Newsletter der Luisenburg-Festspiele 07/2024

Endlich geht’s los!

Viele haben lange und intensiv gearbeitet, damit die erste Produktion an den Start gehen kann: PIPPI LANGSTRUMPF feiert in wenigen Tagen, am 14. Mai 2024 auf der – schneefreien! – Felsenbühne Premiere.

Das Haus erwartet diesen Termin, denn mit der ersten Vorstellung kommt die Arbeit aller Abteilungen, der Gewerke und Werkstätten und vieler Hände und Köpfe zu Ihnen, zu unserem Publikum. Wir sind gespannt.

Kurz vor der Premiere haben wird die Darstellerin der Pippi Langstrumpf, Lisa Mader, gefragt, wie es für sie ist und wie sie sich mit ihrer Rolle fühlt.

Eine weitere Stimme, eine sehr gewaltige, kommt in dieser Ausgabe zu Wort. Mischa Mang, Musicaldarsteller und Sänger, gibt Auskunft über seine Rolle als Judas in JESUS CHRIST SUPERSTAR und über seine Karriere.

Wir ziehen ein Resümee der ersten Messe für deutschsprachiges Musical oberFRINGE, die in der letzten Woche in Oberfranken stattgefunden hat. Sie hat gezeigt, wie produktiv und vielgestaltig das Neue Deutsche Musical ist.

Hintergrundgespräche und Eindrücke aus der Produktion gibt es Pfingsten zu EIN SOMMERNACHTSTRAUM in einer Runde, zu der Sie herzlich eingeladen sind.

Wir hoffen, Ihnen die Festspiele nahezubringen und Sie haben Spaß dabei!

Lisa Mader ist Pippi Langstrumpf

Keine Frau und kein Mann, egal in welchem Alter, der oder die nicht eine sehr persönliche Erinnerung an Pippi Langstrumpf und an ihre verrückten Abenteuer hätte.

Das macht sie beinahe zu einem Teil der Familie oder mindestens zu einer Freundin, die man lebenslang ins Herz geschlossen hat.

In der neuen Inszenierung von Veronika Wolff und ihrem Ensemble spielt Lisa Mader, die Nachwuchspreisträgerin der Festspiele 2022, die Titelrolle. Eine Herausforderung und ein Glück. Oder?

Wir fragen sie einfach kurz vor einer Probe.

Lisa Mader

Lisa Mader, ist die Rolle ein Glück für Dich?

Ja, absolut!

Mit welchen Gefühlen betrittst Du die Bühne?

Mit einem Gefühl aus Lust, Spaß und Ehrfurcht

Was ist das Schönste Deiner Rolle?

Das sie machen kann was sie will.

Fürchtest Du Dich vor irgendwas hier oder auf der Bühne?

Ich fürchte mich nur vor schlechten Menschen.

Wie charakterisierst Du Deine Figur?

Erdig, lustvoll, unabhängig, eine Naturgewalt.

Gibt es etwas, was Du nicht an ihr magst?

Dass sie eine Utopie ist und keine Wirklichkeit

Hat Pippi Ähnlichkeit mit Dir?

Ja, in meinen Träumen und Wünschen

Siehst Du Pippi heute anders als vor den Proben?

Ja. Ich sehe sie heute vollkommener und nicht mehr karikiert.

Lisa Mader
Lisa Mader

Liebe im Labyrinth – ein Sommernachtstraum

Nach PIPPI LANGSTRUMPF im letzten Monat kommt jetzt das Kreativteam der Eröffnungspremiere EIN SOMMERNACHTSTRAUM in „Dramaturgie im Gespräch“ zum Publikum.

Marc Krone, der Regisseur der Shakespeare‘schen Liebeskomödie wird über das Stück, seine Qualitäten und die Verwandlung der Felsenbühne in einen verwunschenen Liebeswald sprechen. Außerdem wird die neue Übersetzung des Klassikers vorgestellt. Marc Krone wird von Künstlerinnen und Künstler der Produktion begleitet.

Der ungezwungene Abend erlaubt einen Blick in die Entstehung der aktuellen Inszenierung. Ein Gespräch über das Theater, seine Geheimnisse und seine Möglichkeiten, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Moderiert von Christof Kaldonek, findet das Gespräch am

Pfingstmontag, den 20. Mai 2024 um 19:00 Uhr

im Fichtelkaffee, Am Markt 10 in Wunsiedel statt.

Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Startschuss für das Neue Deutsche Musical in Oberfranken

Mit der ersten Messe für deutschsprachiges Musical „oberFRINGE“ tritt dieses in eine neue Phase ein.

