Juli 2016 in seiner Überschrift: “Das Experiment ‘Bluthochzeit’ gelingt grandios: Erstmals verbinden sich auf der Luisenburg Schauspiel und Tanz, und das Premierenpublikum jubelt.”

Mehr aus Michael Thumser Kritik  finden Sie auf dieser Seite.

“Elementargewalten auf der Naturbühne”, so beginnt Eva Maria Fischer ihren Artikel in der LANDSHUTER ZEITUNG vom 21. Juli 2016 und schreibt weiter: “Mit ‘Bluthochzeit’ ist Eva-Maria Lerchenberg-Thöny ein schonungsloser Blick in seelische Abgründe, aber auch ein zutiefst poetischer Ausdruck von Hoffnung auf individuelle Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben gelungen.”

Den ganzen Artikel lesen Sie hier.

Ensemble © Flo Miedl

Bluthochzeit
von Federico García Lorca

Konzeption, Regie und Choreographie: Eva-Maria Lerchenberg-Thöny

Das Team

Regie und Choreografie: Eva-Maria Lerchenberg-Thöny
Bühne und Kostüme:
Sascha Gross
Musik: Astor Piazzolla, Tomas Luis de Victoria, Krzysztof Penderecki, Tigran Tahmizyan

Die Mitarbeiter

Produktionsassistenz: Regina Weber
Choreografische Assistenz: Jiri Kobylka
Leitung Licht: Rolf Essers
Leitung Ton: Tobias Busch/Otto Geymeier
Leitung Kostüm: Eva Praxmarer
Leitung Maske: Sebastian Weber
Leitung Requisite: Christiane Winter
Inspizient: Günter Ziegler
Souffleuse: Melody Bayer
Technische Leitung: Jörg Brombacher
Regiepraktikantin: Nina Holzhauser

Die Darsteller

Die Braut: Maria Kempken
Leonardo: Marc Schöttner
Die Mutter: Katy Karrenbauer
Der Bräutigam: Peter Scheufler
Der Vater der Braut: Paul Kaiser
Die Schwiegermutter:
Gudrun Schade
Leonardos Frau: Nikola Norgauer
Die Magd: Dunja Bengsch
Der Mond/Gast 1: Martin Sommerlatte
Der Tod (als Bettlerin): Jiri Kobylka
Nachbarin 1: Uschi Reifenberger
Nachbarin 2: Adela Florow
Nachbarin 3: Mary C. Bernet

Holzfäller 1/Bursche 1: Martin Sommerlatte
Holzfäller 2/Gast 3: Raphael Dörr
Holzfäller 3: Fabian Raup
Mädchen 1: Julia Waldmayer
Mädchen 2: Rebecca Stahlhut
Mädchen 3: Verena Kollruss
Bursche 2: Emanuel Kasprowicz
Gast 2: Günter Ziegler
weitere Gäste: Marcell Prét, Fabian Raup, Uschi Reifenberger, Adela Florow, Mary C. Bernet
Das Mädchen: Romina Nowak

Das Tanztheater der
Eva-Maria Lerchenberg-Thöny

Sie schreibt, inszeniert, choreografiert und widmet sich seit Jahren dem modernen Tanztheater, dem sie mit ihrem künstlerischen Potenzial und ihrer Neugier neue Spielformen abgewinnt, die für Zuschauer und Kritik gleichermaßen faszinierend sind.

So auch jetzt bei den Luisenburg-Festspielen mit einem Schauspiel-Tanz-Theater, das die Poesie der Sprache, das Schauspiel der Darsteller mit dem zeitgenössischen Tanz in einer einzigartigen Weise neu verbindet.

Ihre Themen bleiben dabei eng am Menschen und seiner Realität: unsere Gefühle und Hoffnungen, der Kampf um Freiheit und Glück und die Wahrheiten unseres Lebens, mit denen wir alle lebenslang zu kämpfen haben.

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Peter Scheufler, Maria Kempken und Ensemble (©Florian Miedl)

Federico García Lorca –
Leben, Werk und Wirkung

Kunst ist Leben, nichts sonst

Es gibt Poeten, die schöpfen vollkommen aus ihrer Fantasie und entwerfen rein geistige Welten aufs Papier. Andere wiederum können nur schreiben, wenn sie mitten im Leben stehen,  mag das noch so hart und erbarmungslos sein.

