Im NEUEN TAG Weiden sind neben der Kritik auch noch weitere Bilder zu finden. Unter der Überschrift "'Brandner Kaspar' auf der Luisenburg verschafft Barock-Kleinod in Waldsassen großen Auftritt" widmet er sich dem Bühnenbild: Der Himmel ist immer für eine Überraschung gut. Eine ganz besondere erlebte das Publikum bei der Premiere von "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" am Freitagabend. Da war doch als Kulisse auf der gewaltigen Naturbühne tatsächlich die Waldsassener Klosterbibliothek zu sehen. Viele Zuschauer dürften das Detail im "himmlischen" Bühnenbild rasch erkannt haben: Der Ausschnitt aus dem unter Abt Eugen Schmid (1724 bis 1764) von Karl Stilp gearbeiteten Interieur der Waldsassener Stiftsbibliothek, die schon Goethe bei seinen Besuchen beeindruckte, ist von dem Bühnenbildner perfekt nachgebildet worden. Sein Name passt übrigens gut zur Inszenierung - Peter Engel. Das Publikum sieht zwei Regale voller schweinslederner Buchrücken - so wie sich die Bibliothek jedes Jahr tausenden Besuchern präsentiert. Raffiniert und von weitem vom Original kaum zu unterscheiden sind die reichhaltigen Verzierungen aus Lindenholz über und zwischen den Regal-Reihen. Darüber ein Detail der Empore mit dem ebenso kunstvoll gearbeiteten Geländer. In der "echten" Stiftsbibliothek tragen zehn lebensgroße Figuren die Empore. Dem Besucher sollen die Atlanten die menschlichen Laster mahnend vor Augen führen. In der himmlischen Bibliothek dürfen diese Figuren ebenfalls nicht fehlen. Zwar gibt's es davon nur zwei, doch dafür sind die lebendig - und mischen sich im Verlauf des Stücks in das turbulente Geschehen mit ein. Denn in den Regalen sind die sogenannten "Journale" aufbewahrt. Durch die Aufzeichnungen fliegt in der Erzählung bekanntlich der Schwindel, den der Brandner Kaspar mit dem Boandlkramer trieb, erst auf. De Idee für die Gestaltung des Himmels mit der Waldsassener Klosterbibliothek hatte Michael Lerchenberg. Der Luisenburg-Intendant kennt das barocke Kleinod von seinen Besuchen in der Zisterzienserinnen-Abtei. Äbtissin Laetitia stellte außerdem historische Ordensgewänder zur Verfügung. Sie dienten als Vorlage für die Fertigung der Kostüme für die Ordensleute: Sie tragen Habite mit langen Schleppen, weiten Kukullen und sind im Luisenburg-Himmel vor dem großen Tor wie auf einem mächtigen barocken Deckenfresko gruppiert. Theater-Inszenierungen des "Brandner Kaspar" bedeuten für den Regisseur immer besondere Herausforderungen - vor allem der deutlichen Trennung des Diesseits vom Jenseits wegen. "Wie wird der Himmel?", so lautete auch vor der Premiere eine der spannenden Fragen. Intendant Michael Lerchenberg antwortete aber stets nur ausweichend und ohne Einzelheiten zu nennen: "Es ist ein barocker Himmel." Über die "begeisternde Freilichttheater-Premiere" selbst schreibt Stefan Voit im NEUEN TAG(Weiden) unter dem Titel: "Eine Herrlichkeit, wie es keine gibt auf Erden": Wir alle wünschen uns das ewige Leben und wissen doch, dass wir eines Tages an die Himmelstür klopfen müssen. Diese Erfahrung macht auch der Brandner Kaspar, der sich in keinster Weise nach dem Jenseits sehnt, vermeintlich dem Tod ein Schnippchen schlägt und am Ende doch den Weg alles Irdischen gehen muss. Dies alles gab es in dem