Spielzeit 2012

Das Familienstück
Ritter Kamenbert

Kindermusical

Stückbeschreibung

Der junge Ritter Kamenbert, gespielt von Johann Anzenberger, hat ein Problem mit seinem Vater, dem „Käsig“ von Gorgonzola, dargestellt von Toni Schatz. Denn dieser möchte, dass sein Sohn lernt zu kämpfen, Mut beweist und ein wahrer Ritter und würdiger Nachfolger wird. Kamenbert hingegen hält nicht viel von Gewalt und möchte lieber Käse naschen. Schließlich schickt der Käsig ihn auf eine abenteuerliche Mission: Kamenbert soll das Zauberschwert Romadung erobern. Sollte ihm das nicht gelingen, will ihn der Käsig als Sohn verstoßen. Und so macht sich Ritter Kamenbert auf den Weg, muss gegen Drachen bestehen, Räuber austricksen, sich vom Schmied Alberich an der Nase herumführen lassen und durch gespenstische Wälder wandern. Unterstützung erfährt er dabei von der furchtlosen, einfallsreichen und wilden Karoline, gespielt von Katharina Schwägerl. Gemeinsam gelingt es den beiden zu beweisen, dass Freundschaft, gute Ideen und Musik eher zum Ziel führen, als kämpfen und Gewalt.

Premiere: 22. Mai 2012

Besetzung

Ritter Kamenbert:  Johann Anzenberger der Käsig von Gorgonzola,
Kamenberts Vater: Toni Schatz
die wilde Karoline: Katharina Schwägerl
Meister Alberich, 
der Waffenschmied: Alfred Schedl
Herr Fafner, 
der Drache: Toni Schatz
Klops,
Räuber: C.C. Weinberger
Quargel,
Räuber: Matthias Lehmann

Edi, ein holländischer Edamer: Caroline Hetényi

Emmi, ein Schweizerkäs: Andreas Daniel Müller

Roquefort, ein französischer Schimmelkäse: Frank Wünsche

Obazda, eine bayerische Spezialität: Uschi Reifenberger

eine Scheiblette: Julian Niedermeier

Angi, ein Harzer Roller: Simone Bartzick

Drachenkinder:  Simone Bartzick, Caroline Hetényi, Andreas Daniel Müller, Julian Niedermeier, Frank Wünsche

Drachenbaby: Uschi Reifenberger

käsigliche Höflinge:

Pomp: Dietmar Irmer

Pömpchen: Nele Plaß / Moritz Mücke

Getöse: Martha Blumenthaler / Lara Fischer

Mäuse, Arbeitszwerge, Waldgeister: Martha Blumenthaler, Kimberly Cernota, Selina Eichhorn, Jana Eichner, Larissa Fischer, Julia Giehl, Calvin Kögler, Florian Liebe, Alena Meinel, Maxima Möller, Moritz Mücke, Nele Plaß, Elina Schönberg

Toneinspielung: Thomas Heyer (Tenor), Günter Lehr (Keyboards), Joachim Lösch (Trompete), Jens Hunstein(Klarinette, Saxophon), Martin Lejeune (Gitarre)

Regie: Michael Lerchenberg  • Musikalische Leitung: Günter Lehr  • Choreographie: Sebastian Eilers  • Bühne: Manuela Müller  • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly

Regieassistenz: Lara Fischer • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Elisabeth Haußer • Kinderbetreuung: Nicole Mücke • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Berlind Kirsch, Lea Ludäscher • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Stellvertreterin), Lorraine Göhring (Gewandmeisterin); Berit Langer (Chefankleiderin); Silvia Barthel, Nicole Gerlach, Kerstin Schusser, Saskia Seifert; Martina Krist (Fundusverwalterin); Günther Biank (externe Kostümanfertigung) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tobias Busch (Tonmeister); Uwe Zitterbart (Microport-Assistenz) • Beleuchtung & Pyrotechnik: Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Patrick Reger, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Paul Haach, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Pressestimmen

In DER NEUE TAG berichtete Gabriele Weiß von der “Sage vom gar nicht kühnen Recken” und der “gelungenen Premiere” bei den Luisenburg-Festspielen:

Ach, es ist schon ein Drama mit den Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert: Die jungen Männer wollen einfach keine Machos, pardon, kühnen Recken mehr sein. Dafür gebärden sich die jungen Damen um so aggressiver. … Im Kindermusical vom “Ritter Kamenbert” finden sie zusammen – Kamenbert (Johann Anzenberger), das Weichei, das “null Bock zum Kämpfen hat”, und die “wilde Karoline” (Katharina Schwägerl), die sich am Seil auf die Bühne der Luisenburg schwingt. Bei den Kindern kommt das an – ihnen kann es gar nicht laut und turbulent genug sein. Je größer der Klamauk, desto begeisterter sind die “zahnluckerten” Premierengäste …

Die Charaktere plakativ, die Gags eingängig, die Kostüme fantasievoll, die Darsteller gut aufgelegt, dazu reichlich Special Effects, Live-Musik und Mitmach-Aktionen – so wird das von Intendant Michael Lerchenberg höchstpersönlich inszenierte Stück zum Publikumserfolg. … Die ganze Bühne tanzt und singt, sogar die “Waldgeister” auf den Felsen machen mit; das Publikum erhebt sich, klatscht im Takt und intoniert voller Inbrunst “oh-eh-oh” oder “walla-walla”: Es geht was ab im “Käsigreich” auf der Luisenburg. Der Schlussapplaus ist begeistert, der Ruf nach “Zugabe!” bleibt nicht ungehört.

In der FRANKENPOST schrieb Christine Wild unter dem Motto: “KAMPFMASCHINE MIT KÄSEPOWER”

… Das “Käsical” begeistert und bezaubert Jung und Alt…. Der Regisseur, Intendant Michael Lerchenberg, der das “Käsical” auch für die Luisenburg-Festspiele in eine straff achtzigminütige, spritzige, oberfränkisch-aktuelle, kindgerechte und zugleich seitenhiebbeladene Fassung gebracht hat, tut alles, um keine Langeweile aufkommen zu lassen…

Die beiden tollpatschigen Räuber Klops und Quargel (C.C. Weinberger und Matthias Lehmann als köstlich geistesarmes Paar) sind … für Kamenbert und Karoline natürlich kein großes Hindernis … – wenn sie auch gewaltig zur Belustigung des hingerissenen Publikums beitragen.

Einer Heimkehr des mittlerweile mutigen Ritters Kamenbert ins Käsigreich Gorgonzola steht nach all den turbulenten Abenteuern nichts mehr im Weg – und die Erkenntnis, die er und die kleinen uns großen Zuschauern mitgeben, ist wahrlich kein Käse: “Du kannst alles erreichen, wenn du es nur wirklich willst.”

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Die Sage vom gar nicht kühnen Recken

Das Kindermusical “Ritter Kamenbert” feiert auf der Luisenburg eine gelungene Premiere

Ach, es ist schon ein Drama mit den Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert: Die jungen Männer wollen einfach keine Machos, pardon, kühnen Recken mehr sein. Dafür gebärden sich die jungen Damen um so aggressiver. Hier der süße Softie aus gutem Hause, dort die rotzige Göre im Gothic-Look – das “funzt” vielleicht nicht gerade im wahren Leben, aber auf der Bühne allemal.

Im Kindermusical vom “Ritter Kamenbert”, das am Dienstag Premiere hatte, nämlich finden sie zusammen – Kamenbert (Johann Anzenberger), das Weichei, das “null Bock zum Kämpfen hat”, und die “wilde Karoline” (Katharina Schwägerl), die sich am Seil auf die Bühne der Luisenburg schwingt. Bei den Kindern kommt das an – ihnen kann es gar nicht laut und turbulent genug sein. Je größer der Klamauk, desto begeisterter sind die “zahnluckerten” Premierengäste.

Die Charaktere plakativ, die Gags eingängig, die Kostüme fantasievoll, die Darsteller gut aufgelegt, dazu reichlich Special Effects, Live-Musik und Mitmach-Aktionen – so wird das von Intendant Michael Lerchenberg höchstpersönlich inszenierte Stück zum Publikumserfolg. Ausgedacht hat sich die Geschichte vom Ritter Kamenbert der Österreicher Peter Blaikner, seine Uraufführung erlebte das Stück im Jahr 1991. Heute zählt “Ritter Kamenbert” zu den erfolgreichsten Kindermusicals im deutschen Sprachraum.

Die Geschichte ist nicht übermäßig kompliziert und folgt durchaus gängigen Motiven: Ritter Kamenbert ist Königssohn, jedoch dem Kampfe nicht sehr zugeneigt. Sein darob maßlos enttäuschter Vater gewährt ihm eine letzte Chance: So der missratene Spross ein sagenhaftes Schwert erobert, wird er nicht verstoßen. Kamenbert zieht aus, die Prüfung zu bestehen. Mit Witz und Tücke sowie der “wilden Karoline” an seiner Seite gelingt es ihm, Räuber und einen Drachen zu überlisten. Der (Anti-)Held kehrt schließlich siegreich nach Hause zurück und trifft zu guter Letzt noch eine weise Entscheidung, die seinem Reich den Frieden sichert.

Aber warum nun heißt der Ritter ausgerechnet Kamenbert? Nun, das Stück spielt im Reich des “Käsigs” von Gorgonzola (Toni Schatz), und zu seinen Untertanen gehören deshalb Edi, ein Edamer, Emmi, ein Schweizerkäse, Roquefort, ein Franzose, Obazda, eine bayerische Spezialität, Angi, ein Harzer Roller und last not least eine Scheiblette. Das mag Erwachsenen zwar völlig sinnfrei erscheinen, wirft bei Spongebob-sozialisierten Kindern aber keine Fragen auf. “Mein Papa und ich haben gestern auch Käse gegessen”, raunt da höchstens ein Mädchen verschwörerisch seiner Lehrerin zu.

Die ganze Bühne tanzt und singt, sogar die “Waldgeister” auf den Felsen machen mit; das Publikum erhebt sich, klatscht im Takt und intoniert voller Inbrunst “oh-eh-oh” oder “walla-walla”: Es geht was ab im “Käsigreich” auf der Luisenburg. Der Schlussapplaus ist begeistert, der Ruf nach “Zugabe!” bleibt nicht ungehört.

Kampfmaschine mit Käsepower

Das “Käsical” begeistert und bezaubert Jung und Alt.

