Newsletter der Luisenburg-Festspiele 04/2023

Sommer auf der Luisenburg – Die Festspiele laufen auf Hochtouren!

Die letzte der großen Produktionen, das Spionage-Musical KALTE FREIHEIT – SPION ZWISCHEN DEN GRENZEN geht diese Woche an den Start. Der Komponist Ondrej Soukup, ein Star in Tschechien, gibt Auskunft über sein Leben mit der Musik unter sehr wechselhaften Zeitläuften. Das ist eine europäische Biografie.

Brigit Simmler hat vor der Premiere von FRANKENSTEIN einen Blick in die Vergangenheit geworfen, ohne den man nicht verstehen kann, warum die musikalische Theaterlandschaft in Deutschland ist, wie sie ist. Hochinteressant und aufschlussreich. Wir dokumentieren ihre Grundsatzrede hier.

Miriam Neumaier ist eine jener jungen Darstellerinnen, die ihr Handwerk perfekt beherrschen und deshalb in Produktionen beteiligt sind, da alles bieten: Musik, Schauspiel, Gesang, Choreografie, Tanz und noch viel mehr. Diese Vielseitigkeit zeigt sie erstmals auf der Luisenburg. Sie spielt in gleich zwei Uraufführungen mit. Und hat Probleme mit dem Wetter im Fichtelgebirge.

Die erste Theater-Illustrierte der Festspielgeschichte ist da. Wer die gedruckte Ausgabe nicht bekommen hat, kann hier zugreifen.

Wie versprochen: Die Leserinnen und Leser des Newsletters haben viele Vorteile. Sie wissen mehr und werden bevorzugt.

Mit Karel Gott vor und hinter dem Eisernen Vorhang

Ondřej Soukup hat europäische Geschichte am eigenen Leib erfahren. Sie hat sein Leben genauso geprägt wie seine musikalische Vielseitigkeit, die vor keinem Genre halt macht. Ein Künstler mit Geschichte.

Herr Soukup, Sie sind einer der bekanntesten Komponisten in der Tschechischen Republik. Das bedeutet, dass Sie auf der Straße ständig angesprochen werden und die Leute Sie um Autogramme und Selfies bitten. Wie kommt es, dass die Leute Sie so gut kennen?

Es ist sehr schön, dass ich zu einem der bekanntesten Komponisten gehöre, aber die Leute auf der Straße, in Bars usw. sprechen mich vor allem deshalb an, weil ich viermal bei Superstar (die deutsche Version von DSDS) und einmal bei X-Factor in der Jury war. Wenn man jahrelang jede Woche für viele Monate auf dem Bildschirm erscheint, ist man ganz automatisch ein „Promi”. Das würde aber eigentlich jeden zum „Promi” machen, finde ich. Als Komponist ist man allein durch die Art und Weise, wie man arbeitet, vielleicht in der erweiterten Familie bekannt und dann bei Leuten, die sich für die Musik interessieren. Ich meine, ein Komponist schließt sich immer allein in seinem Büro oder Studio ein und feuert sofort jeden, der hereinkommt. Zumindest tue ich das. Schließlich ist das Komponieren eine sehr intime Tätigkeit.

Ondřej Soukup mit einer Auszeichnung beim SOUNDTRACK PODĚBRADY Festival 2018
© Ondřej Soukup

Sie arbeiten in vielen Genres, komponieren Filmmusik und Musicals, aber auch populäre Schlager. Am Anfang deiner Karriere haben Sie in bekannten Bands gespielt. Sie sind also ein vielseitiger Musiker. Was machen Sie am liebsten?

Ganz einfach gesagt: Komponieren. Für mich ist es immer noch faszinierend, ich stehe morgens auf und man hat nichts, am Abend hat man dann vielleicht zwei oder drei Minuten einer Melodie für einen Film oder einen Song geschrieben. Aber genau dann fangen die Zweifel an – ist es gut, ist es interessant oder habe ich Mist geschrieben? Das findet man leider meist erst im Nachhinein heraus. Kurzum, die Arbeit mit nicht direkt messbaren Werten, wie eben Musik, ist faszinierend, aber oft auch frustrierend.