Es war eine Leistungsschau, ein Treffen Gleichgesinnter und ein Durchbruch: die Messe „oberFRINGE“, die vor einer Woche mit über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Bayern mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und der Oberfrankenstiftung stattgefunden hat.

Die Crème de la Crème des neuen deutschsprachigen Musiktheaters gab sich erstmals in Oberfranken ein Stelldichein, das Folgen haben wird. Der kreative und innovative Teil der Musiktheaterszene aus Komponist*innen und Autor*innen traf die Produzierenden und Verantwortlichen der Theaterinstitutionen und bildete ein Netzwerk, das sich zurecht als Kraftwerk des Neuen Deutschen Musicals versteht.

oberFRINGE 2024
© Deutsche Musical Akademie

Kernpunkt der drei Tage war die Werkschau. Neues Deutsches Musical in unterschiedlichsten Entwicklungsstufen, von der Idee über einen ersten Entwurf bis hin zu vollständigen Fassungen in verschiedenen Reifegraden, wurde gesichtet, in Feedbackrunden bewertet, nächste Entwicklungsschritte empfohlen und mögliche Partner dafür gefunden. Die Vernetzung der Kreativen und Häuser jeweils unter- als auch miteinander hat das dezidierte Ziel, die Grundlage für mehr hervorragendes Neues Deutsches Musical zu schaffen.

„Ganz konkret sind etliche Werke, die hier vorgestellt wurden, von Häusern und Produzierenden in Patenschaften übernommen worden“ freut sich Birgit Simmler, die als erste Vorsitzende der DEUTSCHEN MUSICAL AKADEMIE maßgeblich an der erfolgreichen Etablierung dieses Branchentreffens beteiligt war. „Das betrifft sowohl die Weiterentwicklung als auch die Übernahme in die Spielpläne.“

oberFRINGE 2024
© Deutsche Musical Akademie

Was 2019 bis 2022 auf den ersten Musical-Symposien in Wunsiedel begonnen hat, hob das oberFRINGE auf eine neue Stufe. Da das deutsche Theater systemisch kaum Innovation im Bereich des Neuen Deutschen Musicals erlaubt und fördert, gaben die Teilnehmenden ihre eigene Antwort: Urheber*innen, Produzent*innen und Häusern schaffen nach internationalem Vorbild nun auch in Deutschland einen professionellen Standard für die Entwicklung neuer Werke. Darüber hinaus etablieren sie kooperative Modelle und Verwertungsketten von z.T. verschiedensten Partnern.

„Ein wichtiger Schritt ist die gelungene Zusammenarbeit der öffentlich und der privat finanzierten Häuser“, resümiert Birgit Simmler die Tage in Bayreuth, Hof und Wunsiedel. „Auch hier ist der nächste Schritt getan worden bei der Zweitverwertung und bei der Koproduktion von Musicals.“

oberFRINGE 2024
© Deutsche Musical Akademie

Die Trennung zwischen Musical und Hochkultur, dieses eingeschliffene Schubladen- und Genredenken, spielte keine Rolle mehr. Der Qualitätsnachweis innerhalb der Theaterszene und die enorme Publikumsnachfrage nach gutem Musiktheater macht die Trennung zwischen Theaterkunst und Musical grotesk. Das führt zu einer spürbaren und folgenreichen Öffnung und zu neuen, vielversprechenden Kontakten.

Der fruchtbare Austausch gelang auch bei Fragen der Finanzierung und über neue Produktionsmethoden, die beide Welten – die Wirtschaft und die Kultur – miteinander verbinden. „Das Neue Deutsche Musical kann sowohl anspruchsvoll als auch beim Publikum erfolgreich sein“, konstatiert Birgit Simmler. “Beide Seiten gehören zur Produktion neuer Werke. Das Mitdenken, welcher künstlerische Inhalt mit welchen finanziellen Mitteln optimal produziert, verwertet und möglichst nachhaltig gespielt werden kann, dient allen Seiten, den Kreativen wie den Produzierenden.“

oberFRINGE 2024
© Deutsche Musical Akademie

Wenn es eines Beweises bedurfte, dass das Neue Deutsche Musical kreativ, lebendig, professionell und grenzenlos vielseitig ist, wurde er in Oberfranken erbracht. Das Musical kann die unterschiedlichsten Interessen an allen Standorten in Deutschland lückenlos bedienen.

