Spielzeit 2014

Das Familienstück
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Familienstück nach den Kinderbüchern von Michael Ende

Weltbekannt

Die einen denken an die liebevoll gestalteten Modell-Landschaften der Augsburger Puppenkiste, drollige Marionetten und dampfende Lokomotiven, die anderen an das Kinderprogramm des Fernsehens und zweiundfünzig Folgen Zeichentrick voller fantastischer Begebenheiten. Viele kennen die Geschichte als Musical, und manche die Platten-, Cassetten-, CD- und DVD-Vertonungen. Jeder aber hat den Radio-Hit „Eine Insel mit zwei Bergen“ im Ohr, der in unvergesslichen Dancefloor-Beats die Spitze der Charts erklomm.Grundlage all dessen ist, dass mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Werk „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Millionenfach verkauft und in 33 Sprachen übersetzt, zieht es weltweit seine Bahn und zählt seit über 50ig Jahren zu den beliebtesten Kinderbüchern.

Abenteuer mit Volldampf und Fantasie

Eine Insel mit zwei Bergen und im tiefen blauen Meer; mit viel Tunnels und Geleisen und ‘nem Eisenbahnverkehr…

Ja, das ist Lummerland. Aber Lummerland ist, wenn auch weltbekannt, so doch winzig klein. Als dort eines Tages ein Paket mit einem kleinen schwarzen Jungen abgegeben wird, wird der Platz eng. Und so beschließt König Alfons-der- Viertel-vor-Zwölfte die dicke alte Eisenbahn Emma dafür abzuschaffen. – Was aber ist ein Lokführer ohne Lok? Und was der kleine schwarze Jim ohne seinen großen rußigen Freund Lukas? Bei Nacht und Nebel stoßen die drei in See und fahren mitten hinein in ein unglaubliches Abenteuer. So stranden sie in Chinas seltsamer Hauptstadt Ping, durchdringen das Tal der Dämmerung, verirren sich in einer vom Riesen bewohnten Wüste, passieren das Ende der Welt, reparieren einen Vulkan, besiegen einen Drachen und befreien viele Kinder. Als sie schließlich die schwim- mende Insel erreichen, nehmen sie diese ins Schlepptau und lösen damit sogleich alle Lummerländer Platznöte im Handstreich.

Beste Unterhaltung für die ganze Familie

Der „feinste kleine Kerl, den ich je in meinem Leben gesehen habe“ – so Lukas über Jim – tritt den Zuschauern niemals mit erhobenem Zeigefinger entgegen, sondern immer mit Lachen und Augenzwinkern. Was als reine Fantasie erscheint, ist in Wahrheit ein Streifzug durch die Geschichte von Freundschaft, Respekt und Toleranz. Heute noch genauso aktuell wie 1960, kann „Jim Knopf und Lukas“ nach über einem halben Jahrhundert der Weichenstellung für die Zukunft gelassen entgegensehen und wird gewiss auch in den nächsten 50ig Jahren auf der dampfenden Erfolgsspur pfeifen.

Ein Jim zum Verlieben und ein Lukas mit Tatkraft

Die mit dem Luisenburg-Nachwuchspreis 2013 ausgezeichnete Simone Bartzick, die sich bereits als Sams in die Herzen des Publikums spielte, konnte zum Festspieljahr 2014 für die Partie des Jim Knopf verpflichtet werden! – Moritz Katzmair, geehrt mit dem Luisenburg-Nachwuchspreis 2012, Titelrolle in „Wast – Wohin?“ und Darsteller der ZDF Serie Rosenheimcops, überzeugt an ihrer Seite durch Witz und viel Drive.

Und welche Bühne könnte dazu ein spannenderes Bild bieten, als eben das fantastische Felsenpanorama der Luisenburg?

 

Premiere: Di. 27. Mai 2014

Der Klassiker
Iphigenie auf Tauris

Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe nach Euripides

Die heimwehkranke, aus Griechenland geraubte Iphigenie aus dem mit einem Fluch beladenen Geschlecht der Tantaliden dient der Göttin Diana auf der Insel Tauris als Priesterin. König Thoas, dessen Werben Iphigenie zurückweist, befiehlt daraufhin, zwei Fremde, Orest, Iphigenies unerkannten Bruder und dessen Freund Pylades, der Göttin Diana zu opfern …!