Federico Garcia Lorca gehört zu jenen bedeutenden Schriftstellern, die nicht nur mit beiden Füßen im Leben standen, sondern in diesem, ihrem eigenen Leben die Poesie wie die Luft zum Atmen brauchten, ansonsten wären sie an den Verhältnissen erstickt.

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Federico García Lorca und Salvador Dali (Bild: Archiv)

Dieser große europäische Dichter der Moderne, der 1898 in der spanischen Provinz Granada geboren wurde und somit inmitten des alten, feudalen Spaniens aufwuchs, hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt unterdrückt und missachtet zu werden. Sein später Erfolg als Dichter und Theaterautor täuscht nicht darüber hinweg, dass hier ein Künstler seine dichterische Kraft nutzte, um zu überleben und sich gegen die Verhältnisse zu stemmen.

Geboren auf dem Land, behütet von Eltern, die nicht arm waren und ihrem Sohn eine gute Schulbildung ermöglichten, kam der junge Federico sehr schnell mit Musik und Kunst in Berührung. Er studierte in Granada Jura und Philosophie, begann früh mit ersten Schreibversuchen und entdeckte seine Liebe für die Lyrik.

Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien Gedichte zu schreiben hieß auch, sich zur Moderne zu bekennen, denn für die junge künstlerische Elite in jener Zeit des Umbruchs war Kunst so politisch wie jedes Gedicht eine Waffe gegen Armut, Feudalismus und Stillstand sein konnte. Kunst war nicht länger die Fortführung der Tradition oder die schöne Vergoldung des Bestehenden, sondern sie reagierte sehr stark auf die Bedingungen unter denen man leben musste.

In Madrid, wohin es Lorca bald zog, traf er auf Gleichgesinnte jener Generation, die wie er Neues ausprobieren wollten: Salvador Dali, Luis Bunuel und andere Künstler, die später als Surrealisten eine neue Epoche repräsentierten. Lorca, der in den 20er Jahren mit ersten Gedichtbänden und Theaterstücken Aufsehen erregte, war formal modern – ein Surrealist – aber er bezog seine Arbeit auf traditionelle Muster. Ein Prinzip, dem er sein Leben lang verpflichtet blieb.

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Federico García Lorca (Bild: Archiv)

Diese Erdung seiner Poesie, die sich dem einfachen Leben widmet und trotzdem radikal und avantgardistisch ist, findet sich in seinen Gedichten und den Theaterstücke, die ihn auch außerhalb seiner Muttersprach berühmt machen sollte. Vorher aber begab er sich auf Reisen: Amerika.

1929 reiste er nach New York und damit begann eine Entwicklung, die aus einem jungen Spanier einen künstlerischen Weltbürger machen sollte, dessen internationale Erfahrungen seine Kunst universaler und seine Ansichten kosmopolitischer machten. Zurück in Spanien begann sein nationaler Aufstieg zu einem der bedeutendsten Schriftsteller seiner Generation.

Zur Erinnerung: Wir befinden uns in Spanien am Ende der Monarchie und – es ist das Jahr 1931 – bei der Ausrufung der Republik. Spanien, wie ganz Europa, steht am Anfang einer gewaltigen Umwälzung und die Hoffnung auf Demokratie und Modernität flammt überall auf. Genauso die Angst und der Widerwille dagegen. Ein Menetekel zeichnet sich am Horizont ab, das den Kontinent bald in Flammen setzen wird.

Noch aber feiert Lorca seine Erfolge als Autor und Theatermann, der seine eigenen Werke und die der großen Dichter vergangener Tage aufführt, vollkommen unbeschwert. Da kommt Bluthochzeit 1933 auf die Bühne und schlägt wie eine Bombe ein.

Mit diesem Drama, dass mit modernen künstlerischen Mitteln die sozialen Verhältnisse in einer ungeheuer dramatischen wie berührenden Form aufgreift, trifft er den Nerv seiner Zeit und erschafft einen Klassiker der Weltliteratur, der noch Jahrzehnte später nichts an seiner Bedeutung verlieren wird.