Natürlich habe ich es geliebt, Instrumentalist zu sein und zu spielen, aber das war während meines Studiums am Prager Konservatorium und vielleicht auch noch lange Zeit danach. Ich bin ausgebildeter Kontrabassist und wollte ursprünglich klassische Musik spielen. Aber dann haben mich meine Schulfreunde zum Jazz geführt, ich habe in Rockbands gespielt und schließlich bekam ich 1981 ein Angebot von Karel Gott, in seinem Orchester zu spielen. Ich habe 12 Jahre lang mit ihm gespielt. Aber schon lange vorher hatte ich angefangen, eigene Lieder zu komponieren sowie Musik für Theaterproduktionen, Dokumentarfilme und schließlich auch für Spielfilme. Im Jahr 2000 wurde mein erstes Musical JEANNE D‘ARC in Prag uraufgeführt. Das Musical wird übrigens bis heute noch gespielt. Zusammen mit KALTE FREIHEIT habe ich sieben Musicals geschrieben, mehr als dreißig Spielfilme, Hunderte von Songs, einige Fernsehserien und viele Werbespots… Wenn ich darauf zurückblicke kann ich gar nicht fassen, wie ich das alles geschafft habe.

Ondřej Soukup in seinem Studio mit Karel Gott (r.) und dessen Tochter
© Ondřej Soukup

Sie wurden 1951 geboren. Als Kind erlebten Sie den tschechoslowakischen Kommunismus, und mit siebzehn Jahren den Prager Frühling. Wie haben Sie diesen Sommer und die anschließende politische Eiszeit erlebt?

Ich war in Holland bei einem Freund meines Vaters zu Besuch, als die Russen einmarschierten. Um 1968 herum gab es ein paar Reisemöglichkeiten, also schickten mich meine Eltern dahin, um mein Englisch zu verbessern. Am Morgen des 22. August platzte seine Frau mit einer Zeitung in mein Zimmer und schrie: „Ondřej wach auf, die Russen sind in Prag!“ Ich habe mir sofort große Sorgen um meine Eltern und meinen Bruder gemacht und bin so schnell wie möglich zurückgefahren, weil ich bei ihnen sein wollte. Aber dann, nach der enorm positiven Stimmung, die seit 1965 in der Kultur und in der ganzen Gesellschaft gewachsen war, begann sich alles zu trüben. Es waren zwanzig Jahre des totalen Verfalls und der Desillusionierung. Um die Zeit im Anschluss aufzuarbeiten wurden darüber viele Bücher geschrieben und Filme gedreht.

Wie haben Sie persönlich auf den Sturz der kommunistischen Regierung, die so genannte Samtene Revolution, reagiert, und was hat sie für Sie bedeutet?

Wir haben bis zum letzten Moment nicht geglaubt, dass der Kommunismus fallen könnte. Auch nicht, als in Prag Hunderte von Trabis standen und Ostdeutsche über die Mauer in die westdeutsche Botschaft kletterten. Bei Cheb gab es sogar endlose Autokolonnen aus der DDR, die in die BRD fahren wollten. Als dann die Kommunisten abtraten, saßen meine Frau und ich auf dem Küchenboden und weinten vor Freude wie kleine Kinder.

Ondřej Soukup
© Ondřej Soukup

Vor dreißig Jahren fiel der Eiserne Vorhang und Europa war vereint. Seitdem ist viel passiert. Wie sehen Sie Europa heute und wie beurteilen Sie die deutsch-tschechischen Beziehungen?

Es ist nicht immer glücklich, wenn Künstler, die oft zu starken Emotionen neigen, politische Überlegungen anstellen. Aber Ich meine, Europa muss zusammenhalten, in der heutigen Welt hat man keine andere Wahl. Die tschechisch-deutsche Beziehung ist im Moment überdurchschnittlich gut. Ich bin ein Nachkriegskind bin und da haben mich die Frustrationen der Kriegszeit nicht berührt, obwohl ich natürlich sehr gut weiß, was damals los war. Aber Deutsch als Sprache war in unserer Familie allgegenwärtig, mein Großvater war Offizier in der österreichisch-ungarischen Armee, meine Eltern sprachen perfekt Deutsch. Leider spreche ich nicht so gut Deutsch, mein Englisch ist besser, aber so paradox es auch klingen mag, ich betrachte Deutsch innerlich irgendwie als meine zweite Muttersprache.