In “Iphigenie auf Tauris” begegnet uns Goethes Idealbild des Menschen, bei dem der Geist, die höhere Kultur (Iphigenie) den Naturmenschen (Thoas) besiegt. Goethes Ziel ist die Lösung des inneren Konflikts der Iphigenie, der Sieg des Guten und der Menschlichkeit über das Böse. Dies macht Goethes Dichtung zur Klassik schlechthin und zu einem idealen Stück für die Naturbühne der Luisenburg. Ein großes Stück für große Schauspieler, weshalb es vor genau 100 Jahren, in der ersten Saison mit professionellen Schauspielen, auf dem Programm stand – Werner Kraus spielte den Thoas – und noch weitere 4x: 1926, 1932, 1951, 1952

Kann Wahrheit Lüge sein?

Was tun, wenn man einer Familie von Tätern und Mördern entspringt, die von Rache und Wahnsinn gezeichnet ist? – Bedrängt, befragt und zur Wahrheit genötigt, wird jedes Schweigen zur Lüge!

Eine junge Frau sehnt sich weit weg, zurück in die Heimat, da reicht ihr der feindliche König persönlich die Hand, nicht wissend wer sie ist und fordert ihre Offenbarung. Als ob dieser Umstand aber noch nicht schlimm genug für Iphigenie wäre, muss sie plötzlich auch noch über Leben und Tod ihres Bruders richten. Nach dem Gesetz gilt für ihn die Todesstrafe. Der um sie anhaltende Herrscher hat diese jedoch ihretwillen kurzfristig außer Kraft gesetzt, gibt er aber nun der Tradition nach, werden Hunderte sterben! – Was tun?

Hintergrund

Die Geschichte, die Goethe bereits von Euripides übernommen hat, spielt im verfluchten Geschlecht der Tantaliden.
Tantalus war zu Gast beim Gott Jupiter und versündigte sich u.a. durch Prahlerei. Daraufhin wurde er und seine Nachkommen verflucht, so dass sie zu Mördern an ihren eignen Familienangehörigen wurden.

Agamemnon, ein Nachkomme des Tantalus, opferte seine älteste Tochter Iphigenie der Göttin Diana, um für seine griechische Flotte auf dem Weg in den Krieg um Troja günstigen Wind zu erflehen. Ihre Mutter Klytaimnestra rächt ihre Tochter indem sie ihren Ehemann Agamemnon ermordet. Das wiederum ruft den Sohn Orest auf den Plan, der seinerseits zusammen mit seiner Schwester Elektra die Mutter Klytaimnestra tötet. Der Gott Apoll verspricht, ihn von den Furien zu erlösen, die ihn seit dem Mord an der Mutter verfolgen, wenn Orest die Schwester nach Griechenland heimholt. Denn die Göttin Diana hat Iphigenie vom Opferaltar gerettet und sie auf die Insel Tauris gebracht, wo ihr Iphigenie als Priesterin dient. Sie verzehrt sich aber vor Sehnsucht nach der Heimat und nach ihrer Familie. Deshalb schlägt sie auch das Werben des Königs Thoas aus, der daraufhin den Iphigenie zuliebe abgeschafften Kult des Menschenopfers wieder einführen will. Die ersten Opfer sollen zwei Fremde sein – niemand anders als Iphigenies Bruder Orest und Pylades, die auf der Suche nach Iphigenie gefangengenommen wurden.

Iphigenie kann Orest von den Erinnyen befreien und bereitet mit ihm die heimliche Flucht vor. Andererseits will Iphigenie aus Dankbarkeit und Pflichtgefühl der Göttin, den Taurern und ihrem König gegenüber ihr Priesteramt nicht im Stich lassen…

Premiere am 18. Juli 2015

Das Musical
Die Comedian Harmonists

Musical von Gottfried Greffenhagen und Franz Wittenbrink

Eine unscheinbare Zeitungsanzeige 1927 markiert die Geburtsstunde  der Comedian Harmonists (vgl. Abbildung rechts). Fast ein Jahr probt das Sextett unter ärmlistchen Bedingungen bis der phänomenale Durchbruch gelingt und sie in den folgenden Jahren mit Hits wie „Veronika, der Lenz ist da“, „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Ein Freund, ein guter Freund”oder “Wochenend und Sonnenschein“ die Konzertsäle erobern.