Das Publikum Spaniens diskutiert dieses Drama sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich, denn beide Aspekte lassen sich in Bluthochzeit nicht trennen. Sie sind fest in Sprache und Handlung eingewoben, als gehörte das Gesellschaftliche untrennbar zur großen Poesie dazu, ja, als müsste die Imagination zwangsläufig konkret werden, um große Kunst zu sein.

Sourrealisten 1930, v.l.n.r: Tristan Tzara, Paul Élouard, André Breton, Hans Arp, Salvador Dalí, Yves Tanguy, Max Ernst, René Crevel, Man Ray

Surrealisten 1930, v.l.n.r: Tristan Tzara, Paul Élouard, André Breton, Hans Arp, Salvador Dalí, Yves Tanguy, Max Ernst, René Crevel, Man Ray (Bild: Archiv)

Der Erfolg von Bluthochzeit führt ihn nach Südamerika, wo das Stück ebenfalls gefeiert und gespielt wird. Mittlerweile beginnt sich die politische Situation in Spanien zuzuspitzen und als Lorca 1934 zurückkehrt, findet er sein Land am Rande des Bürgerkriegs wieder. In diesen dramatischen Zeiten schreibt er eine erneuten Welterfolg, den zweiten Teil seiner Trilogie über die Unterdrückung (die sogenannte Bauerntrilogie), nämlich Yerma, die Geschichte einer jungen Frau, die sich ein Kind wünscht, aber die diesen Wunsch von ihrem Mann nicht erfüllt bekommt und schließlich daran zerbricht.

Jetzt ist der Autor endgültig berühmt und steht fortan auf einer Stufe mit Cervantes. Er ist der Erneuerer, wenn nicht gar der Erfinder des modernen spanischen Dramas, als im Februar 1936 eine linksorientierte Regierung an die Macht kommt und ein General namens Franco gegen diese gewählte Regierung putscht.

Der spanische Bürgerkrieg hat begonnen und mit ihm der Anfang vom Ende des alten Europas und zeitgleich des Lebens des Dichters Federico Garcia Lorca.

Lorca war eine Symbolfigur des modernen, demokratischen Spaniens, einer Hoffnung, dass das Alte von etwas Neuem abgelöst wird, in dem die Menschen freier, selbstbestimmter und gerechter leben können. Diese Hoffnung schreibt Lorca in seine Gedichte, seine Dramen und er vertritt es als Bürger und Mensch.

Am 16. August 1936 wird Federico Garcia Lorca, der versuchte, vor den Faschisten und ihrem Terror zu fliehen, in Granada verhaftet. Drei Tage später bringt man ihn im Morgengrauen nach Viznar, einem Flecken in der Nähe Granadas, wo er auf einer Landstraße zusammen mit anderen Republikanern erschossen wird. Er wird verscharrt und seine Grabstätte nie gefunden.

Mit nicht einmal 38 Jahren endet das Leben eines der großen Dichter Europas, der gegen die Unterdrückung kämpfte, unter der er als Dichter, Republikaner und Homosexueller litt und die er mit den schärfsten Waffen des Dichtung zu bekämpfen suchte.

Was bleiben wird sind seine Kunst und seine Werke, von Bluthochzeit, Yerma und Bernada Albas Haus bis zu seinen Gedichten, die in viele Sprachen übersetzt wurden und die noch viele Generationen berühren und faszinieren werden. Jedenfalls solange es Unterdrückung und Ungerechtigkeit geben wird.

Federico García Lorca, 1927 (Bild: Archiv)

Bluthochzeit –
Die Geschichte

Wir befinden uns mitten in den Weiten der andalusischen Ebene, jener Zentralregion Spaniens, die all das verkörpert, was die spanische Provinz ausmacht: ein hartes Leben und Bewohner, die um ihre Existenz ringen müssen.

 

Der erste Akt

Ein Dorf. Die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein kleines Haus.

Der Bräutigam verabschiedet sich von der Mutter. Er will zu seinem Weinberg. Er fragt nach einem Messer, zum Trauben schneiden. Die Mutter ist erzürnt, erregt empört sie sich über das Messer als Waffe. Ihr Ehemann ist bei einem Familienstreit mit einer Familie aus dem Dorf, den Felix, umgekommen. Sie betrauert ihren Mann und verflucht diese Gewalttat.

