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Wegen des großen Erfolges nochmals: Anatevka

Tevje, ein Milchmann: Günter Mack
Golde, seine Frau: Gisela Ehrensperger
Die Töchter:
Zeitel: Josefine Merkatz
Hodel: Jessica Higgins
Chava: Barbara Lucia Bauer
Shprintze: Hanna Plass / Lena Plass
Bielke: Susi Nixel / Laura Panzer
Jente, eine Heiratsvermittlerin: Gabriele Dossi
Mottel Kamzoil, ein Schneider: Gerhard Wittmann
Schandel, seine Mutter: Uschi Reifenberger
Perchik, ein Student: Roman Weltzien
Lazar Wolf, ein Metzger: Karl Absenger
Rep Motschach, ein Gastwirt: Michael Boettge
Der Rabbi: Dietmar Irmer
Mendel, sein Sohn: Günter Ziegler
Awram, ein Buchhändler: Christoph Zauner
Nachum, ein Bettler: Alfred Schedl
Oma Zeitel, Goldes Großmutter: Richard Panzner
Wachtmeister: Richard Panzner
Fedja, ein junger Mann: Jürgen Fischer

Flaschentanz: Nicolai Haas, Sebastian Hofmann, Johannes Kappauf, Jonathan Müller, Dominik Rasp, Andreas Reul, Holger Schieweck, Matthias Weigel, Christoph Zauner

Frauen und Männer von Anatevka: Petra Andrea Bachmayer, Vera Braun, Maresa Burger, Manuela Degelmann, Barbara Frey, Cora-Lina Hermannsdörfer, Elke Hofmann, Jasmin Amato, Maria Klose, Antonia Morgenroth, Maria Röber, Susanne Thoma, Ulrike Wunderlich • Johann Böhringer, Theodor Butting, Alfred Dennerlein, Max Irmer, Stefan Kirsch, Hubertus Krämer, Wladimir Landsmann, Alfred Maiwald, Hans Possehn, Richard Riedl, Hartmut Schraml, Hans Stark, Albrecht Winkler, Willibald Wunschel u.a.

Es spielt "Aliya“ mit Mark Kogan, Evgeny Chinenov, Igor Drabkin, Maxim Gorshkov, Pavel Moshkin, Vladimir Pisarev, Jury Razborov, Denis Rodin

Ort der Handlung : Anatevka, ein Dorf in Rußland • Zeit: 1905, am Vorabend unruhiger Zeiten

Musikalische Leitung: Henning Kussel • Regie: Karl Absenger • Choreographie: Rosita Steinhauser • Ausstattung: Tamara Oswatitsch

Regieassistenz: Christoph Zauner • Hospitanz & Beleuchtungsinspizienz: Luzie Lohmeyer • Inspizienz: Dietmar Irmer • Souffleuse: Zita Kobler •Maske: Sabine Tanriyiöver (Chefmaskenbildnerin), Renate Bauer, Christine Schmitt • Kostümabteilung: Heide Schiffer-El Fouly (Leitung), Günther Biank (Gewandmeister), Kathleen Bogram, Gizella Koppany, Martina Krist, Berit Langer, Anja Müller, Malaika Rönneckendorf, Wiebke Strutz • Requisite: Peter Schmidt (Leitung), Angelika Schleicher, Andreas Lüdke • Ton: Tobias Busch (Leitung), Lesley Jennifer Higl • Beleuchtung: Thomas Ködel (Leitung), Andreas Lucas (Meister), Jürgen Dietl, Willi Nowotny, Horst Seibold • Technische Leitung: Werner Moritz • Bühnentechnik: Anton Freundorfer, Karl-Heinz Schmidt (Teamverantwortliche), Wolfgang Bienfang, Romuald Dembinski, Robert König, Gerhard Nelkel, Ralf Sommerer, Dieter Thiem, Thomas Tretter • techn. Hilfskräfte: Andreas Bleile, Michael Milzarek, Sergej Raider, Karl Schmid, Ralf Winklmülle´r

Die Dekoration wurde in den Werkstätten des Städtischen Bauhofs Wunsiedel hergestellt

Wir bedanken uns beim Staatstheater am Gärtnerplatz, Herrn Staatsintendant Prof. Klaus Schultz, für die großzügige Unterstützung der Dekorations- und Kostümausstattung, und beim Israelladen "En-Gedi“, Hof

Die Übertragung des Aufführungsrechtes erfolgte in Übereinkunft mit Josef Weinberger Ltd. im Namen von Music Theatre International, New York. Bühnenvertrieb: Musik & Bühne, Wiesbaden

Premiere: 25. Juni 2004  Wiederaufnahme: Fr. 15. Juli 2005, 20.30 Uhr

Kurzinhalt

Anatevka, ein kleines „Schtetl” in der Ukraine kurz vor der Revolution von 1905, ist Schauplatz der berühmten Geschichten von Tevje, dem Milchmann, erzählt von dem berühmtesten Dichter des Jiddischen und Chronisten der Schtetl-Kultur Sholem Alejchem.

