Spielzeit 2005

Das Familienstück
Robin Hood

Spannendes Abenteuerstück von Eva Toffol

Stückbeschreibung

Im letzten Jahr waren über 35.000 begeisterte Besucher in unserer “Ronja Räubertochter” von Astrid Lindgren in der Bearbeitung von Eva Toffol. Die gleiche Autorin hat nun für die Luisenburg eine Neufassung der immer wieder faszinierenden Geschichte von Robin Hood und seinem Kampf um eine gerechtere Welt geschrieben.

Da es für uns Theatermacher nicht einfach ist, immer wieder ein spannendes Thema und ein Stück zu finden, das unsere kleinen Theaterbesucher vom Kindergartenalter bis zur 4. Klasse der Grundschule gleichermaßen interessiert, haben wir uns zu dieser Neufassung der berühmten Geschichte entschieden.
Denn die sagenumwobene Gestalt des Robin Hood existiert in vielerlei Form in der Literatur, auf der Bühne und auf der Filmleinwand: Mal witzig und/oder romantisch, dann kämpferisch, oder mehr idealistisch, mal kindgerecht wie bei Walt Disney, oder eher brutal für ein aktionwütiges Filmpublikum wie bei Kevin Costner.

Unser Robin Hood kämpft auch für eine gute Sache, aber nicht mit Waffengewalt und Brutalität, sondern mit Witz, Raffinesse, Phantasie und Charme erreicht er zusammen mit seinen Gefährten und seiner geliebten Marjan seine Ziele. Und besonders für unsere Kleineren hat die Autorin noch mit der Figur des Kleinen Nick, dem kleinen Freund Robin Hoods, eine Identifikationsfigur geschaffen aus deren Blickwinkel die Kinder die Geschichte miterleben können.

Diese Botschaft der gewaltfreien Konfliktlösung ist uns auf der Luisenburg ein großes Anliegen, gerade in einer Zeit, in der unsere Kinder sich der Gewalt und der Brutalität im täglichen Leben, in den Medien oder den PC-Spielen kaum mehr entziehen können!

Darum wird unser “Robin Hood” ein ungetrübtes, spannendes, unterhaltsames, aber gewaltfreies Theatervergnügen sein von jung (ab 4) bis alt (bis 99).

Premiere: 31. Mai 2005

Besetzung

Regie: Eva-Maria Thöny • Bühne: Konrad Kulke • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly
Premiere (Uraufführung):  Di. 31. Mai 2005,
Mit Jürgen Fischer als Robin Hood, C.C. Weinberger und Roman Weltzien sowie Jennifer Anne Kornprobst, Alfred Schedl, Frank Wünsche, Günter Ziegler u.a.

Um den legendären Helden Robin Hood geht es in unserem Kinderstück. Aus zahlreichen Verfilmungen kennt man ihn. Auch in der von Eva Toffol und Eva-Maria Thöny kindgerecht für die Luisenburg erstellten Fassung wird der wagemutige, aber auch vor Witz und Schlagfertigkeit sprühende “Retter der Armen“ kein Abenteuer scheuen, um seinem kleinen Freund, dem Kleinen Nick, zu helfen. Tollkühn befreit er dessen Eltern aus den Kerkern des Sheriffs. Denn was wäre ein Kinderstück ohne Happy-End!

Robin Hood: Jürgen Fischer
Der Trommler des Prinzen: C.C. Weinberger
Die Grünen, Robin Hoods Mitstreiter:
Little John: Thomas Weißengruber
Will Scardale: Günter Ziegler
Bruder Tuck: Winfried Hübner
Midge, der Müller: Andreas Thiele
Alan / Jenny: Lesley Jennifer Higl

Der königliche Hof:

Prinz John: Frank Wünsche
Sheriff von Nottingham: Alfred Schedl
Marjan, Nichte von Prinz John: Jennifer Anne Kornprobst
deren Zofe: Uschi Reifenberger
Hauptmann & König Richard Löwenherz: Toni Schatz
2 Leibwächter: Christoph Baumann, Holger Wilhelm
Die Dorfbewohner:
der Kleine Nick: Roman Weltzien
Elaine, seine Mutter: Kaya Stretz
Dorfbewohner, Wachen: Sabrina Glowka, Jennifer Köhler, Elisabeth Künzel, Luzie Lohmeyer, Adriane Marino, Lena Müller, Elena Müller, Tina Schiener, Rosalie Schinner, Jennifer Schödel, Bianca Schöffel, Maria Siegel, Laura Weber, Tina Weinhold, Allesia Weiß • Julian Clauss, Philipp, Clauss, Andreas Döbel, David Kappauf, Walter Mandl, Johnny Müller, Sascha Riedel, Fritz Schöpf, Moritz Schöpf, Matthias Unger, Albrecht Winkler, Wilfried Zapfl

Inszenierung: Eva-Maria Thöny • Bühne: Konrad Kulke • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly
Regieassistenz: Lesley Jennifer Higl • Hospitanz: Luzie Lohmeyer • Inspizienz: Kaya Stretz • Souffleuse: Zita Kobler • Maske: Sabine Tanriyiöver (Chefmaskenbildnerin), Renate Bauer, Christine Schmitt • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leitung), Günther Biank (Gewandmeister), Kathleen Bogram, Gizella Koppany, Martina Krist, Berit Langer, Anja Müller, Malaika Rönneckendorf • Requisite: Peter Schmidt (Leitung), Angela Schleicher, Andreas Lüdke • Ton: Tobias Busch • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leitung), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister) Jürgen Dietl, Willi Nowotny, Horst Seibold • Technische Leitung: Werner Moritz • Bühnentechnik: Wolfgang Bienfang, Anton Freundorfer, Gerhard Nelkel, Dieter Thiem, Thomas Tretter, Karl-Heinz Schmidt • techn. Hilfskräfte: Andreas Bleile, Michael Milzareb, Sergej Raider, Karl Schmid, Ralf Winklmüller

Die Dekoration wurde in den Werkstätten des Städtischen Bauhofs Wunsiedel hergestellt

Pressestimmen

In der Frankenpost schrieb Michael Thumser über “‘Robin Hood’ auf der Luisenburg: wehrhaft und witzig”:

“Im Wald, da sind die Räuber”: Wer an derlei alten Legenden festhält, wird die Intendanz der Luisenburg zur Auswahl ihrer Kinderstücke beglückwünschen. Im vergangenen Sommer erlebte auf der Wunsiedler Naturbühne Ronja Räubertochter turbulente Abenteuer; heuer kämpft Robin Hood, der König der Diebe, für die Menschenrechte. Mit frenetischem Klatschen, Johlen, Pfeifen quittierte das kindliche Publikum das Tempo und Temperament der Premiere, die es zuvor schon rufend und disputierend begleitet hatte ­ lachend vor allem: So amüsant war ein Kinderstück auf der Luisenburg schon lang nicht mehr.

10.000 Goldstücke, in Worten: zehntausend. So viel kriegt ein armer Kleinbürger im Leben nicht zu sehen. So viel ­ vermeldet ein gutmütiger Blechtrommler (C.C. Weinberger in einer köstlich komödiantischen Nebenrolle), so unglaublich viel kriegt, als Kopfgeld, derjenige, der Robin Hood an die Schergen des schändlichen Prinzen John ausliefert: alles Geld der Welt. Und doch gibt sich keiner dafür her.

All die armen Schlucker in Nottingham, ausgeplündert von einer unnachsichtigen Steuerpolizei, sind zwar ein mittel- aber kein freudloses, mithin ein buntes (und von Heide Schiffer-El Fouly bunt eingekleidetes) Völkchen; Verräter sind sie nicht. Robin Hood ist einer von ihnen: einer von den Guten. Was er mit seiner Räuberbande dem blasierten Blutprinzen wegnimmt, das hat dessen Räuberbande dem Volk zuvor abgepreßt. Robins Vorzug vor seinem mächtigen Gegner: Statt, wie dieser, auf kriminelle Energie setzt er auf die Schlagkraft seiner Schlagfertigkeit, auf die Wehrkraft seines Witzes, die Hilfskraft fideler Spießgesellen. Staatsfeinde sind sie nicht, nur Dissidenten angesichts bestehender, keineswegs unabänderlicher Unrechtsverhältnisse: Sie sind die Guten, rechtschaffene Waldmenschen, und bilden schon der Kleidung nach die Fraktion der “Grünen”.