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Der Sohn hat Mühe, sie zu beruhigen. Er spricht von seiner bevorstehenden Hochzeit mit der Braut und vereinbart, dass beide zur Familie der Braut gehen werden, um das Einverständnis des Vaters der Braut einzuholen.

Der Sohn verlässt das Haus. Drei Nachbarinnen treten auf und die Mutter ist begierig, etwas über die Braut ihres Sohnes zu erfahren. Es stellt sich heraus, dass die Braut schon einmal verlobt war – mit Leonardo, einem aus der Sippe der Felix.

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Bei den Felix. Die Ehefrau von Leonardo mit ihrem Kind und der Schwiegermutter. Sie singen dem Kind ein Wiegenlied bis es einschläft. Leonardo kommt und wirkt angespannt, abwesend. Seine Frau fragt ihn, wo er gewesen sei. Er weicht aus. Das Gespräch kommt auf die bevorstehende Hochzeit –  Leonardos Frau ist mit der Braut verwandt – und Leonardo verweigert sich. Er verschweigt seine Verlobung mit der Braut.

Die Schwiegermutter nimmt das Kind und singt erneut ein Wiegenlied.

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Die Mutter und der Bräutigam sind auf dem Weg zur Familie der Braut.

Sie werden von einer Magd empfangen und Mutter und Brautvater loben die Vorzüge ihrer Kinder. Die Braut erscheint und wird geprüft. Der Bräutigam ist schüchtern, die Braut zurückhaltend. Die Mutter stimmt der Hochzeit zu als wäre es ein Geschäft. Der Brautvater verabschiedet beide.

Die Braut bleibt allein zurück. Sie wirkt nicht wie eine glückliche Braut vor ihrer Hochzeit. Die Magd, zurückgekehrt, fragt sie nach der vergangenen Nacht. Sie hat Leonardo unter ihrem Fenster gesehen. Die Braut gebietet ihr zu schweigen. Da hört man Pferdehufe. Es ist Leonardos Pferd.

Wie aus einer anderen Welt erscheinen eine Bettlerin und der Mond auf der Szene.

Der zweite Akt

Die Hochzeit. Vor dem Haus der Braut, die für das Hochzeitsfest geschmückt wird.

Die Gäste werden erwartet. Da erscheint Leonardo, ohne seine Frau. Die Braut und Leonardo können sich nicht mehr verstellen und ihre Gefühle prallen aufeinander. Sie halten sich nicht aus. Die Braut flieht vor Leonardo – er verlässt das Haus.

Mädchen und Burschen treten ein und preisen die Braut und die Hochzeit. Mehr und mehr Gäste kommen. Die Braut und der Bräutigam erscheinen und erwarten die Trauung. Da betritt Leonardo erneut das Haus – diesmal an der Seite seiner Frau. Die Mutter betrachten Leonardo, einen der verhassten Felix mit Misstrauen, während die Hochzeitsgesellschaft sich zur Trauungszeremonie versammelt.

Braut und Bräutigam werden umringt und die Zeremonie wird vollzogen. Die Gesellschaft ist fröhlich, eine feierliche Stimmung breitet sich aus.

Unbemerkt bleiben die Braut und Leonardo allein.

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Der Hochzeitsfeier kann beginnen. Die Gäste erwarten den Tanz des Brautpaares und fordern den Bräutigam auf, zu tanzen. Der sucht seine Braut. Erst schaut er sich um, dann wird er nervös und schließlich erkennt er, dass sie verschwunden ist.

Alle beginnen zu begreifen, was geschehen ist: die Braut ist mit Leonardo geflohen.

Die Mutter, fassungslos und sich an die Blutfehde ihrer Familie mit denen der Felix erinnernd, ruft zur Jagd und beschwört den Kampf um Leben und Tod.

Der dritte Akt

Man sieht drei Holzfäller, die das Ereignis kommentieren – das Schicksal kann nicht abgewendet werden und sie beschwören den Mond als einen stummen Zeugen.

Der Bräutigam, der sich als Vollstrecker einer langen Tradition der Rache und des Blutes wähnt, taucht mit den Verfolgern auf. Sie suchen die Entflohenen noch immer.