Doch in der NS-Zeit findet der kometenhafte Aufstieg “der ersten Boy Group der Geschichte” ein jähes Ende: 1935 zerbricht das zur Hälfte jüdisch besetzte Sextett.  Ein Ereignis, das der Sprengkraft von der imaginierten Zerschlagung der Beatles gleichkäme.

Die Comedian Harmonists sind legendär, ihre Lieder selbst nach 80 Jahren auf der Bühne noch Erfolgsgaranten. Jeder kennt sie und ihren unvergleichlichen Sound. Nach dem Vorbild der amerikanischen „The Revelers“ entstanden, entwickelten die „Comedian Harmonists“, begleitet nur von einem Piano und die Stimmen instrumental einsetzend, einen neuen, unverwechselbaren Stil und eroberten singend die Herzen der Menschen und die Welt.

In der nur 7 Jahre dauernden Erfolgsgeschichte der „Comedian Harmonists“ spiegeln sich die zeitlosen Träume von Freundschaft und Erfolg, wie auch die Angst vor Niederlagen, Trennung und Verzweiflung wider aber auch die Zeitgeschichte mit ihrem künstlerischen Aufbrauch, ihrem gesellschaftlichen Umbruch und dem Beginn einer politischen Katastrophe.

Ein anrührendes Schauspiel mit Musik und Spaß über das legendäre Männer-Ensemble, das von ihrem Leben, ihrem Traum und ihren Liedern erzählt – und nebenbei ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Das Stück von zwei der versiertesten Erfolgemachern des heutigen Theaters hat eine ebensolche Erfolgsgeschichte wie das Vorbild. In der Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins rangiert “Comedian Harmonists” 2001 bei den Werken mit den höchsten Besucherzahlen an zweiter Stelle – nach “Faust” und noch vor (!) “Sommernachtstraum”.

Das Volksstück
Glaube und Heimat

Volksstück von Karl Schönherr

„Das Stück hat es in sich! Ich gestehe, es hat mich am Ende zu Tränen gerührt – nicht aus Sentimentalität, sondern weil da am Ende der Kern des christlichen Glaubens aufscheint: Zu Vergeben, wie uns vergeben ist!“ Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

Mit Glaube und Heimat setzen Regisseur und Intendant Michael Lerchenberg und die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel ihre erfolgreiche Reihe von anspruchsvollem Volkstheater fort.

Gerade die von Zuschauern und Presse gefeierten Inszenierungen von Felix Mitterers “Die Geierwally”, Ludwig Thomas “Der Wittiber”, Orffs  ”Bernauerin” oder, wieder Mitterer, die Tragödie um einen behinderten Buben in “Wast – wohin?” und ganz besonders die Krimi-Tragödie “Tannöd” fesselten die Luisenburg-Besucher durch die berührenden Geschichten und Schicksale ihrer Hauptpersonen: der Opfer, der Rechtlosen, der Behinderten, der Fehlgeleiteten, der Betrogenen, der Getöteten, der Leidenden.

Diese Stücke mit beeindruckenden und gefeierten Schauspielerleistungen haben große Aufführungen entstehen lassen, die heute den Ruf der Luisenburg-Festspiele als Bühne für überregional herausragendes, anspruchsvolles Volkstheater begründet haben.

1910 in Wien uraufgeführt, war “Glaube und Heimat” das erfolgreichste Drama des Tiroler Arztes Karl Schönherr und eines der besten und beliebtesten Bühnenstücke seiner Zeit. Schönherr, selbst Katholik, erinnert darin an das dunkle Kapitel der Vertreibung der Protestanten aus Österreich während der Gegenreformation. Ihm gelingt mit eigentlich Glaube oder Heimat, denn in dieser Alternative ist der Konflikt begründet, ein aufwühlendes Stück über Glaubensstärke und Mut, und über: Heimat! Was ist uns Heimat? Was ist sie uns wert? Wie können wir leben ohne Heimat?