Stück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" zu sehen, das in einer Inszenierung von Intendant Michael Lerchenberg, der auch den Boandlkramer spielt und Regie führt, auf der Luisenburg Festspielpremiere hatte. Zu Herzen gehend, süffisant, hinterlistig und extrem kurzweilig war dieser Bilderbogen, mit dem Lerchenberg begeisterndes Freilichttheater zeigt und mit der Stückauswahl den Geschmack des Publikums trifft: 123 000 Karten gingen bereits im Vorverkauf weg. Als den Häusler Brandner (hervorragend: Alfred Schedl) auf einer Treibjagd ein Streifschuss trifft, denkt er nicht im Geringsten daran, dass dies ein Hinweis auf sein nahes Ende sein könnte. Erst als der Boandlkramer (überragend: Michael Lerchenberg) bei ihm zu Hause auftaucht, ahnt er, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Als der Tod, als liebevoller Freund dargestellt, ihm das "Ende der Zeitlichkeit" verkündet, versucht er ihn zu überlisten. Mit einem weltlichen "Kerschgeist" macht er den klapperigen Gesellen erst betrunken und beschummelt ihn anschließend noch mit dem Grasober beim Kartenspiel. Sein Gewinn sind weitere 18 Jahre Leben. Während auf Erden alles seinen Gang geht, bringt der hinterlistige Deal im Himmel alles gehörig durcheinander. Als Brandners geliebte Enkelin Marei (liebenswert: Ina Meling) tödlich verunglückt, fliegt der Schwindel auf. Der heilige Portner (kraftvoll: Dieter Fischer, Hauptdarsteller in der Fernsehserie "Der Kaiser von Schexing") fordert den Boandlkramer auf, den Kaspar sofort zu holen. Der Brandner hat allerdings nach dem Tod der Marei keine rechte Freude mehr am Leben, will aber auch mit dem Tod nicht mitgehen, als ihn dieser wieder aufsucht. So wendet diesmal der Boandlkramer eine List an: Er bietet dem Alten einen Blick ins Paradies an. Als dieser den bayerischen Himmel mit seiner barocken Herrlichkeit, den Weißwürsten, prächtigsten Gewändern, der Waldsassener Klosterbibliothek und vor allem Marei sieht, steht sein Entschluss fest: Er gesteht seine Fehler ein und nimmt die Buße auf sich. Doch man zeigt sich gnädig - sehr zum Ärger von Erzengel Michael (grandios: Jürgen Fischer) - und vergibt Brandner seine Sünden. Michael Lerchenberg zeigt auf der Luisenburg großes Theater: Volksstück, Komödie, Tragödie und Klassiker vereint er in seiner Inszenierung. Dazu gesellt er ein Ensemble mit glänzenden schauspielerischen Leistungen, bringt mit Peter Engel ein Bühnenbild zustande, das nicht schöner hätte sein können: angefangen von der einfachen Stubn bis zum kräftigen und farbenfrohen Himmel, in dem sich allerlei Figuren der weiß-blauen Geschichte tummeln. Und er erzählt vom überlisteten Boandlkramer, der längst schon ein Stück bayerischer (Theater-)Geschichte ist, erfrischend, humorvoll, ja fast philosophisch. So macht Theater Spaß, so muss Theater sein! Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass wir nur Gast auf Erden sind und noch immer der liebe Gott bestimmt, wann wir abtreten müssen. Ein kleiner Trost möge uns Menschen sein, dass der bayerische Himmel der schönste von allen ist! In der FRANKENPOST (Hof) schreibt Michael Thumser unter dem Titel "Der Himmel lacht beim 'Brandner Kaspar'" darüber, daß der Tod zum Lachen sein kann, "... wenn er leibhaftig auftritt.". Leben ist kein Spaß. Aber ist denn der Tod zum Lachen? Auf der Luisenburg durchaus, zumal wenn er leibhaftig auftritt. Dort zieht sich Michael Lerchenberg, Intendant der Wunsiedler Naturbühne und zugleich bei der Eröffnungsproduktion Regisseur und Spieler einer der Hauptrollen, graugesichtig zusammen, um den schwarzen Gevatter recht jämmerlich vorzuführen: Dieser Sensenmann ohne Sense ist nicht in der ewigen Seligkeit daheim und auch nicht auf Erden, wo jeder ihn meidet, weil er jeden irgendwann holt. Aus Qualm und eisblauem Schimmer tritt er in die Bauernkate ein, um dort als Boandlkramer - Gebeinkrämer - mit knochendürrem Finger auf die Uhr zu deuten: Für den Brandner Kaspar hat das letzte Stünderl geschlagen. Ein Kriecher im Grunde: Das Drohen liegt im nicht. Lerchenberg platziert fabelhaft akkurat, leicht überzogen, nie übertrieben die Gesten seines schiefen Körpers und der krächzenden Singsangstimme, feixt und staunt, salbadert und verstummt auf den Augenblick genau. Den unwillkommenen Gast zeichnet er als Comic-Figur und formt ihn doch zum Charakter. Im Vorzimmer Gottes katzbuckelt er, aber auf Erden verbreitet er in dunkler Zungenfertigkeit die letzten Tröstungen einer endgültigen Philosophie: Der Tod ist eine gerechte, doch beileibe keine große Sache und der Himmel "grad gmiatli und in gleicher Weis erhaben". So leicht aber finden "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" nicht zusammen; nicht in Franz von Kobells Dialekt-Erzählung von 1871; nicht in Kurt Wilhelms urwüchsig mundartlicher, mithin beinah fremdsprachlicher Bühnenfassung; nicht auf dem Freilichttheater, wo das Volks- als "Kult"-Stück" jetzt Premiere hatte, vierschrötig knorrig und liebenswert satirisch, von Tausenden von Zuschauern viel belacht und beklatscht, schließlich bejubelt. Nein, hier gilt es, eine außerordentliche Sturheit zu überwinden, um den ergrauten Titelhelden selig zu machen. In Gestalt Alfred Schedels wehrt sich da ein altes Tegernseer Schlitzohr, das es faustdick hinter den Ohren hat. Hohe Achtung bringt er dem Leben entgegen, der Liab, der Lust an Jagd und Wilderei (mit Matthias Ransberger als schneidigem Waidmann oder dem strammen Michael Pöllmann als Flori). Geselligkeit und Vierg'sang gehören dazu wie auch der Kummer, der einen einsam macht. Keinen Respekt aber kennt der Brandner vor Herzog oder Bürgermeister (Gerhard Wittmann, entsprechend aufgebracht); und kein Grauen vor dem todbringenden "Abgesandten von der obersten Instanz": Den Boandlkramer trickst er mit Schnaps und "Bschiss" beim Kartenspiel aus und trotzt ihm noch achtzehn Lebensjährlein ab. Unverwundbar macht ihn das nicht. Bald wird ihm die Zeit lang, der Schmerz zu groß - vor allem der um seine verunglückte, von Ina Meling mit Unschuld, Herzlich- und Ernsthaftigkeit kolorierte Enkelin Marei. Ins Grab will er und "aufersteh'n, ja aufersteh'n" (wobei er, man staunt, den Dichter Klopstock zu zitieren weiß). So lässt er sich vom Boandlkramer vors Paradies führen - zur Ansicht erst einmal. Und wahrlich, Bayerns Himmel muss katholisch und der siebte Himmel sein: Mit barocken Baulichkeiten und ebensolchem Personal staffierten Lerchenberg und sein Ko-Regisseur Christoph Zauner, Bühnenbildner Peter Engel und Kostümgestalterin Heide Schiffer-El Fouly das Jenseits reich und bunt und