Archiv > Spielplan 2009 > „Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb“

„Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb“

Ringelnatzabende

Es wäre jammerschade, wenn es nicht die Gelegenheit gäbe (am Donnerstag, 23., und am Samstag, 25. Juli, jeweils 20.00 Uhr, im Museumshof), die wunderbare Schauspielerin Rosel Zech, die gerade die Mutter Courage spielt, auch noch einmal anders zu erleben. Ihr besonders am Herzen liegt der Abend mit den Miniaturen des großen, stillen, skurrilen, humorvollen, derben und traurigen Dichters Joachim Ringelnatz, dem sie sich wesensverwandt fühlt. Rosel Zechs

Vater war Seemann wie jener Hans Bötticher, der sich nach dem seemännischen Namen für das glückbringende Seepferdchen „Ringelnatz“ nannte, und er hat ihr den Hang zum sich immer in Bewegung befindlichen Meer mit seinen Schönheiten und seinen Gefahren ganz offensichtlich in die Wiege gelegt.


Auch Ringelnatz hatte etwas von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen, denn dieser Georg Bötticher - Tapeten-zeichner von Beruf - verfaßte humo-ristische Gedichte und Erzählungen in sächsischer Mundart. Er war sehr stolz auf die dichterischen Fähigkeiten seines Sohnes, erfüllte ihm aber trotzdem den Traum von der Seefahrt. Als Schiffsjunge auf dem Segelschiff „Elli“, später im einjährig-freiwilligen Militärdienst, den man ihm in seinem ansonsten miserablen Reifezeugnis als einziges zugestand, auf dem Kreuzer „S.M.S. Nymphe“ bereiste er die Meere und lernte auch die Schattenseiten der „großen Freiheit“ kennen. Von dort begleitete ihn als neue Kunstfigur des Literarischen Kabaretts der Seemann Kuttel Daddeldu in sein anderes Leben: Nach seiner Entlassung als Bootsmaat, einer Kaufmannslehre in Hamburg und verschiedenen Gelegenheitsarbeiten kam Ringelnatz 1909 nach München und fand im Künstlerlokal „Simpl“ Gleichgesinnte: Frank Wedekind, Klabund, Thoma, Valentin u.a. Hier begann die literarische Karriere von Ringelnatz wie die von Brecht. Er stieg zum Hausdichter auf und trug allabendlich seine Verse vor.


Im „Simpl“ stand letztlich auch die Wiege von Anatol Regnier, der zusammen mit Rosel Zech und begleitet von der Musikerin Monika Sutil den Abend „Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb“ bestreitet. Regnier, Sohn des Schauspielers Charles Regnier und Enkel von Frank Wedekind, lernte als musikalischer Begleiter seiner Mutter Pamela Wedekind schon während seiner Schulzeit die Lieder seines Großvaters Frank Wedekind, aber auch von Brecht, Kästner und eben Ringelnatz kennen. Längst hat sich Anatol Regnier als Musiker - er ist ein Meister der klassischen Gitarre, Rezitator, Schauspieler und Autor emanzipiert. Für sein schriftstellerisches Werk wurde er mit dem Ernst-Hoferichter-Preis 2005 ausgezeichnet.


Wir freuen uns auf diese außergewöhnlich beziehungsreichen Abende.

Zurück