Das diesjährigen Labyrinth-Extras der Luisenburg-Festspiele wurde wieder von Gerd Lohmeyer vorbereitet, der vor zwei Jahren schon zum mitternächtlichen Märchenspaziergang im Labyrinth „Bis hierher und nicht weiter“ eingeladen hat. Jetzt stellt er Karl Valentins „Der TiefseeTaucher“ im Felsenlabyrinth vor, zusammen mit Monika Manz, Adolf Adam, Johannes Herrschmann, Thomas Kollhoff, Christofer Varner und Gerhard Wittmann. Die Besucher erwartet ein außergewöhnliches Stationentheater aus komischen, merk- und denkwürdigen Szenen. Auf der geführten Wanderung durch den unteren Teil des Felsenlabyrinths begegnen sich versprengte Valentin-Gestalten: eine verirrte Loreley trifft auf einen Regenwasserforscher, ein zwischen Wahn und Wirklichkeit hadernder Ententräumer auf eine Chinesisch-Expertin. Und überhaupt, was hat ein Tiefseetaucher im Labyrinth zu suchen? Vielleicht gibt eine kurze Schulstunde Auskunft und lehrt uns, das Fremde in uns verstehen zu lernen.
Keine Konstellation ist bizarr genug bei der Suche nach einem Ausweg für die Gestalten, die sich in sich selbst und in ihren Zwangsvorstellungen wie in einem Labyrinth verirrt haben.
Vertieft wird diese abendliche Irrfahrt durch den Klangzauber von Christofer Varner, der die Felsen, die sich vor Lachen biegen, zum Weinen bringt, wie es ein Abend mit Texten von Karl Valentin erfordert.
Die Wanderung (bitte entsprechendes Schuhwerk anziehen!) dauert gut eine Stunde. Die Bergwacht begleitet den Gang und sorgt für die evtl. körperliche Versehrtheit – für „"geistige Folgeschäden" wird nicht gehaftet.
„Der TiefseeTaucher im Felsenlabyrinth”
Denk- und merkwürdige Szenen von Karl Valentin
Begrüßung: Thomas Kollhoff
Herr Gabler: Monika Manz; Thomas Kollhoff
Intermezzo: Christofer Varner
Der Regenwasserforscher: Gerd Lohmeyer
Die bayerischen Seen: Gerd Lohmeyer, Christofer Varner
Der olympische Fackelläufer: Gerhard Wittmann
Intermezzo: Christofer Varner
Loreley: Johannes Herrschmann, Christofer Varner
Schwierige Auskunft: Johannes Herrschmann, Gerhard Wittmann
Chinesisches Couplet: Monika Manz; Christofer Varner, Gerhard Wittmann
Der Ententraum: Adolf Adam
Der Tiefseetaucher: Sabrina Schricker; Thomas Kollhoff
Das Aquarium: Johannes Herrschmann
Bei Schaja: Monika Manz; Gerhard Wittmann
Vergeßlich: Johannes Herrschmann, Gerd Lohmeyer
Die alten Rittersleut: Christofer Varner
Die Fremden: Monika Manz, Romina Weiss; Johannes Herrschmann, Thomas Kollhoff, Gerd Lohmeyer, Gerhard Wittmann
Der halberzählte Witz: Adolf Adam
Muschelfinale: Christofer Varner
Regie: Gerd Lohmeyer • Musik: Christofer Varner • Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly, Anja Müller • Regieassistenz: Petra Andrea Bachmayer • Maske: Ingrid Hannemann (Leiterin), Sylvia Schröder • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leiterin), Anja Müller (Kostümassistentin), Berit Langer, Kerstin Schusser, Sebastian Thiele • Requisite: Uwe Schwalbe (Leiter), Bernd Wünsche (Assistent) • Ton: Tobias Busch (Tonmeister) • Elektrotechnik: Thomas Ködel (Leiter), Andreas Lucas (Beleuchtungsmeister) • Bühnenbetrieb: Alfred Späth (Bühnenmeister, Leiter)
Wir danken der Bergwachtbereitschaft Wunsiedel für die Begleitung!
Premiere am 7. Juni 2008 · keine Pause · Aufführungsdauer ca. 65 Minuten
Über die Aufführung schrieb Gero v. Billerbeck unter dem Titel „Wenn die Steingeister Ausgang haben" im Nordbayerischen Kurier
Ein Tiefseetaucher im Mittelgebirge? Schlimm genug und nur noch zu toppen durch eine zweite Mesalliance: Karl Valentin in Oberfranken! Da staunt der Münchner, und der Berliner wundert sich. Ersterer fragt „Wie geht das?", letzterer „Wer ist das?" Beiden wurde am Samstagabend auf der Luisenburg geholfen. Denk- und merkwürdige Szenen des oberbayerischen Linksdenkers hatten dort unter dem Titel „Der Tiefseetaucher im Felsenlabyrint" Premiere.Ein Abend der Extraklasse ... Regisseur Gerd Lohmeyer hatte im Gesamtwerk des Münchner Komikers höchst erfolgreich nach Luisenburg-Verwertbarem gestöbert, dabei den verschrobenen Valentinismus aus allen Schräglagen befreit und endgültig auf den Kopf gestellt. Ein Ohrenzeuge berichtet von einem Münchner Friedhof, er habe aus dem Grab des tiefernsten Autors der Texte und Szenen ein beifälliges Kichern gehört.