Überdimensionale Käseleiber – natürlich von “käsiglicher Bio-Qualität”, wie das Siegel angibt – markieren das Käsigreich des Käsigs von Gorgonzola (Bühne: Manuela Müller). “Aber die sind aus Plastik!”, stellt ein Dreikäsehoch im Zuschauerraum fachmännisch fest – und fragt ungeduldig: “Wann kommt endlich der Käseritter?” Tatsächlich lässt Ritter Kamenbert (Johann Anzenberger), die Hauptperson des gleichnamigen Familien-Musicals von Peter Blaikner am Dienstagvormittag zur ersten Premiere in diesem Jahr auf der Luisenburg, nicht lange auf sich warten: Begleitet von wagnerdurchtränkten Fanfaren und seinem Vater, dem Käsig von Gorgonzola (Toni Schatz), betritt der Käseritter die Bühne – und gibt in einer Schwertkampf-Übung sofort zu verstehen, dass er “null Bock” zum Kämpfen hat. Stattdessen nutzt er scharfe Werkzeuge lieber, um sich in der käsiglichen Speisekammer zu bedienen. Und in der geht es recht lebendig zu: Hier tummeln sich – von Heide Schiffer-El Fouly fantastisch ausgestattet mit dreidimensionaler Emmentaler-Short, Ganzkörper-Scheibletten- Anzug und kümmelbesetztem Harzer-Rollen-Kleid – Käsesorten unterschiedlichster Nationen, die in ihrem französisch-schweizer-holländisch-fränkisch gefärbtem Rededuell kein Käse- und Länderklischee aussparen.

Und der Regisseur, Intendant Michael Lerchenberg, der das “Käsical” auch für die Luisenburg-Festspiele in eine straff achtzigminütige, spritzige, oberfränkisch-aktuelle, kindgerechte und zugleich seitenhiebbeladene Fassung gebracht hat, tut alles, um keine Langeweile aufkommen zu lassen: Er lässt das Käse-Heer, bestehend aus Simone Bartzick, Caroline Hetény, Uschi Reifenberger, Andreas Daniel Müller, Julian Niedermeier und Frank Wünsche singen und (in den flotten Choreografien von Sebastian Eilers) tanzen, marschieren und gar zur Käsepower gespickten Revolution aufrufen. Welcher Käse wird es sich schon gefallen lassen, vom unbesiegbaren Schwert “Romadung” zu Käsefondue geschmolzen zu werden? Doch dieses Zauberschwert muss der kampfes-unlustige Ritter Kamenbert erstmal besorgen. Und Wagner grü.t zum Zweiten: Vom Vater aus dem Haus gejagt, erfährt Johann Anzenberger als erstklassig singender und tanzender, wenn auch feiger Käseritter von Meister Alberich (Alfred Schedl als stahlharter Kerl) – dessen Schmiedelieder in der Musik von Günter Lehr zu Heavy-Metal-Klängen mutieren -, dass er den Käse aus dem Maul des schrecklichen Drachen Herrn Fafner braucht, um “Romadung” zu schmieden.

Angesteckt vom Mut der wilden “Kampfmaschine” Karoline, die sich “Hojotoho!” schmetternd in sein Leben schwingt (Energie pur: Katharina Schwägerl), macht sich Ritter Kamenbert mit ihr auf den Weg zum unbesiegbaren, feuerspeienden Herrn Fafner – und überlistet ihn: Gelockt von der Versprechung, dass er “in Bayreuth auf einem Klo auf der Bühne sitzen und singen” wird, schmettert der “waldweise Wurm” (“So sprechen die bei Richard Wagner auch”, erklärt Kamenbert) in schaurig-schönster Belcanto-Manier los – und lässt den begehrten Käse fallen. Die beiden tollpatschigen Räuber Klops und Quargel (C. C. Weinberger und Matthias Lehmann als köstlich geistesarmes Paar) sind dann für Kamenbert und Karoline natürlich kein großes Hindernis mehr – wenn sie auch gewaltig zur Belustigung des hingerissenen Publikums beitragen.

Einer Heimkehr des mittlerweile mutigen Ritters Kamenbert ins Käsigreich Gorgonzola steht nach all den turbulenten Abenteuern nichts mehr im Weg – und die Erkenntnis, die er und die kleinen uns großen Zuschauern mitgeben, ist wahrlich kein Käse: “Du kannst alles erreichen, wenn du es nur wirklich willst.”

Der Klassiker
Romeo & Julia

Die Tragödie des klassischen Liebespaares von William Shakespeare in der deutschen Übersetzung von Thomas Brasch
Stückbeschreibung

Die große, tragische Liebesgeschichte erzählt von zwei jungen Menschen, die schon früh dazu gezwungen werden, sich mit den Konflikten der Erwachsenenwelt auseinanderzusetzen. Sie entwickeln ihre eigene Antwort auf die Fesseln der gesellschaftlichen Realität. Sie gehen ihren eigenen Weg und leben nur ihre Liebe. Das Schicksal des berühmtesten aller Liebespaare will es aber anders: Nach ihrer heimlichen Trauung vereint sie nur der Tod.

Den Romeo spielt Bastian Semm, der Peer Gynt-Darsteller und Rosenthal-Preisträger von 2009. Seine Julia ist Hanna Plaß, die junge, sehr begabte  Wunsiedlerin und Absolventin der renommierten Münchner Otto Falckenberg-Schule.

Besetzung

Romeo: Bastian Semm 

Julia: Hanna Plaß

Pater: Lorenzo Peter Albers

Mercutio, Romeos Freund: Matthias Lehmann 

Benvolio, Romeos Vetter: Sebastian M. Winkler 

Montague, Romeos Vater: Günter Ziegler

Capulet, Julias Vater: Rudolf Waldemar Brem 

Lady Capulet, ihre Mutter: Chris Nonnast 

Amme: Monika Manz

Tybalt, Julias Vetter: Andreas Daniel Müller

Graf Paris: Holger Matthias Wilhelm 

Der Prinz von Verona: Jürgen Fischer 

Der SchattenJohann Anzenberger 

Abram / Balthasar, Diener im Hause Montague: Patrick Stauf

Diener im Hause Montague:Julian Niedermeier

Sampson, Diener im Hause CapuletTamás Mester

Gregory, Diener im Hause Capulet : Mario Mariano

 

Bürger und Partygäste: Marlene Bauriedel, Rebecca Cziba, Tanja Fischer, Anika Gebert, Barbara Königsberger, Edith Köstler, Kristin Kukla, Katharina Layritz, Renate Lehner, Waltraud Marschner-Knöller, Nicole Mickisch, Susanne Nixel, Jessica Pemp, Pauline Riedel, Madeleine Scherer, Carolin Schinner, Rosalie Schinner, Ricarda Spielvogel, Lea Steinberger, Waltraud Szymansky-Koch, Romina Weiß, Claudia Wilhelm; Justus Braune, Gerd Fischer, Julian Goldmann, Ludwig Lehner, Michael Pfauntsch, Tim Reichel, Johannes Schecklmann, Christian Scherer, Moritz Schöpf

Regie: Petra Wüllenweber • Bühne: Peter Engel • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly • Musik: Markus Reyhani • Kampfchoreographie: Katrin Klewitz • Tanzchoreographie: Tamás Mester 

Regieassistenz: Anna K. Rettinger • Inspizienz: Günter Ziegler • Souffleuse: Christa Guck

Pressestimmen

Andrea Herdegen in den NÜRNBERGER NACHRICHTEN zum Start der Wunsiedler Luisenburg mit Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ in die Festspiel-Saison: “Straff und sparsam inszeniert, entsteht die Welt der todgeweihten Liebenden aus Worten, Blicken, Gesten.”

Dass das Ganze nicht gut ausgehen wird, das weiß man ja. Seit 400 Jahren schon liegen sich die Liebenden, vom Publikum vieltausendfach beweint, am Ende sterbend in den Armen. Doch auf der Wunsiedler Felsenbühne ist der tragische Schluss selbst zu Beginn, als das Spiel sich noch als fröhliche Komödie gibt, immerfort präsent. Regisseurin Petra Wüllenweber hat den Tod in ihrer straffen Luisenburg-Version nach der 1986er Neuübersetzung von Thomas Brasch als eigene Figur angelegt, den „Schatten“ nennt sie ihn. Johann Anzenberger spielt das Dunkle ganz in Weiß. Wie eine Raubkatze auf der Pirsch schleicht er über Granitblöcke, lugt hinter knorrigen Fichtenstämmen hervor. Schon im Prolog stellt er klar, wer hier unerbittlich die Fäden zieht: „Kinderliebe stirbt in Kinderblut.“

Der Tod bringt reiche Ernte ein während dieser dramatischen Tage in Verona. Immer wieder schlüpft der „Schatten“ in die Gestalt eines Menschen, wenn das Geschehen die Handelnden dem Grabe näher bringt. Anzenberger ist der Diener, von dem Romeo vom Fest erfährt, auf dem er Julia zum ersten Mal erblickt. Anzenberger ist der Bote, der den rettenden Brief nicht überbringt. Und er ist der Apotheker, der Romeo das Fläschchen mit dem Gift verkauft.

Gegen diesen „Schatten“ ist auch Romeos Beichtvater Lorenzo (Peter Albers) machtlos, obwohl er ein gewitzter Stratege ist. Heimlich traut er das Paar, gerissen organisiert er Julias Scheintod, als diese auf Geheiß des Vaters (Rudolf Waldemar Brem als herrschsüchtiger Patriarch) den reichen Schnösel Graf Paris (Holger M. Wilhelm) ehelichen soll. Lorenzo glaubt, den seit Generationen tobenden Streit zwischen den Capulets und den Montagues befrieden zu können, wenn er ihre Kinder zusammenführt. Doch „Bürgerkrieg ist höchstes Bürgerglück“ in Verona, der Zwist wird erst mit Worten, dann mit Holzknüppeln ausgetragen, schließlich mit blankem Schwert bis zum Tod: Happy-End Impossible.

Wie zu Shakespeares Zeiten kommt die Geschichte auch in Wunsiedel ohne Kostüm-Pomp und Kulissen-Protz aus, sie erschafft ganz aus dem Text heraus ihre Welt im Bewusstsein des Publikums. Heide Schiffer-El Fouly (Kostüme) und Peter Engel (Bühne) haben das Stück deshalb sehr sparsam ausgestattet. Rotgestrichenes Holz — Bohlen und Bretter, Stöcke und Stangen – liegt zwischen den Granitkolossen bereit, wenn sich die Gefühle an etwas klammern müssen, wenn Wut aufstiebt und Verzweiflung erdrückt, wenn Liebe die Umarmung sucht und Hass nach Waffen greift. Der blanke Fels ist Marktplatz oder Klosterkapelle, Ballsaal oder Balkon.

