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Nathan der Weise

Der Klassiker dieser Saison, „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, rundet das vielseitige Programm dieser Saison ab, das unter das Motto „Versöhnung“ gestellt werden könnte.

Schauplatz ist Jerusalem. Auf die heiligen Stätten erheben dreierlei Bewerber Anspruch: Moslems, Christen und Juden. Jeder sieht sich im Recht, hält seine Ansprüche aufrecht, doch wer hat die besten Argumente? Der Stärkste, der Klügste, der Reichste? Sind die Religionen nicht alle gleichwertig und gleichberechtigt? Sind es nicht die von außen herangetragenen „Unterschiede“ und „Wertigkeiten“ wie die Zugehörigkeit zu Rassen, Religionen, Nationen, Parteien, die ein friedliches Zusammenleben stören? Kann Liebe zwischen den Fronten vermitteln, können Einsicht, Toleranz und Weisheit die Welt verändern? Wohl kaum, wenn man, wie Lessing im Stück warnend anmerkt, nicht wirklich überzeugt ist: „Wer's einfach glaubt, wird eben nicht selig; wer's nur herunterbetet, nicht erleuchtet.“

Lessing hat vor über 230 Jahren ein aufregend aktuelles Stück geschrieben, das den heute weltweit heraufbeschworenen „Clash of Cultures“ schon damals als unsinnig gebrandmarkt hat. Das Stück dramatisiert Spannungen zwischen Christen, Muslimen und Juden, spielt Ursache und Wikung durch und leitet daraus den Ruf nach Menschlichkeit, Würde und Respekt ab. Damit verliert es seine Dringlichkeit im heutigen weltpolitischen Klima keineswegs – ganz im Gegenteil! 

Es spielen:

Die Juden: 

Nathan, ein reicher Jude: Heinz Trixner

Recha, dessen angenommene Tochter: Elli Wissmüller

 

Die Muslime: 

Sultan Saladin: Peter Kaghanovitch

Sittah, dessen Schwester: Ina Meling

Ein Derwisch: Frank Wünsche

Ali, ein Bediensteter: Dietmar Irmer

 

Die Christen: 

Ein junger Tempelherr: Matthias Lehmann

Der Patriarch von Jerusalem: Adolf Adam

Ein Klosterbruder: Winfried Hübner

Daja, eine Christin, im Hause des Juden als Gesellschafterin der Recha: Chris Nonnast

Ein Ministrant: Fabian Braune

 

Regie: Christian Nickel • Musik: Heinz Grobmeier • Bühne: Peter Engel • Kostüme: Anja Gil Ricart

Regieassistenz: Anna Rettinger • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Elisabeth Haußer • Maske: Lilli Schulteß (Chefmaskenbildnerin), Antje Raschdorf; Daniela Fiegel (Assistentin) • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Gil Ricart (Kostümassistentin), Günther Biank (Herrengewandmeister); Silvia Barthel, Berit Langer, Kerstin Schusser, Lena Stötzel, Sebastian Thiele; Martina Krist (Fundusverwalterin) • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche • Ton: Tonias Busch (Tonmeister) • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister), Jürgen Dietl, Markus Kausler, Stefan Pfliegensdörfer, Roland Schuster • Bühnenbetrieb: Reinhard Werner (Vorarbeiter), Johann Geiger, Sergej Raider, Ralf Schenk, Karl Schmid, Manuela Weih, Ralf Winklmüller, Tim Zemsch • Technische Leitung: Jörg Brombacher

Der Ring ist zerbrochen...

Michael Thumser im Nordbayerischen Kurier über die gelungene Premiere von „Nathan der Weise“

... Wenn Heinz Trixner auf der Luisenburg den Nathan spielt, dann trifft er Lessings Intention und Ton sehr genau: kein Toleranz-Prophet, dessen laute Predigt Schule machen will; sondern ein lebendiges Beispiel für verträgliches Miteinander. Leid hat diesen Nathan ausgemergelt, Angst kennt er und krümmenden Schmerz, Liebe braucht, nimmt und schenkt er, Freude hat er an Besitz und Gewinn: einfach ein Mensch. ... Das Stück tönt in Christian Nickels Inszenierung glücklicherweise nicht als feierlicher Klassiker aus den Felsenkulissen. Äußerlich modernisierend, die Szenenfolge zügig verdichtend, hebt der Regisseur den Appell zu Friedlich- und Duldsamkeit mit dem Nachdruck vernünftiger Argumente hervor...

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Ohne Toleranz wird es keinen Frieden geben...

Rudolf Barrois in DER NEUE TAG über Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" als große Parabel vom Dialog der Zivilisationen auf der Luisenburg

Die Stadt Jerusalem beherrscht auch in der Gegenwart die Schlagzeilen. In ihnen ist vor allem von Krieg, Unterdrückung, Mord und Terror die Rede. Die Gräuel geschehen häufig im Namen von Religionen, die, das hat der Anschlag vom 11. September gezeigt, zum Vehikel wirtschaftlicher und politischer Machtspiele gemacht werden. Und es ist offenbar, dass die zum Teil blutigen Konflikte unserer Tage nur im Verständnis des anderen, mit Toleranz gelöst werden können.

Die Luisenburg-Festspiele haben sich heuer in den Dienst dieser Forderung gestellt und Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" ins Programm genommen, ein Stück, das wie kein anderes in der Literaturgeschichte den Appell an die Vernunft des Menschen, an Humanität und Güte formuliert. Regisseur Christian Nickel hat ein wesentliches Element in der Auseinandersetzung, die wirtschaftlichen und politischen Interessen, nicht vergessen. Die Geldkoffer, der des Nathan und die anderen des Saladin, sind immer dabei, wenn geredet wird. Geld brachte den Juden und den Mohammedaner auch bei Lessing erst zusammen.

Das Ensemble spielt mit aller Leidenschaft, die das immer wieder aktuelle Thema erfordert: Hauptdarsteller Heinz Trixner ebenso wie Peter Kaghanovitch als Saladin, Ina Meling in der Rolle der Sittah, Elli Wissmüller als Nathan-Tochter Recha, Matthias Lehmann als Tempelherr, Chris Nonnast als Christin im Hause Nathans und Winfried Hübner als Klosterbruder.

In mehrfacher Hinsicht kann der "Nathan" der Luisenburg als neuer Glanzpunkt in der langen Geschichte der Festspiele gelten. Vor allem: Ein wichtiges Thema wurde mit hohem Wirkungsgrad an ein aufgeschlossenes Publikum gebracht.

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Fanal für Toleranz und Menschlichkeit...

Andrea Herdegen in den NÜRNBERGER NACHRICHTEN über Christian Nickels „Nathan der Weise“ auf der Luisenburg-Bühne als behutsam-eindringlichen Appell zu religiöser Toleranz in Zeiten neuerlicher „Heiliger Kriege“.

Mit seiner in ihrer Kargheit beeindruckenden Inszenierung lässt Regisseur Christian Nickel den Ideen viel Raum zum Widerstreit. Nur spärlich verweisen sorgsam platzierte Symbole in Peter Engels Bühnenbild auf das religiöse Fundament der Akteure: die goldene Menora in den verkohlten Resten von Nathans Haus, die Schwerter gefallener Ritter, die wie Kreuze über ihren Gräbern stehen, und zwei hölzerne Rampen, die sich wie leuchtende Mondsicheln über die Bühnenfelsen himmelwärts wölben. Dazwischen die Menschen.

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