Am Wiener Burgtheater wurde das Stück 2001 wiederentdeckt und sorgte bei Publikum und Presse für gewaltiges Aufsehen und wurde vom ORF aufgezeichnet.

In der Inszenierung von Michael Lerchenberg werden nun auf der Luisenburg u.a. der Grimme-Preisträger Michael Altmann und die Luisenburg-Nachwuchspreisträger Caroline Hetényi, Simone Bartzick, Matthias Lehmann, Moritz Katzmair sowie die Luisenburg-„Urgesteine“ Alfred Schedl, Jürgen Fischer und Uschi Reifenberger spielen.

Inhalt

Ein Edikt des katholischen Kaisers befiehlt in der Gegenreformation die Vertreibung der Protestanten aus Österreich. Der Landesherr stellt sie vor die Wahl, sich dem Willen und Glauben der Obrigkeit zu unterwerfen oder die eigene Heimat binnen zweier Tage zu verlassen. Die Bauernfamilie Rott ist zwischen dem neuen Glauben und der alten Heimat gespalten. So brutal das Vorgehen des „wilden Reiters“ ist, der im Auftrag der Regierung allen Lutheranern den Tod bringt, so verzweifelt klammern sich der alte Rott, sein Sohn und dessen Frau trotzdem an den eigenen Boden und Besitz und verleugnen ihren Glauben. Doch als die Sandpergerin als Protestantin ihre Lutherbibel nicht aus der Hand lassen will und deshalb vom „wilden Reiter“ erstochen wird, sind die Rotts bereit, ihren Glauben zu bekennen und woanders ein neues Leben zu beginnen. Auch der dem Tode schon nahe alte Rott will nicht als Ketzer auf dem Schindanger enden und bekennt sich zu Luther. Die Rott-Familie rüstet sich zur Auswanderung, muss aber aufgrund einer neuen politischen Weisung den kleinen Sohn „Spatz“ zur katholischen Umerziehung zurücklassen. Doch „Spatz“ entzieht sich dem Zugriff des “wilden Reiters” und springt in den Mühlbach.Vater und Mutter wollen zuerst den geliebten Sohn blutig rächen, lassen aber im letzten Moment vom „wilden Reiter“ ab, denn: „… drum will ich auch tun nach Gottes Wort, das heißt: Verzeih deinem Feind!“ (3. Akt)

Anhand der benachbarten Familien Rott und Sandperger werden lebendige, sehr menschliche Figuren gezeigt, mit all ihren Widersprüchen, ihren Hoffnungen, Sorgen und Ängsten, ihrer Überforderung, ihrer Hilflosigkeit und entwaffnender Gläubigkeit – und ihren Möglichkeiten des Umgangs mit dem Konflikt: Von der Verleugnung, in der Hoffnung, dass alles so bleibt wie es war, bis hin zur märtyrerhaften Selbstaufopferung. Und da jeder nur für sich selbst entscheiden kann, geht der Bruch durch die Dorfbevölkerung, es zerreißt Familien.

Dramaturgie

Schönherr führt uns in Glaube und Heimat beispielhaft und zutiefst menschlich vor, was uns die Festigkeit im Glauben, was uns eine Überzeugung alles abverlangen, ja sogar zumuten kann. „Reiter, dein ist die Gewalt: Brechen kannst, aber nicht biegen!“  (2. Akt) Aber auch das unbegreiflich Große, etwa eine unmenschliche Politik der Vertreibung, spiegelt sich in Glaube und Heimat wider im Schicksal, in der Katastrophe der Kleinen, der Opfer! Und das sind die Stoffe, die ein Theaterstück herausheben aus der Masse, ja zu einem Klassiker machen, der uns heute durch seine Aktualität wieder betroffen macht und unsere Herzen bewegt.

