Barbara Lucia Bauer Barbara Bauer spielte in der Saison 2004 die Tonka in Martin Sperrs "Jagdszenen aus Niederbayern" und wurde dafür mit dem Rosenthal-Nachwuchspreis 2004 ausgezeichnet. 2005 kam sie wieder und war als Smeraldina in "Der Diener zweier Herren" sowie die Chava in "Anatveka" zu sehen. 2006 spielte sie an der Seite von Michael Lerchenberg die Zenzi in "Der Wittiber". Danach war sie am Münchner Volkstheater in "Räuber Kneissl" (Regie: Christian Stückl) als Mathilde zu sehen und hat regelmäßig beim Bayerischen Rundfunk für die Sendung "Bayern - Minis" gesprochen. Von 2007 bis 2009 hat Barbara Bauer sich als Ergotherapeutin im Kinder - und Jugendpsychiatrischen Bereich engagiert und war längere Zeit in Indien.2010 kommt sie auf die Luisenburg zurück und spielt die Magd in "Tannöd". Statt einer Biographie die Laudatio von Eva-Maria Fischer: Ich habe nun die Ehre im Namen der Kritiker-Jury, die Gewinnerin des "Rosenthal-Nachwuchspreises" bekanntzugeben, und ich muß gestehen: Es ist für mich auch eine große Freude, denn ich habe ihren Werdegang hautnah miterleben dürfen. Entdeckt hat die außergewöhnlich talentierte und sozial engagierte Schauspielerin Michael Lerchenberg, der neue Intendant der Luisenburg-Festspiele. Das war im Rahmen seiner "Sommerakademie für bairisches Volksschauspiel", über die ich 2001 eine Reportage für die Süddeutsche Zeitung geschrieben habe. Da fiel mir eine junge Frau auf, die in den einzelnen Lehreinheiten recht schüchtern wirkte und doch sobald sie auf der noch so improvisierten Probebühne mit einer Kraft ihre Rollen spielte, die fast körperlich spürbar war. Ihr Energiestrahl pustete die Anwesenden schier um. Eine renommierte Schauspielschule hatte sie vorher nicht absolviert. Sie spielte auf Schul- und Laienbühnen in ihrer Geburtsstadt Eggenfelden im Rottal, liess sich von Privatlehrern, unter anderen von Monika Baumgartner, unterrichten und an der Abraxas-Musicalschule. Ihre Leidenschaft und außergewöhnliche Bühnenpräsenz übertrug sich sofort auf ihre Rollenlehrer und auf die Zuschauer. Bei der Abschlußveranstaltung "Um a Fünferl an Durchanand" spielte sie die Titelrolle in "Magdalena" von Ludwig Thoma überzeugend, überzeugend auch ihre Übertragung des Dialekts. In der Rolle der behinderten Beppi in "Stallerhof" von Franz Xaver Kroetz schlüpfte sie mit einer fast beängstigenden Intensität in die Figur. Für Beppi, ein herumgestoßenes, sprachloses Mädchen, schuf sie Raum und Würde. Im Jahr darauf spielte sie auf der Freilichtbühne der Alten Münze in München, bzw. am Prinzregententheater in Ahlsens bairischer Fassung des "Zerbrochnen Krugs" nach Heinrich von Kleist die Magd Liesl. Eine kleine Rolle nur. Aber ihr gelang es, sie mit Leben zu füllen und mit dem ihr eigenen Charme: Einer weisen Kindlichkeit. Einer liebevollen Trotzigkeit. Einem wissendem Staunen aus ihren braunen Augen. Und es ist erstaunlich: Nach diesem Erfolg und der Präsenz in den Medien, auch im Fernsehen, das viele Talente erbarmungslos schluckt, will die junge Frau nach Mittelamerika und Straßenkindern helfen. Sie studiert zwar Theaterwissenschaft und Spanisch, hat aber damit andere Pläne als die übrigen Studenten. Sie lässt sich zur Ergotherapeutin ausbilden und will ihr soziales Engagement mit ihren Theatererfahrungen verbinden. Sie kann nicht verbergen, wie wesentlich das Spielen zu ihr gehört. Die Figur der Tonka in den "Jagdszenen aus Niederbayern" von Martin Sperr interpretiert sie vielschichtig, ja wahrhaftig. Ihre Rolle verlangt ihr viel Mut ab, viele seelischen Facetten und Opferbereitschaft. Und eine spezifische niederbayerische Wesenheit, wie sie Lautensack, Kroetz, Sperr, Achternbusch kultiviert haben: Elementargewalt. Manchmal sind es aber auch elementare Gewalten, denen sie sich unterordnen muß, manchmal sogar genervt und maulend. Im brütend heißen Sommer 2002 spielte sie Freilicht ließ sie Michael Lerchenberg in der traditionellen Dachauer Wintertracht auftreten, aus Loden und dicker Wolle. Während der verregneten Probenzeit musste sie jetzt in Wunsiedel im Minirock und Häkelleibchen schlottern. Auch für die Abhärtung gebührt der Preisträgerin alle Ehre. Ich freue mich in Namen von Sabine Dultz vom Münchner Merkur, Reinhard Wengierek von der Berliner Morgenpost, Tobias Wolff von der Leipziger Volkszeitung, Michael Thumser von der Frankenpost und dem Intendanten Michael Lerchenberg, der Preisträgerin herzlich zu gratulieren. Unser Votum war einstimmig. Der Rosenthal-Nachwuchspreis geht an: BARBARA LUCIA BAUER. |