Sie haben zum ersten Mal für das deutsche Theater an KALTE FREIHEIT gearbeitet. Wie war Ihre Erfahrung? Worin besteht der Unterschied zwischen Ihrer Arbeit in anderen Ländern und in der Tschechischen Republik?

Es ist überall ziemlich ähnlich. Aber eure Arbeitsmoral ist besser als unsere. Zum Beispiel kommen die Schauspieler pünktlich zu den Proben. Das ist bei uns nicht gerade die Norm. Ich bekam den Probenplan sogar sechs Monate im Voraus, das hat mich echt erstaunt. Ich habe vier Jahre lang in Spanien gearbeitet, um Musik für eine Zeichentrickserie zu schreiben. Dort hat die spanische Produktion TIJUANA das Postproduktionsstudio ab zehn Uhr morgens bezahlt, aber nie vor Mittag genutzt.

Platin-Schallplatte für das Musical Jeanne d'Arc. (Ondřej Soukup, Lucie Bílá - Hauptrolle, Gabriela Osvaldová - Librettistin)
© Ondřej Soukup

Das gibt es: Modernes Musiktheater auf der Luisenburg

Birgit Simmler, die Künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele, hält anlässlich der feierlichen Eröffnung der Spielzeit 2023 eine Rede über das moderne Musiktheater in Deutschland. Wir dokumentieren den Wortlaut.

Birgit Simmler hält ihre Rede vor der Premiere FRANKENSTEIN
© Florian Miedl

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebes Publikum,

wir sehen heute Mary Shelleys Romanklassiker FRANKENSTEIN als modernes, dramatisches, deutsches Musiktheater mit heutiger Musik.

Ich betone: Sie sehen keine Oper, Sie sehen ein Musical. Modernes, dramatisches, deutsches Musiktheater mit heutiger Musik. Warum ist das etwas Besonderes? Warum betone ich das? Erlauben Sie mir einige grundsätzliche Gedanken zum deutschen Musiktheater.

Wenn wir uns die letzten 100 Jahre des deutschen Musiktheaters ansehen, also die Historie betrachten, sehen wir, dass während der Nazi-Zeit ein Großteil der Komponisten auswandern musste.

Das bedeutete, die Basis für das moderne deutsche Musiktheater existierte nicht mehr, war nicht mehr vorhanden. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kamen die Exilanten nicht mehr zurück und das moderne Musiktheater in Deutschland wurde nicht wirklich entwickelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand stattdessen das Theater parallel, dezentral und in Sparten, nämlich Schauspiel, Ballett und Oper neu. Das moderne Musiktheater in Form des Musical-Theatre, kurz Musical, kam eher über den großen Teich, amerikanisch oder englisch geprägt.

In den 1950er Jahren hatten wir zum Beispiel Leonard Bernstein mit seiner WEST SIDE STORY, in den 1960ern ANATEVKA von Jerry Bock und in den 1970ern unter anderem JESUS CHRIST SUPERSTAR von Andrew Lloyd Webber.

Der Durchbruch der Musicals in Deutschland kam aber über die großen konfektionierten Aufführungen der 1980er Jahre wie CATS, das 1983 in Deutschland herauskam, LES MISÈRABLES 1988, PHANTOM DER OPER 1989, die gewöhnlicher Weise im sogenannten Long-Runs in eigens dafür errichteten Musicalhäusern herauskamen.