Er trifft eine klagende Bettlerin, die wie der Tod wirkt. Sie will ihn begleiten, denn sie weiß, was geschehen wird. Die Holzfäller beklagen die Unabwendbarkeit und die Tragik der Ereignisse und verlassen die Szene.

Die Gejagten, Leonardo und die Braut, erscheinen und geben dem Schicksal die Schuld an ihrer Flucht. Sie sind zerrissen und ohne Hoffnung, sie wissen, dass sie nicht anders handeln konnten.

Sie umarmen sich. Sie sind unzertrennlich. Sie warten.

Die Hochzeitsgesellschaft hat sie gestellt. Die Menge umzingelt sie und fordert den Tribut.

Ein Kampf, an dessen Ende der Bräutigam und Leonardo tot am Boden liegen.

Das Schicksal hat sich erfüllt, es wurde von Menschenhand vollstreckt und die Hinterbliebenen, die Mutter und Frauen, beklagen sich.

Die Braut erscheint. Die Mutter stellt sie. Ihre Motive bleiben unverstanden und sie bleibt mit ihrem Los allein. Es folgt Stille.

Ensemble Bluthochzeit (©Florian Miedl)

Katy Karrenbauer-
das exklusive Luisenburg-Interview

Frau Karrenbauer, mögen Sie Granit?

(Lacht) Meinen Sie auf Granit beißen? Oder Granit als Stein? Nein, den Stein mag ich nicht besonders. Ich sage Ihnen auch warum: der dunkle Granit ist meist durchzogen von einem bestimmten Glitzer, das ist mir zu viel.

Dann bekommen wir vielleicht ein Problem: die Felsenbühne auf der Luisenburg ist voller Granitsteine und die ganze Luisenburg steht auf Granit.

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Ja, aber die Bühne besteht aus Holz und die Kombination von Fels, Holz und Granit ist sicherlich sehr schön. Ich kenne die Felsenbühne von Fotos her und bin sehr gespannt darauf.

Vor kurzem war ich auf der Premiere von „Tanz der Vampire“ in Berlin und habe dort Musical-Kollegen getroffen, mit denen ich teilweise in „La Cage aux Folles“ auf der Bühne stand. Dabei stellte sich heraus, dass sie auch in „Cats“ auf der Luisenburg mitspielen werden. Vanni Viscusi, der Choreografen von „Cats“  erzählte mir, wie wunderschön Wunsiedel sei und hat richtig von dem Ort, der Umgebung und der Bühne geschwärmt. Wenn er das sagt, dann bin ich sicher, dass es mir gefallen wird.

Und die Gerüchte über Schneeregen im Sommer, biblische Mückenplagen und andere Naturkatastrophen?

Ach, das wird schon. Ich habe ja schon oft Open-Air gespielt, hatte auch schon mit Wespenattacken auf offener Bühne zu kämpfen, was wirklich schlimm ist. Aber die Mücken werden wir alle überstehen, da mach ich mir keine Sorgen.

Was reizt sie am Spiel unter freiem Himmel?

Man ist Wind und Wetter, der Natur ausgesetzt, das liebe ich sehr. Jede Vorstellung ist eine neue Herausforderung, denn die Bedingungen sind niemals gleich. Das ist spannend. Auch wenn natürlich bei Regen und Unwetter grade die technischen Bedingungen sehr erschwert werden.

Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Gewittersturm bei den Piraten-Festspielen. Das war die einzige Vorstellung, die jemals abgesagt wurde, denn die Blitze kamen immer näher. Und ich machte als Captain CC Roberts so ziemlich alles, was man bei Gewitter nicht tun sollte: ich stand aufrecht und nah am Wasser und in der Nähe eines kleinen Baumes, war bis an die Zähne bewaffnet mit Pistolen und Schwertern und bot somit ein perfektes Ziel für einen Einschlag. Dazu waren die Zuschauer auf der Tribüne ebenfalls nicht mehr sicher.

Aber in Wunsiedel ist der Zuschauerraum ja überdacht und das bedeutet, zumindest das Publikum ist geschützt und darum wird auch immer gespielt.

