Best of Luisenburg – 14 Jahre Intendant Lerchenberg

(Foto: Andrea Herdegen)

Best of Luisenburg – 14 Jahre Intendant Lerchenberg

(Humoristische Ansprache der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ – Verfasser Norbert Neugirg 2017)

Deutschlands schönstes Mückentheater
verliert den besten Theatervater,
der jemals als Intendant
so unter geistiger Umnachtung stand,
dass er für 14 Jahre unterschrieb
und in Oberfranken blieb,
um den Odem in das Volk zu hauchen,
den die Oberfranken dringend brauchen.

Gefruchtet hat es angesichts
des Zustandes der Franken nichts,
doch der Duft der großen Theaterwelt
hat von Zeit zu Zeit sich eingestellt
und rüttelte, wenn auch nur schwach,
die Provinzsumpfblüten wach,
die sich nicht vor dem Umstand grausen,
in Frankens letztem Eck’ zu hausen.

Wunsiedel – was für ein Ort,
wer ankommt, will gleich wieder fort.
Eine Stadt, wo so viel Glump rumsteht,
und ’s Internet so langsam geht,
dass die E-Mails auf dem Bildschirm bleiben,
die Bürger sie von Hand abschreiben,
dann in einen Umschlag kleben
und dem Milchauto mit geben.

Kein Wunder, dass ein Mensch von Geist
hier nicht bleibt und weiterreist.
Und jeder, der die Franken kennt,
weiß, wie gern man sich von ihnen trennt.

2

Von Lerchenbergs und Gottes Gnaden
überstand der Luisenburg-Polarluftladen
das 125jährige Bestehen,
und um das Theater wär’ es längst geschehen,
hätte Lerchenberg sich nicht herabgelassen,
sich mit dem Felsenfriedhof zu befassen,
von ihrem angebor’nen Dösen
die Stadt samt Stadtrat zu erlösen,
und den Wunsiedlern aus ihren Nasen
den verstaubten Rotz zu blasen,
sie mit Lebensfreude anzustecken
und aus der Lethargie zu wecken,
zu der die lutherischen Trauergeigen
in Franken ja bekanntlich neigen.

14 Jahre interniert in Franken,
kam Lerchenberg fast nie ins Schwanken;
Moskitos, Wespen, Fliegen, Stadtrat, Zecken,
war er willens wegzustecken,
auch wenn ihm bei den vielen Stichen
am Kopfe sichtlich Haare wichen.

Lerchenberg gelang es, trotz dem Treiben
des Bürgermeisters, bei Verstand zu bleiben,
und trotz Blitzschlag, CSU und Mücken,
diverse Pläne durchzudrücken,
und die Luisenburg so aufzumöbeln,
dass die Schauspieler bei feuchten Nebeln
und bei nassen Theaterhimmeln
Backstage nicht mehr so verschimmeln,
und dass in den Kostümbereichen
nicht mehr die Forellen laichen.

3

Dank Lerchenberg sind die Garderoben trocken,
so dass jene, die dort unten hocken,
selbst bei allerstärksten Regengüssen
sich nicht wie früher fühlen müssen,
wo man sich, wenn das Wasser staubte,
im Schiffsbauch der Titanic glaubte.

Das Leerstands-Tundra Oberfranken
hat Lerchenberg viel zu verdanken
und der vormals alte Theaterkrempel
„Luisenburg“ trägt seinen Stempel:
Er besorgte frische Bühnenbretter,
14 Jahre bestes Wetter,
topmoderne Seitenbühnen,
Duschkabinen und Latrinen,
Garderoben, Treppen, neue Wege,
und aus dem Schauspielschulgehege
unverschliss’nes und in großer Zahl
Jungschauspielermaterial
zur Freilichtspielgestaltung
in seiner Komödianten-Freilandhaltung.

Gebirge, Labyrinth und Steine,
Schneeberg, Ochsenkopf, Kösseine,
und das Fichtelgebirge, alles ist sein Werk;
gepriesen sei der Lerchenberg!
Um vor Schlimmerem sich zu bewahren,
ließ Lerchenberg nach 14 Jahren
den Gedanken in sich reifen,
die Flucht gen Süden zu ergreifen.

4

Er hat – nach eigenem Bekunden –
das Trauma Franken überwunden,
will endgültig die Segel streichen,
und sich aus Oberfranken schleichen.

Für die absolute Heldentat
dass er das Klima und die Stadt
Wunsiedel ertragen hat,
wär’ ihm früher der Gefrierfleischorden
und das Ritterkreuz verliehen worden.

Mit der Bitte, dass wir es nicht weitersagen,
hat Lerchenberg uns aufgetragen,
heut’ durch die Blume anzuregen,
man möge seiner Taten wegen,
im Stadtrat doch beschließen,
ihn nun in Bronze abzugießen.

Lerchenberg hat vorgeschlagen,
das Kösseine-Wirtshaus abzutragen,
um ihm wegen vorbildlich erfüllter Pflichten
dort ein Standbild zu errichten,
wo er – in Überlebensgröße aufgebaut –
voll Güte und Erbarmen
mit ausgebreitet weiten Armen
mitleidig herunter schaut
und die Luisenburg bedauert,
die ohne ihn versauert.

Im Sockel soll geschrieben stehen,
dass alle, die vorüber gehen,
ihn gesenkten Hauptes grüßen
und die Knie beugen müssen.

5

Herr Lerchenberg ist von dem Plan,
der von ihm selbst stammt, angetan,
und er meinte, wenn man das schon tut,
wär’ etwas Größe durchaus gut,
er denkt da an den Zuckerhut.

Die Kapelle kam, um Trost zu spenden,
zum Guten wird sich alles wenden.
Ihr Wunsied’ler verzweifelt nicht,
noch brennt in der Stadt das Licht.
Geht auch der Lerchenberg jetzt weg,
was Euch bleibt, ist Charly Beck,
Deutschlands bester Bürgermeister
und seine einfallslosen Stadtratsgeister.

Der Himmel möge sie dringend erleuchten,
sie seh’n so aus, als ob sie’s bräuchten!
Zum Abschied wünschen wir von Herzen,
der Intendant möge die Franken verschmerzen,
und – so wie wir Oberpfälzer leben –
sich künftig der Vernunft hingeben,
wenig mit Franken zu diskutieren
und sie sparsam zu dosieren;
dann geht’s im Leben steil bergauf –
Michael Lerchenberg Glück auf!

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