prächtig aus. Mögen sich über der Naturbühne Wolken ballen - hier lacht der Himmel, schallend. Am lautesten lacht der Portner - Pförtner - Petrus, bei Dieter Fischer im Wortsinn ein komischer Heiliger und ein gemütlicher dazu; jedenfalls ein weit nachsichtigerer als der auf muskelprallen Beinen einherstaksende Erzengel Michael (Jürgen Fischer) - "a Zwiadawurzn" mit Goldgefieder und Flammenschwert. Seine kleinkarierten Anklagen überstimmt die fröhlich-fromme Mehrheit im Elysium: Freispruch für den Boandlkramer wie für den Kaspar. Der muss nicht einmal zum Fegefeuer in die Hölle, die eh mehr einer Sauna gleicht ("Aufguss stündlich"). Die Seligkeit wird er wohl eher "gmiatli" als "erhaben" finden. So hat der Brandner bei seinem Tod gut lachen: Das Sterben bleibt ihm erspart. Im FRÄNKISCHEN TAG (Bamberg) berichtete Anastasia Poscharsky-Ziegler von den "Zwölf Schnäpse für achtzehn Jahre Leben": Zwischen Himmel und Erde begannen die Luisenburg-Festspiele ... Das Eröffnungsstück der Saison versprach schon durch die Zahlen des Kartenvorverkaufs einen neuen Zuschauerrekord. Die von 1800 Gästen umjubelte "göttliche" Premiere mit Alfred Schedl in der Titelrolle und Intendant Michael Lerchenberg als Boandlkramer kann das Interesse an der Inszenierung (von Michael Lerchenberg und Christoph Zauner) nur verstärken und dem Vergleich mit anderen legendären Erfolgen standhalten. Grandios mit Jagdhornbläsern und einer wilden Jagd eröffnet das Stück, das nicht mit derber Hand, sondern zartem Pinselstrich das Stück um den Kerschgeist-Umtrunk mit Kartenbetrug am Sensenmann durch den schlitzohrig-sympathischen Brandner Kaspar zeichnet. Der Burgenländer Alfred Schedl ist in der Titelrolle seinem Intendanten und großen Gegenspieler durchaus ebenbürtig. Dieser, totenbleich, in gekrümmter Haltung und mit hoher Fistelstimme, zeigt sich als Meister der Verstellung, der seiner Figur eine große Entwicklung und am Ende sehr menschliche Züge gestattet. Michael Lerchenberg hat all seine großen (und kleinen) Vorbilder genau studiert - vereint ihre besten Charakteristika in der Rolle, und setzt noch einen persönlichen Akzent darauf. Neben der intimen Schnapsszene im drehbaren Häuslerstübchen, als der alte Brandner dem Tod, der ihn holen will noch weitere achtzehn Lebensjahre abschwatzt, bestimmt bei der Geburtstagsfeier Brandners liebevoll bayerisches Kolorit mit Trachten und Musik (ohne jede Aufdringlichkeit) die idyllischen Szenerie mit vierzig Statisten aller Altersgruppen, setzt man ganz auf die irdische Schönheit der Naturbühne. Der Unfalltod von Brandners Enkelin Marei (Ina Meling), die ihre Liebe zwischen dem herzoglichen Jäger (Matthias Ransberger) und dem Wilderer Florian (Michael Pöllmann) gefährlich aufteilt, lässt den Lebensmut des zuvor fidelen Brandners sinken. Gleichzeitig kommt im Vorzimmer-Sekretariat zur Ewigkeit, beim Portner (großartig dargestellt vom würdigen Dieter Fischer, dem "Kaiser von Schexing") der unglaubliche Fehler des Boandlkramers auf. Der Luisenburg-Himmel, der sich hier nun innerhalb weniger Sekunden mitten aus dem irdischen Grün entfaltet, wird in die Geschichte eingehen: Von weißen Wolken umlagert entsteht ein Krippenberg mit einer Anbetungsgruppe aus Mönchen und Nonnen vor dem Himmelstor und putzigen kleinen