Frau Karrenbauer, sie sind ein Film- und Fernsehstar. Sie arbeiten sehr viel und spielen trotzdem immer Theater. Was zieht gute und erfolgreiche  Filmschauspieler auf die Theaterbühne?

Da kann ich nicht mitreden, Sie sprechen von Kollegen, die Fernsehen machen und dann ans Theater gehen. Ich komme ja vom Theater und habe danach erst Film und TV für mich entdeckt.

Mit 17 Jahren habe ich die Schule abgebrochen und meine Ausbildung auf der Schauspielschule Kiel, bei Uta Grabowski, einer Gründgens-Schülerin, begonnen. Sie lehrte mich großes Pathos und was es bedeutet, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Theater ist wirklich etwas ganz anders als Film und Fernsehen. Theater ist immer “jetzt“, lebt durch und aus dem Moment. Wenn du diesen verpasst, gibt es kein zurück. Was vergangen ist bleibt vergangen und du kannst nur weiter nach vorn schauen.  Theater ist immer unmittelbar. Wenn du einer Situation nachhängst, dann verfehlst du möglicherweise den nächsten, wichtigen Augenblick.

Bei Film und Fernsehen ist das ganz anders. Du kannst Wiederholen. Das, was dir oder anderen im Zusammenspiel nicht gelungen ist, wird einfach so oft gedreht, bis es stimmig ist.  Dagegen ist das Theater gnadenlos.

Dazu kommen der direkte Kontakt mit dem Publikum und dessen Reaktion – sie zeigen dir, ob du gut warst oder nicht. Der Applaus ist der Gradmesser für die Resonanz und das ist einmalig am Theater. Und dafür treten wir ja auch vors Publikum. Um uns genau dieser Unmittelbarkeit zu stellen.

Bei Serien oder Fernsehfilmen, die viel später gesendet werden, hat man diesen Kontakt nicht und deshalb fehlt dir die direkte Reaktion auf dein Spiel.

Ist es nicht ein Unterschied ob ein Millionenpublikum sie sieht oder ob sie vor ein paar Hundert Zuschauern auftreten?

Ich bin auf kleinen und auf sehr großen Bühnen aufgetreten, ich habe für wenig Zuschauer und für tausende gespielt. Ich weiß in jedem Fall, was es bedeutet, vor und für Menschen zu spielen. Und das macht mir groß Freude.

Ansonsten: ich bin ja eine Theater- und eine Filmschauspielerin. Ich mache beides parallel. Ich liebe beim Drehen das minutiöse, das genaue Spiel. Wenn es z.B. um Emotionen geht, vielleicht dazu um eine Träne, die wahlweise links oder rechts vergossen werden muss. Das ist hohe Schauspielkunst und wer das kann, gehört zur Königsklasse.

Auf der Bühne brauchst du die großen Gesten, damit dich die Zuschauer in der hinteren Reihe auch noch sehen. Dort eine Träne zu sehen könnte schwierig werden, aber dafür nimmt man das Gefühl mit in den gesamten Körper hinein.

Es sind also zwei komplett andere Arbeitsweisen.

Sie machen Film, Fernsehen, Theater, sind in den Medien präsent. Das ist harte Arbeit. Und es fordert einen Tribut. Wie kommt der Mensch, wie kommt die Frau Katy Karrenbauer mit den Folgen dieser Popularität zurecht? Ist Bekanntheit ein Kollateralschaden des Erfolgs?

Ich würde das nicht als Kollateralschaden bezeichnen. Alles hat, wie fast immer im Leben, zwei Seiten. Einerseits freut es mich, wenn man mein Spiel mag, denn es beweist, dass meine Figuren glaubwürdig sind und das ist das schönste Kompliment, das man als Schauspieler bekommen kann. Die Serie „Hinter Gittern“ hat mich ja sehr bekannt gemacht, denn ich war 10 Jahre lang jeden Montag in deutschen und österreichischen Wohnzimmern zu sehen. Da darf man sich nicht wundern, wenn man angesprochen wird. Die Leute mochten eben ihre „Christine Walter“. Aber das ist nun auch schon nahezu 10 Jahre her. Durch die ständigen Wiederholungen allerdings kommt es den Zuschauern so vor, als drehe ich das grade. Das ist wirklich manchmal komisch, weil es eben so lange her ist und ich damit irgendwie gar nichts mehr zu tun habe. Dazu bin ja nicht mit meinen Rollen identisch und nicht jeder mag das akzeptieren.