Vor allem Bastian Semm und – als grandiose Neuentdeckung — Hanna Plaß verstehen es geschickt, nur mit Worten, Blicken, Gesten üppige Bilder in die Fantasie der Zuschauer zu malen. Der ungestüme Romeo in der James-Dean-Lederjacke, der sich schon mal ’ne Nase voll Koks reinzieht, bevor’s mit den Streetgang-Kumpels zur Party geht, wird zum innig-ernsthaften Liebhaber. Er ist bereit, für Julia alles aufzugeben. Und Julia begegnet der Liebe in faszinierender Natürlichkeit erst kindlich-neugierig, dann mädchenhaft-flirtend, schließlich fraulich-betörend und erwachsen-ernst bis zum kompromisslosen Ende.

Hier weicht Regisseurin Wüllenweber vom Vorbild ab: Die verfeindeten Familien reichen sich bei ihr die Hand nicht über die Gräber ihrer Kinder hinweg. Versöhnt sind am Ende lediglich die Toten, die, der irdischen Händel müde, Arm in Arm den „Schatten“ hinunter in sein dunkles Reich begleiten.

Michael Thumser schrieb in der FRANKENPOST über “Romeo und Julia”

Die Luisenburg-Festspiele, eben erst eröffnet, haben schon ihr Traumpaar der Saison: In “Romeo und Julia” reißen die großartigen jungen Titeldarsteller das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

Pater Lorenzo ist ein Blumenfreund und -kenner. Nur hat er auf der Luisenburg nicht viel Gelegenheit, seiner Leidenschaft zu frönen. Schüchtern kauert ein einziges Blütenbüschel halblinks vorne zwischen Brettern, Bäumen, Fels. Behutsam trennt Lorenzo eine Pflanze ab, versorgt sie in ein Tuch, atmet ihr Aroma: Gering dosiert, weiß der Gottesmann, taugt ihr Saft als Medizin; im Übermaß verabreicht und zur Unzeit bringt er den Tod. So wie jene Blume ist die Liebe auch.

“Groß ist die Liebe” und “schmerzhaft wie ein Dorn”. In “Romeo und Julia” platzt sie in ein “großes Durcheinander aus Haß” hinein und wird chancenlos zerrieben. Ein paar lustvolle Nacht- und Morgenstunden zwischen “Nachtigall” und “Lerche” darf das junge Titelpaar sich halten und vereinen, dann erliegen die zwei der Feindschaft, die ihre Sippen seit Unzeiten wie ein Hobby pflegen. “Verona ist die Welt”, sagt Romeo – und sagt damit, dass die Geschichte so oder ähnlich immer und überall wahr werden kann; weswegen Heide Schiffer-El Fouly, Kostümmeisterin der Luisenburg, das Ensemble in moderne Garderoben, feine Anzüge, coole Klamotten einkleidete. “Ein Goldpalast, und nur Verlogenheit darin”, klagt Julia und entlarvt damit die Niedrigkeit hinter glänzenden Fassaden. Auf der Naturbühne ließ sich das Premierenpublikum von der Kraft der Liebenden mitreißen in ihren unausweichlichen Untergang und hinreißen zu viel Szenen- und Schlußapplaus, der begeistert ausfiel.

Sehr zu Recht. Denn schon hat das Wunsiedler Sommertheater sein Traumpaar der Saison: Hanna Plaß und Bastian Semm, ein leidenschaftliches und lyrisches, ein schönes Gespann. Er: athletisch, sehnig, kopflos schnell, ein Heißblut, fröhlich angeschwollen von Testosteron, gleichwohl nicht schwitzend pubertär, sondern selbst erstaunt über die unverhoffte Tiefe der Empfindungen für Julia. Sie: leichtfüßig und leichtsinnig, dabei nie flatterhaft, unbedacht, aber auch unbedingt in ihrem Feuer; unverbildet, unverbogen, uneingeschränkt in ihrem Gefühl. Frisch und rückhaltlos geben sich die beiden ihren Körpern hin, buchstäblich in einem kreiselnden Rausch – und behalten ihre zärtliche Intensität noch in den leisen, stummen Augenblicken.

Doch für Erfüllung, wie solche Liebe sie verlangen darf, ist auf der 
Luisenburg nicht Zeit und nicht
 der Ort. Regisseurin Petra Wüllenweber wünschte sich kein Veroneser Straßenbild der Plätze und Paläste; mit nichts als einem Viereck aus roten Latten, Pfählen, Stangen hegte Szenenbildner Peter Engel den Schauplatz ein – ein Überall, Arena für alles. Dass die Regisseurin die Episoden nicht einzeln und genau verortet, sondern sie über die Breiten, Tiefen und Höhen der Naturbühne verteilt, lässt sie strömen und verfließen, lässt das Ganze beinah schweben mit der Eindringlichkeit des Traums. Johann Anzenberger als “der Schatten” schwebt mit: in blendend weißer Kluft scheinbar Lichtgestalt, in Wahrheit Todesbote, ein Schleicher mit straff gedehntem Tänzerleib, in Geduld auf Opfer lauernd.

Vor allzu viel Unwirklichkeit bewahrt viel starker Tobak das Geschehen. Auf gut zwei Stunden strich die Regisseurin den Text – in Thomas Braschs großartiger Übertragung – ein, behielt jedoch so manche deftige Obszönität gern bei. Matthias Lehmann als messerscharfer Mercutio provoziert und motzt, kokst und schweinigelt nach Herzenslust, dass einem die Ohren klingen. Andreas Daniel Müller, aalglatt und gegelt als Thybalt, lechzt kochend nach Blut. Graf Paris, bei Holger Matthias Wilhelm ein Stenz wie aus einem Volksstück von Horváth oder Kroetz, gibt einen Opportunisten schmählichster Gesinnung und Speichellecker vor Julias Vater, den Rudolf Waldemar Brem in einen Patriarchen von empörender Vulgarität verwandelt.

Ein Stück um stille Liebe – und ein lautes Stück. Süßholz raspeln, auf gespannten Nerven wehleidig Harfe spielen lässt die Inszenierung nicht. Auf offener Szene ereignen sich vital und letal Mord und Totschlag, prollige Prügeleien und lebensgefährliche Gefechte, kuriose Choreografien zu Musik und Songs und Totentänze der Degen und der Dolche (Tamás Mester, Katrin Klewitz). Was weniger gelingt, ist das Komische. Das gehört zur Tragik Shakespeares beinah stets dazu und soll darum auch hier nicht fehlen: Als Galligkeit und Zynismus, Schadenfreude und absurder Wortwitz mischt es sich böse ein ins Spiel; doch wo es platt zur Posse gerinnt, wie bei Monika Manz in der Rolle der Amme, gerät jeder Satz zu grell und jede Geste übertrieben. Dies ist kein Bauernschwank.

Da tut der Bierernst Peter Albers’ wohl: Sein Pater Lorenzo, den Liebenden ein sachlicher Gehilfe, weiß nicht nur in der Pflanzenwelt Bescheid, auch mit der Natur der Menschen. Kann ein Mann so ohne Illusionen ein Mann Gottes sein? Lorenzo kennt die heilsam-unheilvolle Blume, die er da, halblinks vorne, pflückt, und er kennt die Liebe: eine Todesdroge, so wie die Gewalt; und es gibt kein Gegengift.

Rudolf Barrois schrieb in DER NEUE TAG darüber, wie mit William Shakespeares Tragödie “Romeo und Julia” die Luisenburg zur großen Weltbühne wird.

Die Liebe, von der es im ersten Paulusbrief an die Korinther heißt, dass auch viele Wasser der Trübsal sie nicht auslöschen können, hat in William Shakespeares Tragödie “Romeo und Julia” nicht nur einen Gegner. Den Haß zwischen zwei Familien, die Menschen, die zu viel des Guten tun, eine unsichere Welt, die sich in ihren Eitelkeiten spiegelt. Die Luisenburg-Festspiele lassen mit der Aufnahme der Tragödie in den Sommerspielplan 2012 die Bühne einmal mehr zum Welttheater werden, auf der die Schauspieler in lebendigem Kontakt zum Publikum die Zeitlosigkeit eines klassischen Stoffes wirkungsvoll vermitteln.

Mit einem einfachen Zweizeiler wird das Geschehen auf eine knappe Formel gebracht: Seht zwei Häuser hier von gleichem Stand, wo alter Haß setzt neue Wut in Brand. Der Streit der Capulets und der Montagues steht für die Dualität und das Konfliktpotenzial der Welt. Es ist eine Welt, die zu Shakespeares Zeiten die Orientierung verloren hatte. Die Erde war durch Männer wie Galileo Galilei aus dem Mittelpunkt der Schöpfung gerückt worden. Die zwar repressiven, aber klaren Vorgaben der mittelalterlichen Gesellschaft hatten ihre Bedeutung verloren. Die Menschen sind unsicher, auf der Suche. In Deutschland sagte Martin Luther Rom den Kampf an mit weitreichenden politischen Folgen.

Die Liebe des berühmtesten Paares der Literaturgeschichte steht als Metapher für den Versuch, in einer von Unsicherheit und Angst zerschlissenen Welt um jeden Preis zu retten, was zu retten ist. Der vor allem poetische Anspruch verträgt keine Aussicht auf Häuslichkeit. Diese Liebe wird erst durch den Tod unsterblich. Sie beginnt auf einem Fest der Capulets, wo der maskierte Romeo Montague die 14-jährige Julia trifft, einzige Tochter der Capulets. Die Liebe trifft beide wie ein Blitz. Heimlich lassen sie sich von dem Franziskanermönch Lorenzo trauen, der sich von dieser Hochzeit eine Versöhnung beider Familien verspricht.

Tybalt, ein Capulet, beleidigt Romeo, um ihn zum Kampf zu reizen. Für Romeo geht dessen Freund Mercutio ins Duell, wird getötet, als Romeo schlichtend eingreifen will. Romeo ersticht, um seinen Freund zu rächen, Tybalt. Der Prinz von Verona verbannt ihn nach Mantua. Noch vor seiner Abreise verbringt Romeo mit Julia eine Nacht, die Hochzeitsnacht. Julia wird von ihrem Vater in eine Verbindung mit dem Grafen Paris gezwungen. Der Mönch Lorenzo gibt ihr einen Trunk, der sie in einen 48-stündigen Todesschlaf versetzt, um Familie und Bräutigam zu täuschen. Lorenzos Bote, der Romeo informieren soll, wird durch eine Seuchenquarantäne aufgehalten. Romeo muss also glauben, dass Julia wirklich tot ist, und beendet sein Leben mit Gift. Julia erwacht zu spät, um den Geliebten zu retten, und folgt ihm in den Tod.

Petra Wüllenweber zeigt zwei Welten auf der Bühne. Es ist einmal die arrogante, zynische Pracht der Capulets. Der Vater ein eitler tyrannischer Grande, eindrucksvoll gespielt von Rudolf Waldemar Brem, der Widerspruch nicht duldet, die Mutter, von Chris Nonnast verkörpert, kalt und gleichgültig, Julias Vetter Tybalt ein dem Clan höriger, nichtsdestoweniger eitler und streitsüchtiger Zeitgenosse. Auf der anderen Seite Romeo und seine Freunde, die sich aus dem Zwist der Familien eher einen Spaß machen, bis es zu den beiden tödlichen Duellen kommt: junge Leute, die sich der Tragweite ihres Handelns überhaupt nicht bewusst sind. Und dazwischen glaubt das Paar, mit seiner Liebe Berge versetzen zu können.