Engerln. Die göttliche Allwissenheit wird durch einen perfekt nachgebildeten Ausschnitt der barocken Stiftsbibliothek der Cistercienserinnen-Abtei Waldsassen verkörpert, mit zwei der lebensgroß geschnitzten Figuren von Meister Karl Stilp (zu sehen sind der Getreidemeister mit langem Bart und der Lumpensammler), die angesichts der Turbulenzen um den Brandner immer wieder zum Leben erwachen und sich eine Maß Bier genehmigen. Beleidigt und brüskiert durch die am Ende allzu gnadenvolle Behandlung des Brandners "von ganz oben" setzt Jürgen Fischer als Erzengel Michael mit Flammenschwert umwerfend komische Akzente... Über die "Schlamperei im Jenseits" schrieb Gero v. Billerbeck im NORDBAYERISCHEN KURIER (Bayreuth): ... Bayerns Lenker kommen und gehen, seine Theater-Klassiker bleiben bestehen. Kurt Wilhelms Komödie "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben löste als Festspielpremiere jetzt die gleichen Begeisterungsstürme aus wie bei ihrem Luisenburg-Einstand 1982. Vor ausverkauftem Haus gaben die Mitwirkenden dem Bühnen-Pegasus die Sporen und einander die Pointen in die Hand. Im weißblauen Himmel ist heuer wie damals alles in Ordnung - die Unordnung inklusive, die der Brandner Kaspar auslöste, als er den Boandlkramer beim Karteln "beschiss (O-Ton Petrus) und sich dabei die Genehmigung 18 zusätzlicher Lebensjahre ergaunerte. Heuer wie damals profiliert sich die Naturbühne mit ihrer Deutung gegen die damalige Münchner Dauerbrenner-Inszenierung, indem sie sich im Kern an ihr orientiert. Damals konnte Wunsiedel dafür noch den Münchner Boandlkramer Toni Berger ausleihen, heuer erwischte die Luisenburg immerhin noch den goldenen Münchner Original-Federwisch des Erzengels Michael. Und der Bergers Toni wird adäquat von keinem Geringeren als dem Luisenburg-Chef ersetzt. Michael Lerchenberg eifert nicht nur in Kostüm und Maske dem berühmten Vorbild nach, sondern auch in devot-listiger Gestik und verfistelter Stimme. Gleichzeitig war Lerchenberg sein eigener Regisseur - mit Christoph Zauner als Co-Piloten. Gemeinsam fiel ihnen ein nagelneuer Unterschied zu des Brandner Kaspars großer Bühnen-Vergangenheit ein: Warum nicht im Bühnen-Vorder- und Untergrund mit einer roten Hölle gegen den allumfassenden weiß-blauen Himmel kontrastieren? Freilich fehlt es an Insassen und Personal. Der arme Teufel vom Dienst gerät so marginal, dass er im Programmheft ungenannt bleibt. Bei aller Turbulenz geht es in diesem Bayern und dem sich darüber wölbenden Himmel zuweilen fast philosophisch zu. Hier lebe ein Volksstamm, wurmt sich der Boandkramer, "an dem kannst zerschellen. Und mit den Nachbarstämmen sei man sich darin einig, dass diese Erde ein Jammertal sei. "Aber wenn ich sie erlös', geht das Geschrei los! Der schwarze Himmelsbote hat deshalb mit der Exekution nicht lange gefackelt. Aber der "Kerschgeist, der ihn "einmal in Äonen über den allzu trivialen Gottesgeist erhob, hat ihn schwach gemacht - mit verheerenden Folgen, die ihn vor dem himmlischen Tribunal ausbrechen lassen: "Das hat man davon, wenn man sich einem Menschen einlässt, bevor er tot ist! Der das geschafft hat, ist der Brandner Kaspar. In der Verkörperung durch Alfred Schedl kann er sogar noch mehr, zum Beispiel die Menschen begeistern mit seinem uneingeschränkten Ja