Das hätte Karl Valentin sich kaum träumen lassen, dass sein „Tiefseetaucher" (Thomas Kollhoff) dereinst mit Kind (höchst selbstbewusst: Sabrina Schricker) in voller Ausrüstung unter einer frischgrünen Buche auftauchen und die Inflationierung eines sauerstoffbeatmeten Berufsstandes beklagen würde... Nicht jeder Taucher saß an diesem denkwürdigen Abend auf dem Trockenen. Der Regisseur höchstpersönlich bestieg in wasserdichter Montur einen Tümpel, um Valentins „Regenwasserforscher" über sein Element referieren zu lassen. ... Monika Manz befreite uns mit V.s „Chinesischem Couplet" von der Mühsal des Verstehenmüssens...
Alle ... fast zwanzig Valentin-Nummern zündeten herzerfrischend gut und gipfelten schließlich im (leider!) nicht mehr ausschließlich komischen Exkurs über „Die Fremde" („fremd ist der Fremde nur in der Fremde"). „Lehrerin" Monika Manz hatte dazu den Felsgipfel-Pavillon im Labyrinth erklettert, um mit der ihr zu Füßen sitzenden Pennälergruppe aller übrigen Mitwirkenden eine hinreißende Schulstunde zu absolvieren – einer von vielen tollen Regie-Einfällen.
Das Publikum wandert von Szenenort zu Szenenort und kann sich allenfalls eine gut positionierte Baumwurzel als Sitzplatz erobern. So gab es automatisch stehenden Applaus, den es freilich vielleicht auch mit einem gesessen habenden Publikum gegeben hätte.
Andrea Herdegen schrieb in der Frankenpost über die „Marktlücke im Felsenmeer":
„Die Natur spielt die Hauptrolle. Wuchtige Felsblöcke, dunkle Fichten, knorrige Wurzeln, die aus dem Boden ragen, dunkelgrün bemooste Steine und moorige Tümpel sind mehr als nur Kulisse. Wer sich zum Theaterspielen in das Felsenlabyrinth der Luisenburg begibt, weiß, dass hier Urkräfte bestimmen, wie die Aufführung letztlich ausgehen wird.
Ganz ohne künstliches Licht und mit minimalen Requisiten lässt daher auch Regisseur Gerd Lohmeyer seine Schauspielkollegen vor die Besucher treten. „Der Tiefseetaucher im Felsenlabyrinth“: Szenen von Karl Valentin werden zu einem außergewöhnlichen Stationen-Theater verwoben. Die Besucher wandern im Labyrinth von einem komisch-merkwürdigen Auftritt zum nächsten, doch nie ist bloßer Klamauk zu sehen. Jede Szene verdient das Prädikat „denkwürdig“.
„Wenn Sie in diesem Felsengarten nach einem Tiefseetaucher suchen, dann sind tiefere Entdeckungen zu machen“, versichert Thomas Kollhoff den Besuchern. Abrupt wird er von einer ãDame“ in Rot, der genial spielenden Monika Manz, unterbrochen. Die Matrone bedroht ihn mit Nordic-Walking-Stöcken, bellt Beleidigungen und betitelt ihn als Denunzianten. Doch die Schimpfkanonade endet so schnell, wie sie begonnen hat, denn irgendjemand irrt gewaltig.
Viel wird beim „Festspiel-Extra“ im Labyrinth gesungen: laut, schräg und wunderlich im Text. Herzlich lachen die Zuhörer beim „Lied über die bayerischen Seen“, das Gerd Lohmeyer, bis zur Brust in einem Tümpel stehend, vorträgt...Auf einem riesigen Felsen wartet die liebliche Loreley (Johannes Herschmann), angetan mit Tüll, Spitze und Gummistiefeln, auf die Kultur-Wanderer. Mit einem schrägen Chanson klärt sie auf, welche Vorteile das linksrheinische Ufer gegenüber dem rechtsrheinischen hat. Und noch ein Lied, das einem chinesisch vorkommt: Im China-Kostüm steht Monika Manz in einem großen Fass auf einem Felsvorsprung hoch über den belustigten Besuchern.
Natürlich trifft man auf Tiefseetaucher inmitten des Fichtelgebirges selten. Wie Sand am Meer gibt's die eher an der See. Da tut sich im Felsenmeer der Luisenburg doch eine echte Marktlücke auf. Oder?
Die Urgewalten spielen bei den knapp 70 unterhaltsamen Minuten der Aufführung prima mit. Nur in Miniatur zeigt sich die Natur angriffslustig: Mückenschwärme piesacken sowohl die Mitwirkenden als auch das Publikum.