Die Folgen von „oberFRINGE“ werden die Theaterlandschaft inspirieren und der Erwartung des neugierigen und offenen Publikums entgegenkommen. Insofern ist das nicht das letzte Treffen dieser Art. Auch nicht in Oberfranken.

oberFRINGE 2024
© Deutsche Musical Akademie

Mehr als nur böse – Mischa Mang ist Judas

Mischa Mang ist als Künstler vielseitig. Im letzten Jahr hat er im dokumentarischen Musikdrama KALTE FREIHEIT – SPION ZWISCHEN DEN GRENZEN einen gebrochenen Helden gespielt und in diesem Jahr ist er der Inbegriff des Verrats: Judas Iskariot.

Diese Rolle in JESUS CHRIST SUPERSTAR hat er schon mehrfach mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht.

Mischa Mang als Judas und Gunnar Frietsch als Jesus
© Florian Miedl

Mischa Mang, Du bist Schauspieler, Musicaldarsteller und Rockmusiker. Wie bekommt man das unter einen Hut ohne zu verzweifeln?

Ich habe viel Energie, aber mit der Geburt meiner Tochter ist der Hut allerdings enger geworden. Ich musste Projekte absagen, die ich mit Freude gemacht hätte. Entscheide ich mich für ein Projekt in einem der drei genannten Genres, mache ich genau das am liebsten, was ich gerade mache.

Dein Profil – Schauspiel, Musical, Rock – passt perfekt zu Deiner Rolle als Judas in JESUS CHRIST SUPERSTAR. Du hast Judas schon gespielt. Was bedeutet diese Rolle für Dich?

Es scheint so, dass Judas die Rolle meines Lebens ist. Ich finde die Vereinfachung, dass Judas per se und ausschließlich das Böse verkörpert Quatsch. Judas hat vielleicht einfach eine erhöhte Sensibilität für „Böses“ entwickelt. Wenn man nicht allzu stumpfsinnig ist, dann spiegelt man in seiner Reaktion das Böse. Wer ist also Böse? Die unsichtbare Quelle oder der offensichtliche Spiegel. Wenn Dummheit siegt, ist Judas Böse. Und der Verrat? Tja, der lauert überall. Als Musiker und Schauspieler, der Jobs und Fans als Ressource braucht, hat man am besten gar keine politische Meinung und setzt besser gleich auf den allgemeinen anerkannten moralischen Imperativ. Das ist Verrat.

Figurinen für Judas, Maria und Jesus
Figurine für Soldat

Du hast auf der Luisenburg im letzten Jahr eine Hauptrolle gespielt, die, ähnlich wie Judas, sehr komplex und vielschichtig ist. In KALTE FREIHEIT warst Du zwischen Deinem Gewissen und der Verantwortung für Deine Familie hin- und hergerissen. Wie bringt man diese Widersprüche und Realitäten des Lebens auf die Bühne?

Widersprüche sind Teil meiner DNA. Ich bin der lebende Widerspruch, denn alles was ich mache, gerät unter den Verdacht der Unklarheit. Mein Trost ist, dass Wahrheiten, so es sie denn gibt, in den Widersprüchen stecken. Vieles lebt in Grauzonen und vereinfachte Formeln gehören zur dunklen Seite der Macht. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher Ecke – Rechts, Links, Dieter Nuhr, Trump – vereinfacht wird.

Neben Deinen großen Theaterrollen – SISTER ACT, HAIR, ROCKY HORROR PICTURE SHOW, JESUS CHRIST SUPERSTAR – bist Du als Rockmusiker erfolgreich. Du hast mehrere CDs mit verschiedenen Bands und Soloprojekte veröffentlicht. Wo stehst Du musikalisch und wohin geht Dein Weg?

Da sind wir wieder beim engen Hut. Ich sammle Ideen und warte auf den Zeitpunkt, an dem die Hutweite einen Schaffensprozess zulässt, um mein Album „Unterm Rock“ zu vollenden.

Nach all den Jahren Judas. Hand auf’s Herz: Worauf freust Du Dich bei dieser Produktion in Wunsiedel am meisten?

Abgesehen von einem bayerischen Kollegen ist es der Moment, an dem ich die neue Übersetzung, den neuen Text und seine Rhythmik bewältige und zweifelsfrei spiele. Ich stehe vor einem riesigen Kampf und ich freue mich darauf, ihn zu gewinnen.

Mischa Mang und Miriam Neumaier in KALTE FREIHEIT (2023)

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14. Mai 2024: Premiere PIPPI LANGSTRUMPF
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20. Mai 2024: Dramaturgie im Gespräch – EIN SOMMERNACHTSTRAUM

01. Juni 2024: Theaterfest

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