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Ron Williams auf Toleranz-Tour

Der Entertainer, Sänger und Schauspieler Ron Williams kämpft gegen Rassismus an. In der Wunsiedler Realschule erzählt er aus seinem Leben. Der 69-Jährige ist froh, "dass der braune Dreck endlich weg ist".

"Hallo Guys, come on, wake up!" Während sich die Neuntklässler fast verschüchtert in die Stühle pressen, sprüht der Typ mit der dunklen Haut vorn am Pult vor Esprit, Charme, Witz und Energie. Kein Geringerer als der international bekannte Entertainer, Schauspieler und Sänger Ron Williams gibt den Jugendlichen eine exklusive Unterrichtsstunde in Sachen Rassismus, worunter das Multitalent schon als Kind im heimatlichen Kalifornien leiden musste. Und als er mit seinem Song "It can move you too" mit röhriger Soulstimme die Wände des Musiksaals in der Wunsiedler Sigmund-Wann-Realschule regelrecht erzittern lässt, scheinen die Schüler plötzlich wach.
Der 69-Jährige, dessen großes Vorbild der Freiheitskämpfer Martin Luther King ist, wird nicht müde, in den Spuren seines Idols zu wandeln. Versucht tagtäglich mit Hilfe seiner Berühmtheit gegen rechtsextremes Gedankengut anzukämpfen, Jugendliche aufzuklären, dass alle Menschen gleich sind, egal welche Hautfarbe sie haben. Dass Williams ausgerechnet an jenem Tag in der Wunsiedler "Schule gegen Rassismus" zu Gast ist, an dem die Frankenpost darüber berichtet, dass der Kriegsverbrecher Rudolf Heß nicht mehr in Wunsiedel begraben liegt, spornt den Entertainer nur noch mehr an: "Bei den 'Blues Brothers' auf der Luisenburg singe ich ,Der braune Dreck muss weg', und jetzt ist der Dreck von Heß wirklich endlich weg. Das war stark, zu hören."
Natürlich habe ihn die Rolle gereizt, als Intendant Michael Lerchenberg ihn angerufen hat, um bei den "Blues Brothers" u.a. den großen Ray Charles zu geben. "Aber ich habe schon vorher von Wunsiedel gehört und der Vertreibung der braunen Ewiggestrigen durch couragierte Bürger eurer Stadt mit dem Bürgermeister Beck an der Spitze. Und als 'Mensch mit Migrationshintergrund' hat es mich interessiert, in die Stadt zu kommen, wo Intoleranz und Rassismus keinen Platz haben", verdeutlicht Ron Williams seine Beweggründe, die ihn letztlich ins Fichtelgebirge geführt haben. Und da im Film wie auf der Felsenbühne Nazis eine Rolle spielen und auch der Wunsiedler Widerstand von Regisseur Lerchenberg in Szene gesetzt wird, fühlt sich der 69-Jährige, dem man sein Alter beim besten Willen nicht ansieht, bestens in der wehrhaften Stadt aufgehoben.
Williams, der in den 60er-Jahren nach Deutschland gekommen ist, will junge Menschen wachrütteln, sie Toleranz und Respekt lehren. Und es ist mucksmäuschenstill, als er erzählt aus seinem Leben im kalifornischen Oakland, "wo ich der einzige Schwarze in einer Stadt war". Jeden Tag musste Ron Williams Beleidigungen über sich ergehen lassen: "Geh' zurück nach Afrika!", "Was hast du für gekräuselte Haare, und die dunkle Haut!"
All das gab dem jungen Ron zu denken, doch unterbuttern ließ er sich nicht: "Meine Art, mich zu wehren, war mein Mundwerk. Und man muss mit den Augen Kontakt aufnehmen - ohne Angst und Scheu." Denn als Williams ein junger Kerl war, passierte es im rassistischen Amerika schon häufig, dass Farbige bei Blickkontakt mit Weißen, speziell mit Frauen, misshandelt oder gar totgeschlagen wurden. "Wir durften nur Hintereingänge benutzen und mussten im Bus hinten sitzen."
Man müsse sich nicht lieben, "aber man muss neugierig auf den anderen Menschen sein", gibt der Schauspieler den Schülern mit auf den Weg. "Es ist niemand minderwertig, nur weil er eine dunkle Hautfarbe hat." In seinem Heimatland seien noch immer viele Menschen rassistisch eingestellt, bedauert er. "Ich hoffe, ihr habt begriffen, dass sich die Stadt Wunsiedel gegenüber den Rechten behauptet hat, weil ihr euch dagegen gestellt habt."
Als er Anfang der 60er-Jahre nach Deutschland kommt, ist das braune Gedankengut nach Hitlers vernichtendem Krieg noch weit verbreitet, erinnert sich Ron Williams. "Eure Generation schafft Brücken zu den Schwarzen, indem ihr eine gemeinsame Musik, einen gleichen Lifestyle habt", macht sich der politisch engagierte Entertainer Hoffnung. Allerdings weiß er, "dass es in Deutschland noch große Unterschiede gibt". Im Osten der Republik sei er nach etlichen Bedrohungen stets mit zwei Bodyguards unterwegs.
Keiner müsse kulturelle Werte aufgeben, auch wenn sich die Völker mischen. "Ihr müsst mit Augenmaß tolerant sein. Und wer nach Deutschland kommt, muss auch die Sprache lernen", findet Ron Williams, der sich Deutsch selbst beigebracht hat. "Riskiert mal einen Abend beim Türken, schaut mit ihm ein Fußballspiel an, esst mit ihm, seid neugierig", ermuntert der 69-Jährige die Jugendlichen.
Und dann weist er ihnen musikalisch den Weg mit "It can move you too", nachdem er seinen Kaugummi aus dem Mund gefieselt und kurzerhand auf das Kaffeesahne-Päckchen gepappt hat: "Amis und Kaugummis - klar!"

Und er hofft, dass die Schüler beim nächsten Mal ein wenig neugieriger sind und Fragen stellen. "Denn ich komme nächstes Jahr wieder, wenn die 'Blues Brothers' wiederholt werden. Die Show müsst Ihr Euch unbedingt ansehen, das ist der größte Hit in der Geschichte der Luisenburg." Auch hier geht es trotz aller Turbulenzen um Gerechtigkeit - das große Thema im Leben des Ron Williams.