Dies über Moral. Als pädagogiksaures Ideendrama indes will das Abenteuerstück, von “Ronja”-Bearbeiterin Eva Toffol eigens für die Luisenburg geschrieben, natürlich nicht gelten. Und natürlich machte auch Regisseurin Eva-Maria Thöny nichts dergleichen daraus. Zu erleben und belachen ist, unermüdlich vorangetrieben von expansivem Bewegungsdrang, ein Stück aus Spannung und viel Slapstick, über Tarnen und Täuschen, voll Klamauk und Verkleiderei. Laut fachsimpeln die kleinen Theaterbesucher über die Maskeraden der Rebellen oder die Machart von Gags, Tricks und Effekten, die im Wettkampf der Meisterbogenschützen einen Höhepunkt finden. Laut begrüßen die Kinder, politisch korrekt durch und durch, die Freiheitskämpfer aus dem Schatten des Sherwood Forest als Lichtgestalten; und bedenken die fürstliche Übelmännerbrut unbarmherzig mit Buhs und Daumen nach unten!

Klar genug verlaufen die Trennlinien ja. Jürgen Fischer als Robin: ein Glücksstreffer der weißen Zähne und sacht gewölbten Muskeln, mutig, sehnig und immer souverän. “Ein Traum von einem Mann”, befindet Marjan, die aufmüpfige Nichte des Prinzen in aller Unschuld: Jennifer Anne Kornprobst, selber schlank und rank und, anders als der verachtenswerte Onkel, von redlichster Sinnesart. Robins Truppe: die Herren Weißengruber und Ziegler, Hübner und Thiele, dazu Claudia Schinner ­ jeder ein Typ für sich, skurril und puffig, rauflustige Krakeeler und doch mehr wert als alles Geld der Welt.

Auf der Gegenseite: Karikaturen der Charakterschwäche, Zerrbilder entstellter Finstersee1en: allen voran Frank Wünsche als tuntiger Prinz, weinerlich, zugleich jähzornig wie Rumpelstilzchen; und Alfred Schedl, der als Sheriff seine erprobten Komikertalente schlitzohrig-verschlagen auffrischt. Zwischen den Fronten: Roman Weltzien, nicht einfach ein armer Junge, sondern ein quirliger Jünger Robin Hoods und einer der Auslöser für dessen Befreiungskampf!
Der verläuft actionreich und kindgerecht, ohne Brutalität: als Posse. Durch Konrad Kulkes Szenerie ­ über die, als wär sie Schauplatz eines “Indiana Jones”-Streifens, eine luftige Hängebrücke aus Seilen sich spannt, rasen die Rächer und stolpern die verstockten Ausbeuter; die raffgierige Schloßbagage läßt sich tölpelig zum Menschenknäuel verschnüren, und Prinz Johns “Blechbüchsen”-Armee fällt über sich selber her…

Schreiend und sausend ereignet sich alles, laut und lustig. Gleich am Anfang, bei der ersten Verfolgungsjagd, kräht einer: “Auf ihn mit Gebrüll.” So kommt’s und hat so bald kein Ende.

Im “Neuen Tag” Weiden schrieb Anastasia Poscharsky-Zigeler unter dem Motto: “Ein wahrer Meisterdieb der Herzen”:

Ja, genau so könnte der berüchtigte Sherwood Forest ausgesehen haben: Hier zwischen Felsen, Höhlen und dunklen Fichten muß der legendäre Robin Hood eigentlich schon immer für Gerechtigkeit gekämpft haben! Die spezielle Luisenburgversion des diesjährigen Familienstücks “Robin Hood” (von Eva Toffol) setzt bei ihrem hochaktuellen Kampf um gerechte Verteilung der Güter weniger auf gewalttätige Auseinandersetzung als auf überraschenden Witz, Aktion Tanz, Musik und verspielte Ideen. Sie werden unter Regie von Eva-Maria Thöny (der Frau des Luisenburg-Intendanten Michael Lerchenberg) stimmig und professionell umgesetzt. Über feurige neunzig Minuten feiert das temporeiche Räubermusical eine überzeugende Premiere, die zum Riesenspaß für alle Anwesenden wird: 700 Kindergarten- und Schulkinder sind restlos begeistert und klatschen sich am Ende ihre Hände rot für das unter einer großen Hängebrücke agierende Ensemble um den Titelhelden Jürgen Fischer und seine liebreizende “Marjan” Jennifer Anne Kornprobst.

Für die Bösewichter um Prinz John und den Sheriff von Nottingham hagelte es dagegen verdiente Buhrufe. Als Trommler agiert C.C. Weinberger als Clown und Stimmungsmacher grandios in der Auseinandersetzung um Steuergelder; Sonder- und Zusatzzahlungen, die sich zwischen den armen Dorfbewohnern in ihren windschiefen Hütten und dem protzigen Hof des tuntigen Prinzen John (urkomisch hierin seiner safety- Sänfte: Frank Wünsche) samt seines Sheriffs von Nottingham (köstlicher Bösewicht: Alfred Schedl) arg zuspitzen. Alle Spannungen eskalieren zur Geburtstagsfeier des kleinen Nick (lausbubenhaft von Roman Weltzien verkörpert), der einen Ball geschenkt bekommt, obwohl zuvor im Dorf doch niemand die Steuern zahlen konnte. Deswegen werden Nicks Eltern vom Sheriff in den Kerker geworfen. Doch dort müssen sie dank Robin Hood und seinen Kumpels nicht lange bleiben. Little Johns Bruder Tuck (mit seinem ewigen “So Gott will”), Scardale, Midge und Alan … beherrschen die Szenerie virtuos und lebenslustig.

Sie toben über die Seilbrücke, jagen über die Bühne, tauchen durch das unterirdische Gängelabyrinth der Luisenburg unvermutet auf der Szene auf, verstecken sich unter einem grünen Pflanzenteppich vor dem Sheriff und dessen schwarzen Männern. Die durchsuchen immer wieder die Sitzreihen mit einem brüllenden: “Habt lhr Robin Hood gesehen?” Doch die Kinder sind einstimmig solidarisch mit den “Armen und Enterbten”, schreien noch nach einer Stunde die Lüge eines ohrenbetäubenden “Nein!” zurück. Der strahlende Held, anno 1200 noch ein gefährlicher Wegelagerer, der über die Jahrhunderte als edler Räuber den Weg in die Kinderzimmer und auf die Kinoleinwände fand, ist in der Person von Jürgen Fischer auch wirklich ideal besetzt. Er … verkörpert grüngehütet und in riesigen Stulpenstiefeln einen unwiderstehlichen Robin Hood: Mit List und Raffinesse schlägt er der Obrigkeit Schnippchen, rettet das Dorf, bekommt dafür zum Happy End auch seine Marjan.

Susanne Schmalz im Nordbayerischen Kurier/RNT unter dem Motto “Denn im Wald das sind die Räuber“:

… Willkommen bei “Robin Hood”. Bei knapp 90 Minuten Theater vom Feinsten, und einem Stück, das in die Kulisse von Deutschlands wohl schönster Freilichtbühne paßt, wie die Faust aufs Auge oder der Pfeil zum Bogen.

Im Wald, da sind schließlich die Räuber daheim. Doch wirklich Angst hat vor diesen grün gewandeten Waldbewohnern niemand. Im Gegenteil: “Das sind die Guten”, weiß einer der kleinen Zuschauer. Er kennt die Geschichte von Robin Hood, der im Wald von Nottingham den Reichen das Geld raubt, um es den Armen zu geben. Für alle, die nicht so viel wissen, steht ein Trommler als Erzähler (C.C. Weinberger) bereit. Der freilich kann den Heldenmut und die Selbstlosigkeit des Robin gar nicht verstehen: “Hat man so viel Unvernunft schon gesehen”, fragt er ins Publikum. Das weiß es natürlich viel besser: “Es gehört sich so”, kommentiert ein Kind und bekommt beifälliges Nicken. Überhaupt ­ die Sympathien sind von Anfang an klar verteilt: Wenn die Staatsmacht in Person des Sheriffs von Nottingham (Alfred Schedl) oder Sir Johns (Frank Wünsche) die Bühne betritt, weht den Gaunern ein Sturm von entrüsteten Buh-Rufen entgegen, und hunderte kleiner Daumen zeigen nach unten. Wenn sich Robin (Jürgen Fischer) irgendwo zwischen den Stuhlreihen versteckt, halten die Kinder dicht ­ er ist ihr Liebling.

“Robin Hood” als Kindertheater ­ geht das? Haben wir doch den Hollywood Film mit Kevin Kostner in Erinnerung. Wie aber kindgerecht umgehen mit Lug und Trug, mit Liebesglück und Intrigen? Für Regisseurin Eva-Maria Thöny kein Problem, sie erzählt eine locker-flockige Geschichte darüber, daß am Ende die Gerechtigkeit siegt. Und daß man mit einer Portion Frechheit und Mut im Leben weiterkommt.

