Archiv > 120 Jahre Luisenburg-Festspiele

Die Geschichte der Luisenburg

1692:
Erstmalige Erwähnung von "Spielen" auf der Los- oder Luxburg in dem Buch "Das teutsche Paradeis" von Magister Will Creussen.

1730 - 1766:
Schülervorführungen im Rokoko-Stil auf dem Margarethenstein (große Felsplatte mit ca. 50 m Umfang in der Nähe des heutigen Apfelbrunnens, im Zuge der Granitgewinnung später abgebaut). Aus dieser Zeit stammt ein im Stadtarchiv aufbewahrter "Schäferaktus" von Rektor Chr. A. Peuschel.

1790 - 1820:
Erschließung des Felsenlabyrinths

1794/95:
Aufführung von Singspielen bei sog. Honoratiorenfesten auf dem kleinen Theaterplatz beim Labyrintheingang.

1805:
Festakt aus Anlaß des Besuches der Preußischen Königin Luise vor der Klingergrotte und am Luisensitz. Die frühere Los- bzw. Luxburg wird in Luisenburg umbenannt.

1833:
Eine fahrende Schauspielertruppe bringt Schillers "Die Räuber" zur Aufführung.

1845:
Großes Sommerfest mit Vorführungen auf dem heutigen Festspielplatz.

1881 - 1884:
Schüleraufführungen des Wunsiedler Realschulprofessors Ludwig Hacker.

1890:
Erstaufführung des "Losburg Festspiels" von Prof. Ludwig Hacker aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums der Erschließung des Labyrinths. Fassungsvermögen des damaligen Zuschauerraumes: 700 Sitz- und 300 Stehplätze.

1905:
Errichtung einer hölzernen Zuschauertribüne, Einweihung in Gegenwart von Prinz Ludwig von Bayern (später Ludwig III.)

1906:
Die Stadt Wunsiedel nimmt die Festspiele in eigene Verwaltung.

1912:
Errichtung einer steinernen Zuschauertribüne mit einem Kostenaufwand von 33000 GM nach einem Entwurf von Prof. Buschbeck mit Einrichtung der unterirdischen Garderobenräume, Planenüberdachung und rund 1240 Sitzplätzen.

1914:
Erste Künstlerfestspiele auf der Luisenburg unter Hofschauspieler Fritz Basil, München. Mitwirkende u.a. Werner Krauß, Helene Thiemig.

1924/25:
Letzte Aufführung des "Losburg Festspiels".

1926:
Wiederaufnahme der Künstler-Festspiele (Fritz Basil, München, Dr. Beug, Konstanz).

1928 - 1933:
Bespielung durch die Bayer. Landesbühne unter Prof. Otto Kustermann.

1934 - 1941:
Leitung der Spiele: Intendant Egon Schmidt

1951:
Wiedereröffnung nach dem 2. Weltkrieg, Bespielung durch das Bayer. Staatsschauspiel München

1956 - 1963:
Künstlerische Leitung: Friedrich Siems

1959:
Besuch von Bundespräsident Prof. Theodor Heuss

1964 - 1978:
Künstlerlische Leitung: Dr. Christian Mettin

1965:
Ausbau der Innenräume

1967:
Besuch von Bundespräsident Heinrich Lübke

1969/70:
Ausbau des Zuschauerraumes - Erweiterung von bisher 1642 auf 1769 Sitzplätze durch rückwärtige Auskragung - amphitheatralische Anordnung der Sitzreihen - Schaffung zusätzlicher Eingänge. Ausführender Architekt, künstlerische Oberleitung und Dachzuschnitt: Dipl.-Ing. Bernd F. Romberg, Berlin. Herstellung der Dachhaut (Polyestergewebe mit PVC-Beschichtung, Dicke 0,8mm): Fa. Stromeyer, Konstanz. Größe der Plane: ca. 1600 m2. Belastbarkeit: 24 kp/m2, stützenfreie Aufhängung an 2 flankierenden Gitterrohrmasten. Kostenaufwand: 1,55 Mio. DM. Bühnenausmaße: 30 m breit, 32m gestaffelt hoch.

1972:
Besuch von Bundespäsident Gustav Heinemann

1976:
Besuch von Bundespräsident Walter Scheel

1977:
Rekordbesuch von 142 802 Zuschauern

1979 - 1984:
Künstlerische Leitung: Hans-Joachim Heyse

1984:
Besuch von Bundespräsident Karl Carstens

1985 - 1999:
Künstlerische Leitung: Prof. Hans Peter Doll

1992:
Besuch von Bundespräsident Richard von Weizsäcker

1997:
Besuch von Bundespräsident Roman Herzog

2000 - 2003:
Künstlerische Leitung: Pavel Fieber

2004:
Michael Lerchenberg übernimmt die Leitung der Festspiele und setzt zum ersten Mal ein Musical ("Anatevka") auf den Spielplan.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber eröffnet die erste Saison von Intendant Michael Lerchenberg. Damit stehen Stoiber und sein Nockherberg-Double erstmals gemeinsam auf der Bühne an dem Ort, an dem Lerchenberg vor über 20 Jahren für diese Rolle "entdeckt" wurde, als er in Ludwig Thomas "Lokalbahn" einen aufstrebenden jungen Juristen spielte.

Um der Tradition Rechnung zu tragen, daß viele Schauspieler, die schon als Anfänger die Luisenburg-Bühne gemeistert haben, später berühmt wurden und oftmals auf diese Bühne zurückkehrten, wurden zwei Nachwuchspreise von der Rosenthal AG und von der Festspielstadt Wunsiedel ausgelobt.