Es entstand ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Welten:

Auf der einen Seite die wirtschaftlich arbeitende, zentralisierte angloamerikanische Kulturtradition und auf der anderen die dezentrale und hochsubventionierte deutsche Kulturlandschaft, in der die Angst umging. Eine Systemfrage wurde vermutet und ein Feindbild aus Angst um Mitteln kreiert, also die Angst, dass dieses wirtschaftlich arbeitende System das dezentrale hochgeförderte deutsche verdrängen könnte.

Aus dieser Angst wurde ein ganzes Genre diffamiert und als kulturell minderwertig dargestellt, damit die Systemfrage erst gar nicht aufkommen konnte.

Ein Bild wurde erschaffen, dass des Musicals als ein seichtes Musiktheater ohne Anspruch, das der puren Unterhaltung dient.

Es wurde eine Setzung vorgenommen, populär heißt beliebt und potentiell wirtschaftlich erfolgreich heißt automatisch kulturell minderwertig. Damit wurde gleichzeitig impliziert, dass die Masse dumm ist.

Dies haben ganz viele von uns in den 1980er Jahren gelernt, wo die Feuilletons und die Debatten voll von diesem Diskurs waren.

Seither zerfällt das moderne Musiktheater in Deutschland in zwei Systeme und beide sind problematisch, denn die öffentlich geförderten Häuser sind eben in diesen Sparten gebunden, die ein professionelles Musical nicht hergeben.

Singen, Tanzen und Spielen gleichzeitig ist etwas anderes als reines Schauspiel, als reiner Gesang, reiner Tanz und die Orchester sind auf Oper oder Brahms-Sinfonien in ihrer Besetzung ausgerichtet, so dass die modernen Besetzungen für neues deutsches Musiktheater auch teuer sind. Das heißt, wir haben an den öffentlich geförderten Häusern einfach die falschen Produktionsbedingungen für Musical im Allgemeinen.

Dann gibt es die kommerziellen Musicalhäuser mit ihren Long-Runs. Hier ist jedoch in Deutschland kein Risikogeld von Investoren vorhanden, denn in Deutschland gilt Kulturförderung eben als Sache der öffentlichen Hand.

Investoren in Deutschland sehen Musicalhäuser daher meist nicht als hochriskantes Investment, sondern eher als wirtschaftliche Anlage, eine Geldanlage, wo auch eine fixe Rendite erwartet wird. Diese Rendite versprechen nur Stücke, die bereits erfolgreich sind, damit meist Importe, die in den USA oder England bereits erfolgreich waren.

Auch hier haben wir also falsche Produktionsbedingungen für ein neues deutsches modernes Musiktheater, ein gesamter Kulturmarkt liegt da brach. Und machen wir uns nichts vor: Neues bedeutet immer ein Risiko.

Es ist unbekannt, es muss erklärt werden, es muss beworben werden, es ist nicht bereits in tausenden Aufführungen rund gespielt und erprobt worden, zum Teil an einem Millionenpublikum.

Warum meint denn nun die Luisenburg, dass sie Produzentin für dieses neue deutsche Musiktheater sein könnte? Die Luisenburg-Festspiele haben eine Brückenfunktion. Sie sind traditionell ein sehr wirtschaftlich denkendes Theater, das aber in öffentlicher Trägerschaft ist. Die Luisenburg verbindet beide Welten. Wir haben den Produktionsvorteil, dass wir als Festspiele jedes Stück individuell besetzen können auf die ganz spezifischen künstlerischen Herausforderungen eingehen können. Wir haben keine Sparten, gleichzeitig kennen wir aber das Repertoiresystem und arbeiten nicht für etwas, dass über ein Jahr oder länger erfolgreich sein muss, sondern vielleicht für 10, 15 oder 20 Aufführungen.

Birgit Simmler hält ihre Rede vor der Premiere FRANKENSTEIN
© Florian Miedl

Hier verbinden sich die beiden Welten, die beiden Denk- und Produktionsweisen. Wir haben aufgrund unserer Struktur und unserer Erfahrung in der deutschen Kulturszene die sogenannten production skills, die Produktionskenntnisse und -fähigkeiten.

