Kritiken zum Klassenzimmerstück
“Patricks Trick”

Klassenzimmertheater erweitert Horizont

16.11.2017 – Wie ist das Leben mit einem behinderten Menschen an meiner Seite? Das Klassenzimmertheater „Patricks Trick“ der Luisenburg-Festspiele ermöglichte es den Zehntklässlern der Realschule Selb sich in solch eine Situation hineinzuversetzen.

Nach dem Motto „Theater kommt zu DIR!“ kam ein Schauspielduo der Luisenburg-Festspiele an die Realschule Selb. „Patricks Trick“ hieß das „Klassenzimmertheater“, welches direkt zwischen den Zehntklässlern stattfand und eine regelrechte Horizonterweiterung ermöglichte.

Der Protagonist war der elfjährige „Patrick“, gespielt von Marc Laade, der erfahren hatte, dass er einen behinderten Bruder bekommen wird. Wolfgang Zarnack, der diesen ungeborenen Bruder verkörperte, sowie zwölf weitere Rollen hervorragend umsetzte, überzeugte dabei durch seine sprachliche Stärke und Ausdruckskraft.

Die Jugendlichen wurden mitgerissen in das Innenleben des großen Bruders, der verzweifelt nach Antworten suchte. Wie ist das Leben mit einem behinderten Bruder, der vielleicht nie richtig sprechen kann? Wie werden die anderen damit umgehen und wer gibt einem die richtigen Antworten auf all die Fragen, die nun so wichtig geworden sind?

In dem Stück gab es viele Antwortmöglichkeiten, auch wenn die Interpretation von den Schülerinnen und Schülern selbst erfolgen musste. Es wurde unter anderem immer wieder betont, dass es die Sprache ist, die Menschen miteinander verbindet, auch wenn diese sehr unterschiedlich ist. So kann es beispielsweise ein Lied sein, welches das Herz des anderen berührt. Das Kinderlied „Fünf kleine Fische“, wurde von Patrick gesungen, um damit seinen kleinen Bruder zu beruhigen und die Zehntklässler stimmten spontan mit ein. Der direkte Lebensbezug zu den Jugendlichen und das ehrliche Interesse der Schülerinnen und Schüler zeigte sich auch in dem anschließenden Gespräch mit den Schauspielern und der Regisseurin Andrea Hoever. Es ist bemerkenswert, wie die Schauspieler durch dieses kurze Theaterstück aufzeigen konnten, dass wir nicht alle gleich sein müssen und die Verschiedenheit der Menschen, mit sämtlichen Begabungen und Begrenzungen, das eigentliche Mensch-Sein ausmacht.

Quelle: selb-live.de – Presseinfo Realschule Selb

Dialog mit dem ungeborenen Bruder
von Andrea Herdegen

Im Klassenzimmerstück “Patricks Trick” der “Jungen Luisenburg” geht es um das Thema Behinderung. Marc Laade und Wolfgang Zarnack spielen beeindruckend.

Wunsiedel – Premiere für Birgit Simmler: Zwar nicht auf der Luisenburg-Bühne, aber immerhin in einem Klassenzimmer im Luisenburg-Gymnasium wird das erste Stück gezeigt, das sie als neue künstlerische Leiterin der Festspiele verantwortet. Und: “Patricks Trick” von Kristo Sagor wird in der Klasse 6c ein Riesenerfolg. Schüler, Lehrer und Schulleiter klatschen am Ende begeistert, alle Mitwirkenden nimmt Simmler freudig in den Arm. Später diskutieren die Kinder lebhaft mit den Schauspielern Marc Laade und Wolfgang Zarnack sowie mit Regisseurin Andrea Hoever, die seit wenigen Wochen die “Junge Luisenburg” leitet.

Er schreit. Seine Glieder zucken. Beim Wälzen auf dem Boden brüllt er noch lauter. Patricks ungeborener Bruder wird behindert sein. Das weiß der elfjährige Junge, weil er seine Eltern belauscht hat. In seiner Vorstellung spricht Patrick (Marc Laade) mit seinem Bruder. Er ahnt, dass es schwer werden wird, wenn der Kleine anders ist, nicht der Norm entspricht. Ahnt, dass das Umfeld verwundert reagieren wird. Patrick will seinem Bruder helfen.

Er sucht den Dialog: mit seinem besten Freund, einem Mitschüler mit kroatischen Wurzeln, einem Boxtrainer, einer Lehrerin, einer Marktfrau, einem Professor und immer wieder mit seinem ungeborenen Bruder. Diese unterschiedlichen Menschen spielt Wolfgang Zarnack so überzeugend, dass man sie ohne weiteres auseinander kennt. Patrick möchte für seinen kleinen Bruder herausfinden, was es bedeutet, behindert zu sein.

Die Idee, dem ungeborenen Bruder eine Stimme zu geben, geht zu Herzen. Doch Theaterautor Kristo Sager bringt sein tiefgründiges Thema unsentimental auf die Bühne.
Komische Einfälle stecken im Stück, witzig ist die Umsetzung: Es wird viel gelacht an diesem Vormittag. So geht Zarnack als Gemüsefrau von Pult zu Pult, wischt darüber und leiert immerzu: “Bio-Tomaten 2,99; Auberginen das Stück 99 Cent …”

Patrick stellt fest, dass behindert sein nicht das Gegenteil von gesund sein bedeutet. Er fragt die Gemüseverkäuferin, wie es ist, behindert zu sein. Ihre Antwort: “Das ist ganz normal.”
Natürlich kann Patrick niemandem sagen, wie es wirklich werden wird mit einem behinderten Bruder. Doch das Ende ist zuversichtlich: Patrick möchte seinen Bruder Philipp nennen.
Warum? Der Vorname beginnt auch mit dem Buchstaben P. Das beweist Zusammengehörigkeit und zeigt, dass er das behinderte Kind als Bruder akzeptiert.

Was sie Patrick raten würden, wollte Regisseurin Andrea Hoever von den Kindern wissen. “Dass behindert sein nicht unnormal ist”, antwortet ein Schüler. Ein anderer Junge stellt fest, dass keiner für seine Behinderung etwas könne. “Sie begleitet dich durchs ganze Leben, ist wie ein Bruder.”
Die beiden Schauspieler finden es spannend, ohne schützenden Bühnenraum vor dem Publikum zu stehen. “Das ist viel unmittelbarer”, sagt Zarnack, der vor Kurzem noch in Hamburg im Musical “Das Wunder von Bern” mitgespielt hat. “Die Reaktionen spüren wir hier total nah”, sagt Marc Laade und lobt die Kinder: “Ihr wart alle voll bei der Sache.” Nur drei Wochen haben die beiden Darsteller für das Klassenzimmerstück geprobt, dafür aber sehr konzentriert. Es ist ihre erste Zusammenarbeit: “Wir haben uns gerade kennen und lieben gelernt”, sagt Wolfgang Zarnack lachend.

Ein Junge möchte noch unbedingt wissen, ob die beiden in der nächsten Saison auf der Luisenburg spielen. “Ja”, antwortet Wolfgang Zarnack, “da werden wir uns alle wiedersehen.”

Quelle: Frankenpost

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