Tevje, ein frommer, humorvoller Mann ist mit mehrerem geschlagen, unter anderem mit „einem Stall voller” Töchter, die es zu verheiraten gilt. Und natürlich wollen die Töchter nicht so, wie der Vater will, für den es nur die Tradition als Maßstab gibt: „Dank unserer Tradition haben wir bisher unser Gleichgewicht seit vielen, vielen Jahren gehalten... Und auf Grund dieser Traditionen weiß hier jeder, was er zu tun und zu lassen hat und was der liebe Gott von ihm erwartet...”. Aber Tevje trägt sogar mit Fassung, daß er gezwungen wird, tolerant zu sein und von der Tradition auch einmal abzugehen. Allein diese Flexibilität (wie man es heute nennen würde) nützt Tevje nichts mehr. Die Zeit ist aus den Fugen und bricht mit Vertreibung und Zerschlagung der Kultur ein. Bleibt Tevjes Zweifel und Hoffnung, ob und daß es der „neuen Zeit” gelingen möge, wie dem „Fiddler auf dem Dach”, das Gleichgewicht zu finden und zu halten, sprich ein neues Wertesystem. Das ist die Botschaft des Stückes an uns heute, die auch wir in einer Zeit des Umbruchs, der „Überwindung” von Traditionen leben...

(c) Thomas Meinert | pixelio.de

Mit dem Tevje in »Anatevka« ist Günter Mack noch einmal zurückgekommen auf die Luisenburg. Er war ein echtes »Theaterpferd« und scheute weder Mühen noch Wetterunbillen, stand mit seinen damals 75 Jahren allabendlich auf der Bühne und hat das Publikum so begeistert, daß es eine der ganz seltenen Wiederaufnahmen geben mußte. So wie er gelebt hat, so hat sich Günter Mack mit dieser Rolle vom Theater verabschiedet. Jetzt, am 27. März 2007, nicht einmal zwei Jahre später, ist er gestorben.

Wir trauern um ihn, um einen beliebten Kollegen und um einen großen Schauspieler.

Pressestimmen

Diverse Zeitungen

Dr. P. Müller, Neue Presse

„'Anatevka' ... wurde bei der Premiere begeistert aufgenommen ...”

 

G.v. Billerbeck, Nordbayerischer Kurier

„Ein großer Abend auf der Luisenburg ...” 

 

H. Pöhlmann, Bayerische Staatszeitung

„... inspirierte und inspirierende, vom Premierenpublikum mit großem Beifall aufgenommene 'Anatevka'-Aufführung ...”

 

S. Dultz, Münchner Merkur

„... Gebannt, gerührt, ergriffen und ganz erfüllt von diesem Theater verfolgen die Besucher das Geschehen ... 'Anatevka' ist der Haupttreffer dieser Saison.” 

Frankenpost (Hof)

Unter dem Titel „Vater Courage und der liebe Gott” berichtete Michael Thumser in der „Frankenpost” über das Experiment „... und es ist geglückt”:


„Anatevka", das erste auf der Luisenburg produzierte Musical, darf nach der Premiere am Freitag als Volltreffer gelten. Die Zuschauer im Wunsiedler Naturtheater, unter ihnen Ministerpräsident Edmund Stoiber, jubelten dem Ensemble und dem Regieteam mit Bravos und Freudenpfiffen zu.

Die Geschichte spielt 1905 und also zu einer Zeit, als das Träumen noch geholten hat. Tevje, jüdischer Milchmann im Dörfchen Anatevka, muß seiner entzündlichen Gattin Golde beibringen, daß Tochter Zeitel einen mittellosen Schneider zum Manne will. Aus Liebe! Wo gibt‘s denn sowas? Und doch hat Tevje den beiden seinen Segen erteilt. Um sich rückwirkend Goldes Einverständnis zu erschleichen, erfindet er einen Traum, der die umIenkende Weisung enthält. Schnell wird auf der Naturbühne ­ an deren steile FeIsen Ausstatterin Tamara Oswatitsch die Baracken und Buden des Schtetl geklebt hat ­ eine Schlafstube aus Brettern und Bettzeug aufgeschlagen. Da liegen die braven Eheleute, und während Tevje von seiner Vision erzählt, geht der fiktive Traum drumherum als bunter Mummenschanz vonstatten. Das hat Witz, naive Unschuld und Bewegung; es hat auch tiefern Sinn und einen ernsten Kern. So steht die Szene, keineswegs die wichtigste im Stück, recht beispielhaft fürs Ganze.