zum Leben. Die Kehrseite ist der Mangel am Nein. Wir kennen den Münchner und früheren Wunsiedeler Brandner als einen, der erkennen muss, dass das "ewig' Leben auf Erden auch seine Schattenseite hat. Wenn Schedls Kaspar freiwillig ins "Elysium eintritt, dann nur wegen der geliebten Enkeltochter Marei (Ina Meling). Davor lässt ihn nicht einmal der unfreundlich-eitle Erzengel Michael (Jürgen Fischer) zurückschrecken. Jürgen Fischer stellt dieses goldene Himmelsgeflügel so dar, als ob es mental in der Mauser sei: Der einzige Preuße weit und breit. Ansonsten sind die Bayern im Jubel unter sich, trotz der zahlreichen, weit angereisten Gastzuschauer-Preußen, die sich hier gerne eingemeinden lassen. Tosender Beifall! "Theater vom Feinsten" über den "schönen Traum vom ewigen Leben" hat Manfred Präcklein, dpa, erlebt und u.a. in der MITTELBAYERISCHEN ZEITUNG beschrieben: Mit seiner Inszenierung des bayerischen Kultstücks "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" ist Michael Lerchenberg bei den Luisenburg-Festspielen ein Auftakt nach Maß gelungen: Herzerfrischend, kurzweilig und süffisant, Freilichttheater vom Feinsten. Der Intendant und Regisseur selbst beeindruckte auf der gewaltigen Naturfelsenbühne bei Wunsiedel im Fichtelgebirge als Boandlkramer. Auch Alfred Schedl als Brandner Kaspar, Dieter Fischer als Portner, Ina Meling als Marei und Michael Pöllmann als deren Liebhaber Flori boten, ... wie das gesamte Ensemble, glänzende schauspielerische Leistungen. Franz Xaver Kobells 1871 geschriebene G'schicht vom Brandner Kaspar eroberte schnell die Herzen der Zuschauer auf der Luisenburg. Der arme Büchsenmacher Brandner will noch nicht ins Jenseits. Raffiniert ringt er dem Boandlkramer, der bairisch-komischen Variante des Gevatter Tod, das ewige Leben ab. Der Kaspar macht den Boandlkramer mit Kerschgeist betrunken. Anschießend gewinnt er eine Wette um weitere 18 Jahre Leben. Drei Jahre nach der Wette verunglückt jedoch Brandners geliebte Enkelin Marei. Petrus in der Gestalt von Dieter Fischer erfährt von dem Schummel. Wütend befiehlt er dem Boandlkramer, den Alten sofort zu holen. Doch der Boandlkramer will sein Wort nicht brechen. Er greift seinerseits zu einer List und lockt den Brandner Kaspar - nur zum Anschauen - in den Vorhof des Paradieses. Dort hält das Schlitzohr nach einem längeren Gefeilsche um sein Sündenregister aber dann doch freudig Einzug. In seiner Inszenierung vermittelt Lerchenberg den Zuschauern einen Blick in das Leben nach dem Tod. Für den Regisseur ist das Stück eine "Botschaft wie sie schöner nicht sein kann". DER NEUE TAG am 17./18.Juli zur Wiederaufnahme Die ausverkaufte Wiederaufnahmepremiere zeigte, dass die perfekt auf die Fichtelgebirgsbühne passende Inszenierung noch an Zug und Humor gewonnen hat. Imposant versucht Petrus (Dieter Fischer) im Himmel Ordnung zu halten, aber die meisten Lacher erzielt Jürgen Fischer als Karikatur vom spießigen Beamten in der Figur des Erzengels Michael. Im Internet unter www.die oberpfalz.de schrieb Gabriele Glaubitz : WUNSIEDEL. Es war beinahe gespenstisch. Man konnte meinen, das Wetter wäre ein Teil der Inszenierung, als der Brandner Kaspar nach dem Streifschuss bei der Jagd plötzlich den Tod kommen hörte, mit Totenglocke und Sturm. Bei seinem