Bastian Semm mimt einen leidenschaftlichen, idealistischen Romeo, Hanna Plaß, eine Wunsiedelerin, eine mutige, in ihrer Liebe standhafte Julia. Peter Albers spielt den Pater Lorenzo, dem die tragische Rolle zukommt, das Gute zu wollen, der aber ein Opfer des Zufalls wird und letztlich für den Tod der Liebenden verantwortlich ist. Von Anfang an ist das Geschehen begleitet von einem Schatten, der auf der Luisenburg von Johann Anzenberger gespielt wird. Er ist überall gegenwärtig und übernimmt die Rolle der todbringenden Gedanken, Gefühle und Figuren.

Aber auch im tragischen Ablauf der Handlung verzichtet Shakespeare nicht auf komödiantische Elemente: das drastische Agieren der Amme (dargestellt von Monika Manz) mit ihrer fast vulgären kupplerischen Lust und dem herzhaften Vergnügen am Glück der Jungen, der blitzende Witz eines Mercutio (Matthias Lehmann). Humor und Witz finden sich in dem Stück in allen Spielarten, von geschliffener Frivolität bis zur beißenden Ironie. Der Ernst tritt umso gewaltiger aus dem komödiantischen Farbenspiel heraus.

Das alles bewegt sich in einem Arrangement roter Latten, die in dem Stück zu allem dienen, wo sie eben gebraucht werden: als Spielelemente, aber auch als Waffen. Auf jeden Fall ist dieses Rot die Farbe der Liebe und des Blutes. Liebe und Tod immer nah beieinander. Die Versöhnung über dem Grab der Liebenden findet auf der Luisenburg erst im Reich der Schatten statt, im anderen Leben.

In der MITTELBAYERISCHEN ZEITUNG schreibt Kathrin Zeilmann, dpa

Beim Fußball weiß man nicht, wie das Spiel ausgeht. Bei „Romeo und Julia“ auf der Theaterbühne dagegen schon: Beide sterben. Aber wie verläuft der Weg dahin? Wie wird die Geschichte der verfeindeten Familien erzählt, deren Sprößlinge sich innig verlieben?

Zur Eröffnung der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel hat sich das wohl berühmteste Paar der Theatergeschichte recht modern präsentiert…. Regisseurin Petra Wüllenweber greift auf die deutsche Fassung des Shakespeare-Stoffs von Thomas Brasch zurück und baut auch aktuelle Anspielungen ein. Das Wort „Bunga-Bunga“ fällt, wenn die Familie Capulet eine Party schmeißt. Verona liegt schließlich in Italien. Das Publikum lacht. Viele heitere Momente verkürzen die Wartezeit auf das dramatische Ende.

Romeo (Bastian Semm) ist ein Halbstarker in Lederjacke, der mit seinen Kumpels abhängt. Julia (Hanna Plaß) ist ein koketter Teenager im kurzen Kleid, der die Sache mit der Liebe unheimlich spannend findet. Sind tiefe Gefühle so überhaupt möglich? Oder steigern sich die beiden nur hinein in diese Leidenschaft, weil es so aufregend ist, sich gegen Konventionen und Familienfehde aufzulehnen?

Die Felsenbühne wird komplett ausgenutzt: Romeo springt und klettert und rennt umher. Die Raufereien und Kämpfe der Sippen werden genussvoll ausgereizt. Julias Mutter trägt Perlenkette und Pumps, ist ganz die Millionärsgattin, die für das Töchterlein eine perfekte Partie will. Historischen Kostümzauber sucht man vergeblich.

Dass Julias Amme als Liebesbotin auf der Suche nach Romeo rotglitzernde Highheels und eine recht billige Federboa tragen muss, wirkt allerdings überzogen und lenkt das Stück in die Richtung derber Schenkelklopfer.

Ensemble und Regie setzen auf eine rasante Inszenierung. Erst am Ende kommt die Ruhe, doch sie ist tödlich: Das Sterben zelebrieren die beiden Hauptdarsteller innig. Kühle hat sich inzwischen über die Felsenformationen gelegt, das anfängliche Vogelgezwitscher ist verstummt, nur noch die Bäume rauschen. Die Natur präsentiert sich als vortreffliche Kulisse.

Das Musical
Blues Brothers

Musical

Stückbeschreibung

Das Rhythm & Blues Musical geht in die zweite Runde!

Regie: Michael Lerchenberg • Musikalische Leitung: Günter Lehr • Bühne: Jörg Brombacher • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly • Choreographie: Sebastian Eilers

Mit Andreas Birkner, Michael Kamp, Ron Williams, Gudrun Schade, Anastasia Bain u.v.a

Michael Lerchenbergs Fassung und Inszenierung des „Hochgeschwindigkeitsmusicals“ „Blues Brothers – Im Namen des Herrn“ für die Luisenburg-Festspiele 2011 entwickelte sich rasant zum „Renner“ der Saison 2011. Die Aufführung „gleicht einer riesengroßen Party. Das Publikum war begeistert – von der fetzigen Musik und der starken Inszenierung“, schrieb die Presse. „Das Spiel hat Tempo, die Musik Schmackes, die Songs geh’n in die Glieder, Augen und Ohren werden ununterbrochen auf Trab gehalten … Hinfahren!“

Deshalb gibt es jetzt eine Wiederaufnahme, damit auch Sie dieses chaotisch-unterhaltsame Spektakel erleben können mit den Hits von „Everybody Needs Somebody“ über „Gimme Some Lovin“ bis hin zu „Sweet Home Chicago“ und sich elektrisieren lassen von der einzigartigen Kraft des Rhythm & Blues und der unbändigen Spielfreude des Ensembles!

Blues Brothers – Im Namen des Herrn

Die „Blues Brothers“ sind Kult! Ihr Leben eine Verfolgungsjagd! Und   die offizielle Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ hat die Geschichte der Rhythm- & Blues-Band, die „Blues Brothers Im Namen des Herrn“ zugrundeliegt als „besonders wertvoll“ empfohlen. Sie wird in dieser Saison auf der Musical-Position zu erleben sein– und man muß sie erleben!
Die kleinkriminellen Musiker Jake und Elwood beschließen, ihr Waisenhaus, in dem sie sich als Kinder geborgen gefühlt hatten, vor der Schließung zu bewahren. Da ihnen aber von Schwester Oberin verboten wird, das nötige Geld auf „krummen“ Wegen zu „beschaffen“, machen sie sich „im Namen des Herrn“ auf den Weg und versuchen, ihre legendäre Band „The Blues Brothers“ wieder zusammenzutrommeln. Doch das ist bei dem diplomatischen und organisatorischen Geschick der Brüder und ihrem fatalen Hang, sich unentwegt mit der Polizei anzulegen, schlichtweg unmöglich. Unmöglich? Gibt es nicht! Und das ist gut so, denn es war einfach eine wahnsinnige Musik, die die „Blues Brothers“ gemacht haben, die niemanden auf dem Sessel hält – und von der dieses Stück lebt!
Erleben Sie alle Hits von „Everybody Needs Somebody“ über „Gimme Some Lovin“ bis hin zu „Sweet Home Chicago“ und lassen Sie sich elektrisieren von der einzigartigen Kraft des Rhythm & Blues!

Premiere: 30. Juni 2011

Besetzung

Elwood Blues: Michael Kamp

Jake Blues: Andreas Birkner

Knast-Officer, Curtis / Cab Calloway, Referend Cleophus James, Louie, Mrs. Toronto, Ray Charles: Ron Williams

Die Pinguintante, Claire, Carrie:  Gudrun Schade

Mrs. Aykroyd: Caroline Hetényi

Arrtha: Caroline Hetényi / Amber Schoop

Knastbulle, Ober-Nazi: Rudolf Waldemar Brem

COP 1:  Markus Baumeister

COP 2, Unter-Nazi: Hendrik Schall

Mr. Fabulous: Moritz Katzmair

Knastbulle, Matt Guitar Murphy, Tucker McElroy: Jürgen Fischer

Mr. Aykroyd, Sergeant Daniel, Morrie Sline:  Frank Wünsche

Murph: Günter Ziegler

Bob: Uwe Schwalbe

Gerichtsvollzieher:  Dietmar Irmer

Kellner, Blue Lou, Officer Candy: Patrick Stauf

Präsident von Clarion Records:  Richard McCowen

Sexy Nummern-Nonne: Susanne Nixel

Solisten: Vanessa Atuh, Daniela Grubert, Susanna Kratsch, Amber Schoop, Bettina Schurek; Pierre Alexandre, Gino Emnes, Mario Mariano, Richard McCowen, Patrick Stauf

Band: Günter Lehr / Jörg Gerlach (Klavier, Orgel), Konrad Schreiter (Trompete), Johannes Moritz (Saxophon, Klarinette, Flöte), Mathias Hochmuth (Posaune, Tuba), Martin Lejeune (Gitarre, Euphonium), Frank Willi Schmidt (Baß), Günter Bozem (Schlagzeug)

Tänzerinnen und Tänzer: Julia Haas, Saskia Hahlweg, Barbara Königsberger, Katharina Layritz, Madeleine Scherer, Alisa Schmidt, Rebecca Schönauer; Tobias Bollig, Patrick Kern, Jan Rogler, Christian Scherer,  Philipp Wendler

Statisterie & Extrachor: Gertrud Hankl, Theresa Hankl, Sarah Heinrich, Anna-Katharina Hilpert, Helga Hofmann, Sabine Junghans, Elisabeth Kövi, Nicole Mücke, Waltraud Szymansky-Koch, Amelie Trösch, Romina Weiß; Benedikt Frey, Daniel Weber

Statisterie: Waltraud Marschner-Knöller, Claudia Wilhelm; Justus Braune, Tobias Glofke, Hans Hertel, Sebastian Küffner, Michael Pfauntsch, Walter Probst, Tim Reichel, Julian Röder, Michael Sticht, Andreas Werner

Kinder: Martha Meyerhöfer; Fabian Braune, Johannes Holler, Andreas Lange, Bastian Weiß

Jugendinitiative Wunsiedel gegen Rechtsextremismus

 

Regie: Michael Lerchenberg  Musikalische Leitung & Einrichtung: Günter Lehr / Jörg Gerlach

Choreographie: Sebastian Eilers Bühne: Jörg Brombacher  Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly

Produktionsleitung: Mathias Frank • choreographische Assistenz: Gudrun Schade • Regieassistenz: Lara Fischer • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Christa Guck • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tobias Busch (Leitung), Otto Geymeier (Tonmeister), Uwe Zitterbart (Microports) • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Pressestimmen

Unterwegs im Namen des Blues
von Tobias Schwarzmeier in DER NEUE TAG

Ein Anzug, eine Sonnenbrille, ein Hut. Schwarz. Jake legt seine Blues-Klamotten wieder an und ist bereit durchzustarten. Mit der Entlassung des Häftlings Nr. 95632 – übrigens die Postleitzahl Wunsiedels – beginnt die Geschichte des wohl coolsten Gangster-Duos der Filmgeschichte, die als temporeiches “Blues Brothers”-Musical bei den Luisenburg-Festspielen eine umjubelte Premiere feierte.