2005:
Mit 137.000 Zuschauern wird im "Luise-Jahr" mit den Aufführungen von "Die Geierwally" in der Fassung von Felix Mitterer, Goldonis "Der Diener zweier Herren", mit dem ersten Luisenburg-Musical "Anatevka" und mit "Robin Hood" in der Fassung und Inszenierung von Eva-Maria Thöny das zweitbeste Ergebnis der Festspiele überhaupt erreicht.

2006:
Das Zeltdach wird erneuert.

Michael Lerchenberg kehrt in der Hauptrolle von Thomas "Der Wittiber" als Schauspieler auf die Luisenburg-Bühne zurück.

2007:
Carl Orffs "Die Bernauerin" bringt Musiktheater und Volkstheater zusammen und wird zum überzeugenden Erfolg, auch musikalisch mit einer Mischung aus Orchester-Playback und Life-Schlagwerk.

Eine Woche bevor Karl Ruckdeschel nicht leichten Herzens in Pension gehen sollte, ist er schwer erkrankt und am 16. September 2007 verstorben. Seinen nun wirklich verdienten Ruhestand konnte er nicht einen Tag genießen. Die Luisenburg-Festspiele trauern um Karl Ruckdeschel, der vom 1. August 1957 an über 50 Jahre in der Stadtverwaltung der Festspielstadt Wunsiedel tätig war, seit 1972 als Kämmerer und somit auch als Finanzverwalter für die Festspiele. Das Wohl der Luisenburg war ihm immer ein Herzensanliegen und weit über das übliche Maß hinaus hat er sich für die Belange der Festspiele eingesetzt.

2008:
Zur Eröffnungspremiere "Die Räuber" besuchte neben dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten und Schirmherrn der Festspiele, Dr. Günther Beckstein, Bundespräsident Dr. Horst Köhler die Festspiele.

In der Frankenpost war darüber zu lesen:
Merklich beeindruckt von der Felsenbühne hinter seinem Rednerpult, stellte Köhler klar, dass es Sommermärchen nicht nur in Fußballstadien gebe. Der Bundespräsident hat in diesem Sommer schon eine ganze Rundreise durch die großen deutschen Freilichtbühnen hinter sich, was ihn vor allem zu einer Erkenntnis gebracht hat: "Kultur findet nicht nur in den Hauptstädten statt." Gerade die Vielfalt der kulturellen Angebote sei es, was die Kulturnation Deutschland ausmache. Und zu dieser Vielfalt wiederum gehörten auch die vielen Impulse, die auch Zuwanderer mitbrächten. Köhler wörtlich: "Deutschland ist ein Land, in dem jeder auf seine Herkunft stolz sein kann und in dem wir gemeinsam an der Zukunft arbeiten."
Mit Komplimenten sparte auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein nicht. Schließlich sei die Luisenburg nicht nur die älteste und schönste, sondern auch die erfolgreichste Freilichtbühne in ganz Deutschland. Zu einem guten Teil sei dies ein Verdienst von Intendant Michael Lerchenberg, dem Beckstein einen Seitenhieb zukommen ließ. Hier sei sein Wirken offensichtlich viel ungefährlicher, "als wenn Sie irgendein Mönch sind", meinte er in Anspielung auf Lerchenbergs vieldiskutierten Auftritt auf dem Nockherberg...

2009:
Die angesetzten Vorstellungen vom "Brandner Kaspar" in der liebevollen und gelungenen Inszenierung mit Alfred Schedl als Kaspar Brandner, Michael Lerchenberg als Boandlkramer und Dieter Fischer als Portner können die Nachfrage nicht annähernd befriedigen, so daß eine Wiederaufnahme geplant werden muß.

2010:
Das Sensationsergebnis von über 150.000 Besuchern resultiert aus dem dem Publikumsmagnet "The Rocky Horror Show", der Wiederaufnahme vom "Brandner Kaspar" und nicht zuletzt aus dem großen Erfolg von "Tannöd". Michael Lerchenbergs Inszenierung dieses in Form und Inhalt eher sperrigen Stückes faszinierte durch die stimmige Besetzung und das "unter die Haut gehende" Spiel so sehr, dass auch hier bereits kurz nach der Premiere die Vorstellungen ausverkauft waren – was es vorher bei Stücken dieser Provenienz so gut wie nie gegeben hat.

Kurz nachdem Michael Boettge für sein 25jähriges Luisenburg-Jubiläum u.a. mit einer Ausstellung geehrt werden konnte, verlor er seinen persönlichen Kampf gegen den Krebs. Posthum wurde er vom Rat der Stadt Wunsiedel zum Ehrenmitglied der Luisenburg-Festspiele ernannt.

2011:

Nach dem Ende der Saison 2010 begannen die Baumaßnahmen für ein neues Betriebsgebäude und einen neuen Eingangstrakt - ein 15-Millionen-Projekt das vom Freistaat Bayern und von der Oberfrankenstiftung großzügig unterstützt wird. Trotz des langen und harten Winters übergaben die Bauleute pünktlich zum Beginn der Probenphase den Rohbau an die Theatermacher. Ein paar Provisorien werden die Theatermacher und das Publikum in dieser Saison begleiten, denn der zweite Bauabschnitt kann erst nach der Ende der Saison 2011 beginnen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

 

Sehen Sie sich auch den Zeitstrahl des BR an.