Das junge Publikum ist von Anfang an gefesselt. Das liegt vor allem auch an den wunderbaren Schauspielern, die immer wieder gekonnt auf Kommentare … eingehen und die Kinder einbeziehen, Tänze und Lieder animieren zum Mitklatschen. Langeweile kommt da erst gar nicht auf.

Die Staatsmacht hat einen Hang zur Groteske, allen voran Sir John, der äußerlich an Freddy Mercury erinnert und ein Gehabe an den Tag legt, wie Bully Herbig als schwuler Indianer im “Schuh des Manitu”, Zusammen mit dem Sheriff von Nottingham preßt er aus dem leidgeprüften Volk heraus, was geht, und bekommt Schluckauf, wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft. “Sollen sie doch arbeiten”, sagt er, als neue Steuern zu scheitern drohen. “Auch wenn es gar keine Arbeit gibt.” Fast wie im wirklichen Leben also. Und doch nicht ganz. Denn hier sind die Grünen um Rächer Robin zumindest anfänglich in der Opposition.

Am Ende bekommen sie von Sir Richard die Mit-Regierungsverantwortung übertragen. Der nämlich kehrt zurück, jagt seinen geldgierigen Bruder John aus dem Amt. Und die Welt ist in wieder in Ordnung. Die Sonne scheint. Die Steuern sinken, das Volk hat sein Geld wieder. Robin kriegt Marjan, Will bekommt Marjans Vertraute Babette, und Little John entdeckt, daß sein bester Freund und Räuberkollege Alan eigentlich eine Frau ist. Die Kinder wissen, was da kommen muß: “Küssen, küssen”, rufen sie. Sie werden auch hierbei nicht enttäuscht.

Das Volksstück
Die Geierwally

Volksstück von Felix Mitterer nach Wilhelmine von Hillern

Stückbeschreibung

Die Wally ist das einzige Kind des „Höchstbauern” Stromminger. Ihre Mutter starb bei der Geburt. Dieses einzige Kind, das sehr nach ihm geraten ist, hat der Höchstbauer in die Rolle des Hoferben hinein erzogen, und zwar so hart und unnachgiebig, wie er den Hof regiert: Er hat Wally „asterhaft viel gschlagen und aufzogen wia an Bubn”. Und er ist stolz auf „sein Werk”, denn Wally traut sich im Gegensatz zu den jungen Männern des Dorfes, ein Greifvogelnest auszuheben. Dies bringt ihr den Beinamen „Geierwally” ein.

Als Mann für die Wally hat der Höchstbauer den Nachbarssohn, den Gellner Vinzenz, ausgesucht. Vinzenz’ Vater ist auch an der Zusammenlegung der beiden Höfe interessiert und drängt Vinzenz zu dieser Verbindung: „Mir ham immer wieder zammgheiratet, mir Gellner und die Stromminger.”
Wally weigert sich, den Vinzenz zu nehmen. Sie entscheidet sich für den Jäger Josef Hagenbach, den „Bärenjosef”, der ihr als einziger ebenbürtig ist. Ähnlich wie sie „Geierwally” wird er „Bärenjosef” genannt, weil er den gefürchteten Bären erlegte.

In einem Streit mit dem Bärenjosef unterliegt der Höchstbauer, der daraufhin seine Autorität zu beweisen versucht, indem er die Hochzeit von Wally und Vinzenz festlegt. Nachdem sich die Wally, die vom Vater nicht einmal gefragt wurde, jetzt erst recht widersetzt, will der Vater, um eine weitere Niederlage zu vermeiden, die Zustimmung aus ihr herausprügeln, anschließend verbannt er sie in die unwirtliche Gletscherwelt und schafft Fakten: Er setzt den Vinzenz als Verwalter und testamentarisch als Hoferben ein.

Wally läßt sich nicht beugen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, weil der Bärenjosef von Wallys Liebe und ihrer Entscheidung gar nichts weiß. Sie kann sich ihm gegenüber nicht erklären. So isoliert sie sich zunehmend, wird zum Gespött des Dorfes, und es kommt zu Mißverständnissen, weil des Bärenjosefs Schwester Afra fälschlicherweise als dessen „Gspusi” angesehen wird. Daraufhin beschließt Wally, daß sie den Bärenjosef lieber tot, als nicht bekommen will…

Eine Geschichte mit Kultcharakter, fünfmal schon verfilmt und seit über 100 Jahren ein faszinierender Theater- und Opernstoff. Die Bauerntochter Walburga Stromminger verweigert sich dem patriarchalen Zwang des Vaters, den Nachbar-Bauern Vinzenz zu heiraten, da sie den „Bärenjosef” liebt. Ihr Vater verbannt sie mit ihrem Adler, der von ihrer „Heldentat” zeugt, in die eisige Welt der Gletscher. Und sie wird dort wie die Berge, denen sie trotzen muß: schroff und unbarmherzig!

Erst nach des Vaters Tod kehrt Wally zurück, ungebrochen, stolz als neue Herrin des Hofs. Als sie eine andere Frau an Josefs Seite sieht, kommt es zur Katastrophe …

Eine Liebesgeschichte und Tragödie von fast archaischer Wucht, ein großartiges Stück Volkstheater von Felix Mitterer ­ mit dem „Bergdoktor” Gerhart Lippert und der jungen Barbara Romaner, der Trägerin des Nachwuchspreises der Festspielstadt Wunsiedel 2004, in den Hauptrollen.

Premiere: Freitag, 24.Juni 2005

Besetzung

Walburga Stromminger, genannt „Geierwally”: Barbara Romaner
Stromminger, Höchstbauer, ihr Vater: Gerhart Lippert
Vinzenz Gellner, ein reicher Bauernsohn: Christoph Baumann
Gellnerbauer, sein Vater: Winfried Hübner
Josef Hagenbach, genannt “Bärenjosef”: Toni Schatz
Paula Hagenbach, dessen Mutter: Uschi Reifenberger
Afra, Kellnerin: Jennifer Anne Kornprobst
der alte Kletter, Knecht auf dem Höchstbauernhof: Adolf Adam
Luckard, Magd auf dem Höchstbauernhof: Zita Kobler
Romedia, Vinzenz’ Schwester: Barbara Lucia Bauer
Benedikt Klotz: Alfred Schedl
Leander Klotz: Michael Pascher
Lammwirt: C.C. Weinberger
Niederbauer: Günter Ziegler
1. Knecht dem Höchstbauernhof: Hubertus Krämer
2. Knecht: auf dem Höchstbauernhof : Holger Wilhelm
3. Knecht auf dem Höchstbauernhof : Hartmut Schraml
Magd: Vera Braun
1. Bursche, Sohn vom Niederbauern: Thomas Weißengruber
2. Bursche: Jürgen Fischer
ein Bote: Michael Pascher
Pfarrer: Alfred Schedl
Totenweib: Maria Röber
Waldgeister: Cora-Lina Hermannsdörfer; Philipp Clauss, Frank Fischer, Nicolai Haas, Tobias Lehmann, Dominik Rasp

Magd: Vera Braun
1. Bursche, Sohn vom Niederbauern: Thomas Weißengruber
2. Bursche: Jürgen Fischer
ein Bote: Michael Pascher
Pfarrer: Alfred Schedl
Totenweib: Maria Röber

Waldgeister: Cora-Lina Hermannsdörfer; Philipp Clauss, Frank Fischer, Nicolai Haas, Tobias Lehmann, Dominik Rasp
Bauern, Dienstboten, Burschen, Mädchen, Salige Fräulein: Sophie Burger, Marie-Luise Grützner, Linda Hink, Bianca Hüttl, Marie-Luise Kövi, Elisabeth Künzel, Luzie Lohmeyer, Waltraud Marschner-Knöller, Antonia Morgenroth, Imre Myrethe, Birgit Pöhlmann, Kriemhild Ragotzky, Franziska Schierling, Eva Södel, Laura Stark, Tina Weinhold, Paula Zeller; Philipp Best, Fabian Bollig, Andreas Döbel, Andreas Gläßel, Dieter Höpfner, Alfred Maiwald, Walter Mandl, Jonas Milke, Richard Riedel, Michael Schmalfuß, David Kappauf, Klemens Pöllmann, Konstantin Popp

Alphorn: Gundolf Nandico / Frank Gerth

Kodotrommel: Andreas Schemmel

Regie: Michael Lerchenberg
Bühne: Konrad Kulke
Kostüme: Peter Jeremias, Heide Schiffer-El Fouly
Musik: Gundolf Nandico
Falkner: Albert Triebel
Choreographie des Kuß-Tanzes: Eva-Maria Lerchenberg-Thöny

