| Jessica Higgins Statt einer Biographie die Laudatio von Cosima Lutz zur Verleihung des Rosenthal-Nachwuchspreises 2005: Jahrmillionen der Erdgeschichte und Nachwuchsförderung wie gut das zusammenpasst, wird wohl nirgendwo klarer als hier auf der Luisenburg, wo junge Ausnahmetalente groß waren, bevor sie im gesamten deutschsprachigen Raum noch größer, bekannter, ja prägend geworden sind. Jessica Higgins, die wir heute abend ehren wollen, nimmt es nicht nur einfach mit den Felsen auf, die auf einmal ganz leise wirken, als würden sie ihr zuhören, und die ihr, sozusagen in gegenseitigem Respekt, die Bühne überlassen. Als Beatrice in Goldonis "Der Diener zweier Herren" balanciert sie schillernd androgyn zwischen verletzlichem Mann und starker Frau, verletzlicher Frau und starkem Mann, ohne in Macho- oder Weibchen-Klischees zu kippen; und wer sie dann noch als "Hodel" in "Anatevka" erlebt, mag beim Anblick dieses einfachen, klugen, anmutigen Mädchens über die fast schon unheimliche Verwandlungskunst Higgins' erstaunt und erschüttert sein. Und wenn man sich dieses brillante Spiel der Gegensätze auf dieser Bühne der Abgründe und lieblichen Höhen so anschaut, fügen sich auch Higgins' Lebens- und Arbeitsorte zumindest geographisch ins spannungsvolle Ganze: Geboren 1976 im nicht allzu bergigen Lüneburg, folgte erst einmal britisches Inseldasein: Nach dem Schulabschluþ am Oxford College of Further Education blieb sie tief im Landesinneren nahe der Alpen hängen, besuchte die Otto-Falckenberg-Schule in München. Schon als Schauspielschülerin war sie in den Münchner Kammerspielen zu sehen. Ihr erstes Engagement verschlug sie dann an die Ostsee, nämlich ans Volkstheater Rostock, von da ging es ans Theater Bielefeld, mehrere Gastspiele führten sie wieder nach München, diesmal ans Volkstheater, wo sie in Inszenierungen von Markus Völlenklee und Katharina Thalbach mitwirkte. Bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs spielte Jessica Higgins im Sommer 2003 unter der Regie von Ruth Drexel das Gretchen im "Urfaust"; weitere Stationen waren das Metropoltheater, das Akademietheater und das Theater der Jugend in der Schauburg in München. 2004 gab Jessica Higgins ihr Luisenburg-Debüt als Hodel in "Anatevka" und als Rosalind in "Wie es Euch gefällt". A propos gefällt: Der Jury hat so vieles gefallen, und doch hat sie ihr Urteil zu fällen; und aus den allesamt beeindruckenden Jungschauspielerinnen und -schauspielern hat die Jury sich entschieden, den Rosenthal-Nachwuchspreis Jessica Higgins zuzuerkennen. Im Namen der Jury - das sind außer Intendant Michael Lerchenberg die Theaterkritikerinnen Christine Diller vom Münchner Merkur, Dr. Beate Kayser von der "tz" München, Anastasia Poscharsky-Ziegler vom Weidener "Neuen Tag", der Theaterkritiker Michael Thumser von der "Frankenpost" Hof und ich, Cosima Lutz von der Welt, - im Namen der Jury also freue ich mich ganz besonders, Jessica Higgins zum Rosenthal-Nachwuchspreis, der mit 1000 Euro dotiert ist, zu gratulieren. Für ihre Zukunft als Schauspielerin wünschen wir ihr weiterhin viel Erfolg! | |