Denn: Heimat ist uns wieder wichtig. Wir pflegen sie, wir lieben sie, weil wir heute durch unser global gewordenes Leben mehr denn je einer Verwurzelung, eben einer Heimat bedürfen. Und: Viele verlieren heute ihre Heimat, weil sie ihre Lebensumstände dazu zwingen „in die Fremde“ zu gehen – Einheimische, wie Gastarbeiter oder Flüchtlinge:   „Es treibt mich ja doch wieder heim, wie das Vieh in seinen Stall! Da bin ich gwachsen, da muss ich bleibn!“ (2. Akt)

In vielen evangelischen Familien, gerade in Franken, wird bis heute – über 400 Jahre danach! – der einstigen heimatvertriebenen Vorfahren gedacht, mit Mahnmalen daran erinnert wie z.B. in Bechofen (Bild unten) und die alte Heimat immer wieder besucht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind an die 100.000 Protestanten, genannt Exulanten, aus Österreich, dem Fürstbistum Salzburg oder Tirol nach Franken ein­gewandert! Diese Exulanten machten in vielen Orten Ober- und Mittelfrankens zwischen 25% und 50% der Bevölkerung aus und waren damals eine willkommene Auffrischung der ausgebluteten Region.Inzwischen erinnert man sich auch in den österreichischen Heimatgemeinden der Exulkanten von damals.

Der Autor

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Karl Schönherr * 24. Februar 1867 in Axams † 15. März 1943 in Wien

Karl Schönherr galt lange Zeit als der wichtigste und erfolgreichste österreichische Dramatiker neben Arthur Schnitzler. Er studierte Medizin, zunächst in Innsbruck, später in Wien, wo er ab 1891 lebte. Aber noch vor der Jahrhundertwende debütierte er mit Mundartgedichten sowie kleinen Erzählungen (im Stil traditioneller Kalendergeschichten). Aus dem “ungeheuren, verwirrenden Getriebe”, das er in Wien erlebte, “hoben sich immer klarer und schärfer die Konturen des stillen, weltfernen Berglandes” ab, erzählte Schönherr später. So spielt schon sein erstes Schauspiel in Tirol. “Der Judas von Tirol”, 1897 im Theater an der Wien uraufgeführt, fiel noch durch. Das nächste Drama, “Die Bildschnitzer” (1900), war bereits ein Erfolg, und von da an stand Schönherr eine steile Karriere offen, so daß er seine ärztliche Praxis bald schließen und sich auf das Schreiben konzentrieren konnte.
Da Schönherr in Wien lebte und nur den Sommer in Tirol verbrachte, zumeist in Telfs, später in Stams, konnte er sich, anders als sein Gegenspieler Franz Kranewitter, der sich in Innsbruck niedergelassen hatte, einerseits aus dem kulturellen Gezänk in der Provinz befreien, andererseits einen Theaterbetrieb beobachten, der eine Fülle von Anregungen bot. Schönherr orientierte sich insbesondere an Ibsen und Gerhart Hauptmann, in der Dialogführung an Anzengruber, in der Rollengestaltung auch an Kranewitter. Die Kunstfertigkeit, stumme Gebärden sprechen zu lassen, verband ihn darüberhinaus mit Dichtern wie Grillparzer und Hofmannsthal.
Schönherrs Karriere in Stichworten:
1902 übernahm die k.k.Hofbühne die Erstaufführung des Dramas “Sonnwendtag”. Seit dieser Zeit konnte Schönherr auf zahllose Angebote der bedeutendsten Schaubühnen des deutschsprachigen Raumes zurückgreifen und in der Regel selbst entscheiden, welchem Theater er jeweils die Uraufführung des jüngsten Stückes überließ. Meistens wählte er das Burgtheater oder das Deutsche Volkstheater in Wien, gelegentlich deutsche Schauspielhäuser. Die Exl-Bühne, die seit ihrer Gründung (1902, in Innsbruck) sich vor allem der Förderung der Volksdramatik verschrieben hatte (uns vor allem bekannt als Uraufführungsbühne von Felix Mitterers “Kein Platz für Idioten”), erhielt von Schönherr nur einmal ein Stück zur Erstaufführung, das Schauspiel “Der Nothelfer”. Doch wiederholt führte der Autor, wenn die Exl-Bühne eines seiner Werke spielen wollte, selbst die Regie.
Nach dem Einakter “Karrnerleut ” (1904) folgte die Komödie in drei Akten “Erde”, die Schönherrs Ruhm auch außerhalb des deutschen Sprachgebiets begründete (Uraufführung 1907, in kroatischer Sprache, in Zagreb; deutschsprachige Erstaufführung 1908 am Düsseldorfer Schauspielhaus).
Unsere in der Zeit der Gegenreformation angesiedelte Tragödie “Glaube und Heimat” (1910) entwickelte sich ebenso zu einem Kassenschlager wie später “Der Weibsteufel” (1914) und, bestimmt eines seiner schönsten Stücke, “Frau Suitner ” (1917).
Verfilmungen, Übersetzungen (ins Französische, Italienische, Englische und Tschechische) und Literaturpreise (Bauernfeld-Preis, Schiller-Preis, Grillparzer-Preis) dokumentieren, daß Schönherr die Gunst des Publikums und der Kritik gleichermaßen hat gewinnen können.
Gewiß hat es im Laufe dieser Karriere auch Einbrüche und Rückschläge gegeben: Konflikte mit der Zensur, insbesondere an der Hofbühne; einen aufsehenerregenden Plagiatstreit über “Glaube und Heimat” mit Enrica von Handel-Mazzetti; eine Auseinandersetzung mit dem Innsbrucker Stadttheater, die dazu geführt hat, daß eine Zeitlang ausgerechnet in der Heimat dieses Heimatdichters keines seiner Werke aufgeführt worden ist; schließlich (1918) die durch Hermann Bahr bewirkte Lösung des Vertrages mit der Direktion des Burgtheaters.
Nach dem Ersten Weltkrieg ist überhaupt das Interesse an Schönherrs Werk mehr und mehr zurückgegangen. Im Gegensatz zu den Heimatdramen sind die Stücke, die aktuelle soziale Fragen erörtert haben, die Familiendramen, z.B. die “Kindertragödie” (1919) und das Schauspiel “Es” (1922), und die Ärztedramen, wie “Herr Doktor, haben Sie zu essen?” (1930), sowie etliche weitere Spiele zwar wohl da und dort noch inszeniert, aber keineswegs mehr als Meisterleistungen der deutschsprachigen Dramatik gewertet worden. Anfang der dreißiger Jahre hat der Verlag Staackmann, Schönherrs wichtigster Verleger, die Bestände der meisten seiner Werke sogar größtenteils eingestampft.
Kein Tiroler Dramatiker hat jemals auch nur annähernd erreicht, was Schönherr gelungen ist: Prestige und Popularität zugleich zu erringen; jedenfalls vor Felix Mitterer.
 (Johann Holzner)

