Erinnerung an eine Ära – der Regisseur Günther Fleckenstein ist gestorben

Mit der Intendanz des noch heute überaus beliebten Hans Peter “Papa” Doll, der die Luisenburg-Festspiele von 1985 bis 1999 geleitet und geprägt hat, ist ein Name ganz besonders verbunden: Günther Fleckenstein.

Dieser Vollblut-Theatermann, der als Regisseur, Dramaturg und Intendant gearbeitet hat, galt als das künstlerische Alter Ego von Hans Peter Doll, sozusagen als dessen Regiemeister, der in jedem Sommer dieser erfolgreichen Zeit exemplarische Inszenierung verantwortet hat.

Beginnend mit einem Klassiker der Moderne – 1985 “Die Hexenjagd” von Arthur Miller – war Günther Fleckenstein als Hausregisseur maßgeblich an der Modernisierung und Aktualisierung des Spielplans beteiligt. Er brachte die Klassiker der zeitgenössischen Dramatik auf die Burg: von Max Frisch über Jean Anouilh, von Peter Hacks und Friedrich Dürrenmatt bis Thornton Wilder und Albert Camus, ihnen hat Fleckenstein den Weg zu einem großen Publikum bereitet. Nicht nur in Wunsiedel, auch auf seinen vielen Stationen in ganz Deutschland, wo er seit den 1950er Jahren eine unverzichtbare Größe im deutschen Theater war.

Eines seiner bleibenden Verdienste ist, der Dramatik der Nachkriegsjahre mit seinem Mut zu Uraufführungen die Türen geöffnet zu haben. Er konnte das gesellschaftskritische Potenzial des neuen Dramas so aufbereiten, dass sich auch ein unerfahrenes, skeptisches Publikum für das Autorentheater eines Wolfgang Deichsel oder Rolf Hochhuth begeisterte. Sein untrüglicher Sinn für das lust- und sinnvolle Theaterspiel, ob bei der neuen oder der “alten” Dramatik, machte ihn zu einem Universalisten der Bühne, der keine Beschränkungen akzeptierte und der keine Berührungsängste kannte.

Günther Fleckenstein ist am 17. Januar 2020, vier Tage nach seinem 96. Geburtstag, in Hamburg gestorben.

Das Porträt stammt von Friedrun Reinhold aus Hamburg

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