Caroline Hetényi

Statt einer Biogaphie die Laudatio von Anastasia Poscharsky-Ziegler zum Nachwuchspreis der Festspielstadt Wunsiedel 2010:

Die Dachauerin (Jahrgang 1980) diplomierte an der Abraxas Musical Akademie München, und bildete sich zeitgleich intensiv in den Bereichen Oper und Operette fort. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie bis 2006 bei Ruth Wohlschlegel in München. Im Jahr 2008 konnte sie an der "Sommerakademie für bairisches Volksschauspiel“ teilnehmen, ein Elitestudiengang für junge, herausragend begabte, bairische Schauspieler.

Erstmals auf den "Grünen Hügel" der Luisenburg kam Caroline Hetényi im Jahr 2007 als Souffleuse für die Inszenierung des "Faust". Intendant Michael Lerchenberg erinnert sich hierbei an eine fleißige Mitarbeiterin, die diese Gelegenheit auch nutzte, zuzuschauen, zuzuhören und vor allem dazuzulernen.

Zwei Jahre später gab Hetényi mädchenhaft und anrührend die Solvejg in "Peer Gynt", wirkte in der "Mutter Courage" und im Familienstück "Michel aus Lönneberga" mit. Im "Brandner Kaspar" sprang sie 2009 innerhalb einer Viertelstunde für die plötzlich erkrankte Darstellerin der Marei ein, und bewältige ihren Part am ersten Abend noch mit Manuskript, am zweiten bereits textlich souverän und mit einer individuellen Interpretation der Rolle.

Es ist die ungeheure Bandbreite und Vielseitigkeit, mit der Caroline Hetényi in diesem Jahr auf die Preisjury tiefen Eindruck machte: einmal als die vom Vater missbrauchte Bauerntochter Barbara im ernsten Kimi-Volksstück "Tannöd", das andere Mal als die auf einem qualmenden Staubsauger reitende Muhme Rumpumpel im Familienstück "Die kleine Hexe". Im der "Rocky Horror Show" wirkt sie in einer kleinen, aber dafür unvergesslichen Rolle als hochschwangere hektische Braut mit sowie in den zahlreichen Ensembleszenen.

Caroline Hetényi weiß sowohl auf dem schwierigen Terrain der verletzten, stillen Verhaltenheit mit starker Bühnenpräsenz zu bestehen, wie auch leidenschaftlich ihr großes komödiantisches und musikalisches Talent auszuspielen. Ihre stimmliche Koloraturfähigkeit ist hinreißend.

Den Journalisten in der Jury gefiel in der "Kleinen Hexe" besonders Hetényis gelungene Persiflage einer investigativen Journalistin. Selbst mit einem "Hexenschuß“, versteckt hinter nadelnden Christbäumen, bewaffnet mit einer digitalen Fotokamera, dokumentiert sie heimlich die nicht erwünschten guten Taten der Kleinen Hexe, um sie in der Walpurgisnacht dem entsetzten Hexenrat auf dem Display zu präsentieren.

Trotz dieser effektvollen kabarettistischen Qualität sieht die Jury Caroline Hetényi in Zukunft gerade auch als Tragödin von Rang, da sie über eine besondere sensible Ernsthaftigkeit verfügt.

Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchspreis der Festspielstadt Wunsiedel und alles Gute für eine große Bühnenzukunft, die auf der Luisenburg innerhalb von nur drei Jahren, sozusagen "von der Tellerwäscherin zur Millionärin", von der Souffleuse zur Schauspielpreisträgerin führte.

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