Regieassistenz: Christoph Zauner ­ Hospitanz: Luzie Lohmeyer ­ Inspizienz: Dietmar Irmer ­ Souffleuse: Christa Guck ­ Maske: Sabine Tanriyiöver (Chefmaskenbildnerin), Renate Bauer, Christine Schmitt ­ Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leitung), Günther Biank (Gewandmeister), Kathleen Bogram, Gizella Koppany, Martina Krist, Berit Langer, Anja Müller, Malaika Rönneckendorf, Wiebke Strutz ­ Requisite: Peter Schmidt (Leitung), Angelika Schleicher, Andreas Lüdke ­ Ton & Pyrotechnik: Tobias Busch ­ Beleuchtung: Thomas Ködel (Leitung), Andreas Lucas (Meister), Jürgen Dietl, Willi Nowotny, Horst Seibold ­ Technische Leitung: Werner Moritz ­ Bühnentechnik: Anton Freundorfer, Karl-Heinz Schmidt (Teamverantwortliche), Wolfgang Bienfang, Romuald Dembinski, Robert König, Gerhard Nelkel, Ralf Sommerer, Dieter Thiem, Thomas Tretter ­ techn. Hilfskräfte: Andreas Bleile, Michael Milzarek, Sergej Raider, Karl Schmid, Ralf Winklmüller

Die Dekoration wurde in den Werkstätten des Städtischen Bauhofs Wunsiedel hergestellt.

Aufführungsrechte bei Felix Mitterer

Pressestimmen

„Was sich noch kein Bursche getraut hat – Auf der Luisenburg wurde die ‘Geierwally’ gefeiert” – schrieb Peter Kühn in der AZ Nürnberg

Gar hochdramatisch, unheilschwanger und wild röhrt das Alphorn dröhnt die japanische Kodotrommel. Die Geierwally verschwindet im ewigen Eis. Für immer. Auch der treue Hansl kann sie nicht halten, nicht länger widersteht sie den raunenden Lockrufen der weißen Gletscher-Feen, der wundersamen „Saligen Fräulein”. Das kurze, harte, stolze Leben der Großbauern-Tochter Walburga, genannt „Geierwally” ist zu Ende. Und auf der Felsenbühne der Luisenburg bei Wunsiedel setzt ein zehnminütiger Beifallssturm ein. Intendant Michael Lerchenberg hat die Alpentragödie „Die Geierwally” als großes Volkstheater in Szene gesetzt, vielleicht ein wenig zu lang und manchmal etwas zäh, aber kräftig und kantig, wie halt die Tiroler „Weiber und Mander” sind.

„Die Geierwally”, dieses auf dem Roman von Wilhelmine von Hillern basierende und vom Tiroler Felix Mitterer im Auftrag der Festspiele dramatisierte Stück ist ja auch wie geschaffen für die Luisenburg, das Fichtelgebirge als fast ideale Kulisse für das Ötztal und seine Gletscher. Da kann die Geierwally („I hab Mannsbluat”) waghalsig auf Felsen kraxeln und das Greifvogel-Nest ausheben, was sich kein Bursche getraut hat.

Ja, und dann der Star des Abends, der „Geier” Hansl, der aber ein Adler ist. Genau ein südrussischer Steppenadler; der vorn Marktredwitzer Falkner Albert Triebel trainiert wird. Hansl läßt sich durch nichts irritieren, ist perfekt im Zusammenspiel mit der furchtlosen Barbara Romaner als Geierwally. Wenn Hansl auftaucht prasselt der Applaus.

Die aus Südtirol stammende Hauptdarstellerin spielt die unbeugsame Geierwally fast holzschnittartig mit großem Körpereinsatz. Wally ist die Tochter des Höchstbauern (Gerhart Lippert als gefühlskalter Tyrann), der sie wie einen Buben erzogen hat. Sie soll Vinzenz heiraten. Doch diesen vor Liebe tollen, aber ansonsten widerwärtigen reichen Bauernsohn verachtet Wally. Da wird sie vom Vater in die unwirtliche Welt unterhalb der Gletscher verbannt. Für Wally gibt es nämlich nur einen: den armen Jäger Bärenjosef („Den will i”). Doch der hat nichts für sie übrig, demütigt sie sogar. So bleibt ihr als Gefährte nur der Hansl, den sie dereinst aus dem Nest geraubt hatte.

Das Ensemble wird grandios unterstützt von den Virtuosen Andreas Schemmel (Kodotrommel) und Gundolf Nandico (Alphorn), von denen auch die unter den Zuschauern weilende frühere Kino-„Geierwally” Barbara Rütting, damals Erbin der Heidemarie Hatheyer, sehr angetan war.

Über allen kreist brav der Hansl.

Der lange, vergebliche Kampf um Liebe und Anerkennung – Großes modernes Volkstheater auf der Bühne der Luisenburg-Festspiele: begeisternde Premiere der „Geierwally”, schrieb Stefan Voit im Neuen Tag

Letztendlich wollen wir Menschen doch nur eines: geliebt werden! Der Kampf um Spitzenpositionen und Anerkennung drängt das Menschliche immer mehr in den Hintergrund. Machtstreben und Anhäufung von Reichtum stehen immer mehr im Mittelpunkt. Wie muß sich da eine junge Frau im 19. Jahrhundert gefühlt haben, die nichts anderes wollte, als geliebt zu werden. Doch um dies zu erreichen, muß die „Geierwally” kämpfen. Sie, die Tochter des mächtigen Höchstbauern Stromminger steht im Mittelpunkt des Volksstücks von Felix Mitterer, der dies speziell für die Luisenburg geschrieben hat. Brillant von Intendant Michael Lerchenberg inszeniert, eröffnete „Die Geierwally” am Freitag vor ausverkauftem Haus die Luisenburg-Festspiele. Das Publikum bedankte sich für diese fulminante Premiere mit minutenlangem Applaus.

Barbara Rütting, Ehrengast und Alterspräsidentin des bayerischen Parlaments, die selbst vor fast 50 Jahren die „Geierwally” spielte, war ganz fasziniert von dieser Inszenierung. Sie lobte nicht nur das ihrer Meinung nach sehr politische Stück, sondern hob auch die Emanzipation der Frau in dieser Bearbeitung hervor.

Walburga Stromminger – mit Barbara Romaner, die zurecht 2004 den Theater-Nachwuchspreis erhielt, glänzend besetzt – muß ihr Leben lang um Anerkennung kämpfen. Ihr Vater; der mächtige Höchstbauer (überzeugend gespielt von Gerhart Lippert), sähe sie nicht nur gern als Sohn – so hart erzieht er sie auch –, sondern will sie mit dem reichen Bauernsohn Vinzenz Gellner (Christoph Baumann in einer starken Rolle) verheiraten. Doch die Liebe ist für die WalIy stärker als Macht und Geld: Sie will den „Bärenjosef” (ein kraftvoller Toni Schatz), der für sie Freiheit bedeutet.

Um ihrem Vater zu imponieren, holt sie einen Adler (Steppenadler Hansl) aus dem Nest, hat den Namen „Geierwally” weg und kämpft um Anerkennung. Doch vergebens: Der Höchstbauer bleibt grob, kantig, unnachgiebig. Als er in einem Ringkampf mit dem „Bärenjosef” unterliegt, legt der Stromminger, um seine Autorität zu beweisen, die Hochzeit fest. Nachdem sich die Wally jetzt erst recht widersetzt – auch Prügel helfen nicht –, verbannt er seine Tochter auf das Hochjoch – in die unwirtliche Gletscherwelt. Doch auch Eis, Kälte und Einsamkeit können ihr dort nichts anhaben. Die Liebe hält sie am Leben.

Im Dorf geht das Leben weiter: Wally wird zum Gespött und damit zunehmend isoliert, und Vinzenz als der Verwalter des Strommingers zweitmächtigster Mann. Er will mit aller Macht die Wally zur Frau. Auch ein neuerliches Treffen zwischen Tochter und Vater bringt keine Annäherung. In ihrer Verzweiflung zündet sie den Hof an und geht in die Berge zurück.

Der Stromminger kann es nicht verwinden, daß er seine Macht bei seinem Kind nicht durchsetzen kann. Er zahlt ein Kopfgeld für sie und sucht sie schließlich selbst – erfolglos. Erst als er im Sterben liegt treffen sie wieder auf einander. Doch es bleibt beim Versuch der Versöhnung.