Im letzten Jahr stand ich drei Monate als Frau Dr. Dorothea Lehberger, Leiterin der Forensik-Abteilung und Kommissaroberrätin in „Die Spezialisten“ vor der Kamera. Nun hat das ZDF wunderbarerweise dreizehn weitere Folgen in Auftrag gegeben, die ab Juli dieses Jahres  gedreht werden. Es würde mich sehr freuen, wenn die Zuschauer diese Figur auch mögen würden. Dann wäre ich nicht mehr für alle die „Kumpeline“ sondern eine Respektsperson. Wär‘ doch was … (sie lacht)

Ganz ehrlich, ich will mich nicht beklagen, denn die meisten Menschen sind wirklich sehr nett zu mir.

Sie spielen auf der Luisenburg eine Hauptrolle, nämlich die Mutter in dem Klassiker „Bluthochzeit“ von Federico Garcia Lorca. Das ist ein berühmtes Theaterstück, ein europäisches Drama voller Poesie und Dramatik.

Ja, ich kannte das Stück aus der Schauspielschule im Zusammenhang mit einem anderen Klassiker des Autors, seinem Drama „Bernarda Albas Haus“. Ich habe mich damals mit Garcia Lorca beschäftigt und war von der Mutter in „Bluthochzeit“ fasziniert. Sie ist eine starke und präsente Persönlichkeit. Ich weiß, dass ich diese Rolle schon damals spielen wollte, insofern hat es mich sehr gefreut, als mich Eva-Maria Lerchenberg-Thöny und die Luisenburg-Festspiele gefragt haben, ob ich die Rolle übernehmen wolle.

Ich habe dann intensiv darüber nachgedacht, denn es hieß: Schauspiel mit Tanz. Nachdem Frau Lerchenberg-Thöny und ich uns dann kennengelernt und erstmalig am Prinzregententheater in München miteinander gearbeitet haben, entschloss ich mich, die Rolle anzunehmen. Sie ist sehr anspruchsvoll, besonders weil es um modernes Tanztheater und Schauspiel geht. Ich habe mir gesagt, das kann ich, das will ich machen.

Das ist das Besondere, das Einzigartige an dieser Inszenierung auf der Luisenburg. Es ist Schauspiel, es ist Tanz, es ist Musik und das auf einer einmaligen Bühne inmitten der Natur.

Das ist ja das Spannende. Diese Inszenierung ist fast ein bisschen martialisch, so könnte man es nennen, durch die Art des Tanzes. Wir drücken unsere Emotionen durch unsere Körper aus, was eine intensive choreografische Körperlichkeit bedeutet. Die Figuren, sind einerseits sehr rabiat, andererseits nahezu ohnmächtig, was man im Tanztheater mit in die Körper nehmen kann.

 Es gibt in dem Stück eine untergründige Ebene, die der verborgenen Gefühle und Leidenschaften, die durch den Tanz klarer zum Ausdruck kommen sollen. Ist das die Idee dahinter?

Ich bin mir ziemlich sicher dass, wenn man sich die großen Stücke anschaut, die im Tanztheater gezeigt wurden – hier sei natürlich die großartige Pina Bausch erwähnt – dann weiß man, wieviel Sprachgewalt Tanz besitzt, was für wunderbare Geschichten man erzählen kann.

Darum bin ich sicher, dass Eva-Maria Lerchenberg-Thöny uns diese mörderische Geschichte, diese zwischenmenschlichen Tragödien und die harten Traditionen eindringlich erzählen lassen wird.

Bluthochzeit ist in den dreißiger Jahren  des letzten Jahrhunderts  geschrieben worden, es spielt in einem vormodernen Spanien, in dem alte Traditionen und Religion über der Individualität stehen. Die Frage ist doch, was hat dieses Stück unserer Gegenwart zu sagen?

Man muss nur die Augen aufmachen, um zu erkennen, dass Gewalt und Krieg aktueller sind denn je. Menschen bekriegen sich, missgönnen einander und die Frage, wie gehen wir Menschen miteinander um, ist allgegenwärtig.