verwunderten Satz 'So a Sturm - und net a Bladl rührt sich am Baum - und finster wirds am helllichten Tag' war tatsächlich Totenstille in den Bäumen, die Sonne schien friedlich. Und die Zuschauer hielten den Atem an. Das Haus des Brandner Kaspar, eben noch von außen zu sehen, drehte sich und man konnte hinein sehen. Und während Kaspar noch, mit Schreck in den Knochen, das Geschehene durchdenkt, klopft der Boandlkramer (überragend: Michael Lerchenberg) an die Tür. Die Geschichte ist bekannt. Der Brandner will noch nicht sterben, füllt den Boandlkramer mit Kerschgeist ab und 'bscheißt' ihn beim Kartenspielen, um 18 Jahre Leben herauszuhandeln. Als Zuschauer kommt man nicht herum, diesen Tod liebenswert zu finden und fast etwas Mitleid für ihn zu entwickeln. Als drei Jahre später, an seinem 75. Geburtstag, Brandners geliebte Enkelin Marei (zauberhaft und herzerfrischend: Ina Meling) ausgerechnet 18 Jahre zu früh verunglückt, erfährt 'der Portner' Petrus (kraftvoll: Dieter Fischer, Hauptdarsteller in der Fernsehserie 'Der Kaiser von Schexing') durch sie von der 'Unregelmäßigkeit'. Wütend befiehlt er dem Boandlkramer, den Alten sofort zu holen. Der Boandlkramer, der sein Wort nicht brechen will, greift nun seinerseits zu einer List und lockt den Brandner Kaspar - 'nur zum Anschauen' - in den Vorhof des Paradieses. Mit seiner Inszenierung des bayerischen Kultstücks 'Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben' nach der Geschichte von Franz von Kobell ist Michael Lerchenberg bei den Luisenburg-Festspielen ein Meisterwerk gelungen. Das Bühnenbild ist die Felsenkulisse der Luisenburg. Sie wirkt unnachahmlich, als wäre sie eigens für dieses Stück geschaffen. Noch besser wird es, als die Szene 'im Himmel' dargestellt wird. In einem bayerischen Himmel, versteht sich, barock und 'gmüatlich'. Für 'die Preissn' gibts einen eigenen. In der nachgebauten Klosterbibliothek Waldsassen sitzen der Hl. Aventinus und der Erzengel Michael, zusammen mit dem Heiligen Nantwein von Wolfratshausen, beim Kartenspielen. Zwei 'Atlanten', lebensgroß wie in der 'echten' Stiftsbibliothek, tragen nicht nur die Empore, sondern mischen sich auch immer wieder in das Geschehen ein. Ein großes Himmelstor ergebt sich aus dem Felsenlabyrinth, farbenprächtig tummeln sich Nonnen, Heilige und kleine Engel, und sogar ein 'Münchner im Himmel' ist auf seiner Wolke zu finden. Dass links unten auch gleich der Eingang zur Hölle ist (mit der Aufschrift: 'Stündlich Aufguss', als wäre es eine Sauna) und der Teufel wartend am Eingang sitzt, verpasste der ganzen Szenerie einen besonderen Charme. Überall Witz und Einfallsreichtum. Ob der Name des Bühnenbildners Peter Engel dabei wohl eine Rolle gespielt hat? Die Zuschauer waren nah am Geschehen, besonders, als der Tod und der Brandner Kaspar auf dem Weg ins Jenseits durch die Sitzreihen stürmten. Szenenapplaus und viele Lacher belohnten die Hauptdarsteller und das gesamte Ensemble für ihre glänzenden schauspielerischen Leistungen. Besonders spaßig wirkte Jürgen Fischer als super durchtrainierter, strenger, aber auch schnell beleidigter Erzengel Michael mit einem imposanten Flammenschwert, der am Ende die Welt nicht mehr versteht, weil es keine Rache für den 'B'schiss' gibt. Weitere Fotos von Gabriele Glaubitz |