Nach dem Tod des Strommingers ist sie seine Nachfolgerin, nimmt Züge ihres Vaters an, spielt selbst mit der Macht. Und sie will einen Mann: „Wer es schafft, mir einen Kuß zu geben, den heirate ich!” Viele kommen – der „Bärenjosef” nicht. Auch Vinzenz läßt nicht locker, erfährt aber ein ums andere Mal eine Abfuhr. Beim Tanz wird sie – nachdem sie dem Josef einen Kuß gegeben hat, vorn ihrer großen Liebe verspottet. Eifersucht kommt noch hinzu. ln ihrer Verletztheit beschließt sie, daß sie den „Bärenjosef” lieber tot als gar nicht bekommen will. Vinzenz weiß diese Zeichen zu deuten. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

Kräftig, kantig, dramatisch – so hat Mitterer dieses Stück im Tiroler Dialekt geschrieben. Die Dialoge sind spannend, emotional, manchmal fast poetisch. Michael Lerchenberg hat großes Volkstheater daraus gemacht: Die Bühne (Konrad Kulke) ist spartanisch und wird fast nur vom mächtigen Thron des Strommingers dominiert. Die Kulisse der Luisenburg mit Wald und Felsen (wunderbare Eiswelt) wird ideal in das Stück integriert und mit einer eindrucksvollen Musik (Gundolf Nandico und Andreas Schemmel) mit Alphorn und Kodotrommel unterlegt. Die „Wilden” führen mit ihren grimmigen Masken und bemoosten Kostümen durchs Programm, und das Ensemble zeigt eine geschlossene, spielfreudige und mehr als überzeugende Leistung. Von dieser Inszenierung wird man noch lange sprechen!

„Kein Gott und keine Grenzen” überschrieb Michael Thumser seine Rezension in der Frankenpost

An „entsetzliche” Zeiten knüpfen die Luisenburg-Festspiele an. Der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck zitierte den alten Historiographen Christoph Pachelbel, dem einst gehörig graute vor den „Nacht-Eulen, Uhuen und Geyern” im „modrichten” Revier. Nun kehrt das Raubzeug zurück: Ein waschechter Adler spreizt sich auf der Hand der Geierwally, der tragischen Titelheldin des Stücks, mit dem am Freitag die Sommersaison auf der Felsenbühne begann. Von hier ging einst die deutsche Naturtheaterbewegung aus, was der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf aus europäischer Sicht zu rühmen wußte, als er die Festspiele eröffnete. Zum Auftakt gab’s regelmäßig Szenen- und immensen Schlußapplaus: Dem Premierenjubel nach eignet sich „Die Geierwally” zum Publikumshit.

Von solchem Kompliment kann man halten, was man will: „An Schneid hat sie” staunen die Bergbauern über die Wally, die soeben, am Seil über steiler Felswand schwebend, ein Adlernest ausgenommen hat. Immer, gestehen die Mannsbilder respektvoll ihr zu, sei das Mädel „eh’r a Bua gwen”. Aber die Herzen gewinnt sie sich mit solchen Kraftakten nicht. „Er wehrt si’, aber es nutzt eahm nix”, jauchzt sie von der Klippe, aIs sie den Jungvogel bändigt Die Burschen unten fürchten, es könnte ihnen bei ihr genauso ergehen.

Umworben wird sie gleichwohl. Erbin des reichen Stromminger-Hofes ist sie, Tochter des größten Bauern im Tal und genauso stolz und störrisch wie er. Als Felix Mitterer, der bekannte Tiroler Autor, Wilhelmine von Hillerns populären Roman von 1875 für die Luisenburg dramatisierte, da legte er die Konturen einer rauhen Maid wie die aller anderen Gestalten in dicken Holzschnittlinien fest: Ihm und dem Regisseur, dem Naturbühnen-Intendanten Michael Lerchenberg, geht es um die „Ehr im Leib” und um die Körperlichkeit des „Kraftkerls”, welchen Geschlechts auch immer er sei, um die „Liab”, die zwei „bestimmt füreinand”, und um den Triumph des härtesten Dickschädels – all das ausdrücklich mit der Wucht einer „antiken Tragödie”. Wirklich kommt, auf den gefährlich schrägen, gletscher-schneeweißen Podien der sparsam ausstaffierten Bühne (Konrad Kulke), die Aufführung nicht knarrend daher wie auf den ausgeleierten Brettern des TV-„Bauerntheaters”: Stark ist das, Stück, sehnig, knorrig.

… Mag sein, daß Stück und Inszenierung nicht heranreichen an die Wichtig- und Nachdrücklichkeit der Mittererschen „Löwengrube” von 2003. Aber doch spannt eine Tragödie von Unerbittlichkeit und düsterer Strenge sich aus zwischen Glaube und Aberglaube, Marienprozession und dem Totentanz haariger Waldgeister, zwischen Selbstbehauptungsdrang und Generationenhierarchie. Alphorn- und Trommeldröhnen (Musik: Gundolf Nandico) durchpulst die Szenen auf eine fantastische Art, die viel für den Ausgang verheißt: das Schlimmste.

Bärbeißig macht sich Wallys Vater zum Motor des Verhängnisses: Barsch und bitter zeichnet ihn Gerhart Lippert, aus verheimlichter Traurigkeit zur Gewalttat neigend, sich aufwerfend zum „Richter” und „König”, zum „Gott”. Krachend gibt seine Kehle die wortkarge Härte des Tiroler Idioms vor, das die Aufführung färbt… Neben dem altersstarrsinnigen Stromminger-Bauern bestehen jüngere Männer nicht leicht: Christoph Baumann als Vinzenz, der Wunsch-Schwiegersohn des Patriarchen darf sich, wenn auch arg geradlinig, als Schleimer, Schleicher, Kriecher verwirklichen. Den weit strammeren Jäger Josef hingegen jenen „Bärenhäuter” den die Geierwally sich zur „Liab” ausersieht, lassen Autor, Regisseur und Darsteller Toni Schatz als Charakter blaß.

Umso facettenreicher die Wally selbst: Barbara Romaner, 2004 geehrt mit dem ersten Luisenburg-Nachwuchspreis, bündelt die Titelfigur zum „Kraftkerl” im Rock, zum „Buam” mit weiblichem Sentiment. Sehnen hat sie wie Bergsteigerseile, Muskeln wie Alpenfelsbrocken. Aber “a warms Bluat” hat sie auch, das zu Gletschereis gerinnt, als der Vater sie unter die Schneegipfel verbannt – und erst recht, als selbst der Naturbursch sie verhöhnt, für den sie doch solche Schmach auf sich nahm. Keinen Gott und keine Grenzen erkennt sie an; sie wehrt sich, aber es nützt ihr nichts. Aus Enttäuschung wird sie selber grausam: Daß Wally eine „Fremde” bleibt, im Alpendorf wie auf der Luisenburg, ist das gediegenste Schauspielkunststück dieser Produktion.

Andere Kunststücke vollbringt Barbara Romaner auch: Statt eines Geiers trägt sie einen Adler – harmlos HansI geheißen – auf der geballten Faust, als ob sie seit jeher Umgang pflegte mit seinesgleichen. Mehr als nur pittoreske Beigabe: Symbol ist der Vogel für strotzende Kraft, der ein fremder Wille sich aufzwingt. Vielleicht auch, ins Tirolerische übersetzt, antike Reminiszenz: Keinen Adler zwar, doch eine „Nacht-Eule” trug einst Athene mit sich.

Der prächtige Adler Hansl ist der Star des Abends – Die „Geierwally” ganz authentisch auf der Naturbühne: Ovationen bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel, von Susanne Ziegler in den Nürnberger Nachrichten

Feurig blickt die unbeugsame Bauerntochter WalIy vorn Felsen der Naturbühne auf die Zuschauer herunter. Manns genug den Adlerhorst auszuheben, sei sie – ein Kunststück, das selbst die tapfersten Burschen des Dorfes nicht gewagt haben. Gesagt, getan: Wally schwingt sich schneidig über den Felsrand, seilt sich ab, packt kurzerhand den Adler und kehrt in einem Triumphzug zurück ins väterliche Haus. Fortan wird sie nur noch „die GeierwaIly” genannt.

Der furiose Auftakt der Luisenburg-Festspiele ist Programm. Regisseur und Intendant Michael Lerchenberg setzt bei seiner Inszenierung auf große Effekte, ohne dabei aber die Einfachheit, die Archaik des Stoffes ans den Augen zu verlieren. AIphörner und Trommeln schaffen mystische Stimmung, Dutzende Schauspieler und Statisten in originalen Trachten kommen zum Einsatz ebenso wie der Star des Abends: Hansl, ein prächtiger Steppenadler, dreht hin und wieder eine Runde über die Bühne und wartet ansonsten brav auf seinem Platz.