Dieses Stück ist modern, weil Menschen Menschen sind und immer Kontroversen erzeugen. Nehmen Sie zum Beispiel die Pegida-Bewegung, die Flüchtlingskrise oder die anderen weltweiten Konflikte, die in Gewalt und Chaos münden.

Es gibt neben den Konflikten, die Sie genannt haben, ein starkes Motiv, nämlich die Sehnsucht, besonders die der Frauen. Frauen sind einerseits Träger der Tradition und auf der anderen Seite brechen sie aus der Tradition aus, suchen ihre Individualität. Spielen Männer in dem Stück eine untergeordnete Rolle?

Die Männer werden beschrieben wie sie tatsächlich sind. Es geht immer um Traditionen, um ein Rollenverständnis und die Erwartungen, die gestellt werden. Bei den Frauen, wie bei der Mutter, die ich spiele, existiert eine höhere Leidensfähigkeit. Die Mutter arrangiert sich eher mit den Bedingungen. Auf der anderen Seite ist sie über die endlose Gewalt verzweifelt, die ihr erst den Mann und dann den Sohn raubt. Sie hat nur noch ihren jüngsten Sohn und will die Familie erhalten. Aber natürlich entstehen Konflikte, die die Familientradition gefährden und die wieder und wieder in Gewalt münden.

Denken Sie an heutige Traditionen in patriarchalischen Familien, da gibt es Ehrenmorde, Zwangsehen und Unterdrückung der Frauen durch eine Männergesellschaft.

Nichts ist vergangen und vorbei und nichts ist erledigt. Es ist ein brennend aktuelles Thema, welches dieses Stück „Bluthochzeit“ behandelt.

Sie sind eine engagierte Frau und beteiligen sich aktiv an sozialen Projekten. Gerade was den Wertekanon betrifft, den Lorca in seinen Dramen behandelt wie Emanzipation, familiäre Strukturen und Selbstbestimmung. Was und wen unterstützen Sie?

Ich bin Botschafterin des Kinderhospiz- Sonnenhof, unterstütze Vereine gegen den Missbrauch an Kindern, Botschafterin von „Flugkraft“, ein Projekt im Kampf gegen Krebs und bin ich in der Berliner Aids-Hilfe aktiv. In diesem Bereich trete ich auch für die gleichgeschlechtliche Ehe ein.

All das, worin ich mich engagiere, erinnert mich im Täglichen daran, wofür ich einstehe, wo meine Überzeugungen liegen, was mir wichtig ist und woran ich glaube.

Ich bin überzeugt davon, dass die Welt im Kleinen zu verändern ist und dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann. Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, wenn jeder sich für sie einsetzt.

Kennen Sie die kleine Geschichte mit dem Fisch?

Nein, leider nicht. Erzählen Sie sie mir.

Zwei Menschen gehen am Strand entlang. Mit einem Male sehen sie einen kleinen Fisch, der an Land angeschwemmt wurde und zu sterben droht.

Der eine geht an dem Fisch vorüber, der andere aber bleibt stehen und hebt den Fisch auf.

„Komm, wir müssen weiter“ – „Ja, ich komme sofort. Ich will nur schnell den Fisch zurück ins Wasser bringen“ – „Wozu das denn? Damit änderst du die Welt auch nicht!“ – „Die Welt vielleicht nicht, aber die Welt für den Fisch ganz sicher!“

 Frau Karrenbauer, ich danke Ihnen sehr für das Interview und ihre Offenheit.

(©Florian Miedl)

Datum & Uhrzeit Aufführung Karten
Do. 14.07.2016 20:30 Bluthochzeit öffentl. Generalprobe
Fr. 15.07.2016 20:30 Bluthochzeit Premiere
Di. 19.07.2016 10:30 Bluthochzeit einzige Vormittagsvorstellung
Mi. 20.07.2016 20:30 Bluthochzeit
Sa. 23.07.2016 20:30 Bluthochzeit
Fr. 29.07.2016 20:30 Bluthochzeit
So. 31.07.2016 15:00 Bluthochzeit
Sa. 06.08.2016 20:30 Bluthochzeit

Änderungen und Ergänzungen vorbehalten.

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