Hintergrund

Zur Zeit der Gegenreformation bzw. Rekatholisierung mussten in Österreich alle Lutheraner innerhalb von zwei Tagen ihrem “Irr-Glauben” abschwören oder die Heimat verlassen. Abgesehen von einer neuen Aktualität, denn heute gibt es wieder zunehmend Verfolgungen Andersgläubiger –  auch der Christen in Ländern mit anderen dominanten Religionen -, sind wir seit der Veröffentlichung des Titels mehrfach von evangelischen Christen in Franken angesprochen worden, die Nachfahren von damals Vertriebenen sind und deren Schicksal bis heute nachwirkt. So schrieb uns Herr Pfarrer Dr. Dietrich Rusam: Meine Familie ist im Dreißigjährigen Krieg 1634 aus Oberösterreich vertrieben worden (dort gibt es noch einen Ort “Ruhsam”) und mein Urgroßvater, Georg Rusam, hat das Buch geschrieben “Österreichische Exulanten in Franken und Schwaben”.  In der Geschichte kommt noch vor dem offiziellen Büttel ein Ritter in einen kleinen Ort und überrascht die Bewohner, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, belastendes Material zu verstecken. Und er scheut nicht davor zurück, mit Foltermethoden Geständnisse zu erpressen. Anhand zweier benachbarter Familien werden lebendige, menschliche Figuren gezeigt mit all ihren Widersprüchen, Hoffnungen, Sorgen und Ängsten, Borniertheiten und entwaffnender Gläubigkeit – und den Möglichkeiten des Umgangs mit dem Konflikt: von der Verleugnung in der Hoffnung, dass dann alles so bleibt wie es ist, bis hin zur märtyrerhaften Selbstaufopferung. Und da jeder nur für sich selbst entscheiden kann, geht der Bruch durch die Familien… Mit tollen Rollen, virtuoser Technik und zum Teil reißerischer Dramaturgie gelingen Schönherr ergreifende Szenen und weisen den gelernten Arzt bereits mit diesem frühen Stück als einen der bahnbrechenden und wichtigsten Tiroler Volkstheaterautoren aus – geboren in Axams bei Innsbruck, gestorben in Schlanders in Südtirol. Gespielt wurde Schönherrs größter Bühnenerfolg von 1910 auf der Luisenburg ebenso noch nie, wie auch seine bekanntesten Stücke “Weibsteufel” und “Judas von Tirol”. Wie “Judas von Tirol” handelt sein 1916 entstandenes Stück „Volk in Not“ von den Tiroler Freiheitskämpfen der Jahre 1809/10; es wurde 1938 bisher als einziges Schönherr-Stück bei den Luisenburg-Festspielen gegeben.