Eigentlich lässt es sich ganz harmlos an: Die beiden Knastbrüder Elwood (Michael Kamp) und Jake Blues (Andreas Birkner) wollen das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, vor der Schließung retten. Die nötigen 5000 Dollar soll ein Konzert der legendären “Blues Brothers”-Band einspielen. Doch die elftägige Mission “Im Namen des Herrn” ist schwierig. Moralisch flexibel, aber eher chaotisch als kriminell, hinterlassen die beiden auf der Suche nach ihren Mitmusikern, geeigneten Instrumenten und einem Auftrittsort eine unterhaltsame Spur der Verwüstung.

Der 80er-Jahre-Filmhit mit Dan Aykroyd und John Belushi und Bluesgrößen wie James Brown und Aretha Franklin, auf dem das Musical basiert, ist unbestritten Kult – mit einer überschaubaren Fangemeinde. Doch mitreißende Inszenierungen mit überzeugenden Darstellern wie auf der Luisenburgbühne könnten dies schnell ändern.
Die großartigen Protagonisten Michael Kamp (nicht so schlaksig wie das Original) und Andreas Birkner verkörpern die beiden Blues-Missionare – mit der seltsamen Gestik und dem rollenden Gang inklusive elegantem Synchron-Stolpern – so authentisch, dass auch eingefleischte Fans nichts vermissen. Musical-Puristen hingegen genießen die starken Solonummern wie “Gimme some lovin'” von Gudrun Schade, bei denen etwas das Tempo aus der Handlung genommen wird. Denn Regisseur Michael Lerchenberg begeistert mit einer bombastischen Bearbeitung der Vorlage, die wenig Atempausen zulässt. Eine wahre Explosion an genialen R-‘n’-B-Songs wie “Everybody needs somebody to love”, “Sweet Home Chicago” oder “Soul Man” ergänzen ausgeflippte Tanzszenen, Slapstick und Pyro-Effekte sowie ein riesiges Aufgebot an Statisten zu einem großen Theater-Erlebnis. So steht auch die Luisenburg-Variante ohne Autos den berühmten Film-Verfolgungsjagden auf Chicagos Straßen kaum nach. Am Ende jagt ein Heer aus trotteligen Polizisten, grotesk parodierten amerikanischen Nazis, eine betrogene Country-Band und eine “blinde” Attentäterin die beiden Antihelden und nutzen dabei alle Ebenen der Bühne.

Im Temporausch auf der Felsenbühne
Der Neue Tag

Rudolf Waldemar Brem reißt sich die braunen Klamotten, einschließlich der kurzen Krachledernen vom Leib und wirft sie Wut entbrannt auf die Bühne. Nur noch mit der weißen Feinripp-Unterhose bekleidet wendet er sich dem Publikum zu und gibt lautstark von sich: “Ich will jetzt keinen Nazi mehr spielen”.

In seiner “Blues-Brothers”-Inszenierung auf der Felsenbühne hat Intendant und Regisseur Michael Lerchenberg in die sonst fetzig rockige Geschichte um Jake und Elwood Blues mehrere Szenen, die sich gegen die rechte Szene richten, eingebaut. Die Stadt wehrt sich seit langem gegen Aufmärsche von Neonazis. Auch das ist im Stück verbal, lautstark und optisch in großen Lettern auf Transparenten zu hören und sehen. Lerchenberg bedient dabei zu 100 Prozent das Klischee und überzeichnet die Figuren bis ins Groteske. Ansonsten ist die Geschichte von Jake und Elwood eine sehr bunte, musikalisch fetzige und pyrotechnisch opulente zweieinhalb Stunden Show.

Die Darsteller nutzen dabei das Theater einschließlich Zuschauertribüne als einen einzigen Bühnenraum. Da stehen die Fans der “Blues-Brothers” (Statisten) am Bühnenrand, werfen Cola-Dosen in Richtung ihrer Idole, die hinter einer vergitterten Bühne spielen. Im schwarzen Anzug, weißem Hemd und dunkler Brille rocken Elwood (Michael Kamp) und Jake Blues (Andreas Birkner) die Luisenburg. Immer wieder tauchen im Zuschauerraum Statisten und Hauptdarsteller auf. Dank des Labyrinth-Systems der Bühne erscheinen sie wie aus dem Nichts und sorgen für so manchen Aha-Effekt. Der bekannte Entertainer Ron Williams führt durch das Programm und brilliert als toller Verwandlungskünstler. Ob als Prediger, schräge Hausmeisterin oder als Ray Charles, der Mann versteht in allen Rollen zu fesseln.

Und er hat stimmlich die diversen Sounds drauf, die ein 1974er Dodge Monaco von sich gibt. Täuschend echt ahmt er die Motorengeräusche des “Bluesmobils” nach. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wagen gemütlich durch die Straßen von Chicago rollt, bei Vollgas über den Highway “fliegt” oder ihn eine rasante Vollbremsung zum Stehen bringt. Die “Blues-Brothers” synchronisieren dazu auf zwei Gartenstühlen die perfekten Bewegungen. Ständig wuseln jede Menge Leute auf der Bühne herum. Auf allen Ebenen ist Aktion. Daneben hat Lerchenberg kleine aber feine Gags im ganzen Stück verteilt. Als Elwood und Jake von einem Streifenwagen verfolgt werden, nervt der Klang der typisch amerikanischen Polizeisirene lautstark die Ohren.

Die Soundkulisse eines Actionfilms. Am Bühnenrand simulieren rote und blaue Strahler die dazu gehörigen Lichtsignale. Dann rast der Wagen von der linken Seite mitten auf die Bühnenmitte. Im Maßstab 1:18 und fern gesteuert. Lacher garantiert. Später nutzt ein Streifenpolizist das Spielzeugauto als Funkgerät. Insgesamt eine Superinszenierung mit hochmotivierten Schauspielern. Dazu furiose Tanznummern und Songklassiker wie “Everybody needs somebody to love”, “Soul Man” oder Elvis’ “Jailhouse-Rock” heizen dem Publikum ein. So manchen Zuschauer hält es dabei nicht mehr auf seinem Platz. Aber kein Problem, denn mitmachen ist durchaus erwünscht. Die “Blues Brothers” sind Kult! Ihr Leben eine Verfolgungsjagd! Es ist wert, sich davon anstecken zu lassen.

Spiel mit Tempo, Musik mit Schmackes
von Michael Schreiner, MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

Was hätte da schon – vom Wetter abgesehen – schiefgehen können? Ein Musical mit Kultstatus. Eine einmalige Kulisse, die seit über 120 Jahren jedes Jahr tausende Neugierige anzieht. Ein Intendant – gleichzeitig auch Regisseur und Textdichter – mit hervorragendem Gespür für die Bedürfnisse eines nach Unterhaltung lechzenden Publikums. Und eine Truppe höchst motivierter Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker, Choreografen und Ausstatter. Es ist nichts schief-, Lerchenbergs zielklare Rechnung vielmehr voll aufgegangen! „Blues Brothers – Im Namen des Herren“ löste bei der Premiere auf der Luisenburg einen Begeisterungssturm aus, was bei den eher verschlossenen Fichtelgebirglern vermutlich einer verkappten Ekstase gleichkam.

Dafür hat Lerchenberg aber auch in die Vollen gegriffen und mit Donnerknall und Blitzen, Rauch, Feuer und tumultuarischen Massenszenen aufgefahren, was die Trickkiste hergab. Klischees schlugen gleich reihenweise Purzelbäume durch das mit geringen Mitteln optimal und höchst effektvoll gestaltete Bühnenbild. Die zauberhafte sexy Nonne in Lackstiefeln und geschlitztem Ordensgewand als Nummern-Girl, die resolute Ehefrau, die Jake und Elwood übers Maul fährt, dass jedem Gemahl im Publikum der kalte Angstschweiß ausbricht, der amerikanische Altnazi, der mit schnarrender Stimme zur Jagd auf die sittenlosen Brothers bläst. Vor jedem Slapstick blasen sich reihum im bis auf den vorletzten Platz besetzten Zuschauerraum die Backen auf. Das Losprusten kommt genauso präzise und ohne Verzögerung, wie die glänzend auf den Punkt gespielten Gags und Pointen.

Dabei fängt alles so wunderbar gemächlich und ziemlich reduziert an. Die vorzeitige Entlassung Jakes aus dem Knast, von den Officern mit sadistischem Vergnügen ausgespielt. Das von Johlen begleitete Umkleiden auf der Bühne. Die anschließende Fahrt im heruntergekommenen Dodge Monaco, einem ausgemusterten Polizeiauto, welches Elwood (Michael Kamp) und Jake (Andreas Birkner) frontal zum Publikum auf zwei einfachen Klappstühlen imitieren. Die Szene gerät zu einer der stärksten der Inszenierung, die auf einem der obersten Plätze der Unterhaltungsskala angesiedelt werden kann. Als dann aus der Kulisse auch noch eine ferngesteuerte Mini-Polizeistreife in vollem Karacho mit Mini-Tatü-Tata hervorbrettert, die dazugehörigen Uniformträger mit obligatorischen Angebersonnenbrillen im Schlepptau, hält kein Zwerchfell mehr still. Jake und Elwood türmen, was könnten sie sonst tun, und lösen die erste einiger turbulenter Verfolgungsjagden durch Felsschluchten, Überhänge und Steilpfade aus, die den Schauspielern sportive Ertüchtigung und den begeisterten Zuschauern das Vergnügen eines comic-haften Spektakels bietet.

Die beiden „verkommenen Subjekte“, von der erbosten Schwester Oberin des Kinderheims geprügelt und verjagt, dem sie mit einer Finanzspritze wieder auf die Beine helfen wollen, machen sich auf die Socken, ihre alte Band wieder zusammenzubringen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht und kaum ein Klamauk zu wohlfeil. Mit einem amüsanten Klingeltrick erinnern sie gar an das legendäre Duo Stan Laurel und Oliver Hardy.