Alles ist bei dieser „Geierwally” im Fluß, wirkt authentisch, ohne sich das Stigma der Werktreue anheften lassen zu müssen. Der bekannte österreichische Drehbuch- und Stückeschreiber Felix Mitterer („In der Löwengrube”) hat für die Luisenburg eine kompakte Bühnenfassung vorgelegt, die die Akteure im perfekt akzentuiertem Tirolerisch zum Besten geben. Konrad Kulke bastelte zwei schräge Rampen für die Vorderbühne, die den Hof des Höchstbauern Stromminger, Wallys Vater, andeuten. Hier bahnt sich die Tragödie der Geierwally alias Barbara Romaner an. Nur der „Bärenjosef” ein armer aber kühner Jäger, kann es mit ihr aufnehmen, ihr Herz gewinnen. Vater Stromminger (ohne Schnörkel: Gerhart Lippert) aber hat den faden Vinzenz für die Zeugung des Erbfolgers vorgesehen. WaIly verläßt den Hof, geht ins Gebirg. Erst als der gebrochene Vater im Sterben liegt, ist die Aussöhnung möglich. Das Happy End aber bleibt aus: Vinzenz erschießt aus einem Mißverständnis heraus Josef. Erlösung von ihrer Liebe findet Geierwally nur noch im ewigen Eis der Gletscher.

Trotz des traurigen Endes feierte das Publikum eine geschlossene Ensembleleistung und die unaufdringliche, gut gesetzte Regie mit stehenden Ovationen…

„Aus Liebe hassen lernen” überschrieb Illa Baumer ihren Bericht in der „Rundschau” über das „unvergeßliche Erlebnis ‘Geierwally’ auf der Luisenburg-Bühne”:

Wally klettert in den Fels, um sich eines der Adlerjungen aus dem Nest zu holen. Sie schafft es und ab jetzt wird sie nur noch „Geierwally” gerufen.

Daß es just zehn Minuten vorher in Strömen geregnet hat und der Fels der Luisenburg-Bühne noch klitschnass in der Abendsonne glänzt, hält Barbara Romaner als „Geierwally” nicht von dieser Klettertour ab. Sie zieht das durch, wie gefährlich es auch immer ist, sich in pauschigen Röcken abzuseilen. Nur Steppenadler Hansl hat Bedenken. Statt als wütende „Greifvogelmutter” auf die im Seil hängende Wally loszugehen, zieht er es vor, in dieser Szene unterhalb des Felsen Position zu beziehen.

Den Schnitzer des geflügelten Gastschauspielers bemerkt kaum einer, denn Barbara Romaner hat das Publikum schon fest im Griff. Und sie behält zweieinhalb Stunden lang die Oberhand. Als selbstbewußte, störrische, mal erotische, dann wieder männerfeindliche, ihrem Vater gegenüber jedoch stets anerzogen-demütige „Geierwally” herrscht die junge Schauspielerin über sämtliche Ebenen der Luisenburg, als wäre diese (Bühnen-)Welt alleine ihr Reich.
Um dieser Geierwally gerecht zu werden, müssen sich Vater Höchstbauer Stromminger (Gerhart Lippert), ihr vom Vater anbefohlener Bräutigam Vinzenz Gellner (Christoph Baumann) und der bärenstarke „Bärenjosef” (Toni Schatz) mächtig ins Zeug legen. Nur Christoph Baumann schafft es, ihr wirklich Paroli zu bieten! Die „Mann-Frau” zeigt sich aber auch einsam, liebestrunken und krank vor Gram – sie will nur einen, den Bärenjosef, der sie nicht erhört. Doch nur in den schroffen Gletschern – wohin sie der Vater verbannt hat, weil sie den Gellner nicht heiraten will – wird das Frau-Sein in ihr wach. Eisig-blau leuchten die Luisenburgfelsen (geniale Technik), wo die Geierwally hoch oben mit sich alleine ringt, ob sie weiter um den Bärenjosef kämpfen oder sich den kalten „Saligen-Fräulein” ­ den Nebelfeen – ergeben soll. Diese buhlen mit echoverzerrten Stimmen um die Wally – sie solle eine von ihnen werden, dann sei sie endlich frei von Gefühlen und schmerzvollem Liebeskummer. Aber die Wally ist keine, die aufgibt. Sie steigt hinab zum Vater, auf dem Buckel die sterbende Magd Luckard (Zita Kobler), die vom Hof gejagt wurde. Nur noch tot bringt sie die Magd zurück. Sie schlägt den Gellner-Vinzenz, der sich als Verwalter beim Vater eingeschlichen hat dafür halbtot, zündet gar den elterlichen Hof an.

Aus der geliebten Tochter wird eine Verhaßte, auf die der Vater ein Kopfgeld aussetzt und die bei der Flucht in die Berge beinahe draufgeht… Der Vater stirbt, Wally ist ganz Tochter: Als Höchstbäuerin auf dem geerbten Hof fühlt sie in seinem Sinne ein strenges Regime. Und sie spielt mit den Männern im Dorf. Barbara Romaner eignet sich auch diesen Charakterzug der charismatischen Romanfigur an, als sei sie nicht Schauspielerin, sondern die Geierwally und Höchstbäuerin ­ wer sonst? „Nur, wer es schafft, mich zu küssen, den werde ich heiraten”, gibt sie hochmütig bekannt. Reihenweise legt sie die Bewerber aufs Kreuz, bis sich keiner mehr in ihre Nähe wagt. Nur der Bärenjosef war noch nicht hier. Dabei hat die Wally gerade auf ihn gehofft, daß er die Herausforderung annimmt.

Vinzenz Gellner läßt nicht locker. Von ihr als Verwalter entlassen, kriecht er trotzdem vor ihren Füllen – weil er sie liebt. Christoph Baumann hat’s drauf, das Menschliche: Brust raus als eitler Verwalter des Höchstbauern, benimmt er sich schleimig-intrigant, so gar nicht der Ehrenmann, den er vorgibt. Dieser Liebestolle tut alles für Wally ­ auch töten! Das Verhängnis nimmt seinen Lauf! Vinzenz erschießt den Bärenjosef just als dieser oben in den Gletschern der Wally seine Liebe gestehen will…

Gebannt bis zum Schluß bleibt also der Blick des Publikums in der Felsenkulisse hängen. Denn wenn sich auch etwa die Hälfte des Dramas um die wortkargen Bewohner des Ötztals und ihrer Beziehung zur Geierwally unten auf den zwei weißen Bühnenplattformen mit überdimensionalem weißen Stuhl als „Höchstbauern-Thron” abspielt, ist die einsame Geierwally oben im Fels die beliebtere. Dieser leidenden „Tiroler Julia”, die zuletzt nur noch tot bekommt, was sie schier erzwingen wollte ­ den Bärenjosef – gilt die Sympathie der Zuschauer. Der langanhaltende Applaus freilich ist dem gesamten hervorragenden Ensemble gewidmet, einschließlich dem handzahmen Adler Hansl, wohl ohne – sein Wissen ebenfalls ein schauspielerisches Naturtalent.

Der Klassiker
Der Diener zweier Herren

Komödie von Carlo Goldoni

Stückbeschreibung

Goldonis rasante Komödie beginnt wie ein Krimi: Bei einem Streit während eines Gelages wird Federigo Rasponi getötet. Der mutmaßliche Schuldige, Florindo Aretusi, entzieht sich den Ermittlungen durch seine Flucht nach Venedig.

Unglücklicherweise ist die Schwester des Getöteten, Beatrice Rasponi, die Verlobte des Täters. Beatrice reist ihm nach Venedig nach, allerdings in den Kleidern und unter dem Namen ihres Bruders, denn Beatrice bezweifelt, daß man ihr als Frau die Kredite zurückzahlen wird, die ihr Bruder dem gerissenen Kaufmann Pantalone gegeben hat.

Aus Gründen der Geheimhaltung konnten natürlich weder Florindo noch Beatrice-Federigo ihre Diener mitnehmen. Aber arbeitslose Diener gibt es genügend. Einer davon ist Truffaldino, der seine Dienste anbietet, um sich endlich wieder einmal sattessen zu können. Die versprochene Mahlzeit läßt jedoch auf sich warten, da sich die Geschäfte Beatrice-Federigos länger hinziehen als erwartet. Die Nachricht vom Tode ihres Bruders hatte sich schnell herumgesprochen ­ und so löst das Auftauchen Beatrices als „auferstandener” Federigo einige Verwirrung aus…
Truffaldino vertreibt sich die Zeit damit, einem anderen Herren auszuhelfen. Der andere Herr ist, wie es der Zufall (und der Komödienmechanismus) will, Florindo Aretusi, der flüchtige Verlobte. Ebenfalls auf der Suche nach einem Diener, macht er Truffaldino ein Angebot.

