ANATEVKA

"Fiddler on the Roof" • Musical nach den Erzählungen "Tevje, der Milchmann“ von Sholem-Alejchem (1859 - 1916) von Joseph Stein (Buch), Jerry Bock (Musik) und Sheldon Harnick (Gesangstexte) - in New York uraufgeführt von Jerome Robbins, produziert von Harold Prince - Deutsch von Rolf Merz Rolf Merz & Gerhard Hagen •Musikalische Arrangements für kleine Besetzung: Hans-Georg Wilhelm

Musikalische Leitung: Henning Kussel • Regie: Karl Absenger • Bühne & Kostüme: Tamara Oswatitsch • Choreographie. Rosita Steinhauser • und "Aliya"

mit Günter Mack als Tevje und Barbara L. Bauer, Gabriele Dossi, Gisela Ehrensperger, Jessica Higgins, Josefine Merkatz, Uschi Reifenberger Karl Absenger, Michael Boettge, Jürgen Fischer, Richard Panzner, Roman Weltzien, Gerhard Wittmann, Christoph Zauner, Günter Ziegler u.a.

Anatevka, ein kleines "Schtetl“ in der Ukraine kurz vor der Revolution von 1905, ist Schauplatz der berühmten Geschichten von Tevje, dem Milchmann, erzählt von dem berühmtesten Dichter des Jiddischen und Chronisten der Schtetl-Kultur Sholem Alejchem.

Tevje, ein frommer, humorvoller Mann ist mit mehrerem geschlagen, unter anderem mit "einem Stall voller“ Töchter, die es zu verheiraten gilt. Und natürlich wollen die Töchter nicht so, wie der Vater will, für den es nur die Tradition als Maßstab gibt: "Dank unserer Tradition haben wir bisher unser Gleichgewicht seit vielen, vielen Jahren gehalten... Und auf Grund dieser Traditionen weiß hier jeder, was er zu tun und zu lassen hat und was der liebe Gott von ihm erwartet...“. Aber Tevje trägt sogar mit Fassung, daß er gezwungen wird, tolerant zu sein und von der Tradition auch einmal abzugehen. Allein diese Flexibilität (wie man es heute nennen würde) nützt Tevje nichts mehr. Die Zeit ist aus den Fugen und bricht mit Vertreibung und Zerschlagung der Kultur ein. Bleibt Tevjes Zweifel und Hoffnung, ob und daß es der "neuen Zeit“ gelingen möge, wie dem "Fiddler auf dem Dach“, das Gleichgewicht zu finden und zu halten, sprich ein neues Wertesystem. Das ist die Botschaft des Stückes an uns heute, die auch wir in einer Zeit des Umbruchs, der "Überwindung“ von Traditionen leben...

 

Mit dem Tevje in "Anatevka" ist Günter Mack noch einmal zurückgekommen auf die Luisenburg. Er war ein echtes "Theaterpferd" und scheute weder Mühen noch Wetterunbillen, stand mit seinen damals 75 Jahren allabendlich auf der Bühne und hat das Publikum so begeistert, daß es eine der ganz seltenen Wiederaufnahmen geben mußte. So wie er gelebt hat, so hat sich Günter Mack mit dieser Rolle vom Theater verabschiedet. Jetzt, am 27. März 2007, nicht einmal zwei Jahre später, ist er gestorben.

Wir trauern um ihn, um einen beliebten Kollegen und um einen großen Schauspieler.