Aber Lerchenberg belässt es nicht einfach bei prachtvollem Entertainment und gewitzten Pointen. Er hat sich das Buch vorgenommen und den Text mit Selbstironie, Spielwitz und klugen Anspielungen genüsslich auf die eigene Gegenwart gebürstet. Mit Anspielungen auf die Region, selbstreflexiven Bezügen, spitzen Brechungen und mit dem Aufgebot einer „Nazi raus!“-Bürgerinitiative, die den Bezug zur virulenten Geschichte der Stadt Wunsiedel vielleicht eine Spur zu effekthascherisch aufgreift.

Einzelleistungen? Ganz schwierig, etwas rauszugreifen. Das gesamte Ensemble einschließlich der Band hat, bis hinein in die teils reizenden, fabelhaften Statistenrollen, eine prächtige Arbeit abgeliefert. Das Spiel hat Tempo, die Musik Schmackes, die Songs geh’n in die Glieder, Augen und Ohren werden ununterbrochen auf Trab gehalten. Eine kleine Gewichtung muss dennoch sein: Der 68-jährige Sänger und Entertainer Ron Williams ist mit einem halben Dutzend kleinerer Rollen und zusätzlich als Moderator an sich schon eine echte Schau. In der Rolle des Grandseigneurs des Swing, Mr. Hideho Cab Calloway, wächst er über sich hinaus. Hinfahren!

Wilde Jagd von Chicago ins Fichtelgebirge
von Andrea Herdegen im NORDBAYERISCHEN KURIER / NÜRNBERGER NACHRICHTEN:

Die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich. Zumal, wenn er zwei knasterfahrene Brüder auf die heilige Mission schickt, binnen zehn Tagen 5.000 Dollar für ihr altes Waisenhaus aufzutreiben, das von der Schließung bedroht ist. Hauptproblem dabei: Das Geld für die Rettung muss legal beschafft werden. Darauf besteht die Mutter Oberin des Heims.

Im Kultfilm mit John Belushi und Dan Aykroyd führten die turbulenten Wege des Herrn die Gebrüder Blues durch die Hochhausschluchten von Chicago, durch schwarze Slums und die hinterwäldlerische Provinz von Illinois. Luisenburg-Intendant Michael Lerchenberg hat die Story für sein Felsentheater adaptiert und mit Hilfe von Bühnenbildner Jörg Brombacher aus Wolkenkratzern Granittürme gemacht, aus Prärieweiten Fichtenwald. Geblieben ist im einfallsreich inszenierten Hochgeschwindigkeitsmusical „Blues Brothers“ der „Auftrag des Herrn“: Jake und Elwood Blues sind unterwegs, um ihre alte Band wieder zusammenzubringen.

Lerchenbergs „Blues Brothers“ sind ein Roadmovie, das ohne Straße auskommen muss. Das legendäre Blues-Mobil bleibt am Aufgang zum Zuschauerraum geparkt, die riesige 1974er-Dodge-Monaco-Limousine passt nicht durchs Tor zur Bühne. Jake und Elwood (Andreas Birkner und Michael Kamp) legen sich also auf zwei Klappstühlen in imaginäre Kurven, während Allroundtalent Ron Williams im Hintergrund den satten Achtzylinder-Sound ins Mikrofon wummert.

Williams ist das Mädchen für alles. In sieben Rollen schlüpft er, vom schikanösen Knastwächter bis zum Show-Conférencier im weißen Gehrock und mit spitzbübischem Grinsen unter der Zylinderkrempe. Er fuchtelt als genialer Ray-Charles-Imitator blind mit einer Pistole durch die Luft, bevor er bei „Shake A Tailfeather“ in die Tasten haut. Er ist die schrullige Hauswirtin Mrs. Tarantino und der vom Holy Spirit, dem Heiligen Geist, beseelte Reverend Cleophus James, der seinen farbenprächtigen Gospelchor durch eine irrwitzige Baptistenmesse treibt. Aber Williams ist auch der hintersinnige Erzähler, der die quirlige Story zusammenhält. Und er hat dem Stück einen eigenen Song hinzugefügt, der – so spürte er – in Wunsiedel keinesfalls fehlen durfte: „Der braune Dreck muss weg!” Ja, auch ewiggestrige Nazis stellen sich Jake und Elwood in den Weg. Doch die stadteigene Bürgerinitiative, die schon echte Neonazi-Horden aus dem Fichtelgebirge vertrieben hat, unterstützt Williams vielköpfig auf der Bühne. Auch Illinois ist bunt, nicht braun. Überhaupt sind die verschlungenen und politisch so herrlich unkorrekten Wege der Gebrüder Blues ein unmißverständliches Plädoyer für Toleranz. Die beiden weißen Waisen fühlen sichm ihren schwarzen Unterschichtnachbarn näher als der hellhäutigen Hautevolee. Mit Champagner können sie bestenfalls gurgeln, ein ordentlicher Soulfood-Brathahn dagegen kann sie kulinarisch verzücken.

Und natürlich die Musik: Da schlägt bei Jake und Elwood unter der weißen Haut das pechschwarze Herz des Rhythm’n’ Blues. Was sie in ihren coolen, reduziert-anarchischen Dialogen zurückhalten, das leben sie, unterstützt von einer fabelhaft-groovenden Liveband unter Leitung von Günter Lehr, bei ihren chaotischen Gigs aus. „Bob’s Country Bunker“ möbeln sie mit „Rawhide“ auf, den „Palace Hotel Ballroom“ mit dem programmatischen „Everybody Needs Somebody To Love“.

Die riesige Bühne wimmelt jetzt von ausgelassen tanzenden Fans (Choreografie: Sebastian Eilers), darunter Gudrun Schade, die wie eine unzähmbare Naturgewalt durch vier Rollen wirbelt, und die soulig-stimmgewaltige Caroline Hetényi. Auch von der stoisch aufmarschierten State Police mit Maschinenpistolen lässt sich die Menge nicht mehr in Schach halten. Auf den Rängen tanzt das Premierenpublikum begeistert mit, die unergründlichen Wege des Herrn haben auch die Zuschauer von den Sitzen gerissen. Elwood Blues blickt durch die Sonnenbrille, die die coolen Brüder natürlich auch nachts nie ablegen, bewundernd ins Zuschauerrund: „Wow, ist das ’ne Riesenscheune!“

Der Soul lebt
Carmen Groschwitz im “Mütterblitz” über “Blues Brothers – im Namen des Herrn” – das Musical das auf der Freilichtbühne der Luisenburg in Wunsiedel bluest. Hier geht die Post ab! Das Publikum erlebt eine rasante Tour der beiden Brüder. Die am Ende wieder dort landen, wo alles begann.

Die Blues Brothers sind Kult. Ein Kult muss gelebt werden. Leben heißt: Menschen mit Hüten und schwarzer Kleidung säumen den Aufgang. Spätestens jetzt erkennt man, welches Stück die Naturbühne aufrütteln wird: Die Geschichte der Blues Brothers. Die Zuschauer nehmen Platz und landen in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd.

Doch davor haben die beiden Hauptdarsteller Elwood Blues alias Michael Kamp und Jake Blues alias Andreas Birkner schon mal mit ihrem Blues-Gefährt, einem szenigen Acht-Zylinder, für Furore gesorgt und die Auffahrt zur Luisenburg mit riesigem Tamtam gestürmt. Drinnen sitzen mitgenommene Zuschauer, die sich freuen dürfen, die felsige Kulisse nicht zu Fuß erklimmen zu müssen. Zuschauernähe à la Blues Brothers Spektakel!

Selbst Hausherr und Intendant Michael Lerchenberg tritt vor der Aufführung auf die Bühne und gibt Anweisungen „Handy aus“ und was man sonst noch wissen muss.

Von Chicago nach Illinois

Die beiden Gauner wollen, um ein Waisenhaus zu retten, in dem sie aufwuchsen, die alte Band vereinen und so 5.000 Dollar erspielen. Nur elf Tage haben sie Zeit. Gejagt von Gerichtsvollziehern und Cops kommt es zu wilden Verfolgungsjagden. Das kultige Gefährt bleibt aufgrund seiner Größe draußen. Zwei Stühle ersetzen das Car und schaffen beim Zuschauer viel Spielraum für Fantasie.

Es kommt, wie es kommen muss. Bei einer Polizeikontrolle scheint alles aus zu sein. Dass im Hintergrund die Motorengeräusche der Verfolgungsjagd nicht vom Band kommen, ist Ron Williams zu verdanken. Er schlüpft wie auch noch ein paar andere Schauspieler in verschiedene Rollen und brilliert ebenfalls auch als Sänger im rasanten Road-Movie, das in Chigago beginnt und nach Illinois führt.

Das kurzweilige Stück bietet neben R&B auch Country Klänge. Die Szenenwechsel sind klar und der Seitenhieb zur Geschichte Wunsiedels „der braune Fleck“ muss weg, lässt einen Nazi-Aufmarsch nebst Gegendemo „Wunsiedel ist bunt“ aufleben.

Das Waisenhaus wird gerettet und die Brüder landen wieder hinter Gittern. Nach zweieinhalb Stunden ist das Konzert, das bis auf den letzten Platz ausverkauft ist, mit Standing-Ovations und etlichen Zugaben vorbei.

Dass die Blues Brothers so einen Erfolg haben, ist der Glanzinszenierung von Lerchenberg zu verdanken. Wer in diesem Jahr keine Karten ergattert hat, darf hoffen: Nächstes Jahr laden die bluesigen Brüder wieder zur Road-Show ein.

CG

Das Volksstück
Wast – Wohin?

Volksstück von Felix Mitterer

Stückbeschreibung

Wast – Wohin? oder Kein Platz für Idioten

Die erfolgreiche Reihe unserer anspruchsvollen Volksstücke wie „Tannöd“, „Jagdszenen aus Niederbayern“ und „Zwölfeläuten“ wird mit „Wast – Wohin?“ von Felix Mitterer fortgesetzt, dem Autor unserer legendären „Geierwally“ und vieler erfolgreicher TV-Produktionen wie „Piefke-Saga“, „Andreas Hofer“ oder „Verkaufte Heimat“. In seiner für die Luisenburg-Festspiele geschriebenen Freilichtfassung seines Erstlingswerkes „Kein Platz für Idioten“, das heute zum Standardrepertoire aller österreichischen Volkstheaterensembles gehört, zeigt Mitterer eine Bauernfamilie, die sich ihres behinderten Kindes schämt und es deshalb versteckt. Durch die Zuneigung und Förderung des alten Knechtes Mich wird eine langsame, stetige Entwicklung des Jungen erreicht, was die Dorfgemeinschaft aber nicht daran hindert, das behinderte Kind auszugrenzen und „wegsperren“ zu lassen. Ein “dummer Zufall” liefert auch noch den Anlaß.