Darum entwickeln wir als eine von sehr wenigen deutschen Spielstätten neues deutsches Musiktheater. Jetzt werden Sie sagen: Oh, oh, oh, der ist doch gerade gesagt worden, dass das mit einem hohen Risiko einhergeht, das Risiko ist höher als ein etabliertes Stück.

Ja, das ist so, dieses finanzielle Risiko können wir senken, dank der Partner, mit denen wir zusammenarbeiten und darum möchte ich hier an erster Stelle allen unseren Unterstützern danken, die uns mit Geld unterstützen. Zuvörderst die Oberfrankenstiftung und das europäische Leader-Programm.

Neben Geld braucht man auch ein Netzwerk der richtigen Künstler und Künstlerinnen, die das Neue formen und umsetzen können. Dieses Netzwerk konnten wir in den letzten Jahren aktiv entwickeln.

Ein ganz großer Dank gilt an dieser Stelle der Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, denn sie hat die Chance erkannt, auf der Luisenburg über Qualität und Anspruch neue Publikumsschichten zu erreichen. Sie hat verstanden, dass hier etwas Neues geschaffen wird und sie hat unsere Symposien zum Austausch und zur Bildung eines Netzwerks maßgeblich unterstützt. Über diese Symposien haben viele der Künstler und Künstlerinnen zu uns gefunden, die sie heute hier am FRANKENSTEIN auf der Bühne sehen und die hinter der Bühne am FRANKENSTEIN arbeiten.

Gleichzeitig senken wir so das Risiko, indem wir ein Netzwerk aus Partnern bilden, die an dem Weg der Entwicklung des neuen deutschen Musiktheaters und an das jeweilige Stück, an das jeweilige Projekt, glauben und uns unterstützen.

Hier ein ganz spezieller Dank an das Theater Fürth unter seinem Intendanten Werner Müller, den ich auf einem unserer frühen Symposien kennenlernen durfte. Das Theater Fürth hat sich frühzeitig als Partner und Koproduzent dieser FRANKENSTEIN-Produktion verpflichtet, die es im Herbst dann auch in Fürth zu sehen gibt.

Ich fasse kurz zusammen: Was braucht man, um neues deutsches Musiktheater möglichst gelungen zu backen? Was ist das Rezept? Man braucht zum einen die sogenannten production skills, die Produktionskenntnisse und -fähigkeiten.

Man braucht ferner Unterstützer mit Geld und Vertrauen und man braucht als dritte Zutat die Künstler und Künstlerinnen, die schreiben, komponieren, inszenieren, choreografieren, singen, tanzen und spielen können.

So, nun hoffe ich natürlich für diesen Abend, dass sich in FRANKENSTEIN, den Sie gleich sehen werden, alles richtig verbindet und aus diesen Zutaten kein Monster entsteht, sondern ein lebensfähiges Geschöpf.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Bei Wind und Wetter auf der Bühne

Miriam Neumaier, zum ersten Mal bei den Festspielen, hat an der renommierten August Everding Akademie in München Musical studiert. Sie gilt zurecht als hochqualifizierte Künstlerin und hat schon viele große Rollen gespielt, zuletzt in CHICAGO und TITANIC.

Miriam Neumaier
© Miriam Neumaier

Miriam Neumaier, Sie spielen in den zwei großen Uraufführungen FRANKENSTEIN und KALTE FREIHEIT – SPION ZWISCHEN DEN GRENZEN auf dieser besonderen Bühne mit, wie ist das für Sie?

Die Bühne hat es wirklich in sich. Sie ist so spektakulär und wundervoll – eine Naturgewalt. Sehr gewundert habe ich mich über die rauen Wetterbedingungen im Fichtelgebirge. Darauf war ich nicht in diesem Ausmaß vorbereitet. Es kommt alles immer so rasant und mit einer Wucht, dass man manchmal schwitzt und kurz darauf wieder friert. Das gesamte Ensemble und die Kreativ-Teams gehen damit aber gut um. Die Zusammenarbeit mit allen ist sehr auf Augenhöhe, vor allem die Regisseure der beiden Produktionen Christoph Drewitz und Birgit Simmler sind für alle Vorschläge von unserer Seite offen. Birgit ist bei KALTE FREIHEIT nicht nur die Regisseurin, sondern auch die Autorin, was in die Entwicklung des Musicals eine Nähe reinbringt und die Art zu probieren verändert. Man kann einfach so offen über die Texte sprechen, das macht richtig Spaß.