Tevje: das ist der Milchmann der frommen Denkart. Das arme Leben, in das er sich ergeben schickt, gleicht dem Balanceakt, wie ihn der Fiedler mit den blauen Haaren und blauen Geige (Michael Wiesner, eine Chagall-Figur) auf den, Dachfirst vollführt: bang in der Schwebe, von Gleichgewichtsverlust und Sturz bedroht. Behäbig und bedenklich zugleich ist Tevje ­ wie das Stück, das Jerry Bock (Musik) und Joseph Stein (Buch) um ihn erdachten; wie die Inszenierung, die Regisseur Karl Absenger vor allem auf den Hauptdarsteller Günter Mack konzentriert.

Der weithin bekannte Schauspieler, in mancherlei Nuancierungskünsten des understatement bewandert, gibt die Figur nicht als Hurra-Hungerleider mit einem Herzen voll Sentimentalität; er bevorzugt die abwartenden, skeptischeren Töne. Prinzipientreu hält er an den „Traditionen” fest, durch die das Judenvolk sich in Leid und Prüfung geeint weiß. Aber er lernt auch, vor den Zeichen der neuen, „ganz anderen”, revolutionär gärenden Zeit nachzugeben. Einen Müden führt Mack vor; aber er spannt sich doch, wie Mutter Courage, unverdrossen selber ins Joch seines Milchkarrens, wenn sein Gaul „krank feiert”. Gläubig betend hält er Kontakt zum lieben Gott; aber er rechtet auch mit ihm und rechnet die unfairen „Katastropheneinsätze” des Allmächtigen auf.

Freilich tut er‘s devot, ohne „dem Allerhöchsten den Allerwertesten zuzuwenden”. Denn ein feiner, anständiger, schlichtweg guter Kerl steckt in Tevje; nur macht Mack kein rührseliges Wesen um dieses Herz aus Gold. Ganz wenig von der lauten Launigkeit eines Willy MilIowitsch gesteht er der Figur zu und wiegt es doppelt auf mit Zügen, die er sich von Lessings weisem Nathan leiht, und mit der milden Langmut Mendel Singers aus Joseph Roths „Hiob”-Roman: Als Hiob, als Dulder harrt Macks Tevje aus, ohne Weinerlichkeit, auch ohne Illusion, mit hoffendem Humor. So spielt Mack, der erfahrene Ensembledarsteller, die anderen nicht an die Bretterwände der Buden und Baracken Anatevkas. Die anderen: seine Familie vor allem; aus ihr, in zärtlicher Zuneigung, erwachsen Tevjes Heimsuchungen, bevor Pogrom und Vertreibung ins Dorf einkehren. Golde ist der Grundstein seines Lebens, aber auch ein Felsen, sich den Kopf daran zu stoßen: Gisela Ehrensperger, einzige Kammersängerin im Musical stattet die Hausfrau und Mutter mit wechselnden Härtegraden, Haaren auf den Zähnen und gesundem Verstand aus. Beider Töchter, auf Traditionen pfeifend, machen sich selbständig bei Partnerwahl und Lebensplanung: Zeitel (Ila Stuckenberg, hübsch und hübsch artig) verspricht sich Mottel (Gerhard Wittmann, ein erst eingeschüchtertes, dann tapferes Schneiderlein); Hodel (Jessica Higgins, aufmüpfig und konsequent) folgt dem Studenten Perchik (Stefan Murr, als schwadronierender Jungsozialist ein Anfänger in den Dingen des Herzens); Chava (Christine Stallbaumer, mädchenhaft verschämt, aber intellektuell) bricht alle Tabus und reicht dem Christen Fedja (Jürgen Fischer, offen und ehrlich) die Hand.

Hochzeit wird auf der ungemein volkreichen Naturbühne gefeiert, und allenthalben gibt's viel Tanz (Choreographie: Rosita Steinhauser). Gleichwohl ist dies kein Stück der Happy Ends. Der gemütvolle Ton täuscht, wenngleich ihn die Kapelle „Aliya” unter Henning Kussel ­ mit Klarinette, Akkordeon, Geige „klezmernd” ­ folkloristisch unterstützt. Anstelle des großen Musical-Finales stehen stiller Abgang, Abgesang, Verschwinden, auch ein Verstummen der Musik. Im Exodus der Juden aus ihrem Dorf deutet sich die schlimmstmögliche Wendung an, die das Schicksal dieses Volkes nehmen wird. 1905: Die Welt gerät aus dem Gleichgewicht und alsbald aus den Fugen, der Fiedler spielt auf der blauen Geige zum Totentanz. Das Ende ist ein Aufbruch in noch schlimmere Zeiten, worin weder Langmut noch Couragehilft: Tevje hat ausgeträumt.

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