Die Operette
Die Zirkusprinzessin

Operette von Emmerich Kálmán
(Gastspiel der Operettenbühne Wien)

Die Geschichte, die das Thema Zirkus als Leitmotiv hat, passt ausgezeichnet auf die Naturbühne der Luisenburg. So zeigt sich dem Publikum wieder mal eine „operettentypische“ Geschichte über Liebe, Verwechslung und wunderschöne Konfusion, mit großer Ausstattung und wunderbaren Melodien („Zwei Mädchenaugen“, „Liese, Liese, komm mit mir auf die Wiese“). Und auch der dritte Akt, der in einem Wiener Kaffeehaus spielt und in dem man auf Typen wie Hans Moser als Oberkellner trifft, verspricht eine sehr heitere und publikumsnahe Unterhaltung.

Die Oper
Die Hochzeit des Figaro

Spieloper von Wolfgang Amadeus Mozart

Gastspiel der Landesbühnen Sachsen / Felsenbühne Rathen

Bei ihrem Gatspiel in der Saison 2013 erzählten die Landesbühnen Sachsen mit der berühmten komischen Oper “Der Barbier von Sevilla” von Rossini quasi die Vorgeschichte zu Mozarts “Hochzeit des Figaro”.

Mit Hilfe von Figaro und mit Verstellung und Verkleidung eroberte der Graf Almaviva die angebetete Rosina für sich und macht sie zur Gräfin. Jetzt trickst der nämliche Figaro mit Hilfe der Gräfin Rosina den Grafen Almaviva aus, um seine Susanna unberührt heiraten zu können.

LuisenburgXtra
Das letzte Band

Monodrama von Samuel Beckett

Krapp, Clown, alt, einsam – auf der Suche nach verlorener Zeit – amüsiert sich mit Tonbändern, die er selbst vor dreißig Jahren besprochen hat. Dann bespricht er ein neues. Es ist sein letztes, sein Abschied, sein Verschwinden. Das Band läuft leer …

„Ein Schauspielertriumph! Konzentriert und hochexpressiv, großartig differenziert.“ FAZ

„Altmanns Krapp ist ein Vulkan! Unberechenbar.“ Kölner Stadt Anzeiger

Premiere am Mittwoch, 16. Juli, um 20 Uhr, im Museumshof

Sonderveranstaltungen
Die Prinzen
Mnozil Brass
Fonsi trifft Strauß mit den Wellbappn

Konzerte & Kabarett

Prinzen_2014Mit über 6 Millionen verkauften Tonträgern, zwei Echo-Music-Awards, 16 Gold- und 6 Platinplatten sind DIE PRINZEN  eine der erfolgreichsten deutschen Popbands und längst sind sie zu einer Institution in der deutschsprachigen Musik geworden.

Zum ersten Mal auf der Luisenburg und gleich mit ihrem Jubiläumskonzert – und das an zwei Abenden!

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