Sie haben gerade die Arbeit mit den Autoren und am Textbuch erwähnt, wie laufen die Proben ab?

Die Produktionen hier auf der Luisenburg sind anders als die Stücke, in denen ich zuletzt mitgespielt habe. Bei diesen hatte ich einfach ein Textbuch und man hat dort natürlich dramaturgisch noch etwas gestrichen oder geändert, aber man war im Großen und Ganzen relativ daran gebunden. Aber bei FRANKENSTEIN und KALTE FREIHEIT ist das ein ganz anderes Feeling. Hier kann man direkt mit dem Kreativ-Team und dem Autor und der Autorin zusammenarbeiten. Es werden grundlegende Sachen besprochen, zum Beispiel, ob die Situation oder die Szene so funktioniert wie gedacht. Wenn nicht, muss man sie umschreiben. Oder, ist die Anzahl der Figuren für die Wirkung auf der Bühne richtig oder müssen wir weitere dazu holen oder sogar wegstreichen? In einer Produktion haben wir uns zum Beispiel dazu entschieden, eine Figur komplett wegzustreichen, da sich in den  Proben herausgestellt hat, dass sie nur erwähnt werden muss.

Diese Absprachen mit dem Kreativ-Team dauern dann natürlich länger als bei einer konventionellen Produktion, aber man kann sich einfach viel aktiver einbringen und das ist eine positive Anstrengung, die mich fordert und sehr viel Spaß macht.

Sie befinden Sie gerade in den Endproben zu KALTE FREIHEIT, wie können Sie die Figuren und die Interaktion zwischen ihnen beschreiben?

Zuerst einmal hat man die Konflikte in den Familien und in den Beziehungen, zum Beispiel zwischen meiner Figur Růžena Lišková und ihrem Ehemann Stanislav Liška, dem Polizeioffizier, der zwischen Pflicht und Gewissen hin und her gerissen ist.

Die großen Konflikte um Freiheit, Verrat und Zukunft spiegeln sich in den Verhältnissen der Figuren?

Ja, sehr ausgeprägt. Die Widersprüche und Spannungen, die sich während des Stückes entwickeln, sind für das Publikum in den Beziehungen spürbar.

Das Musical soll eben auch die private Beziehung, das Verhältnis zwischen Mann und Frau in den Fokus nehmen. Zudem sind die Probleme spannend, die die Figuren mit der großen Politik und den sich daraus entwickelnden Umständen haben. Wir zeigen, wie sie damit umgehen oder auch daran zerbrechen. KALTE FREIHEIT hat starke Charaktere, die nicht nur oberflächlich sind und singen, vielmehr wird zum Beispiel in den Songs verhandelt und damit die Handlung vorangetrieben.

Sie haben gerade schon das Verhältnis zwischen Mann und Frau angesprochen, wie äußert sich dies in den Figuren der Růžena Lišková und des Stanislav Liška?

Ich würde sagen, dass beide auf Augenhöhe miteinander reden und gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Situation und Sichtweise aufbringen. Růžena möchte gerne das Land verlassen, da sie sich um ihren Mann und ihre Kinder sorgt, kann aber nicht gehen, weil Stanislav das für zu gefährlich hält.

Die beiden reden darüber und beraten, was sie tun können, was mit ihrer Familie passiert, wenn sie den einen oder den anderen Weg gehen. Die Situation der Eheleute Liška ist wirklich sehr tragisch, denn sie möchten, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen, ohne Lügen, weit weg vom totalitären System der Tschechoslowakei.

Miriam Neumaier als Uschi in DER SCHUH DES MANITU im Deutschen Theater München
© Deutsches Theater München
Miriam Neumaier
© Saskia Allers

Haben Sie einen persönlichen Bezug zur Geschichte von KALTE FREIHEIT?