Besetzung

Regie: Christoph Zauner • Bühne: Jörg Brombacher • Kostüme: Carla Caminati • Musik: Lukas Schiemer • Licht-Design: Norbert Chmel

Mit Arthur Brauss, Moritz Katzmair • Simone Bartzick, Chris Nonnast, Uschi Reifenberger, Katharina Schwägerl; Rudolf Waldemar Brem, Jürgen Fischer, Julian Niedermeier, Toni Schatz, Alfred Schedl, C.C. Weinberger, Günter Ziegler u.a.

Pressestimmen

Über die „sehenswerte Inszenierung” mit einem „hoch motivierten Ensemble” schreibt Stefan Voit unter dem Titel „’Die Bernauerin’ als großes Welttheater” in „Der neue Tag”

So sieht es also aus, das Mittelalter, das immer als dunkel beschrieben wurde: Männlein und Weiblein, Arme und Reiche, Jung und Alt, Mönche und Nonnen tummeln sich lebhaft frivol in einem großen Holzzuber und genießen Lust und Laster des Lebens. Eine Badestube ist das prächtige Eingangsbild, das Regisseur Michael Lerchenberg den Premierenzuschauern des „baierischen Stücks” von der „Bernauerin” am Freitag auf der Luisenburg offenbart.

Die Badestube als Ausgangspunkt einer großen Liebesgeschichte zwischen Herzog Albrecht und der Badertochter Agnes Bernauer: Hier funkt es zwischen den beiden, hier beginnt die Komödie, die in einer Tragödie endet.

Mit „Die Bernauerin” hat sich Intendant Lerchenberg nicht nur einen Traum erfüllt, er hat auch den Mut gefunden, das wohl reifste Werk des Komponisten Carl Orff auf die Naturbühne zu bringen. Mit der Kombination zwischen großer Musik – der Orchesterpart wurde mit den Hofer Symphonikern eingespielt und lief Semi-Playback vom Band, der andere Teil wurde live auf der Bühne gespielt – und mittelhochdeutscher-bairischer (Dialekt-)Sprache gelingt ihm großes Welttheater!

Fast auf den Tag genau 60 Jahre nach der Uraufführung des Stücks sehen wir Herzog Albrecht (Heiko Ruprecht), wie sein Herz für Agnes (Julia Eder) entflammt, wie sie gegen alle Widerstände ein Paar werden, heiraten und am Ende doch alles tragisch endet: Der Adelige wird unter einem Vorwand von der Geliebten weggelockt, sie am 12. Oktober 1435 als Hexe in der Donau bei Straubing ertränkt.
Lerchenberg hat den Orffschen Gedanken von einem mittelalterlichen Mysterienspiel weitergetragen und in die Neuzeit mit hineingenommen. Herausgekommen ist dabei ein prächtiges Theaterstück voller Kraft, voller lebhafter Sprache, die tief in die Mystik hineingreift – ein Bilderbogen bayerischer Geschichte par excellence.

Die tragende Rolle spielen der 50-köpfige Chor (Musikalische Leitung Henning Kussel) und die Gaukler (Silvia Pfändner und Steffi Sembner), die, begleitet von großer Musik, tänzerisch erzählend und pantomimisch die Szenen miteinander verbinden. Allerdings treten die Hauptpersonen zu wenig in den Vordergrund, was daran liegt, dass sie kaum zu singen haben und ihr Schwerpunkt ausschließlich auf der Sprechrolle liegt.

Hier wünschte man sich von beiden mehr Präsenz. Es fehlte manchmal an schauspielerischer Ausdruckskraft und Lautstärke. Zu wenig werden die Tiefe der Liebe, der verzweifelte Kampf um Anerkennung und das politische Ränkespiel herausgearbeitet. Die einzelnen Bilder füllt Lerchenberg, der auch für die Bühne verantwortlich zeichnet, mit kraftvollem Leben.
Prall, derb und hitzig wird im Wirtshaus diskutiert, ob die Bernauerin nur eine „Badhur” oder für den Herzog „schon richti” ist, und, in blaues Licht getaucht, verkündet Albrecht, zärtlich-verrückt und poetisch, die Liebe zu seiner „Duchessa”. Beeindruckend auch die Mönchsszene, in der der Geistliche („Garrit gallus, der Gockelhahn kräht!”) das einfache Volk aufstachelt und die Bernauerin zur Hexe tituliert.

Am herausragendsten ist wohl die Hexenszene, in der schaurig geschminkte Wesen mit drei Köpfen das Ende der Bernauerin in einem begeisternden Sprechrhythmus verkünden: „Itzs ham sie’s derpackt! Abgrittne, abgfeimte, bübische Böswichtin.”

Der innigste Wunsch, „Die Bernauerin” auf der Luisenburg zu inszenieren, ist für Lerchenberg Wirklichkeit geworden. Dafür gibt es von einem begeisterten Publikum lange anhaltenden und verdienten Applaus – für eine beeindruckende Inszenierung und für ein hoch motiviertes Ensemble mit über 80 Personen. Von solchen Träumen darf Lerchenberg mehr auf die Naturbühne bringen!

In der „Frankenpost” schrieb Michael Thumser unter dem Motto „Sehr anders, sehr schön” über die „Wasserspiele im Welttheater”

Im Wasser beginnt und endet diese Liebe. Dem Herzogssohn Albrecht widerfährt sie im Augsburg des Jahres 1428, im Badhaus, wo es weniger sauber als frivol zugeht: Schon beim ersten Blick auf Agnes Bernauer ist ihm „der Blitz ins Herz neigfahrn”. Doch unter Fürsten „wird net lang gfragt nach der Liab”. So schön die Baderstochter aussieht, so untragbar ist sie als Gemahlin eines künftigen Regenten der Dynastie. Verschwinden also muß die „Buhle”, so beschließen die Gebieter der Staatsraison, und Agnes versinkt: In den Fluten der Donau bei Straubing wird sie ertränkt.

„Die Bernauerin” von Carl Orff – was ist das eigentlich? Jedenfalls etwas bislang Ungekanntes auf der Luisenburg; und unbedingt ein Erfolg für die Wunsiedler Naturbühne: Auf ihr feierte die Produktion, zur Saisoneröffnung, am Freitag mit Großartigkeit und Glanz – und unter viel Applaus – Premiere. Aber wie kriegt man es zu fassen, dieses „bairische Stück”: als was? Keinesfalls als Trauerspiel. Dafür ereignet sich viel zu viel bunt Bizarres, bodenständig Burleskes, gleich als famoses Eingangsbild das standesschrankenlose Badvergnügen eines nackten Haufens im dampfenden Riesenzuber, handfest und schamlos. Zwar beschwört der Abend höchst poetisch die Erhabenheit hohen Gefühls – doch gewährt er, deftig volkstümlich, den Leibern ebenso blankhäutige Lust.

Auch ein Schauspiel ist das nicht eigentlich; wiewohl Intendant Michael Lerchenberg, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, den Augen unablässig Spektakel und Spektakuläres zu schauen gibt, mit akkurat einstudierten Massenszenen und mächtigen Tableaus, durch choreografierte Kleindetails und tänzerische Anmut (für die, das Geschehen parodierend, zwei gewitzte Gaukler stehen: Silvia Pfändner, Steffi Sembdner). Mit musikalischem Theater, weniger opern- als – am Ende – oratorienhaft, hat man’s zu tun: Denn Musik bewegt, durchwogt alles. Vom Band kommt sie, unter Henning Kussel von den Hofer Symphonikern eingespielt, und wird aktuell ergänzt durch die Herren Hastreiter, Jakob und Regler an Klavier und Schlagwerk. Überdies sorgt ein großer Chor für scharf akzentuierte, reich nuancierte tönende Kulissen.

Die Sprache selbst wird zu Musik. Leicht zwar erschließt der Text sich nicht: Historisierend und mundartlich-altbairisch hat Orff ihn in archaische Sagenhaftigkeit entrückt, ihn mit Metaphern angefüllt und rhythmisch stilisiert. Dafür brechen die Akteure die Sprache zum Melos, die Rede zu Klängen auf, zu Wortspiel und Lautmalerei. So darf Agnes ihren Wassertod ruhig in unsichtbarer Ferne erleiden; denn wie in einer Reportage erzählt eine grausige Gruppe von Hexen darüber, eine fantastische Front fischig-vielgesichtiger Geister (Kostüme: Susanne Thaler), die dadaistisch ein Silbengewitter entfesseln, worin voyeuristisches Entsetzen sich beißend mit Zynismus mischt.
„Magische Bilder”… Realismus wäre fehl am Platz. Als Funktions-, Ideen-, Schicksalsträger begreift Regisseur Lerchenberg die Figuren; eine Parabel läßt er sie durchspielen und den verbürgten Stoff märchenhaft aufbrechen. Knorrig und weise nehmen Karl Friedrich und Adolf Adam zur Wirrnis der Zeitläufte Stellung. Gerhard Wittmann als mönchischer Buß- und Haßprediger wiegelt, unten, das Volk auf, gegen Agnes, die „Badhur”, und überhaupt gegen die Unzucht – und meint im Grund jedes Streben nach Glück. Dem Kalkül der Herrschenden, oben, spricht Werner Eggenhofer als Kanzler das Machtwort, unerbittlich und finster wie ein Großinquisitor.

In solchem Welttheater spielen selbst Albrecht und Agnes, die ja doch Oben und Unten verkörpern, kaum mehr als zwei Rollen unter zahllosen anderen. Gleichwohl stellt die Inszenierung sie, im Wortsinn, heraus: Auf einer erhöhten Terrasse findet und vollendet sich ihre Liebe, die eine Lust ist und sich doch so etwas wie Unschuld, kindlich weltenthoben, bewahrt. Albrecht, bei Heiko Ruprecht der Typ des virilen Draufgängers, der „glei oiwei aufs Ganze” geht, er kommt bei seiner „Duchessa” eine Zeit lang zur Ruhe wie im Traum: „Tu mi net aufwecken.” Agnes, das deklassierte Mädchen von der Straße, begreift stolz, nicht für den Baderskittel, sondern den Königsmantel geschaffen zu sein: Zur „hochgemuten, liebmächtigen Frau” läßt Julia Eder die Titelheldin wachsen – und bekennt doch vorausschauend bald, es werde ihr „trübselig zu Sinn, wann ich das Wasser hör rauschen”. Unter sich spürt sie das Rad der Fortuna sich drehen: „Keiner kann bleiben, kein einer.”

Zum Premieren-Ende ist das Wetter kalt geworden und nass. Den Albrecht freilich läßt weder die bayerische Geschichte noch das Schlußbild der „Bernauerin“ im Regen stehen: Herzog – „der Fromme“ – wird er sein, an der Seite einer anderen Frau dynastisch fruchtbar, gewaschen mit allen Wassern der Staatsraison.