Ehe er sich versieht, ist Truffaldino der Diener zweier Herren. Ob es ihm gelingt, zu beweisen, daß es nicht unmöglich ist, zwei Herren gleichzeitig zu dienen, wie es die alte Redensart besagt?

In traditioneller Commedia dell’arte-Manier ist diese Komödie mit aktuellen Anspielungen gespickt…

Premiere: 1. Juli 2005

Besetzung

Komödie von Carlo Goldoni, bearbeitet von Jörg Hube

Pantalone: Michael Boettge
Clarice, seine Tochter: Jennifer Anne Kornprobst
Dottore Lombardi: Gerhard Wittmann
Silvio, sein Sohn: Frank Wünsche
Beatrice Rasponi, unter dem Namen Federigo Rasponi: Jessica Higgins
Florindo Aretusi: Andreas Thiele
Brighella, Wirt: Winfried Hübner
Smeraldina: Barbara Lucia Bauer
Truffaldino, Diener: Gerd Lohmeyer
Kellner: C.C. Weinberger, Thomas Weißengruber
Träger: Jonathan Müller, Holger Wilhelm

Regie: Jörg Hube • Bühne & Kostüme: Andrea Fisser • Musik: Gundolf Nandico

Regieassistenz: Lesley Jennifer Higl • Hospitanz: Petra Andrea Bachmayer • Inspizienz: Kaya Stretz • Souffleuse: Christa Guck • Maske: Sabine Tanriyiöver (Chefmaskenbildnerin), Renate Bauer, Christine Schmitt • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leitung), Günther Biank (Gewandmeister), Kathleen Bogram, Gizella Koppany, Martina Krist, Berit Langer, Anja Müller, Malaika Rönneckendorf, Wiebke Strutz • Requisite: Peter Schmidt (Leitung), Angela Schleicher, Andreas Lüdke • Ton: Tobias Busch • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leitung), Andreas Lucas (Meister), Jürgen Dietl, Willi Nowotny, Horst Seibold • Technische Leitung: Werner Moritz • Bühnentechnik: Anton Freundorfer, Karl-Heinz Schmidt (Teamverantwortliche), Wolfgang Bienfang, Romuald Dembinski, Robert König, Gerhard Nelkel, Ralf Sommerer, Dieter Thiem, Thomas Tretter • techn. Hilfskräfte: Andreas Bleile, Michael Milzarek, Sergej Raider, Karl Schmid, Ralf Winklmüller

Die Dekoration wurde in den Werkstätten des Städtischen Bauhofs Wunsiedel hergestellt.

Das Musical
Anatevka

“Fiddler on the Roof” ­ Musical nach den Erzählungen “Tevje, der Milchmann” von Sholem Alejchem (1859 ­ 1916), von Joseph Stein (Buch), Jerry Bock (Musik) und Sheldon Harnick (Gesangstexte)

Stückbeschreibung

Wegen des großen Erfolges nochmals: Anatevka

Anatevka, ein kleines „Schtetl” in der Ukraine kurz vor der Revolution von 1905, ist Schauplatz der berühmten Geschichten von Tevje, dem Milchmann, erzählt von dem berühmtesten Dichter des Jiddischen und Chronisten der Schtetl-Kultur Sholem Alejchem.

Tevje, ein frommer, humorvoller Mann ist mit mehrerem geschlagen, unter anderem mit „einem Stall voller” Töchter, die es zu verheiraten gilt. Und natürlich wollen die Töchter nicht so, wie der Vater will, für den es nur die Tradition als Maßstab gibt: „Dank unserer Tradition haben wir bisher unser Gleichgewicht seit vielen, vielen Jahren gehalten… Und auf Grund dieser Traditionen weiß hier jeder, was er zu tun und zu lassen hat und was der liebe Gott von ihm erwartet…”. Aber Tevje trägt sogar mit Fassung, daß er gezwungen wird, tolerant zu sein und von der Tradition auch einmal abzugehen. Allein diese Flexibilität (wie man es heute nennen würde) nützt Tevje nichts mehr. Die Zeit ist aus den Fugen und bricht mit Vertreibung und Zerschlagung der Kultur ein. Bleibt Tevjes Zweifel und Hoffnung, ob und daß es der „neuen Zeit” gelingen möge, wie dem „Fiddler auf dem Dach”, das Gleichgewicht zu finden und zu halten, sprich ein neues Wertesystem. Das ist die Botschaft des Stückes an uns heute, die auch wir in einer Zeit des Umbruchs, der

Wiederaufnahme: Fr. 15. Juli 2005

Besetzung

Tevje, ein Milchmann: Günter Mack
Golde, seine Frau: Gisela Ehrensperger
Die Töchter:
Zeitel: Josefine Merkatz
Hodel: Jessica Higgins
Chava: Barbara Lucia Bauer
Shprintze: Hanna Plass / Lena Plass
Bielke: Susi Nixel / Laura Panzer
Jente, eine Heiratsvermittlerin: Gabriele Dossi
Mottel Kamzoil, ein Schneider: Gerhard Wittmann
Schandel, seine Mutter: Uschi Reifenberger
Perchik, ein Student: Roman Weltzien
Lazar Wolf, ein Metzger: Karl Absenger
Rep Motschach, ein Gastwirt: Michael Boettge
Der Rabbi: Dietmar Irmer
Mendel, sein Sohn: Günter Ziegler
Awram, ein Buchhändler: Christoph Zauner
Nachum, ein Bettler: Alfred Schedl
Oma Zeitel, Goldes Großmutter: Richard Panzner
Wachtmeister: Richard Panzner
Fedja, ein junger Mann: Jürgen Fischer

Flaschentanz: Nicolai Haas, Sebastian Hofmann, Johannes Kappauf, Jonathan Müller, Dominik Rasp, Andreas Reul, Holger Schieweck, Matthias Weigel, Christoph Zauner

Frauen und Männer von Anatevka: Petra Andrea Bachmayer, Vera Braun, Maresa Burger, Manuela Degelmann, Barbara Frey, Cora-Lina Hermannsdörfer, Elke Hofmann, Jasmin Amato, Maria Klose, Antonia Morgenroth, Maria Röber, Susanne Thoma, Ulrike Wunderlich • Johann Böhringer, Theodor Butting, Alfred Dennerlein, Max Irmer, Stefan Kirsch, Hubertus Krämer, Wladimir Landsmann, Alfred Maiwald, Hans Possehn, Richard Riedl, Hartmut Schraml, Hans Stark, Albrecht Winkler, Willibald Wunschel u.a.

Es spielt “Aliya“ mit Mark Kogan, Evgeny Chinenov, Igor Drabkin, Maxim Gorshkov, Pavel Moshkin, Vladimir Pisarev, Jury Razborov, Denis Rodin

Ort der Handlung : Anatevka, ein Dorf in Rußland • Zeit: 1905, am Vorabend unruhiger Zeiten

Musikalische Leitung: Henning Kussel • Regie: Karl Absenger • Choreographie: Rosita Steinhauser • Ausstattung: Tamara Oswatitsch

Regieassistenz: Christoph Zauner • Hospitanz & Beleuchtungsinspizienz: Luzie Lohmeyer • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Zita Kobler •Maske: Sabine Tanriyiöver (Chefmaskenbildnerin), Renate Bauer, Christine Schmitt • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leitung), Günther Biank (Gewandmeister), Kathleen Bogram, Gizella Koppany, Martina Krist, Berit Langer, Anja Müller, Malaika Rönneckendorf, Wiebke Strutz • Requisite: Peter Schmidt (Leitung), Angelika Schleicher, Andreas Lüdke • Ton: Tobias Busch (Leitung), Lesley Jennifer Higl • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leitung), Andreas Lucas (Meister), Jürgen Dietl, Willi Nowotny, Horst Seibold • Technische Leitung: Werner Moritz • Bühnentechnik: Anton Freundorfer, Karl-Heinz Schmidt (Teamverantwortliche), Wolfgang Bienfang, Romuald Dembinski, Robert König, Gerhard Nelkel, Ralf Sommerer, Dieter Thiem, Thomas Tretter • techn. Hilfskräfte: Andreas Bleile, Michael Milzarek, Sergej Raider, Karl Schmid, Ralf Winklmüller

Die Dekoration wurde in den Werkstätten des Städtischen Bauhofs Wunsiedel hergestellt

Wir bedanken uns beim Staatstheater am Gärtnerplatz, Herrn Staatsintendant Prof. Klaus Schultz, für die großzügige Unterstützung der Dekorations- und Kostümausstattung, und beim Israelladen “En-Gedi“, Hof

Die Übertragung des Aufführungsrechtes erfolgte in Übereinkunft mit Josef Weinberger Ltd. im Namen von Music Theatre International, New York. Bühnenvertrieb: Musik & Bühne, Wiesbaden

Pressestimmen

Dr. P. Müller, Neue Presse

„’Anatevka’ … wurde bei der Premiere begeistert aufgenommen …”

G.v. Billerbeck, Nordbayerischer Kurier

„Ein großer Abend auf der Luisenburg …”

H. Pöhlmann, Bayerische Staatszeitung

„… inspirierte und inspirierende, vom Premierenpublikum mit großem Beifall aufgenommene ‘Anatevka’-Aufführung …”

S. Dultz, Münchner Merkur

„… Gebannt, gerührt, ergriffen und ganz erfüllt von diesem Theater verfolgen die Besucher das Geschehen … ‘Anatevka’ ist der Haupttreffer dieser Saison.”