Tatsächlich ja, mein Großvater mütterlicherseits war Sudetendeutscher und musste nach dem Krieg aus der Heimat flüchten. Sein größter Wunsch war es, der Familie zu zeigen, wo er aufgewachsen ist. Das haben wir dann 2016 mit ihm gemacht und es war wirklich interessant zu sehen, was Zeitzeugen über die Orte an der Grenze zu Deutschland zu erzählen haben, wie die Zeit für sie war. Das hat mich natürlich auch in meiner Entscheidung beeinflusst, diese Rolle anzunehmen.

Wieviel Persönliches steckt in Ihrer Figur?

Erfahrungen, die man vorher zu diesem Thema gesammelt hat, aber auch während der Proben helfen mir wirklich sehr, damit ich die Handlungen und Gedankengänge der Figuren nachvollziehen kann. Ich habe mich zum Beispiel gefragt, ob ich mich genauso entscheiden würde wie Stanislav Liška. Finde ich es gut, dass er illegal Menschen über die Grenze schleust oder ist es falsch, weil es offiziell eine Straftat ist? Wir als Theaterschaffende haben den Auftrag, genau diese Ebenen zu durchleuchten und dem Publikum näher zu bringen. Diesbezüglich wäre es ist für mich unerheblich, ob die Geschichte nun real oder fiktiv ist.

Was wünschen Sie sich für das Publikum, wenn es ins Theater kommt und KALTE FREIHEIT anschaut?

Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer die Charaktere greifbar erleben. Sie sollen für jede Figur Mitgefühl entwickeln, unabhängig davon, ob dies im positiven Sinn passiert oder in Richtung Antipathie. Das Publikum soll anhand der einzelnen Schicksale innerhalb des Stücks einen Bogen zur historischen Geschichte spannen und das bereits bestehende Wissen mit neuen Erkenntnissen zur damaligen Zeit auffüllen.

Was werden Sie am Ende der Spielzeit an der Luisenburg vermissen?

Ich werde auf meinen Sommer auf der Luisenburg mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblicken. Zum einen bin ich froh, dass ich dann erstmal keinen extremen Wetterumschwüngen mehr ausgesetzt bin. Ich werde ganz sicher diesen positiven Energieaustausch zwischen Publikum und Bühne vermissen, meine tolle lila Perücke bei Frankenstein und den wunderschönen Ausblick vom obersten Felsen der Bühne.

Die Konzert-Highlights im Juli – Der Sommer wird heiß!

 

Wolfgang Haffner
© ANTJE WIECH

Von Rio über Tokio und Honkong nach Wunsiedel – Wolfgang Haffner kehrt wieder auf die Felsenbühne zurück

Er tourt gerade um die ganze Welt, der bekannteste deutsche Jazzmusiker, der gebürtige Wunsiedler Wolfgang Haffner. Und wie in den letzten Jahren macht er auch 2023 wieder bei den Luisenburg-Festspielen Station. Wie versprochen, bringt er namenhafte Künstlerinnen und Künstler wie Nils Landgren und den weltberühmten Opernsänger Thomas Quasthoff mit auf „seine“ Bühne. Übrigens ist der GRAMMY- und ECHO-Preisträger Thomas Quasthoff das erste Mal auf der Felsenbühne. Eine Premiere der besonderen Art.

Ganz anders als Wolfgang Haffner, der bereits im zarten Kindesalter sein Können auf der Felsenbühne unter Beweis gestellt hat. Diese Liebe hält lang und so kommt er mit seinem neue Programm WOLFGANG HAFFNER & FRIENDS am Montag, den 24. Juli ab 20.30 Uhr mit Jazzmusik der Extraklasse auf absolutem Weltniveau zu uns. Das ist nicht nur was für eingefleischte Jazz-Fans, das ist Musik vom Feinsten für Genießer und Liebhaber.