Unter dem Motto „Wie aus einem kleinen Gerücht eine Welle an Vorurteilen wird” beschreibt Horst Pöhlmann in der Bayerischen Staatszeitung „Die Bernauerin”

Mit Michael Lerchenberg, seit vier Jahren Intendant der Luisenburg-Festspiele, hat das Musikstück den Weg auf die Naturbühne bei Wunsiedel im Fichtelgebirge gefunden – heuer wird Carl Orffs „bairisches Stück” „Die Bernauerin” gegeben.

Die kurze Liebesgeschichte zwischen der Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer und dem bayerischen Thronaspiranten Herzog Albrecht aus der ersten Hälfte des 15. Jahrunderts, die der Staatsraison widerspricht und aus der Sicht der Mächtigen und (allzu) vieler Bürger nur mit der Verunglimpfung und Hinrichtung von Agnes beendet werden kann, wurde von 0rff in besonderer Weise gestaltet. Als Dichter legt er dem Figurendialog und den oratorienhaften Cborszenen eine von altbaierischern Dialekt und mitteIhochdeutschen Wendungen geprägte Kunstsprache zugrunde, der er verbalen Rhythmus und Klang verleiht. Diese bilden auf der kompositorischen Ebene eine innige Ergänzung zu dem charakteristischen Orffschen Schlagwerk und den Bläserelementen.

Die Musik zur Wunsiedler „Bernauerin” wird via Band eingespielt (Hofer Symphoniker) – drei Musiker für Pauken, Klavier und Percussion sind live auf der Bühne. Lerchenberg gelingt es, den fünfzigköpfigen Laienchor, die kleinen Ensembles und die stillen poetischen Monologe der Liebenden straff zu einer Einheit von Text und Musik zusammenzuschweißen.

Aus dem runden Dutzend Einzelszenen der sich vom Genredrama über das politische Kriminalstück zum veritablen Welttheater mausernden Inszenierung gelingen ein paar besonders eindrucksvoll. Im Eingangsbild wird ein mittelalterliches Badehaus als lebensprall dampfend-siedendes Tableau nachgestellt, während die bierdimpfliche Bürgerszene einprägsam demonstriert, wie sich ein kleines Gerücht zu einer Welle an Vorurteilen entwickeln kann. In der Mönchszene agitiert ein an Goebbelssche Demagogie gemahnender Ideologe des Klerus als Volksaufwiegler gegen die „Duchessa” Agnes, die nichts anderes sei als eine „hexerische Badhur”. Schließlich der Höhepunkt der Aufführung: die Mauerschau der Hinrichtung, als Agnes in der Donau bei Straubing ertränkt wird. Sie wird in einem auf dadaistischer wie konkreter Poesie beruhenden Wechselgesang von sechs lemurenhaften, an Zombie-Personal aus Horrorfilmen erinnernden Hexen so intensiv „erzählt”, daß der Zuschauer unwillkürlich eine Gänsehaut bekommt.

Gegen diese expressiven Ensembles hat es das hoch-niedrige Liebespaar (Julia Eder und Heiko Ruprecht) in seinen stillen, meist monologischen Kontrastszenen nicht leicht anzuspielen. Dennoch besticht die Aufführung als ein gelungener Balance-Akt, komplexes und ambitioniertes Musiktheater auf der Felsenbühne zu etablieren.

Die Operette
Der Vogelhändler

Operette von Carl Zeller
(Gastspiel der Operettenbühne Wien)

Stückbeschreibung

Mit viel Natürlichkeit und volkstümlicher Frische komponierte Carl Zeller eine Operette, die in kürzester Zeit zum Welterfolg wurde. Die Geschichte nach dem Vaudeville “Ce que deviennent les roses” von Victor Varin und Edmond de Biéville erzählt von falschen Kurfürsten (und -innen), geldgierigen Baronen und hochverschuldeten Bonvivants, aber auch von ehrlichen und ehrbaren Mädchen und einem Vogelhändler, der alles recht machen will und dadurch alles zusätzlich durcheinanderbringt. Aber was will man mehr: Am Ende bekommt jeder was er verdient – und der Vogelhändler Adam seine Christel von der Post.

Die Kombination von pfälzischer Lebenslust und Tiroler Treuherzigkeit, die Klangpracht der Ensembles und die unvergessenen Vogelhändler-Weisen wie „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ oder „Ich bin die Christel von der Post“ versetzen das Publikum immer wieder in Verzückung. Heinz Hellberg hat dieses Werk in einer bezaubernden, und von Presse, Publikum und Veranstaltern hochgelobten Inszenierung auf die Bühne gebracht und damit seine führende Position unter den deutschsprachigen Operettenensembles eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Eine Aufführung, geprägt von einer tief verwurzelten Spielfreude ganz in der Wiener Tradition,  die erfüllt, was sich Heinz Hellberg für seine Insze-nierungen so sehr wünscht: „Ein Märchen auf die Bühne zu bringen, das es ermöglicht, durch schöne Stimmen, prächtige Kostüme und die wunderbare Musik die Seele baumeln zu lassen und dem Alltag für zwei Stunden zu entfliehen.“

Die Oper
Der Freischütz

Romantische Oper von Carl Maria von Weber

Gastspiel der Landesbühnen Sachsen / Felsenbühne Rathen

Stückbeschreibung

Premiere: Freitag, 17. August 2012, 20.00 Uhr

Zusatzvorstellung am Montag, 20. August, 20.00 Uhr!

LuisenburgXtra
Cherubim

von Werner Fritsch

Stückbeschreibung

Regie: Steffi Baier

Mit Gerd Lohmeyer 

Aufgewachsen ist der 1960 geborene Werner Fritsch auf der Hendelmühle, einem Sägewerk und Einödhof im Oberpfälzer Stiftsland. Da die Eltern wenig Zeit hatten, nahm sich Wenzel Heindl, der etwas sonderliche Knecht des Hofes, des kleinen Buben an – eine schöne Parallele zu der Geschichte von „Wast – Wohin?“. Der Mann, früh gehandicapt durch eine Kinderlähmung, ohne jegliche Schulbildung, aber ausgestattet mit einer blühenden Phantasie, eröffnete dem „Wernderl“ eine archaische Welt voller Naturmystik, kindlichen Jenseitsglaubens und wild fabulierender Phantastik. Werner Fritsch hat das alles aufgezeichnet, auf Tonbänder, Schwarzweiß-Filmmaterial und in einem ersten Buchmanuskript, in dem er die wundersame „oral history“ des Wenzel zu einem unverwechselbaren Stück bayerischer Literatur formte.

In seiner bilderreichen und doch ganz einfachen Sprache läßt Fritsch uns teilhaben an der wahren Geschichte des Bauernknechtes Wenzel, der sein Leben zu erzählen und zu verstehen und deshalb die Welt zu erklären versucht, und entwickelt eine ähnliche Magie und Faszination, wie sie auch „Tannöd“ innewohnt.

Der Roman „Cherubim“, ausgezeichnet mit dem Robert-Walser-Preis, machte Werner Fritsch über Nacht bekannt. Die Theaterfassung davon erleben Sie mit dem nicht nur in Wunsiedel wohlbekannten Gerd Lohmeyer, einem Spezialisten fürs Oberpfälzische und Meisterinterpreten skurriler, hintergründiger und anrührender Einzelgänger, als eine LuisenburgXtra-Eigenproduktion im Museumshof!

Sonderveranstaltungen
CASH – a singer of songs
Blechschaden

Konzerte & Kabarett

CASH - a singer of songs

LuisenburgXtra-Konzert: CASH – a singer of songs

Cash_A Singer of Songs_2012Ein JOHNNY CASH-Abend mit unserem Romeo-Darsteller Bastian Semm (Gesang & Gitarre), Sandro Tajouri (Percussion) und Jörg Schröder, der aus der sensationellen Autobiographie liest.

Johnny Cash gehört zu den Denkmälern der populären Musik. Bastian Semm, Sandro Tajouri und Jörg Schröder haben sich an die Fersen dieser Legende geheftet und zeichnen seine bewegte Lebensgeschichte unplugged nach. Hierzu entwickelten sie ganz persönliche und intime Interpretationen dieser wundervollen Musik, verknüpfen sie mit Auszügen aus Cashs eindrücklicher Autobiographie und dringen so tief in die Seele Johnny Cashs ein.

„Bastian Semm gibt einen gelungenen und tiefgehenden Eindruck in das Leben und die Musik Johnny Cashs. Es gelingt ihm, ein Gefühl zu vermitteln, das Cash den Zuhörern seines letzten Albums gewünscht hatte: Das Gefühl, bei ihm in seinem Wohnzimmer zu sitzen.“ Rhein-Neckar-Zeitung

„Gerade der extreme Kontrast zum Original läßt den Abend gelingen. Mannheimer Morgen

„Die Vorstellung wird zur intensiven und eindringlichen Hommage an Johnny Cash – den Weltstar, der sich selbst als Außenseiter sah und der in keine Schublade paßte. Auf einem Barhocker sitzt der junge Mime in Jeans, Cowboystiefeln und schwarzem Hemd. In der Hand nur seine Gitarre – und zeigt ein erstaunliches Können. … ‘Ich bin sein Fan seit ewigen Zeiten, es gibt ihn schon lange in meinem Leben’, sagte Peer-Gynt-Darsteller Bastian Semm. Den Sänger und Songwriter den Menschen näher bringen, das will Semm. Das hat er auch mit seinem Auftritt in Wunsiedel geschafft.“ Frankenpost

In diesem Herbst war Bastian Semm in Nashville und Los Angeles. Und das hat wiederum mit Johnny Cash zu tun. Semm erzählt: “Nachdem ich das Johnny-Cash-Projekt in Basel gemacht hatte, stellte ich meine Version von ‘A Singer of Songs‘ auf YouTube online. Nach knapp zwei Jahren meldete sich der Songwriter Tim O‘Connell bei mir, sagte mir, dass er diesen Song 1979 geschrieben habe und dass er meine Version mögen würde. Für mich war das wie ein Ritterschlag. Seitdem sind wir in regem E-Mail-Kontakt. Nun hat Tim O‘Connell in Nashville ein Treffen mit John Carter Cash arrangiert, dem Sohn von Johnny und June. Ein absolutes Highlight, ein Traum.”

Blechschaden

Die mit zwei KLASSIK-ECHOs, dem e.on-Kulturpreis Bayern und der Medaille „München leuchtet“ ausgezeichnete Blechbläserformation der Münchner Philharmoniker unter Leitung von Bob Ross ist mit ihrer unschlagbaren Mischung aus virtuoser Klassik und erstklassigem Entertainment längst Kult und erntet beim Publikum stets jubelnden Applaus! „Die perfekte Aufhebung aller Grenzen zwischen E- und U-Musik.“ (Münchner Merkur)

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