Unter dem Titel „Vater Courage und der liebe Gott” berichtete Michael Thumser in der „Frankenpost” über das Experiment „… und es ist geglückt”:

„Anatevka”, das erste auf der Luisenburg produzierte Musical, darf nach der Premiere am Freitag als Volltreffer gelten. Die Zuschauer im Wunsiedler Naturtheater, unter ihnen Ministerpräsident Edmund Stoiber, jubelten dem Ensemble und dem Regieteam mit Bravos und Freudenpfiffen zu.

Die Geschichte spielt 1905 und also zu einer Zeit, als das Träumen noch geholten hat. Tevje, jüdischer Milchmann im Dörfchen Anatevka, muß seiner entzündlichen Gattin Golde beibringen, daß Tochter Zeitel einen mittellosen Schneider zum Manne will. Aus Liebe! Wo gibt‘s denn sowas? Und doch hat Tevje den beiden seinen Segen erteilt. Um sich rückwirkend Goldes Einverständnis zu erschleichen, erfindet er einen Traum, der die umIenkende Weisung enthält. Schnell wird auf der Naturbühne ­ an deren steile FeIsen Ausstatterin Tamara Oswatitsch die Baracken und Buden des Schtetl geklebt hat ­ eine Schlafstube aus Brettern und Bettzeug aufgeschlagen. Da liegen die braven Eheleute, und während Tevje von seiner Vision erzählt, geht der fiktive Traum drumherum als bunter Mummenschanz vonstatten. Das hat Witz, naive Unschuld und Bewegung; es hat auch tiefern Sinn und einen ernsten Kern. So steht die Szene, keineswegs die wichtigste im Stück, recht beispielhaft fürs Ganze.

Tevje: das ist der Milchmann der frommen Denkart. Das arme Leben, in das er sich ergeben schickt, gleicht dem Balanceakt, wie ihn der Fiedler mit den blauen Haaren und blauen Geige (Michael Wiesner, eine Chagall-Figur) auf den, Dachfirst vollführt: bang in der Schwebe, von Gleichgewichtsverlust und Sturz bedroht. Behäbig und bedenklich zugleich ist Tevje ­ wie das Stück, das Jerry Bock (Musik) und Joseph Stein (Buch) um ihn erdachten; wie die Inszenierung, die Regisseur Karl Absenger vor allem auf den Hauptdarsteller Günter Mack konzentriert.

Der weithin bekannte Schauspieler, in mancherlei Nuancierungskünsten des understatement bewandert, gibt die Figur nicht als Hurra-Hungerleider mit einem Herzen voll Sentimentalität; er bevorzugt die abwartenden, skeptischeren Töne. Prinzipientreu hält er an den „Traditionen” fest, durch die das Judenvolk sich in Leid und Prüfung geeint weiß. Aber er lernt auch, vor den Zeichen der neuen, „ganz anderen”, revolutionär gärenden Zeit nachzugeben. Einen Müden führt Mack vor; aber er spannt sich doch, wie Mutter Courage, unverdrossen selber ins Joch seines Milchkarrens, wenn sein Gaul „krank feiert”. Gläubig betend hält er Kontakt zum lieben Gott; aber er rechtet auch mit ihm und rechnet die unfairen „Katastropheneinsätze” des Allmächtigen auf.

Freilich tut er‘s devot, ohne „dem Allerhöchsten den Allerwertesten zuzuwenden”. Denn ein feiner, anständiger, schlichtweg guter Kerl steckt in Tevje; nur macht Mack kein rührseliges Wesen um dieses Herz aus Gold. Ganz wenig von der lauten Launigkeit eines Willy MilIowitsch gesteht er der Figur zu und wiegt es doppelt auf mit Zügen, die er sich von Lessings weisem Nathan leiht, und mit der milden Langmut Mendel Singers aus Joseph Roths „Hiob”-Roman: Als Hiob, als Dulder harrt Macks Tevje aus, ohne Weinerlichkeit, auch ohne Illusion, mit hoffendem Humor. So spielt Mack, der erfahrene Ensembledarsteller, die anderen nicht an die Bretterwände der Buden und Baracken Anatevkas. Die anderen: seine Familie vor allem; aus ihr, in zärtlicher Zuneigung, erwachsen Tevjes Heimsuchungen, bevor Pogrom und Vertreibung ins Dorf einkehren. Golde ist der Grundstein seines Lebens, aber auch ein Felsen, sich den Kopf daran zu stoßen: Gisela Ehrensperger, einzige Kammersängerin im Musical stattet die Hausfrau und Mutter mit wechselnden Härtegraden, Haaren auf den Zähnen und gesundem Verstand aus. Beider Töchter, auf Traditionen pfeifend, machen sich selbständig bei Partnerwahl und Lebensplanung: Zeitel (Ila Stuckenberg, hübsch und hübsch artig) verspricht sich Mottel (Gerhard Wittmann, ein erst eingeschüchtertes, dann tapferes Schneiderlein); Hodel (Jessica Higgins, aufmüpfig und konsequent) folgt dem Studenten Perchik (Stefan Murr, als schwadronierender Jungsozialist ein Anfänger in den Dingen des Herzens); Chava (Christine Stallbaumer, mädchenhaft verschämt, aber intellektuell) bricht alle Tabus und reicht dem Christen Fedja (Jürgen Fischer, offen und ehrlich) die Hand.

Hochzeit wird auf der ungemein volkreichen Naturbühne gefeiert, und allenthalben gibt’s viel Tanz (Choreographie: Rosita Steinhauser). Gleichwohl ist dies kein Stück der Happy Ends. Der gemütvolle Ton täuscht, wenngleich ihn die Kapelle „Aliya” unter Henning Kussel ­ mit Klarinette, Akkordeon, Geige „klezmernd” ­ folkloristisch unterstützt. Anstelle des großen Musical-Finales stehen stiller Abgang, Abgesang, Verschwinden, auch ein Verstummen der Musik. Im Exodus der Juden aus ihrem Dorf deutet sich die schlimmstmögliche Wendung an, die das Schicksal dieses Volkes nehmen wird. 1905: Die Welt gerät aus dem Gleichgewicht und alsbald aus den Fugen, der Fiedler spielt auf der blauen Geige zum Totentanz. Das Ende ist ein Aufbruch in noch schlimmere Zeiten, worin weder Langmut noch Couragehilft: Tevje hat ausgeträumt.

Die Operette
Der Bettelstudent

Operette von Carl Millöcker
(Gastspiel der Operettenbühne Wien)

Stückbeschreibung

Operette von Carl Millöcker

Gastspiel der Operettenbühne Wien

Premiere: 11. August 2005

Die Oper
Der Freischütz

Romantische Oper von Carl Maria von Weber

Gastspiel der Landesbühnen Sachsen / Felsenbühne Rathen

Stückbeschreibung

Romantische Oper von Carl Maria von Weber

Gastspiel der Landesbühnen Sachsen

Premiere: 20. August 2005

Sonderveranstaltungen
Opern auf bairisch
Gerhard Polt und die Biermösl Blosn

Konzerte & Kabarett

Opern auf bairisch
Opern_auf_Bairisch_2005„Zauberflöte” • „Carmen” • „Turandot”

von Paul Schallweg • Musik: Friedrich Meyer

mit Cornelia Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg

Musikalische Leitung: Rolf Wilhelm • Percussion: Karlheinz Becker und elf Solisten der bayerischen Staatsorchester

einmalig Mo. 18. 7. 2005

Gerhard Polt und die Biermösl Blosn

Biermoeslblosn_2005einmalig am Montag, 25. Juli 2005

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