Eisi Gulp in ärmelossem Tank Top mit schreiendem Gesichtsausdruck
Eisi Gulp
© Florian Miedl

Von Kabarett zu den bekanntesten Bands der Rockgeschichte – im Juli lacht und rockt die Felsenbühne

Die Luisenburg-Festspiele präsentieren im Juli weitere Konzert-Highlights, die für alle Altersklassen etwas zu bieten haben. Den Auftakt von LUISENBURG-SPEZIAL macht Eisi Gulp am 19. Juli um 20.30 Uhr mit seinem Kabarettprogramm TAGEBUCH EINES KOMIKERS. Darin blickt er – wie immer im engen Kontakt und Austausch mit seinem Publikum – auf sein Leben als Schauspieler, Kabarettist und Moderator zurück. Das ist der erste Teil einer kabarettistischen Reise in die Vergangenheit, die fortgesetzt wird, auch auf der Luisenburg.

Nach Wolfgang Haffner kommen mit SAGA und MANFRED MANN’S EARTH BAND weitere internationale Stars der Rockszene nach Wunsiedel. Das Publikum kann sich am 25. Juli um 20.30 Uhr auf die kanadische Band SAGA freuen und direkt im Anschluss am Mittwoch, den 26. Juli um 20.30 Uhr auf die britische Band MANFRED MANN’S EARTH BAND.

Gruppenfoto der Band SAGA
SAGA
© Gwen Sadler
Gruppenfotoder Manfred Mann´s Earth Band
Manfred Mann's Earth Band
© jko-artworkx & Shooter Promotions GmbH

Sie ist neu, sie ist informativ, sie blickt hinter die Kulissen
Die erste Theater-Illustrierte der Festspiele ist da!

Wer dieses handliche neue Heft nicht bekommen hat, der kann es jetzt hier in aller Ruhe lesen. Darin alles über das Haus, seine Abteilungen, die Gastspiele und Konzerte und nicht zuletzt seine Arbeitsweise. Wer mehr über die Festspiele wissen will, hat jetzt die Chance dazu. Und unserer Unterstützer stellen sich auch noch vor.

Zum E-Paper

Save the Date

Damit Sie keinen wichtigen Termin mehr verpassen, haben wir hier eine Übersicht für Sie, was in den kommenden Wochen ansteht:

14.7. – 20:30 Uhr: Premiere
KALTE FREIHEIT – SPION ZWISCHEN DEN GRENZEN

KALTE FREIHEIT
© Florian Miedl

17.7. – 19:00 Uhr: KULTUR KONKRET
KALTE FREIHEIT – WAS IST WAHR?
Über Geheimdienste, Staatsterror und was man daraus machen kann

Eine Kooperation der KATHOLISCHEN ERWACHSEN-BILDUNG des Landkreises Wunsiedel, des EVANGELISCHEN BILDUNGS- UND TAGUNSGSZENTRUM Bad Alexandersbad und der Festspiele. Der Eintritt ist frei und um eine Anmeldung wird gebeten (Telefon 09232 602 6000 oder karten-luisenburg@wunsiedel.de)

Die Veranstaltung findet im Luisenburg-Resort, Luisenburg 1 in Wunsiedel statt.

26.7. – 19:00 Uhr: Dramaturgisches Gespräch
FRANKENSTEIN, das neue deutsche Musical und wie es damit weitergeht

Kevin Schroeder, einer der zurzeit besten deutschen Theaterautoren, und der Dramaturg Christof Kaldonek diskutieren über Gegenwart und Zukunft einer Gattung, das Musical, die nach wie vor als seicht und leicht diffamiert wird.

Dieses Gespräch findet in Die Genussdealer in Wunsiedel, Ludwigstrasse 33 statt.

3.8. – 19:00 Uhr: Lesung
Willkommen in der schönen neuen digitalen Welt – über Maschinenmenschen, Roboter und Cyborgs

Eine Lesung mit Paul Kaiser, Nikola Norgauer und Julian Niedermeier aus BRANDNER KASPAR und Lara Bruder und Katharina Plank aus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, in der Geschichten über Prometheus, den Golem, Chimären und Androide erzählt werden.

Diese Lesung findet im Fichtelcafe am Marktplatz in Wunsiedel statt.

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